Pferdegesundheit

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Die ideale Reitanlage für Pferd und Mensch
Das Angebot an neu eröffneten Einstellbetrieben und Reitanlagen steigt stetig, da Pferde längst nicht mehr das „Luxustier" der Reichen, sondern vielmehr für fast Jedermann erschwinglich geworden sind. Wir Pferdehalter haben meist eine große Auswahl an Unterstellmöglichkeiten für unser Pferd, doch auf welche Faktoren sollten wir zwingend achten, wo Prioritäten setzen? Wichtigstes Kriterium unserer Wahl sollte immer die artgerechte Haltung unseres Pferdes sein, hierbei sollten wir beachten, dass unser Pferd 24 Stunden auf der Anlage lebt und wir selbst nur Besucher für wenige Stunden sind: Die Offenstallhaltung Die artgerechteste Form der Unterbringung ist eine optimal praktizierte Offenstallhaltung. Keine andere Haltungsform bietet so vielfältige positive Einflüsse auf die Gesunderhaltung unserer Pferde, wie eine ständige Möglichkeit zur freien Bewegung und die Sozialkontakte der Herde und kommt der natürlichen Lebensweise des Pferdes so weit entgegen. Positive Wirkungen von Licht, Luft und ständiger freier Bewegung sind zum Beispiel die Förderung der Durchblutung, des Gesamtstoffwechsels, die wohltuende Wirkung auf die Atemwege, die Lungen, das Herz-/Kreislaufsystem und den gesamten Bewegungsapparat. Durch die ständige freie Bewegung werden alle Organe und Organsysteme optimal gefördert, Pferde in Offenstallhaltung sind durch die ständige Anpassung an veränderte Klima- und Wetterbedingungen und keinerlei abrupte Umstellung von sehr kalten auf warme (Stall) Temperaturen optimal abgehärtet und bedeutend resistenter als ihre Kollegen vor vielerlei Erkrankungen. Problematisch ist jedoch, dass ein optimal geführter Offenstall in der Praxis recht schwer umzusetzen ist: Optimal heißt grundsätzlich eine sozialverträgliche Herde und ausreichende Fläche. Meiner Erfahrung nach ist eine Offenstallhaltung mit einer nicht allzu großen Pferdegruppe bedeutend leichter zu praktizieren, als mit mehr als maximal 6 Pferden. Die Pferde müssen sich zwingend gut verstehen, so dass jedes einzelne Pferd seine Bedürfnisse befriedigen kann. Bedürfnisse heißt in diesem Fall, dass jedes Pferd problemlos fressen, saufen und sich zum Schlafen hinlegen kann. Oft sieht man gerade in Offenstallhaltung sehr ängstliche, fast panisch reagierende Pferde, sie sind in diesem Fall „das schwächste Glied der Kette" und gehören keinesfalls in diese Offenstallgruppe, da statt Wohlfühlgefühlst nur blanke Angst vor Artgenossen vorhanden ist. Eine Befriedigung der Pferdebedürfnisse, zu denen natürlich auch Sozialkontakte, wie gegenseitige Fellpflege gehören, funktioniert nur, wenn die Herde zusammenpasst und kein extrem ängstliches rangniedriges Tier bzw. kein Pferd in der Gruppe weilt, was besonders aggressiv gegenüber Artgenossen ist. Eine gut geführte Offenstallhaltung kann also schon dem Grunde nach nur funktionieren, wenn die Pferdegruppe zueinander passt, was bereits im Vorfeld - bei ausschließlicher Weidehaltung - abgeklärt werden sollte. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Offenstall selbst für jedes Pferd ausreichend Platz bietet und die angeschlossenen Weideflächen genügend groß sind. Als Mindestplatzbedarf bei Offenstallhaltung rechnet man rund 3 x die Widerristhöhe im Quadrat pro Pferd, bei einer Widerristhöhe von 1,50 Meter wären das 4,50 x 4,50 Meter = 9 Quadratmeter Platzbedarf für o. g. Widerristhöhe (Quelle: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten); es darf aber auch ruhig „ein bisschen mehr sein".. Bei einer Ganzjahresweidehaltung sollte die Weidefläche pro Pferd 1 Hektar betragen, damit Matschausläufe der Vergangenheit angehören. Befestigt werden muss bei diesem Platzangebot ausschließlich die Fläche vor dem Offenstall sowie - falls vorhanden - der „Trampelpfad" zur Weide. Das optimale Platzangebot von 1 Hektar pro Pferd wird leider selten angetroffen, ebenso wie die Ganzjahresweidehaltung, da die Weideflächen meist zu knapp bemessen sind bzw. zu viele Pferde auf zu kleiner Fläche gehalten werden. Der Mindestbedarf an Weidefläche sollte jedoch bei 5000 Quadratmeter liegen. Achten sollte man darauf, dass auch während des Winters so viel Fläche bei trockenen und sicheren Bodenverhältnissen den Offenstallpferden zur Verfügung steht, dass diese sich ausreichend bewegen, also auch galoppieren können. Die Offenstallhaltung ist nicht so zu verstehen, dass zu wenig Fläche zur Verfügung steht, um den Bewegungsbedürfnissen der Pferde zu genügen, wozu auch während Eis und Schnee das Galoppieren zählt. Als pferdegerecht ist ein massiv und stabil gebauter ausreichend großer und heller Offenstall mit der Möglichkeit zum freien Zugang für jedes - auch das rangniedrigste - Pferd anzusehen, welcher optimalerweise mindestens 2 Eingänge bzw. eine offene Seite aufzeigen sollte, damit die Pferde sich nicht gegenseitig den Zugang versperren können. Die Bodenbeschaffenheit sollte in der Form gewählt werden, dass bei jedem Wetter ein ungefährliches Passieren ermöglicht wird, was bedingt durch die Größe der zugrunde liegenden Fläche (wir gehen hier von 1 Hektar pro Pferd aus) relativ vereinfacht wird. Bei diesem Flächenangebot entsteht auch bei einer Ganzjahresweidehaltung keine Matschkoppel. Die Weide selbst sollte aus ungedüngten Pferdegräsern bestehen (kein Hochleistungsbzw. Mastgras, wie Weidegras beispielsweise), welche rohfaserreich, protein- und energiearm sowie kräuterreich sein sollten. Unkraut sollte ausgemäht und nicht mit der „Chemie- Keule" bekämpft werden (der Gedanke an die Gesundheit unserer Pferde wird die Arbeit erleichtern..). Der ständige Zugang zu sauberem Trinkwasser (im Winter z. B. durch Installation einer Regelheizung) sollte selbstverständlich sein. Leben unsere Pferde ganzjährig in dieser wirklich pferdegerechten Art und Weise, ist dies eine überaus wichtige prophylaktische Maßnahme, da den Bedürfnissen insoweit Rechnung getragen wird, dass allein durch die Haltung viele pferdetypischen Erkrankungen vermieden werden. In den wenigsten Reitanlagen steht jedoch eine so optimal geführte Offenstallhaltung zur Verfügung, da es meist an Flächen fehlt und auch die Wirtschaftlichkeit beachtet werden muss. Wirtschaftlich wird die oben genannte Form der Offenstallhaltung für den Stallbetreiber erst, wenn der Pferdehalter bereit ist, einen dieser Haltung angemessenen Einstellpreis zu zahlen. Box mit angeschlossenem Paddock Eine gute Alternative bietet die Form der Box mit angeschlossenem Paddock über Nacht und die ganzjährige Herdenauslaufhaltung. Unser Pferd kann somit über Nacht sich zumindest noch ein wenig die Beine vertreten und tagsüber in der Herde Weide- bzw. während des Winters Auslaufhaltung genießen. Hier sollte darauf geachtet werden, dass Box und Paddock so viel Bewegungsfreiheit hergeben, dass sich unser Pferd wirklich ein wenig bewegen kann. Galoppieren ist hier zwar nicht möglich, jedoch kann der Bewegungsdrang ja tagsüber ausgetobt werden und über Nacht „rostet" unser Pferd nicht ein. Als Mindestplatzbedarf rechnet man für die Box 2 x Widerristhöhe im Quadrat (dieses Mindestmaß gilt ebenso für andere Boxen), das Paddock sollte entsprechend größer sein. Je größer Box und Paddock, desto besser! Die Außenbox Eine Außenbox ohne Paddock über Nacht ist ebenfalls eine akzeptable Lösung, weil hier zumindest die Licht und Luftbedürfnisse erfüllt werden. Die Innenbox Die Innenbox sollte wirklich ausschließlich als Nachtquartier mit geöffneter Tür und geöffneten Fenstern akzeptiert werden. Falsch ist der immer noch weitverbreitete Glaube, unsere Pferde frieren und aus diesem Grunde müssen Fenster und Türen geschlossen gehalten werden. Dies ist seit Jahren eindeutig wiederlegt und erwiesen, dass wir durch das Schließen von Fenstern und Türen der Influenza Tür und Tor öffnen und auch sämtliche anderen Atemwegserkrankungen fördern! Pferde brauchen Luft und Licht, keine dunklen warmen Ställe! Der Laufstall Der Laufstall ist ein Offenstall ohne Auslauf, also ein Stall, in dem keine Boxen abgetrennt sind, sondern die Pferde alle gemeinsam leben ohne Auslauf, also ein abgeschlossener Stall. Diese Haltungsform kommt relativ selten vor, da durch den fehlenden Auslauf wenig Fluchtmöglichkeiten für das einzelne Pferd bestehen und die wenigsten Pferde somit in einem Laufstall gehalten werden können, da ein hohes Verletzungsrisiko durch Rangeleien besteht. Das Bedürfnis nach Bewegung, Licht und Luft ist hier - je nach Stallausführung - in der Regel auch nicht annähernd befriedigt. Diese Haltungsform wird meist - wenn überhaupt - bei Fohlen praktiziert, da Fohlen relativ unproblematisch miteinander im Laufstall (hoffentlich auch dann nur über Nacht..) eingesperrt werden können. Der Platzbedarf pro Pferd sollte meiner Meinung nach mindestens das Doppelte vom Mindestplatzbedarf im Offenstall mit Auslauf betragen. Wichtig ist zu schauen, welche Haltungsform in der jeweiligen Gegend umsetzbar ist und für das individuelle Pferd bestmöglich geeignet ist (zugunsten unseres Pferdes sollte ein längerer Anfahrtsweg jedoch in Kauf genommen werden). So ist hier auch ein wenig Pferdeverstand gefragt: Ein 30-jähriges, altersentsprechend schon etwas gebrechliches Pferd, was sein Leben bisher in einer Einzelbox verbracht hat, wird sich nicht mehr in einem Offenstall mit jungen Pferden wohl fühlen. Hier wäre die Box mit angeschlossenem Paddock über Nacht und tagsüber die Haltung in einer altersentsprechend bzw. dem Gesundheitszustand entsprechend passenden Herdenauslauf- bzw. Weidehaltung das Bestmögliche. Ein Fohlen wiederum wird sich auch in einer großen Pferdeoffenstallherde gut einfühlen und schnell wohlfühlen, wenn andere Fohlen zugegen sind. Wichtig ist auch im Vorfeld abzuklären, wie die Fütterung praktiziert wird, wann und was gefüttert wird und inwieweit man als Pferdehalter eigene Vorstellungen verwirklichen kann. Ob beispielsweise Bereitschaft besteht, unserem Pferd das von uns favorisierte Futter oder auch zusätzlich Ergänzungsfutter zu füttern, ob eventuell auch auf unseren Wunsch Medikamente im Krankheitsfall verabreicht werden können. Ebenso sollten auch gleich im Vorfeld Sonderwünsche besprochen werden oder auch, welche Möglichkeiten im Krankheitsfall bestehen, ob die Haltung und Fütterung, wenn erforderlich, individuell auf den Krankheitsfall abgestimmt werden kann. Leider gibt es immer noch viel zu viele Stallbetreiber, die ausschließlich nach dem Schema F vorgehen und keinerlei Individualität akzeptieren, da diese immer eine Mehrarbeit mit sich bringt und sie aufgrund meist günstiger Preise hierzu keine Bereitschaft zeigen können. Bei der Pferdehaltung - wirtschaftlich gesehen - schließen sich Individualität, Sonderwünsche, Optimalität, Qualität und günstige Preise meines Erachtens nach aus. Es ist kaum möglich, einen Stallbetrieb wirtschaftlich zu führen und eine einwandfreie Qualität, einen hohen Zeitaufwand für das einzelne Pferd und Sonderwünsche zu akzeptieren mit Ausnahme, der Stallbetreiber verlangt einen der Leistung entsprechenden Preis. Dies hat meist zur Folge, dass der Pferdehalter sich für einen günstigeren Stall entscheidet und die qualitativ einwandfrei geführte Reitanlage „leer" bleibt. Dies ist meiner Meinung nach sehr traurig, da gerade in der Pferdehaltung viel mehr Wert auf Prophylaxe vor Erkrankungen durch artgerechte Haltung und Fütterung gelegt werden sollte. Dies zahlt sich grundsätzlich durch die Gesundheit und das uneingeschränkte Wohlbefinden sowie die Freude an unserem Kameraden aus! Auch für uns Menschen sollte es passen: Der Pferdemensch sollte das Gefühl haben, sich wohl fühlen zu können und mit anderen Pferdehaltern auf „einer Wellenlänge" zu sein. Der Stallbetreiber und eventuelles Personal sollte Vertrauen erwecken und sympathisch sein. Auch schadet es nicht, unser Augenmerk darauf zu richten, ob mit den ansässigen Pferden liebevoll umgegangen wird und so weit wie möglich Verletzungen durch umsichtiges verantwortungsvolles Handeln mit Pferdeverstand ausgeschlossen werden. Auch Zäune, Boxen und die Anlage sollten insoweit überprüft werden, dass alles in Ordnung ist und keine unnötigen Verletzungen und Risiken (z. B. hervorstehende Nägel, Stacheldrahtzaun und/oder maroder Weidezaun usw.) provoziert werden. Achten sollte man natürlich auch darauf, dass je nach individuellen Bedürfnissen Trainingsmöglichkeiten, wie eine Reithalle, ein Round-Pen, Reitplatz, Springplatz oder/und ein schönes Ausreitgelände zur Verfügung stehen. Kompromisse sollte man gleich einplanen, da es kaum eine Anlage gibt, welche genau für uns perfekt ist. Abstriche müssen meist in der einen oder anderen Form gemacht werden, hier sollte man jedoch zugunsten der Pferdehaltung lieber bei den eigenen Bedürfnissen, wie beispielsweise ein Aufenthaltsraum, Reitercasino etc. Abstriche machen. Denn, wie gesagt: Wir sind nur Besucher, unsere Pferde leben auf dieser Anlage! Leider ist es auch heute noch so, dass sich Offenstallhaltung und Reithalle meist ausschließen. Hier könnte man sicher viele Gedanken schweifen lassen, warum dies auch heutzutage noch so ist, obwohl hinreichend bekannt ist, wie gesund die Offenstallhaltung im Optimalfall für unsere Pferde ist. Die wenigsten artgerecht geführten Reitanlagen verfügen über eine Reithalle. Natürlich gibt es auch diese, jedoch leider rar gesät, aus diesem Grunde kann es passieren, dass gerade in unserer Gegend die Wahl zwischen Reithalle oder Offenstallhaltung getroffen werden muss, hier denke ich, sollte immer zugunsten des Pferdes entschieden werden und Pferde brauchen halt keine Reithalle, aber Licht, Luft, Sozialkontakte und Bewegung zum Glücklichsein. Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde THP C. Nehls, Tel.: 05648/963335 Fax: 05648/963334, Internet: www.tierheilkundezentrum. de E-Mail: tierheilpraxis1@t-online. de  
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