Der Haflinger

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Der Haflinger  
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Der Haflinger [1/2], [2/2]
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Ein Pferd für alle Fälle
Häufig belächelt und vielfach unterschätzt gehören die Füchse mit der hellen Mähne zu den vielseitigsten Pferden der Welt. Sie sind auf allen Kontinenten zu Hause und Experten schätzen ihre Zahl auf etwa eine Viertelmillion weltweit. In Deutschland stellen sie mit etwa 10.000 eingetragenen Zuchtstuten und über 500 Hengsten die größte Rassegruppe in der Kleinpferdezucht. Da jedoch nur die Zuchtpferde bei den Verbänden eingetragen sind, darf man sicher von 40.000 bis 50.000 Blondschöpfen ausgehen, die sich in deutschen Ställen und auf deutschen Weiden tummeln. Über die Entstehung der Haflinger Rasse gibt es viele unterschiedliche Ansichten. Fest steht jedoch, dass die Wiege der Haflinger Pferde vor circa 1300 Jahren im heute zu Italien gehörenden Südtirol stand. Die Bergregionen um Bozen und Meran, das Vinschgau, die Hochflächen auf dem Ritten und am Tschoggelberg gehörten zu den Keimzellen dieser Pferderasse, die dem kleinen Bergdorf Hafling ihren Namen verdankt. Eine neue Pferderasse entsteht jedoch nicht über Nacht, sie ist ein Produkt der Scholle, auf der sie entsteht. So war es auch beim „Haflinger". Landstuten der Region wurden mit dem Hengst 249 Folie, einem Sohn des Vollblutarabers „El Bedavi", angepaart und es entwickelte sich ein Pferdeschlag, den die Einheimischen „Haflinger" nannten und der sich besonders gut als Tragtier für die Bergbauern eignete. In den 130 Jahren ihres Bestehens nahm die Zucht des Haflinger Pferdes eine wechselvolle Geschichte. Als Tragtier für die Bergbauern entstanden, diente er auch der Wehrmacht als unverzichtbares Packpferd in schwierigem Gelände. Noch heute stehen Haflinger im Dienst der Gebirgsjäger. Es folgte sein Einsatz als Wirtschaftspferd in der Landwirtschaft und damit auch seine Verbreitung in den Mittelgebirgs- und Flachlandregionen Deutschlands. Hier wurde er bald im Zuge der Mechanisierung durch den Traktor abgelöst und es entwickelte sich seine heutige Verwendung als Familien- und Freizeitpferd. All diese Entwicklungsstufen haben natürlich Spuren im Wesen des Haflingers hinterlassen, die es heute für den jeweiligen Einsatzbereich zu nutzen gilt. Im Bereich des Gespannfahrens liegt sicher eine der größten Stärken des Haflingers. Hier hat er nicht nur im Freizeitbereich viele Freunde gewonnen, sondern konnte sich auch in den Turniersportdisziplinen hervorragend - bis hin zu nationalen und internationalen Meisterschaften - durchsetzen. Im Reitsport stand zunächst die Dressur - bis hin zur Klasse M - im Vordergrund, aber auch in Springprüfungen ist der Haflinger heute immer häufiger zu finden. Gute Chancen haben diese kleinen Kraftpakete natürlich auch in Vielseitigkeitsprüfungen. Hier können sie ihre gute Dressurveranlagung und den sicheren Umgang mit Geländehindernissen voll ausspielen, und das stabile Gebäude sorgt für die nötige Kraft auf der Geländestrecke. Wander- und Trekkingreiter schätzen den Haflinger wegen seines ausgeglichenen Temperaments, des angenehmen Charakters und der enormen Leistungsbereitschaft. Dem Wanderreiter kommt besonders die Konstruktion des Haflingers entgegen, der als ausgezeichneter Gewichtsträger in der Lage ist, sowohl das Reitergewicht als auch einiges an Ausrüstung zu tragen, und wird mehr Ausrüstung benötigt, kann ein Haflinger auch als Packpferd eingesetzt werden. In seiner Heimat Südtirol wird das Haflinger Pferd gern bei Trab- und Galopprennen eingesetzt. Die Rennveranstaltungen zu Ostern in Meran sind für Pferdefreunde ein unvergessliches Erlebnis. All diese Verwendungsmöglichkeiten zeigten die Haflinger im Herbst 2003 im sportlichen Wettstreit bei einem Europachampionat, das im österreichischen Stadl Paura ausgetragen wurde. Haflingersportler aus sechs Nationen waren nach Oberösterreich gekommen, um die Leistungen ihrer blonden Vierbeiner unter Beweis zu stellen. Besondere Publikumsmagnete waren die Trabund Galopprennen sowie die Geländeprüfungen der Gespanne und die Vielseitigkeit mit den Geländeprüfungen der Reiter, die bis zur letzten Reiterin an Spannung kaum zu überbieten war. Auch die Championatsbewerbe der Springreiter und der Dressurreiter wurden vom fachkundigen Publikum leidenschaftlich verfolgt. Die Zeit, in der man den Haflinger ausschließlich vor dem Ackerwagen und als Tragtier im Gebirge antreffen konnte, ist längst vorbei. Er ist ein ernst zu nehmender Partner in Freizeit und Sport geworden. Beim Dressurreiten stoßen oftmals die Haflinger nicht so schnell an die Grenzen wie ihre Reiter. Für 89 Prozent aller Dressurreiter in Deutschland würde ein gut ausgebildeter Haflinger ohnehin reichen, denn sie gehören laut FN-Statistik den Leistungsklassen 5 und 6 an, und hier geht es um die Startberechtigung in den Klassen E, A und L, also um Aufgaben, die jeder Haflinger mit guter Ausbildung leicht bewältigen kann. Vor diesem Hintergrund verlieren die Streitereien um Reinzucht und arabische Blutanteile schnell an Bedeutung. Was hier zählt, ist Leistungsbereitschaft und ein verlässlicher Charakter bei einer guten Optik. Die Züchter sind gut beraten, wenn sie nur mit den besten, auf ihre Leistung hin geprüften Stuten und Hengsten züchten, der Nachzucht eine solide Grundausbildung angedeihen lassen, um sie dann in einem marktgerechten Zustand und Umfeld den Käufern anzubieten. Nach modernen Gesichtspunkten gezüchtete, gewissenhaft und artgerecht aufgezogene und reell ausgebildete Haflinger sind ein idealer Partner für Freizeit und Sport, für den der Käufer auch bereit ist, einen ordentlichen Preis zu zahlen. 2.000 bis 3.000 Euro muss ein ordentlich gerittener oder gefahrener Haflinger schon kosten. Bei Angeboten, die deutlich im Preis darunter liegen, sollte man schon etwas genauer hinschauen. Für hoch veranlagte Sport- und Zuchtpferde muss der Käufer auch schon mal 8.000 bis 10.000 Euro hinblättern, für Hengste auch bis zu 20.000 Euro. Dafür hat er dann aber auch ein verlässliches und langlebiges Zuchtoder Sportpferd. Die schiefen Blicke und die dummen Sprüche von Großpferdereitern gibt es zwar immer noch, doch sind sie nach den sportlichen Erfolgen der „Blonden" im Turniersport deutlich weniger geworden. Und welche sportlichen Erfolge mit den vielseitig einsetzbaren Haflinger Pferden zu erreichen sind, macht eine Auswertung der Jahrbücher Zucht und Sport der FN deutlich, die jährlich im März in der Zeitschrift Haflinger aktuell veröffentlicht wird. In der „ewigen Bestenliste" der Sporthaflinger liegen die Lebensgewinnsummen der Spitzenpferde zwischen 5.000 und 10.000 Euro, mit Jahresgewinnen von bis zu 1.600 Euro. 667 Haflinger waren es im Turnierjahr 2002, die zusammen 81.260 Euro verdienten. Informationen zum Haflinger Pferd gibt es regional bei den Landes-Pferdezuchtverbänden und den regionalen Haflinger-Interessengemeinschaften. Ein umfangreiches Verzeichnis finden Sie im Internet unter www.haflinger-online.de. Diese Liste kann auch schriftlich angefordert werden bei: Haflinger online Niehorster Str. 16 33334 Gütersloh Text: Ulrich Wulf Fotos: Denise Senkhorst-Wulf  
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