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Internationales Reiterfestival 1.-4. Juli 2004
Hof Kasselmann, Hagen a.T.W Turnierrückblick
Der Wettergott meinte es nicht
immer gut mit den Reitern und
Besuchern des Internationalen
Reiterfestivals Horses & Dreams
in Hagen a.T.W.. Dennoch trotzten
über 34.000 Zuschauer Wind
und Regen und strömten vom 1.
bis 4. Juli zum Hagener Borgberg.
Belohnt wurden sie mit internationalem
Spitzenreitsport
und einer Atmosphäre, die weit
über die Region hinaus ihresgleichen
sucht.
Immerhin hatte Petrus in entscheidenden
Momenten Erbarmen
und schloss seine Schleusen:
Am Donnerstag stoppte z.B.
pünktlich zur Eröffnungsfeier der
Regen, so dass alle Teilnehmer
trockenen Fußes das Veranstaltungsgelände
betreten und ihr
mitgebrachtes „Wasser der Nationen"
in die überdimensionale
Schale gießen konnten. Beim Abschied
der Nationen bekam jedes
Land eine Ton-Flasche von
dem Wasser-Mix, der in der Zwischenzeit
auch diverse Tropfen
Hagener Wasser enthielt, als Erinnerung
an Horses & Dreams mit
nach Hause.
Im sportlichen Bereich wurden
die Zuschauer für manchen Regentropfen
mit Top-Leistungen
der Teilnehmer entschädigt: So
sahen sie im Finale der Berufsreiter
Dressur einen Hubertus
Schmidt, der die Aufgaben mit
Pferdewechsel eindrucksvoll bewältigte
und Rudolf Zeilinger
(Emsbüren) und „Newcomerin"
Uta Gräf (Kirchheimbolanden)
hinter sich ließ. Letztendlich waren
aber alle drei Finalteilnehmer
mit ihrer gezeigten Leistung zufrieden.
„Ich bin in meiner ersten
Grand Prix-Saison überhaupt und
habe hier am Samstag meinen
ersten Grand Prix Special gewonnen",
freute sich z.B. die sympathische
Pfälzerin Gräf, „ich bin
einfach überglücklich, dass ich
mich hier mit Duvalier so präsentiert
habe."
Wie schon beim Grand Prix machten die Amerikaner auch die
Kür der Dressurreiter unter sich
aus. Und erneut war es Leslie
Morse auf Kingston, die die Wertung
für sich entschied. Erfreulich
aus deutscher Sicht war das
Ergebnis von Carola Koppelmann,
die nach ihrem 3. Platz am
Freitag nun den 2. Rang belegte
und damit die Olympia-Aspiranten
Guenter Seidel und Lisa Wilcox
auf die Plätze drei und vier
verwies. Unglücksrabe war Steffen
Peters, der wegen einer unerlaubten
Dreifach-Pirouette ausgeschlossen
wurde. US-Trainer
Balkenhol machte fleißig Notizen,
wen er mit nach Athen nehmen
könnte und wartet nun noch
die Leistungen seiner Schützlinge
beim CHIO Aachen und in Lingen
ab, bevor er seine endgültige
Equipe benennt.
Im Großen Preis der Jungen Reiter
(18-21 Jahre) im Springen hatte
Jens Baackmann die Nase
vorn: Der 19-Jährige bewies Nervenstärke,
blieb als einziger im
Stechen ohne Fehler und verwies
damit Sophia Lütgen (Niederlande)
und Sylwia Bana (Polen) auf
die Plätze. Der Cloppenburger
Jan Sprehe, der in Hagen das
Goldene Reitabzeichen verliehen
bekam, wurde Vierter. Bundestrainer
Dietmar Gugler freute
sich natürlich sehr über Baackmanns
Erfolg: „Er wird seinen
Weg machen", sagte der 42-
Jährige. „Ich habe im Vorfeld zwar
schon damit gerechnet, dass einer
der Deutschen ganz vorn dabei
sein wird, aber zu einem Erfolg
gehört natürlich letztendlich
auch immer noch das nötige
Quäntchen Glück."
Den Großen Preis der Junioren
(16-18 Jahre) entschied die Polin
Karolina Olesinska für sich.
Als Zweite von 26 Reitern in den
ersten Umlauf gestartet, legte sie
mit ihrem fehlerfreien Ritt die Messlatte
direkt sehr hoch für ihre
Konkurrenz. Die überwand dann
auch nur noch Alexander Hufenstuhl
(Lindlar) auf AH Pikadeur.
Im Stechen hatte der 16-jährige
Rheinländer aber schon am dritten
Hindernis das Nachsehen, als
er riss, während seine polnische
Kollegin erneut ohne Fehler durch
den Parcours ritt. „Unsere Leistungen
in Hagen waren ganz
toll", schwärmte Polens Nationalchef
Rudolf Mrugalla über das
erfolgreiche Auftreten seines
Teams insgesamt. „Daran werden
wir immer zurückdenken. Wir
kommen gerne wieder!"
Die deutschen Junioren hatten
im Nationenpreis mehr Glück als
ihre älteren Landesgenossen. So
musste Felix Hassmann beim
zweiten Umlauf nicht einmal mehr
einreiten: Denn seine Kollegen
Christoph Brüse, Tanja Sprehe
und Alexander Hufenstuhl hatten
schon vor dem entscheidenden
vierten Ritt mit nur 17 Fehlerpunkten
einen uneinholbaren
Vorsprung herausgeritten. Den
zweiten Platz teilten sich Frankreich
und die Niederlande mit je
24 Strafpunkten. Beiden Teams
nutzten auch die fehlerfreien Ritte
ihrer Schlussreiter Pierre-Alain
Mortier bzw. Dominique Greeve
nichts. Bundestrainer Dietmar
Gugler zeigte sich äußerst zufrieden
mit der Leistung seiner
Schützlinge: „Außer Felix waren
heute international relativ unerfahrene
Reiter am Start", freute
er sich, „daher ist dieser Sieg besonders
hoch zu bewerten." Die
Jungen Reiter hingegen haderten
ein wenig mit dem Wetter, als
Jörne Sprehe im ersten Umlauf
wegen Regensturms zweimal unterbrechen
musste, anschließend
aus dem Rhythmus kam und acht
Fehlerpunkte produzierte. Die
Franzosen nutzten diese kleine
Schwäche gekonnt aus und entschieden
den Nationenpreis mit
insgesamt nur 12 Fehlerpunkten
vor den Niederlanden (20) und
der deutschen Mannschaft (24)
für sich.
„Master of World Challenge" wurde
im Springen die Estin Annika
Reintam. Sie hatte in vier Umläufen
nur acht Fehlerpunkte auf
ihrem Konto und ließ damit den
Kolumbianer Jorge Raul Garzon
Baquero ebenso hinter sich wie
Anna Christina Gansauer (Ecuador)
und Mauricio Garcia Ballesteros
(Puerto Rico). In der Dressur
setzte sich die Südafrikanerin
Andrea Harrison gegen Akoele
Roachford (Lettland) und Brigitte
Davidow aus Namibia durch.
„Kinder-Champion" wurde die
Neuseeländerin Brigette Learmonth
vor Giuliana Gasparin-
Lucchesi (Brasilien) und Chara
Pouli (Griechenland).
Abseits vom Sport war insbesondere
der Erlebnis- und Kulturpark,
allen voran das „begehbare
Pferd" ein großer Anziehungspunkt.
1650 Schüler erkundeten
schon im Vorfeld des
Turniers das Innere eines Pferdes,
ab Turnierbeginn staunten
dann auch „die Großen" beim Anblick
eines echten, über 9m langen
Pferdedünndarms oder einer
Pferdelunge. „Einige haben
schon etwas geschluckt, als sie
die Präparate gesehen haben",
schmunzelte Organisator Ullrich
Kasselmann, „aber die meisten
fanden das Pferd einfach nur toll
und spannend."
So zogen die Organisatoren trotz
mancher Regentropfen am Ende
der Veranstaltung zufrieden
Bilanz: „Wir sind stolz auf unser
treues Publikum", sagte Kasselmann,
„und wir freuen uns schon
jetzt auf Horses & Dreams 2005!"
Fotos: Thomas Hellmann
und Werner Ernst |
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