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Textversion:
Mein erstes Reitabzeichen Nervös strich ich mir eine Strähne
aus dem Gesicht und versuchte, sie
verzweifelt hinter dem Ohr festzustecken.
Ach, wenn es doch endlich
vorbei wäre, dachte ich.
Nun, lieber Leser, jetzt möchtet ihr
bestimmt wissen, was denn endlich
vorbei sei soll. Ich sag es euch,
vielleicht. Nein, im Ernst. Ich
wünschte mir vom ganzen Herzen,
das endlich die Prüfung vorbei ist…
die Prüfung zum „Kleinen Reitabzeichen".
Mein erstes Abzeichen
seit ich mit dem Reiten angefangen
habe. Die theoretische Prüfung habe
ich schon vor zwei Stunden hinter
mich gebracht. Sie war nicht
ganz so schwer, wie ich
befürchtet hatte, aber
auch nicht so leicht, dass
ich sie mit links hätte machen
können. Obwohl ich
nun schon seit längerem
reite und auch in den Ferien
auf dem Gut arbeitete,
musste ich dennoch
ziemlich viel pauken. Und
es ist erstaunlich, was
man so Neues lernt. Zum
Beispiel den Skelettaufbau
des Pferdes, welche
Höhe die Hindernisse bei
welcher Leistungsklasse
haben müssen, wie ich
verschiedene Krankheiten an den
entsprechenden Symptomen erkennen
kann und vieles mehr. Der
Prüfer hatte mich speziell auf die
diversen Leistungsklassen, Weideund
Hallenbedingungen und auf Hilfengebungen
geprüft. Bei den Höhen
der Hindernisse für die E-Klasse habe
ich mich wohl etwas verschätzt,
aber mir kamen die Hindernisse nie
so hoch vor. Na ja egal, bestanden
habe ich ja wohl hoffentlich.
Nun stehe ich mit Blitz, meinem
schwarzen Hannoveraner Wallach,
vor dem Halleneingang und warte
darauf, dass die Springprüfung für
mich anfängt. Da, jetzt kommt Simone
auf ihrem Schimmel Salto heraus.
Mmh, macht aber keinen glücklichen
Eindruck. „Zweimal verrissen
und einmal verweigert", flüsterte
sie mir zu. „Viel Glück euch
beiden." Ich konnte nur nicken,
während ich versuchte, den Reithelmverschluss
mit zittrigen Händen
zu schließen.
Dann saß ich auf und ritt, nachdem
ein anderer Schüler die Tür öffnete,
in die Halle hinein. Zuerst wärmte
ich Blitz ein wenig auf und sah
mir dabei den Verlauf der Hindernisse
an. Verdammt, sie haben eine
Trippelbarre aufgebaut. Die kann
ich immer so schlecht taxieren. Was
soll’s, nicht zu ändern. Danach hielt
ich vorschriftsmäßig an und begrüßte
mit einem freundlichen
Nicken die beiden Richter. Auf geht’s,
Blitz, zeigen wir den Richtern mal,
was alles so in uns steckt. Nachdem
es bei der Generalprobe ja nicht
geklappt hatte, müsste es heute wie
am Schnürchen laufen. Ah, das erste
Hindernis… und drüber. Gleich
zum nächsten. Wo war das? Ach ja,
dort…und geschafft. Jetzt die Trippelbarre.
Verdammt berührt. Ist die
Stange gefallen? Egal, ich darf nicht
zurück schauen…nur nach vorn.
Jetzt noch ein Hindernis, dann
kommt die zweifache Kombination.
Eins, zwei…waren das die vorschriftsmäßige
Anzahl Galoppsprünge?
Weiß nicht, nächstes…
und drüber. Nun kommt das Letzte.
Und…geschafft. Gut gemacht
Blitz, gut gemacht. Klopfend zügelte
ich Blitz in den Trab, schließlich
in den Schritt und ließ ihn dabei die
Zügel länger. Ein Blick auf mein
Lieblingshindernis zeigte mir, das
die Stange liegen geblieben war.
Und dann machte ich auch schon
Platz für den nächsten Kandidaten.
Im Stall empfing mich Simone.
„Mensch, warst du schnell. Du hast
ein ganz schönes Tempo drauf gehabt".
Verwundert blickte ich sie an.
„Meinst du? Ich weiß nicht. Für mich
zählte nur, das ich den Parcours ohne
Fehler schaffte". Antwortete ich
ihr, während ich Blitz absattelte und
ein noch ein wenig striegelte. „Du,
hilfst du mir bei der Bandage. Ich
krieg sie heute einfach nicht richtig
hin". Mit einem Seufzer legte ich
den Striegel beiseite und ging zu
Salto und Simone. „Meinst du, wir
schaffen die Prüfung?" Simone
konnte Fragen stellen! „Werden wir
schon", erwiderte ich ihr so zuversichtlich
wie nur möglich, während
ich Salto bandagierte.
„Nur noch die
Dressur, dann ist es
geschafft". Nickend
surrte Simone den
Sattelgurt fest. Ich
sah ihr an, dass sie
vor Aufregung nicht
imstande war, noch
irgendetwas zu sagen.
Dressur war
nicht gerade ihre
starke Seite. „Du
schaffst das schon,
Simone. Du kannst
doch Figuren schon
im Schlaf. Also Kopf
hoch…und außerdem drück ich dir
doch ganz feste die Daumen, wie
versprochen". „Danke, lieb von dir".
In diesem Augenblick lugte ein weiterer
Schüler in den Stall hinein und
rief Simone zu, dass sie in etwa
zwanzig Minuten dran sei und sich
draußen schon einmal aufwärmen
sollte. Das war das Stichwort mich
ranzuhalten, denn ich war wieder
nach ihr dran. Mit einem hoffentlich
aufmunternden Lächeln verabschiedete
ich mich von Simone und
machte mich dran, Blitz für die Dressurprüfung
fertig zu machen. Aber
im Prinzip musste ich nur den Sattel
austauschen und die Springgamaschen
entfernen. Bandagen
brauchte Blitz im Gegensatz zu Salto
nicht.
Noch ehe ich mich versah, kam auch
für uns die Aufforderung, uns auf
dem Außenplatz aufzuwärmen. Im
Gegensatz zur Springprüfung war
ich jetzt nicht mehr so nervös. Im
Gegenteil. Blitz und ich waren die
Ruhe selbst, denn Dressur mochten
wir beide lieber als Springen,
am liebsten mit Musik. Doch auch
wenn heute keine Musik spielte, so
merkte ich mir die Figuren dennoch
mit einer Melodie, da ich sie so besser
speichern konnte. Diese summte
ich nun vor mich hin, während
ich zur Aufwärmung einzelne Figuren
ritt und merkte zu meiner Freude,
dass Blitz sich konzentrierte und
auf die kleinste Hilfe von meiner Seite
reagierte. Schön, sehr gut! Dann
war es soweit. Ein zweites Mal ritt
ich nun in die Halle hinein, die von
allen Hindernissen geräumt und in
der nun ein Dressurviereck aufgebaut
war. Simone hatte die Halle
bereits durch das andere Tor verlassen.
Nachdem ich eine Eröffnungsrunde
abgeritten hatte, die zur
Orientierung diente, ritt ich korrekt
in das Dressurviereck ein, hielt hoffentlich
vorschriftsmäßig und begrüßte
erneut die Richter. Dann begann
die Dressur. Ein Schüler las
von der Tribüne aus die Figuren vor,
die ich zu reiten hatte, auch wenn
ich diese in und auswendig kannte.
Die Melodie hatte ich dabei immer
im Kopf. Blitz machte seine Sache
sehr gut. Er war locker, losgelöst
und nahm jede Hilfe bereitwillig
an. Ich hoffte nur, dass ich
auch eine einigermaßen passable
Figur machte. Ich hab da immer so
meine Probleme mit den Händen.
Sie sind zwar in der richtigen Höhe,
doch leider sind die Fäuste nicht immer
geschlossen. Und auch der
Rücken will manchmal nicht so gerade
sein, wie er sollte. Egal, konzentriere
dich. Nur noch die letzte
Figur und dann wieder korrekt in
der Mitte einreiten, wieder
grüßen…und geschafft. Lobend gab
ich meinem Blitz mehr Zügelfreiheit
und verließ glücklich die Halle. Nach
meinem eigenen Gefühl hin konnte
ich zufrieden sein, denn besser
hätte ich auf keinen Fall reiten können.
Blitz gab ich, nachdem ich ihn
abgesattelt und trocken gerieben
hatte, zur Belohnung eine Möhre.
Die hatte er sich verdient, was er
witzigerweise mit einem Kopfnicken
bestätigte.
Nachdem ich die Trense gereinigt
und alles in die Sattelkammer gebrachte
hatte, begann das große
Warten im Gemeinschaftsraum auf
die Ergebnisse. Simone und ich waren
uns einig. Lieber reiten wir Prüfungen…
als voller Ungeduld hier zu
sitzen. Laufend fallen einen dabei
Sachen ein, die man hätte besser
machen können. Zum Schluss fragt
man sich dann verzweifelt, ob man
überhaupt irgendetwas richtig gemacht
hat. Dann endlich… es schienen
Stunden vergangen zu
sein…kamen die Richter in Begleitung
unseres Reitlehrers herein. Von
der Ansprache, muss ich zugeben,
habe ich nicht viel mitbekommen.
Jedenfalls kann ich mich an nichts
erinnern. Drei von vielleicht tausend
Wörtern haben mich interessiert.
Diese drei waren an mich gerichtet
und lauteten: „Sie haben bestanden……".
Jane |
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in Verden 9. bis 11. Juli 2004, MARKTPLATZ, MARKTPLATZ |
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