Das digitale Zeitalter bei den Havasupai im Grand Canyon

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„Die Qualifikation für einen gut bezahlten Job und damit der Weg aus der Armut hänge heute schließlich von der Vertrautheit mit dem Internet ab. Wir haben unsere Kinder früher in die Welt geschickt, ohne sie dafür ausgebildet zu haben", sagt Tilousi vom Stamm der Havasupai. Das hat sich vor vier Jahren alles radikal geändert. Die Havasupai leben im Grand Canyon und von dort aus hatten sie bisher Zugang nur mit Maultieren und Helikopter zur Außenwelt. Auf steilen Pfaden in den Grand Canyon schleppten Karawanen von Maultieren Computer und Anlagen für den Satellitenempfang nach Supai, dem kleinen Dorf im Canyon. Generatoren gibt es schon länger und so sind die Havasupai heute per Internet mit der Welt verbunden. Durch den schnellen Zugang per Satellit lernen heute schon die Kinder der Havasupai das World Wide Web kennen und sind per Email zu erreichen. Wenn sie dann mit 13 Jahren zu einer der Highschools außerhalb des Reservates kommen, sind sie weiter in der modernen Kommunikationstechnik als die Durchschnittsamerikaner, die sich in der Regel noch mit einem Modem durch das Netz bewegen. Von den anderen Indianerstämmen nicht zu reden, so die Navajos, von denen die meisten weder Strom- noch Wasseranschluss haben. Bis zu der weltweiten Verbindung war es ein langer Weg. Havasupai „ Die Menschen vom blau grünen Wasser", damit ist der Havasu Creek gemeint. Seit über 1500 Jahren kann man die Spuren der Havasupai zurückverfolgen. Sie gehören zur Paifamilie und haben ihren Ursprung im Antiken Stamm der Yumas. Ihre Sprache gehört zur Hokan- Gruppe, die mit den Sioux verwandt ist. Seit über 1000 Jahren leben sie im Grand Canyon, dort wo sie heute ihr kleines Dorf Supai bewohnen Schon im Altertum töpferten sie und trieben regen Handel mit den Hopi-Indianern.. Der Stamm hat heute um die 650 Mitglieder, davon leben 450 in Supai, im Grand Canyon. Schon früh bewohnten sie Supai. Im Frühling und Sommer bewirtschafteten sie unten im Canyyon ihre Felder. Im Herbst und Winter zogen sie nach oben, um zu jagen. 1882 ging es ihnen nicht viel anders als den anderen Stämmen. Sie bekamen ihre Reservation im Boden des Canyons, 518 acres (259 ha), und sie verloren ihre Jagdgründe. Erst 1975 bekamen sie durch einen Kongressbeschluss ihre 185.000 acres (92.5000 ha) Jagdgebiet oben am Grand Canyon wieder zurück. Schon immer war Supai nur zu Fuß oder mit Pferden und Maultieren zu erreichen. So ist es die am schwierigsten zu erreichende Reservation. Erst in der Neuzeit gibt es auch die Möglichkeit, das Dorf mit dem Helikopter zu besuchen. Die Reservation ist durch die einmalige Landschaft das Ziel von vielen Touristen aus aller Welt. Die Wasserfälle, Navajo, Havasu, Mooney Falls und Beaver Falls sind weltberühmt. Damit die Landschaft erhalten und das Leben im Dorf erträglich bleibt, haben die Havasupai die Besucherzahl auf jährlich 12.ooo beschränkt. So kommen heute 50 % ihrer Einnahmen aus dem Tourismus. Sie können aus wirtschaftlichen Erwägungen auf die Touristen nicht verzichten. „Wir zahlen Steuern wie jeder andere Amerikaner auch", erzählen sie uns stolz. Das sollte wohl auch eine Anspielung auf andere Stämme sein, bei denen die Mitglieder sich steuerfrei im Reservat bewegen können. Wir machen uns an einem sonnigen Septembertag auf den Weg mit unserem Truck und Trailer. Unser Ziel ist Hilltop bei den Havasupai Indianern. Hilltop ist die Station, wo der Trail nach Supai beginnt. Wir haben unsere Genehmigung lange vorher beantragt und vor 3 Monaten bekommen. Wir reiten mit unseren Foxtrottern in den Grand-Canyon. Für unsere Campingausrüstung und für das Pferdefutter haben wir uns Packpferde bei den Havasupai bestellt. Als wir gegen Mittag Hilltop erreichen, wartet unser Indio mit seinen Mulis schon auf uns. Es war einfach für ihn. Statt der ungeordneten Gepäckstücke der Wanderer, die sich ihr Gepäck per Muli in den Canyon transportieren lassen, bekommt er von uns abgewogene und ausbalancierte Paniers und Toppacks. Schließlich macht die Miller-Ranch selbst Packtouren und weiß, wie gepackt werden muss. Das Gepäck ist schnell verstaut, aber wir lassen uns Zeit. Es ist ein herrlicher Ritt, hinunter in den Canyon, bequem und sicher mit unseren Missouri Fox Trottern. Es ist schon sehr auffällig, wie wir von allen Indianern sehr freundlich gegrüßt werden und die Komplimente, die wir über unsere Pferde bekommen. Im Gegensatz dazu hält sich ihre Freundlichkeit in Grenzen, wenn sie von den Hikern angesprochen werden. Von selbst nehmen sie nie ein Gespräch mit den Hikern auf. Ein Muletrain, wie die Maultier- Karawanen hier genannt werden, stoppt, als wir nach dem Abstieg im Schatten einer Felswand unser Lunchbreak machen und die herrliche Gegend genießen. „Missouri Fox Trotter, aha" murmelt der Muliführer und fragt, ob er nicht mit uns tauschen könne. Er lacht aber dabei und zieht weiter. Der steile Abstieg ist nach einer knappen halben Stunde geschafft und dann zieht sich der Weg durch einen Canyyon, der einmal breit und plötzlich ganz schmal wird. Es ist nach 15 Uhr. Nach uns kommen keine Hiker mehr vom Hilltop, aber wir haben einige überholt. Alle versuchen in den frühen Morgenstunden, den Weg abwärts oder aufwärts zu machen. Sie wollen der großen Hitze aus dem Weg gehen. Wir haben diese Sorge nicht, zumal es September ist und unsere Pferde die große Hitze aus Phoenix gewöhnt sind. 35 C ist für sie nichts besonderes und es geht auch noch bergab. Mit Pause haben wir gerade einmal 2 Stunden gebraucht, und wir spüren die Frische, wir hören das Rauschen des blau-grünen, kristallklaren Wassers des Havasu Creek. Es strömt mit hoher Geschwindigkeit dem Colorado entgegen. Doch bevor das Wasser den Colorado erreicht, wird es noch 12 Meilen durch den Canyon gespült und bildet die berühmten Wasserfälle: die Navajo, die Havasu, die Mooney Falls. Die berühmtesten sind die Havasu Falls, die eine Meile von Supai entfernt sind. Dort ist auch der Campground, unser Ziel. Doch noch sind wir gut eine Meile von Supai, dem 450 Seelen Dorf entfernt. Wir reiten durch eine grüne Oase, in einer Gegend, wo sonst nur Trockenheit herrscht. Das fließende Wasser begleitet uns geräuschvoll zum Dorf. Gleich am Eingang, kommen wir in das Zentrum von Supai. Ein kleiner Platz mit einem Restaurant, einer Schule, einem General-Store, mit der letzten Maulesel Poststation in den Vereinigten Staaten. Hier kommt die gesamte Post an, und von hier geht die Post aus Supai, per Mauleseltransport hoch zum Rim in die weite Welt. Viele Postkarten mit dem Bild der Havasu Falls beginnen hier ihre lange Reise. Auch die einzige, kleine Kirche steht hier. Die Havasupai haben zu einem großen Teil den christlichen Glauben akzeptiert, aber sie pflegen auch ihre alten Traditionen und glauben, dass die Berge, die Erde und die Natur leben. Sie haben ihren eigenen Weg gefunden, mit beiden Glaubensauffassungen umzugehen. Wenige Schritte vom Hauptplatz entfernt, befindet sich die einzige, kleine Lodge in Supai. Ca. 50 Gäste können dort aufgenommen werden. Am Eingang finden wir auch das Tourismus-Büro, die Verwaltung des Campingplatzes. Hier werden alle Genehmigungen erteilt oder auch abgelehnt, wenn der Besucherstrom zu groß wird. Im September, vom Wetter her die beste Zeit, ist aber der Andrang in der Regel nicht so groß und die Chance, auch eine kurzfristige Besuchsgenehmigung zu erhalten, ist sehr groß. Hier ist, wie in der Schule des Dorfes, die Neuzeit eingekehrt. Highspeed-Zugang zum Internet und von hier wird auch die Webseite www.havasupaitribe. com gepflegt. Sehr freundlich werden wir empfangen. „Ah. Miller-Ranch" herzlich willkommen, wir freuen uns, Euch wieder zu sehen". Wir bekommen jeder einen Anhänger für unser Gepäck. Der Campingplatz ist reserviert. Es gibt nur einen für Gäste mit eigenen Pferden. Selten kommen allerdings Gäste mit eigenen Pferden, in diesem Jahr sind wir die ersten und wir werden auch die letzten sein. Draußen wartet schon eine Schar von Kindern, die gerne einen Foxtrotter reiten möchten. Wir haben leider nicht viel Zeit, wir müssen noch bis zum Campingplatz reiten und unser Zelte aufbauen. Antonie, unser Muliführer, hat unser Gepäck am Campingplatz schon abgeladen. Ein kleines Mädchen mit schwarzen Knopfaugen bittet und guckt ganz sehnsüchtig auf „Impressive’s Evita M.R." Uli, unser Gast aus Paris, lässt sie reiten und die anderen Kinder klatschen Beifall. Ein kurzer Ritt und wir haben den Campingplatz erreicht. „Oh ist das traumhaft", meinen Uli und Helga. Helga hat sich diesen Ritt seit 8 Jahren gewünscht, sie ist begeistert. Vor 8 Jahren hatte Helga die Miller-Ranch auf der Equitana in Essen besucht und von diesem Ritt geträumt. Das sind die schönsten Träume, die man sich dann irgendwann erfüllen kann. Die Zelte sind schnell aufgebaut, die Pferde mit Futter versorgt. Ein herrliche, laue Abendluft, und das Rauschen der Havasu Falls lassen eine beruhigende Stimmung aufkommen. Wir glauben zu verstehen, warum die Havasupai daran glauben, dass die Berge, das Wasser und die Erde leben. Die Havasupai sind mit ihrem kleinen Juwel am Grunde das Canyons eng verbunden. Ein wunderschöner, stimmungsvoller Morgen erwartet uns. Den ganzen Tag werden wir auf unseren Weg zu den Mooney Falls und den Beaver Falls vom Rauschen des Wassers begleitet. Der Abstieg ist nicht unbedingt für jedermann. Obwohl durch die Ketten, die am Felshang hängen, ist es keine große Aufgabe, wenn man etwas sportlich ist. Ein Bergsteiger muss man nicht unbedingt sein. Aber die kleine Anstrengung lohnt sich, und man wird belohnt mit herrlichen Bildern einer einzigartigen Landschaft. Hier gewinnen wir wieder Respekt vor der Schöpfung, die dies alles hat entstehen lassen. Es sind nicht viele Hiker, die sich bis zum Colorado durchschlagen. Es sind gut 7 Meilen vom Campingplatz, aber Meilen, die es in sich haben. 7 Meilen- eine Klettertour mit mehreren Wasserüberquerungen. Wir machen vor den Beaver Falls halt und nehmen ein Bad in diesem kristallklaren, blau- grünen Wasser. Die Wassertemperatur ist mit 20°C sehr erfrischend und bleibt über das ganze Jahr konstant. Immer wieder kommen Havasupai zu uns ins Camp und sprechen uns an, immer wieder sind es die Pferde, die sie beeindrucken. Der Aufstieg ist für unsere Missouri Fox Trotter ein Kinderspiel. Wir warten bis zum Mittag. Dann sind alle Hiker und Muletrains auf dem Weg nach oben. Unsere Pferde haben keine Probleme, 30°C sind für sie fast ungewohnt frische Temperaturen. Mit einer kleinen Pause von 30 Minuten, sind wir nach zwei Stunden oben bei unserem Truck und Trailer. Unsere Kühlbox auf der Ladefläche ist noch immer eiskalt. Das Eis hat sich gehalten. Das Bier hat zwar etwas abgenommen, aber man hat uns noch genügend übrig gelassen. Es hat sich in den 5 Jahren, als wir zum letzten Male bei den Havasupai waren, nicht sehr viel geändert. Der Campingplatz ist nach der großen Flut wieder hergestellt und überall sieht man jetzt die Hinweisschilder mit www.havasupaitribe.com. Eine neue Strasse oder besser ein Weg führt vom Campingplatz um das kleine Dorf herum. Die Muli-Karawanen, mit dem Gepäck der Camper, müssen nicht mehr wie früher über den Hauptplatz gehen. Die Naturschönheiten sind wie eh und je beeindruckend und bleiben lange in Erinnerung. Die Havasupai können sich glücklich schätzen, an einem der schönsten Orte dieser Welt zu leben. Neuzeit und Altzeit, die Harmonie wäre fast vollkommen, wenn es nicht noch immer den Streit über den Uranabbau mit der Regierung gäbe. Aber das Schicksal ist diesmal mit dem Stamm. Die Preise für Uran sind im Keller, sodass sich derzeit der Abbau nicht lohnt, und es sieht nicht danach aus, dass die Preise für Uran in Kürze extrem steigen werden. Den Havasupai wird also ihr Paradies erhalten bleiben. Lothar Rowe · www.miller-ranch.com  
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