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| Der Haflinger
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Ein Pferd für alle Fälle Häufig belächelt und vielfach unterschätzt
gehören die Füchse mit der hellen Mähne
zu den vielseitigsten Pferden der Welt. Sie
sind auf allen Kontinenten zu Hause und
Experten schätzen ihre Zahl auf etwa eine
Viertelmillion weltweit. In Deutschland stellen
sie mit etwa 10.000 eingetragenen Zuchtstuten
und über 500 Hengsten die größte
Rassegruppe in der Kleinpferdezucht. Da
jedoch nur die Zuchtpferde bei den Verbänden
eingetragen sind, darf man sicher
von 40.000 bis 50.000 Blondschöpfen ausgehen,
die sich in deutschen Ställen und auf
deutschen Weiden tummeln. Über die Entstehung
der Haflinger Rasse gibt es viele unterschiedliche
Ansichten. Fest steht jedoch,
dass die Wiege der Haflinger Pferde vor circa
1300 Jahren im heute zu Italien gehörenden
Südtirol stand. Die Bergregionen um
Bozen und Meran, das Vinschgau, die Hochflächen
auf dem Ritten und am Tschoggelberg
gehörten zu den Keimzellen dieser
Pferderasse, die dem kleinen Bergdorf Hafling
ihren Namen verdankt.
Eine neue Pferderasse entsteht jedoch nicht
über Nacht, sie ist ein Produkt der Scholle,
auf der sie entsteht. So war es auch beim
„Haflinger". Landstuten der Region wurden
mit dem Hengst 249 Folie, einem Sohn des
Vollblutarabers „El Bedavi", angepaart und
es entwickelte sich ein Pferdeschlag, den
die Einheimischen „Haflinger" nannten und
der sich besonders gut als Tragtier für die
Bergbauern eignete.
In den 130 Jahren ihres Bestehens nahm die
Zucht des Haflinger Pferdes eine wechselvolle
Geschichte. Als Tragtier für die Bergbauern
entstanden, diente er auch der Wehrmacht
als unverzichtbares Packpferd in
schwierigem Gelände. Noch heute stehen
Haflinger im Dienst der Gebirgsjäger. Es
folgte sein Einsatz als Wirtschaftspferd in
der Landwirtschaft und damit auch seine
Verbreitung in den Mittelgebirgs- und Flachlandregionen
Deutschlands. Hier wurde er
bald im Zuge der Mechanisierung durch
den Traktor abgelöst und es entwickelte sich
seine heutige Verwendung als Familien- und
Freizeitpferd.
All diese Entwicklungsstufen haben natürlich
Spuren im Wesen des Haflingers hinterlassen,
die es heute für den jeweiligen
Einsatzbereich zu nutzen gilt.
Im Bereich des Gespannfahrens liegt sicher
eine der größten Stärken des Haflingers.
Hier hat er nicht nur im Freizeitbereich viele
Freunde gewonnen, sondern konnte sich
auch in den Turniersportdisziplinen hervorragend
- bis hin zu nationalen und internationalen
Meisterschaften - durchsetzen.
Im Reitsport stand zunächst die Dressur
- bis hin zur Klasse M - im Vordergrund,
aber auch in Springprüfungen ist der Haflinger
heute immer häufiger zu finden. Gute
Chancen haben diese kleinen Kraftpakete
natürlich auch in Vielseitigkeitsprüfungen.
Hier können sie ihre gute Dressurveranlagung
und den sicheren Umgang mit Geländehindernissen
voll ausspielen, und das stabile
Gebäude sorgt für die nötige Kraft auf
der Geländestrecke.
Wander- und Trekkingreiter schätzen den
Haflinger wegen seines ausgeglichenen Temperaments,
des angenehmen Charakters und
der enormen Leistungsbereitschaft. Dem
Wanderreiter kommt besonders die Konstruktion
des Haflingers entgegen, der als
ausgezeichneter Gewichtsträger in der Lage
ist, sowohl das Reitergewicht als auch
einiges an Ausrüstung zu tragen, und wird
mehr Ausrüstung benötigt, kann ein Haflinger
auch als Packpferd eingesetzt werden.
In seiner Heimat Südtirol wird das Haflinger
Pferd gern bei Trab- und Galopprennen
eingesetzt. Die Rennveranstaltungen
zu Ostern in Meran sind für Pferdefreunde
ein unvergessliches Erlebnis.
All diese Verwendungsmöglichkeiten zeigten
die Haflinger im Herbst 2003 im sportlichen
Wettstreit bei einem Europachampionat,
das im österreichischen Stadl Paura
ausgetragen wurde. Haflingersportler aus
sechs Nationen waren nach Oberösterreich
gekommen, um die Leistungen ihrer blonden
Vierbeiner unter Beweis zu stellen. Besondere
Publikumsmagnete waren die Trabund
Galopprennen sowie die Geländeprüfungen
der Gespanne und die Vielseitigkeit
mit den Geländeprüfungen der Reiter, die
bis zur letzten Reiterin an Spannung kaum
zu überbieten war. Auch die Championatsbewerbe
der Springreiter und der Dressurreiter
wurden vom fachkundigen Publikum
leidenschaftlich verfolgt.
Die Zeit, in der man den Haflinger ausschließlich
vor dem Ackerwagen und als Tragtier
im Gebirge antreffen konnte, ist längst
vorbei. Er ist ein ernst zu nehmender Partner
in Freizeit und Sport geworden. Beim
Dressurreiten stoßen oftmals die Haflinger
nicht so schnell an die Grenzen wie ihre
Reiter. Für 89 Prozent aller Dressurreiter in
Deutschland würde ein gut ausgebildeter
Haflinger ohnehin reichen, denn sie gehören
laut FN-Statistik den Leistungsklassen 5 und
6 an, und hier geht es um die Startberechtigung
in den Klassen E, A und L, also um
Aufgaben, die jeder Haflinger mit guter Ausbildung
leicht bewältigen kann. Vor diesem
Hintergrund verlieren die Streitereien um
Reinzucht und arabische Blutanteile schnell
an Bedeutung. Was hier zählt, ist Leistungsbereitschaft
und ein verlässlicher Charakter
bei einer guten Optik.
Die Züchter sind gut beraten, wenn sie nur
mit den besten, auf ihre Leistung hin geprüften
Stuten und Hengsten züchten, der
Nachzucht eine solide Grundausbildung
angedeihen lassen, um sie dann in einem
marktgerechten Zustand und Umfeld den
Käufern anzubieten. Nach modernen Gesichtspunkten
gezüchtete, gewissenhaft und
artgerecht aufgezogene und reell ausgebildete
Haflinger sind ein idealer Partner für
Freizeit und Sport, für den der Käufer auch
bereit ist, einen ordentlichen Preis zu zahlen.
2.000 bis 3.000 Euro muss ein ordentlich
gerittener oder gefahrener Haflinger
schon kosten. Bei Angeboten, die deutlich
im Preis darunter liegen, sollte man schon
etwas genauer hinschauen. Für hoch veranlagte
Sport- und Zuchtpferde muss der
Käufer auch schon mal 8.000 bis 10.000
Euro hinblättern, für Hengste auch bis zu
20.000 Euro. Dafür hat er dann aber auch
ein verlässliches und langlebiges Zuchtoder
Sportpferd.
Die schiefen Blicke und die dummen
Sprüche von Großpferdereitern gibt es zwar
immer noch, doch sind sie nach den sportlichen
Erfolgen der „Blonden" im Turniersport
deutlich weniger geworden. Und welche
sportlichen Erfolge mit den vielseitig
einsetzbaren Haflinger Pferden zu erreichen
sind, macht eine Auswertung der Jahrbücher
Zucht und Sport der FN deutlich, die jährlich
im März in der Zeitschrift Haflinger aktuell
veröffentlicht wird. In der „ewigen Bestenliste"
der Sporthaflinger liegen die Lebensgewinnsummen
der Spitzenpferde zwischen
5.000 und 10.000 Euro, mit Jahresgewinnen
von bis zu 1.600 Euro. 667 Haflinger
waren es im Turnierjahr 2002, die
zusammen 81.260 Euro verdienten.
Informationen zum Haflinger Pferd gibt es
regional bei den Landes-Pferdezuchtverbänden
und den regionalen Haflinger-Interessengemeinschaften.
Ein umfangreiches
Verzeichnis finden Sie im Internet unter
www.haflinger-online.de. Diese Liste kann
auch schriftlich angefordert werden bei:
Haflinger online Niehorster Str. 16 33334
Gütersloh
Text: Ulrich Wulf
Fotos: Denise Senkhorst-Wulf |
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