Pferdegesundheit

Pferde-Anzeiger > Magazin > 8/2004
Kleinanzeigen
Pferdegesundheit  
Vollständigen Artikel mit Bildern als PDF herunterladen:
Pferdegesundheit [1/3], [2/3], [3/3]
Textversion:

Kräuterfütterung bei Pferden
Kräuter sind für Pferde und Ponys eine natürliche Futterergänzung, sie sind seit jeher Bestandteil ihrer Nahrung und werden im Verdauungstrakt des Pferdes optimal verwertet, da sie organisch verfügbar sind. Auch die wildlebenden Vorfahren unserer heutigen Freizeit- und Sportpferde nahmen ihrem Instinkt entsprechend in freier Natur Kräuter auf. Durch die intensive Bewirtschaftung unserer Böden sind dort kaum noch Kräuter zu finden, so dass die naturgemäße Aufnahme von Kräutern selten möglich ist. Struktur- und artenarme Weiden, vitalstoffarme Grundfutter, vereinfachte Grundfutterrezepturen und einseitige synthetische Mineralisierung sind das Ergebnis einer allzu preisbewussten Pferdefütterung und agrarpolitischer Rahmenbedingungen. Eine umfassende Anregung aller Verdauungsvorgänge ist jedoch zur optimalen Verdauung und vollen Auswertung des Futters nötig. Die Wirkungsweise von Kräutern ist in der traditionellen Heilkunde überliefert. Allerdings haben sich bisher nur wenige wissenschaftliche Studien mit dem Einsatz von Kräutern in der Pferdefütterung beschäftigt. Aus diesem Grunde sollte der Einsatz von Kräutern, welche in der Pferdefütterung bislang relativ unbekannt sind, sondern lediglich für Menschen empfohlen werden, vermieden werden. Dies gilt in erster Linie für exotische Kräuter, beispielsweise aus Südamerika, China, Indien oder Tibet, hier ist äußerste Vorsicht geboten aufgrund mangelnden Kenntnisstandes über Dosierung, Nebenwirkungen und möglichen Wechselwirkungen. Auch bestehen bei der Einfuhr dieser Kräuter Möglichkeiten der Verwechslung zwischen wissenschaftlichen Bezeichnungen und Trivialnamen, die überdies in den Herkunftsländern regional stark variieren. Die Erkenntnisse aus der menschlichen Ernährung und Medizin lassen sich nicht ohne weiteres auf Pferde übertragen, vor allem dann, wenn es um die Aufnahme der entsprechenden Substanz geht. Der bedeutend größere Darmtrakt von Pferden nimmt bestimmte pflanzliche Substanzen anders auf als der menschliche Darmtrakt. So können Kräuter und Pflanzen, welche für uns Menschen ungefährlich sind, für Pferde toxisch sein. Denn pflanzliche Medizin ist nicht unbedingt sanfte Medizin. Inhaltsstoffe von Kräutern Bei den wirksamen Substanzen der Kräuter handelt es sich um so genannte sekundäre Pflanzenstoffe, die von der Pflanze gewissermaßen als chemische Waffen gegen Insektenfraß oder andere Mikroben produziert werden. Die wichtigsten Stoffgruppen sind hierbei Phenole, Saponine, Sulfide, Chlorophyll, Monoterpene, Flavonoide, ätherische Öle, Schleimstoffe, Alkaloide, Glykoside, Phytoöstrogene, Flavone, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Die Einzelsubstanzen wurden bereits auf ihre pharmakologische Wirkung hin untersucht. Bisher unbeachtet und unterbewertet werden Kräuter als wichtige Quellen von natürlichen Mineralstoffen und Spurenelementen in physiologisch ausgewogenem Verhältnis. Kräuter enthalten viele Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Chlor, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Selen, Schwefel etc.). Ein erhöhter Bedarf an Spurenelementen ist nach Expertenmeinung auch deshalb gegeben, da Pferde durch die zunehmende Silagefütterung, die Aufnahme von minderwertigem Heu und steigenden Umweltbelastungen immer mehr Histamine (verantwortlich für Allergien) aufnehmen. Der Histaminabbau ist von bestimmten Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen abhängig, wie sie in vielen Kräutern zu finden sind. Ähnlich ist dies beim Sommerekzem: auch hier finden wir einen gravierenden Mangel oder extreme Imbalancen bzw. Überversorgungen bestimmter Spurenelemente. Positive Wirkungen Die kontrollierte Zufütterung von Kräutern als Spender von Vitalstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Mineralstoffen kann für Pferde sehr vorteilhaft sein, da neben der Zuführung essentieller Nährstoffe die Entgiftung des Organismus angekurbelt werden kann und freie Radikale in Gewebe und Zelle neutralisiert werden sowie der Stoffwechsel unterstützt und das Immunsystem positiv beeinflusst werden kann. Weiterhin haben bestimmte Kräuter positive Wirkung auf den Bewegungsapparat, den Atmungstrakt oder sind bei Haut- , Fell- und Hufproblemen von positiver Wirkung. So sichert man einerseits eine optimale Versorgung, in der weder Mangelerscheinungen noch Überschüsse auftreten, andererseits wirken die Kräutermischungen positiv auf individuelle Probleme des betroffenen Pferdes. So haben Eukalyptusblätter, Thymian und Anis positive Wirkungen bei Husten; Ingwer, Teufelskralle, Gingko und Weidenrinde bei Problemen im Bewegungsapparat (Acetalicylsäure wird aus der Weidenrinde isoliert, sie zeigt schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung ohne jedoch - wie die chemisch synthetisierte Reinsubstanz bei falscher Anwendung - Nebenwirkungen an der Magenschleimhaut zu zeigen. Die Anwendung von natürlicher Weidenrinde verursacht derartige Nebenwirkungen nicht); Brennessel kann zur Blutreinigung und Birke zur Entwässerung eingesetzt werden. Auch bei Allergien haben sich Kräutermischungen bestens bewährt, da allergische Reaktionen in vielen Fällen auf einen langjährigen verdeckten Mangel, meistens an Spurenelementen, zurückzuführen sind. So kann die Kräuterfütterung bei einem gesunden Pferd potentiellen Allergien vorbeugen sowie bei betroffenen Pferden diesen Mangel beheben und gleichzeitig Stoffwechsel, Entgiftung sowie Intestinal- und Digestionstrakt positiv beeinflussen. Die Wirkung ergibt sich dabei aus der Kombination zwischen sekundären Pflanzenstoffen, Mineralien und Spurenelementen. Diese greifen vor allem in das Enzymsystem des Körpers ein, das für alle Grundfunktionen des Körpers verantwortlich ist. Die bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralien fördert, unterstützt und aktiviert den gesamten Stoffwechsel unserer Tiere. Gute Zinkspender sind Basilikum, Ingwer, Thymian, Kümmel, Salbei, Rosmarin, Estragon und Basilikum. Artischocken sind reich an Mangan, das wichtig für den Proteinabbau ist. Ein Mangel an Mineralstoffen kann sich in zahlreichen Problemen äußern. Mineralien wirken im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt bei. Ein unausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache vieler Erkrankungen. Bei der Entgiftung neutralisieren und helfen Mineralien, das körpereigene Schutzsystem aufzubauen und im Gleichgewicht zu halten. Auch enthalten Kräuter viele Vitamine, so hat Vitamin C eine ausgeprägte Radikalfängerfunktion, gilt als natürliches Antioxidant und stärkt die Abwehr. Carotin und Vitamin A unterstützen den so wichtigen Zellstoffwechsel. Die Kieselsäure ist ein wichtiger Nähr- und Aufbaustoff für die schnell wachsenden Zellen der Haut, des Fells und der Hufe. Weiterhin versorgen Kräuter unsere Pferde und Ponys mit den so wichtigen Mikronährstoffen. Mikronährstoffe sind für die physiologischen Funktionen einzelner Organe und Organsysteme unerlässlich. Während den sogenannten Makronährstoffen schon in der Vergangenheit viel Bedeutung zugemessen wurde und deren Gehalt in Futtermitteln geregelt ist, gilt dies für die wichtigen Mikronährstoffe nicht. In den meisten Pferdefuttermitteln sind die Kräuterdosierungen allerdings zu gering, um überhaupt einen nachweisbaren therapeutischen Effekt zu erzielen, geschweige denn, um unsere Pferde in ausreichendem Maße mit den so wichtigen sekundären Pflanzenstoffen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu versorgen. Darreichungsformen Kräuter können sowohl als alkoholische oder wässrige Extrakte, Trockenextrakte, pulverisierte Substanzen, als Kräutertees oder getrocknete Ganzpflanzen oder Pflanzenteile verabreicht werden. Bewährt haben sich bei Pferden besonders getrocknete Kräutermischungen. Bei Atemwegsproblemen können diese kurz mit heißem Wasser überbrüht und dann zum Futter gegeben werden. Wissenschaftliche Studien Über den Einsatz von Kräutern als Futterzusatzstoffe bei Pferden gibt es wenig Fütterungsversuche und damit auch wenig wissenschaftlich fundierte Belege der Wirksamkeit von bestimmten Kräutern auf die Pferdegesundheit. Die Wirkungen verschiedener Kräuter sind daher auch heute noch hauptsächlich in der Erfahrungsheilkunde überliefert. Einige anerkannte Studien gibt es jedoch bereits: In den 90er Jahren wurde in Frankreich mit der südafrikanischen Pflanze Teufelskralle gegen Rückenschmerzen bei Pferden eine Studie durchgeführt. Durch diese Studie konnte bewiesen werden, das der Teufelskrallenextrakt der Substanz Phenylbutazon (Equipalazone, Hippopalazone, Metacam) bei einigen schmerzhaften und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates überlegen war. In dieser Studie wurde die Wirkung der Teufelskralle speziell bei Knochenspat überprüft. Am Institut für Angewandte Botanik der Universität Wien wurde der Einsatz von Thymian, Primelwurzel- und Pestwurzextrakt bei COPD (chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, Dämpfigkeit, RAO) des Pferdes untersucht. Während der einmonatigen Behandlung wurde der Lungendruck und der Atemwegswiderstand signifikant verbessert. Es erfolgte ein verbesserter Sekretabfluss bei der Gabe dieser Kräuter. Bedeutend mehr wissenschaftliche Untersuchungen wurden bisher bei Nutztieren durchgeführt, hier waren die Kräuter oft den antibiotischen Futterzusätzen überlegen, so beispielsweise bei Durchfallerkrankungen. Beachtliche mikrobielle Wirkungen wurden bei Bakterien und anderen Keimen mit dem Einsatz von Oregano und Thymian erzielt. Homöopathie und Kräuter Immer wieder werde ich gefragt, ob der Einsatz homöopathischer Mittel nicht durch die Fütterung von Kräutern wirkungslos bzw. abgeschwächt wird. Die Meinungen der verschiedenen Fachleute und Firmen sind hier recht unterschiedlich: Während die einen von einer Kräuterfütterung während der Therapie mit homöopathischen Mitteln abraten, vertreten andere die Meinung, dass eine halbe Stunde Abstand zwischen der Gabe ausreichend ist. Meine Erfahrung ist, dass Wechselwirkungen zwischen der Fütterung von Kräutern und homöopathischen Mitteln bei einem Abstand von mindestens zwei Stunden nicht auftreten! Homöopathische Mittel wirken in Form von Informationen und Anregung der Selbstheilungskräfte: Die Information hat während dieser zwei Stunden bereits stattgefunden, so dass dann auch die Materie, sprich Kräuter, der Wirksamkeit der Information nicht entgegenstehen. Gefahren Trotz vieler Vorteile und positiver Wirkungen der Kräuter, ist die Natur keineswegs so harmlos, wie landläufig angenommen wird. Eine Überdosis Knoblauch, dessen positive und antibiotische Wirkungen auf Stoffwechsel und Blut durchaus belegt sind, kann beispielsweise ein Enzym blockieren, dass die roten Blutkörperchen vor dem Angriff durch freie Sauerstoffradikale schützt. So wurde bei Pferden, die zwischen wilden Zwiebeln weiden, eine Tendenz zur Blutarmut festgestellt. Auch Baldrian eignet sich nicht für den Dauergebrauch: hier kann Durchfall und Kolik die Folge sein! Wenn der Pferdehalter sichergehen möchte, sollte er sich auf bewährte und erprobte Kräutermischungen aus der Erfahrungsheilkunde verlassen und nicht wahllos irgendwelche Kräuter bzw. Kräutermischungen verfüttern. Qualität Bei der Kräuterfütterung sollte darauf geachtet werden, dass die zu fütternden Kräuter dem DAB-Standard (Deutsche Arzneibuch- Qualität) entsprechen, hierdurch wird eine gewisse Standardisierung der Inhaltsstoffe gewährleistet. Der DABStandard bürgt für Qualität und dafür, dass die für die Wirksamkeit entscheidenden Wirkstoffe in ausreichender Menge enthalten sind. Gerade Qualität und somit die entscheidenden Inhaltsstoffe, wie die sekundären Pflanzenstoffe in Kräutern, variieren sehr. Der DAB-Standard ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal, was sich alle Male bezahlt macht. Buchtipps: Die besten Heilkräuter für Pferde, Kosmos Verlag, ISBN 3- 440-07466-8, Kräuterapotheke für Pferde, Kosmos Verlag, ISBN 3-440- 07107-3, Kräuterheilkunde für Pferde, BLV Verlag, ISBN 3-405- 15130-9, Kräuter und Tees für Pferde, Kosmos Verlag, ISBN 3-440- 09049-3. Weitere Informationen sowie bewährte Kräutermischungen als Ergänzungsfuttermittel: www.tierheilkundezentrum.d e, E-Mail: tierheilpraxis1@t-online.de Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde, THP C. Nehls, Tel.: 05648/963335, Fax: 05648/963334  
Nächste Artikel dieser Ausgabe:
Reitsportanlagen, Turniersport aktuell, Turniersport aktuell, Turniersport aktuell, Turniersport aktuell, Urlaub im Sattel
zurück
Memopad ansehen
Pferde-Anzeiger
Home
Anzeigen aufgeben
Anzeigen lesen
Magazin
6/2008
5/2008
4/2008
3/2008
2/2008
1/2008
12/2007
11/2007
10/2007
9/2007
8/2007
7/2007
6/2007
5/2007
4/2007
3/2007
2/2007
1/2007
12/2006
11/2006
10/2006
9/2006
8/2006
7/2006
6/2006
5/2006
4/2006
3/2006
2/2006
1/2006
12/2005
11/2005
10/2005
9/2005
8/2005
7/2005
6/2005
5/2005
4/2005
3/2005
12/2004
11/2004
10/2004
8/2004
7/2004
5/2004
3/2004
2/2004
1/2004
Impressum
dhd24 Foren
Hundeforum
Katzenforum
Pferdeforum
Haustierforum
dhd24 Hilfeforum
you were served by blade121k.front.dhd.de | © Pferde Anzeiger: Pferdegesundheit & mehr