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| Barockreiterei & Barockpferde
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Textversion:
Barockes Reiten Im Barock endete die Zeit der
Reiterei im Nahkampf zu Pferde.
Fürsten und Könige zogen sich
vom Schlachtfeld zurück. Reiten
wurde zur Kunst. Man brillierte
zu Pferde und stellte sich dar .Die
eigentliche Freizeitreiterei begann.
In dieser Zeit spiegelte sich in der
Kunst das Konkrete und Klassische
wieder. Die Kunst hatte einen
Bezug zur Wirklichkeit, die
sich in Schönheit und Ordnung
der Natur äußerte, bestimmt von
den Gesetzen des Gleichgewichts
und des Lichts. Es herrschte
Logik und Symmetrie. Später
im Klassizismus bestimmt die
Kunst Chaos, Verwirrung und
Dunkelheit. Wie man das Gefühl
hat, dass moderne Gemälde, Möbel
oder Architektur mit der Zeit
unansehnlich werden, wirken
klassische Werke jedoch schöner
und wertvoller. So soll es auch
in der Reitkunst sein. Das Pferd
soll durch das Gerittenwerden
schöner und anmutiger werden.
Die Kunst des Schulreitens erreichte
ihren Höhepunkt unter
Ludwig dem XIIII am Hof von Versailles
in Frankreich. Bis zum
Zerfall des alten Europa durch
die napoleonischen Kriege in Italien,
Portugal, Frankreich,
Preußen, Österreich, Böhmen,
Dänemark, Schweden, Spanien,
Holland usw. spielte das Reiten
in einer Halle oder Bahn eine wesentliche
Rolle im Leben bei Hofe.
Reitmeister ,die im Dienste
des Königs oder anderem Monarchen
standen, wurden durchaus
als Künstler anerkannt. Sie
dienten in gleichem Masse dem
Ansehen des Monarchen, wie
auch der Hofmaler oder Hofmusikant.
Oftmals hatten sie unter
allen Bediensteten am Hofe den
höchsten Rang inne.
Viele Begriffe wurden aus dem
französischen für bestimmte Lektionen
übernommen, die auch
heute noch nicht durch andere
ersetzt wurden z.B. Piaffe ( in den
Hanken gesetztes Pferd, das mit
aufgewölbtem Rücken in der Fußfolge
des Trabes sich fast auf der
Stelle mit leichter Vorwärtstendenz
bewegt) oder z.B. Traversale
(in Bewegungsrichtung gebogenes
Pferd, das mit dem
äußeren Hinterfuß unter das Reitergewicht
tritt).
Viele Lektionen, die uns heute in
der Dressurreiterei und der hohen
Schule bekannt sind, hatten
im Nahkampf zu Pferde den
Zweck des Manövrierens. Sämtliche
Seitwärtsbewegungen,
Pirouetten in verschiedenen
Gangarten, Terr a Terr (eine Art
Galopp auf der Stelle oder sogar
rückwärts) Schulen über der Erde
wie
Levade, Courbette oder Kapriole
(das gezielte Ausschlagen mit
beiden Hinterbeinen aus dem
Sprung oder im Stand) dienten
zur Abwehr oder zum Angriff des
Gegners.
Die Zügel in der linken Hand, die
Waffe in der rechten, das Pferd
auf Kandare gezäumt, wurde vor
allem durch Schenkelhilfen und
Gewichtsverlagerung geritten.
Im Barock wurde die Waffe durch
eine senkrecht erhobene Naturholzgerte
ersetzt.
Die Wendigkeit eines Schulpferdes
wurde nicht mehr als
Kampfmittel eingesetzt. Es verschwand
der Selbstzweck.
Ästhetische Aspekte gewannen
an Bedeutung. Zeit spielte dabei
keine Rolle. Den Charme und
Ausdruck des Pferdes ,die Geschmeidigkeit
und Elegance auf
engem Raum galt es zum Ausdruck
zu bringen.,
wobei der Reiter völlig entspannt
im Gleichgewicht auf beiden Sitzknochen
sitzt, mit lang herunter
hängenden Schenkeln, ohne das
der Absatz herunter getreten wird.
Die Wirbelsäule wird in natürlicher
Haltung ausbalanciert.
Höchste Versammlungsfähigkeit
des Pferdes bei feinster Hilfengebung
ohne jeglichen Kraftaufwand
des Reiters sind bezeichnend
und Inhalt der Lehren bedeutender
Reitmeister dieser Zeit
z.B. Antoine de Pluvinel, G.S.
Winter von Adlersflügel und nicht
zu Letzt der wohl prominenteste
Ausbilder Francois Robinchon de
la Gueriniere. Er gilt als Verkörperung
der Reitkunst. Im Vordergrund
der Ausbildung des jungen
Pferdes stand ,die natürlichen
Anlagen zu fördern und es
durch gezielte gymnastische Übungen geschmeidig,
kräftig und gesund
zu halten. Man
begann über sanfte
Methoden der Ausbildung
und über geeignete
Ausrüstung des
Pferdes nachzudenken.
Dies alles erfordert
ein Höchstmass
an Können des Pferdes
und des Reiters, welches nur
mit durchdachter und disziplinierter
Ausbildung beider Lebewesen
annähernd zu erreichen
ist. Um die gewünschten Lektionen
vom Pferd mit Leichtigkeit
und Frische schadlos ausführen
zu können ist die Fähigkeit des
Reiters gefragt, sein Pferd über
Vertrauen Gehorsam und sinnvoller
Gymnastik dahin zu führen,
es zu formen. Der Reiter ist der
Bildhauer an einem lebendigem
Kunstwerk. Durch ihn wird es körperlich
und geistig geformt. Diesem
Ideal streben heute erfreulicherweise
immer mehr Freizeitreiter
nach. Natürlich ist es vermessen
als solcher, welcher vielleicht
beruflich bedingt nur unregelmäßig
auf sein Pferd steigen
kann ,ein solches Maß an
Perfektion abzuverlangen. Körperliche
und geistige Fähigkeiten
sollten unbedingt berücksichtigt
werden. Aber schon der
Wille, diese Art zu reiten, zu durchdringen
und der Versuch sie praktisch
umzusetzen und
natürliche Grenzen zu akzeptieren,
sind ein ganz wichtiger Schritt
in die richtige Richtung. Heute
werden die meisten Pferde wieder
zum Vergnügen gefüttert, gehalten
und genutzt. Warum dann
nicht mal bei den alten Meistern
abschauen.?
Vielen an der barocken Reiterei
interessierten Reitern ist Sabine
Dittmar, die auch die Verfasserin
dieses Artikels ist, bei der Ausbildung
der Reiter selbst und deren
Pferde behilflich. Es ist nicht
unbedingt nötig ein typisches Barockpferd
zu besitzen, um sich
in der barocken Reitkunst zu
schulen. Ganz wichtig ist ihr bei
ihren Seminaren und Ausbildungsstunden,
die individuellen
Fähigkeiten von Pferd und Reiter
zu fördern und auch zu fordern.
Der Weg zu einem mit leichter
Hand und sensibel zu reitenden
Pferd ist wahrlich kein Spaziergang.
Viel Verständnis und
Durchhaltevermögen, ohne irgendwelches
Konkurrenzdenken
oder Leistungsdruck ist wichtig
bei der Ausbildung des Pferdes,
damit der Reiter möglichst lange
ein motiviertes und gesundes
Pferd für sich bewundern und genießen
kann.
Text/Info: Sabine Dittmar Tel.:
0171-9949079
Fotos: barockpinto.de ; digitalphotoart
.de ; carmen susenburger |
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