Urlaub im Sattel

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Im Foxtrot auf den Pfaden der Navajos im Monument Valley
Von Lothar Rowe Mitten durch das Monument Valley, dem 8. Weltwunder, verläuft die Grenze von Utah und Arizona. 1958 wurde ein Naturschutzpark von den Navajos gegründet und 1960 wurde dieser dann offiziell zum Nationalpark erklärt. Die Grenze der beiden Staaten berührt die Navajos nicht, die grösste Indianer Reservation in den USA, mit 7 Millionen Hektar, übergreifend von Arizona nach Utah und New Mexiko. Über 150.000 Navajos leben hier in der Navajo Reservation. Die Uhren gehen hier aber anders als in Arizona, denn hier wird die Uhr im Sommer umgestellt, und so haben wir es hier im Sommer eine Stunde früher als im übrigen Arizona. Früher war das Gebiet des Monument Valleys von den Stämmen der Anazasi Indianer bewohnt, deren Spuren man noch heute findet. Behausungen, Reste davon in die Sandfelsen gebaut, oft noch gut erhalten. Als Kühlschranke dieser Zeit dienten kleine, gemauerte Vorratskammern, in denen die Vorräte vor Wetter und Tieren geschützt, gelagert wurden. Um 1200 n. Ch. verschwanden die Anazasi plötzlich, und bis heute weiß niemand, was aus ihnen geworden ist. Die Navajos kamen im 15. Jahrhundert aus dem Norden und nahmen das angestammte Land der Hopis, Zunis und Pueblos in ihren Besitz. Zur gleichen Zeit kamen die Spanier. Die Navajos passten sich der neuen Kultur schnell an und aus dem ehemaligen Nomadenvolk wurde ein Volk von Schaf-, Ziegenhirten und ausgezeichneten Farmern. Die Ziegen, Schafe und Pferde brachten die Spanier mit. Auf dem Wege der Eigentumsveränderung kamen einige Tiere in den Besitz der Indianer, die so mit eigenen Züchtungen begannen. Noch heute sind die Ziegen- und Schafherden ein fester Bestandteil bei den Navajos. Die Zeit mit den Spaniern und Mexikanern verlief friedlich bis nach dem mexikanischen Krieg, das Land in den Besitz der weißen Amerikaner überging. 1851 bauten die Vereinigten Staaten in der Mitte des Navajo Gebietes das Fort Defiance. Nun mußten die Indianer das knappe Weideland mit den Weißen teilen. Im Oktober 1858 eskalierte die Situation als die Soldaten vom Fort, mit der Unterstützung von 180 Zuni- Indianern, Dörfer und Felder der Navajos nieder- brannten. Im April 1860 griffen 1000 Navajos das Fort an und überrannten es fast. Die Navajos überstanden alle darauf folgenden Vergeltungsangriffe. Als der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, wurde das Fort schließlich geschlossen. Der Frieden währte nur kurz. 1864 wurden die Navajos 500 Kilometer weit nach Fort Summer deportiert. Viele starben auf dem langen Marsch im Winter 1864. Schließlich schloss am 1. Juni 1868 der Präsident der Vereinigten Staaten, Andrew Johnson, einen Vertrag mit den Navajos und die, die überlebt hatten, kehrten zurück in ihre Heimat und damit auch ins Monument Valley. 1938 wurde das Valley von Hollywood entdeckt und mit „Stagecoach" begann ein neues Zeitalter im Valley. Viele Western wurden hier gedreht, ein junger Schauspieler, John Wayne, betrat die Leinwandszene. Heute ist das Valley eine Attraktion für Touristen aus aller Welt. Millionen Besucher hat das Valley schon gesehen. Reitställe mit Leihpferden schossen wie Pilze aus dem Boden, bis sich die Familien, die im Valley wohnten beschwerten, mit Erfolg. Alle Reitställe wurden geschlossen. Bis auf einen kleinen Stall im Valley, der eine Sondergenehmigung hat. Die Miller-Ranch hat die Einladung einer Navajo Familie aus dem Monument Valley, die es uns erlaubt, mit unseren Foxtrottern im Valley zu reiten. Von der Miller-Ranch in Scottsdale starten am 26. Mai 2004, 8 Reiter aus Deutschland, Österreich und Luxemburg. Drei Trucks, 10 Missouri Fox Trotter, in zwei Trailern verladen und ein Küchenwagen. 7 Stunden beträgt die Fahrt durch die sehr abwechslungsreiche Landschaft von Arizona bis zum 1. Camp im Valley. In Gouldings, einer kleinen Häuseransammlung am Eingang zum National Park, wartet Nesswood unser Navajoführer auf uns. Wir füllen unsere Wassertanks, es dauert, bis wir die Tanks mit 2500 Liter Wasser gefüllt haben. Es gibt zwar im Valley einige Quellen und Becken, in denen sich Regenwasser speichert, aber direkt in unserem Camp gibt es kein Wasser. Unser malerisches Camp liegt direkt im Monument Valley. Susi Asi, die Tante von Nesswood, hat uns auf ihr Gelände eingeladen. Über 90 Jahre alt ist diese immer noch rüstige Indianerin. Sie zeigt uns, wie die Navajos ihre Teppiche weben, wie sie Garne spinnen und erklärt, wie man Farben aus Pflanzen gewinnt. Einen Tag reiten wir mit unseren Foxtrottern und unserem Navajo Guide durch das Monument Valley. Hier treffen wir noch auf Touristen aller Welt, die mit umgebauten Jeeps und Trucks durch den Nationalpark von Navajo- Fahrern geführt werden. Neben den Naturmonumenten sind auch wir häufig ein willkommenes Objekt für die Kameras, und einige von uns werden so die Fotoalben in Japan oder sonst irgendwo in der Welt zieren. So ist es aber nur am ersten Tag, dann treffen wir keine Menschen mehr. Dorthin, wo uns Nesswood führt, kommen keine Touristen mehr, hier gibt es nur das weite Land der Navajos. Von unserem Camp reiten wir nach Hunts Mesa. Von hier haben wir einen Blick auf das gesamte Monument Valley. „Malboro Country", wie es weltweit berühmt geworden ist, wirkt wie ein gemaltes Bild, es fehlt nur der Rahmen. Im Combridge warten unsere Trailer auf uns. 40 Meilen haben wir mit unseren Foxtrotter zurückgelegt, über Stock und Stein und durch den tiefen Sand. Oft hatten wir Sorge, dass wir in den hohen Wanderdünen mit den Pferden versinken. Völlig unbekannt bei den Touristen sind die Copper Mountains. Nur sehr selten sieht man hier einen „Weißen Mann". Dort wo sich der St. Juan entlang schlängelt, um dem Colorado zu helfen, den Lake Powell wieder mit Wasser zu füllen. Durch die Trockenheit in den letzten Jahren ist der Wasserspiegel dramatisch gefallen. Die Copper Mountains sind das Land der „Burros", wie die wilden Bergesel hier genannt werden. Wir treffen immer wieder auf diese Langohren, die offensichtlich ganz erstaunt sind, hier auf ihren Pfaden, Pferde zu sehen. Unsere Bergziegen, wie wir unsere Missouri Fox Trotter liebevoll nennen, haben aber auch hier keine Probleme. Trittsicher und gewandt nehmen sie steile Geröllwege, und auch die schmalen Eselspfade an den Bergabhängen sind für sie kein Problem. Wir Reiter müssen hin und wieder etwas tiefer durchatmen. Hier in den Copper Mt finden sich noch Spuren aus der Entstehungsgeschichte unserer Erde. Hier hat die Erde gekocht. Keine Pflanze, kein Baum oder Strauch, nichts wächst hier. Wir kommen uns vor als ob wir auf dem Mond oder auf dem Mars reiten. Wir sind alle eingefangen von dieser Gegend und am Schluss unserer 6 Tage im Navajoland, wissen wir nicht, welcher Tagesritt uns am besten gefallen hat. Jeder für sich ist ein beeindruckendes Erlebnis. Der schmale Grat in den Copper Mt hat aber bei uns allen den höchsten Pulsschlag ausgelöst. Unsere Foxtrotter sahen das Ganze „echt cool", wenn ein „Burro" diesen Weg gehen kann, warum sollen sie zurückstecken.  
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