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Ponys in der Therapie Schon lange ist bekannt, dass beim Primärziel
"reiten lernen", die Entwicklung der Persönlichkeit
ein bestechendes Nebenprodukt
ist. 400 J. v. Chr. schrieb Xenophon, dass
sich gute "Reiterführer" durch "Klugheit, Besonnenheit,
Mut und Übersicht in allen Lebenslagen"
auszeichnen, der Arzt Hippokrates
schätzte den "heilsamen Rhythmus"
des Reitens, um 1680 wurde "fleißiges und
ausdauerndes Reiten" gegen Gicht empfohlen,
und 100 Jahre später erkannte man
die positiven Auswirkungen
des Reitens auf
psychisch kranke
Menschen. In
Deutschland gewann
das Therapeutische
Reiten nach dem
zweiten Weltkrieg, bei
der Heilung von
Kriegsverletzten, an
Bedeutung, den
Durchbruch erfuhr die
therapeutische Maßnahme
mit Pferden
aber erst in den 60er
Jahren. Heute ist es in
vielen Einrichtungen
und als private Fördermaßnahme
etabliert.
Das Therapeutische
Reiten nutzt die emotionalen, kommunikativen
und motorischen Möglichkeiten
bzw. Gegebenheiten des Pferdes, um
kranke, behinderte, verhaltensauffällige und
entwicklungsverzögerte Menschen aller Altersstufen
zu fördern. Es wird in drei Teilbereiche
aufgegliedert, deren Grenzen aber
fließend sind, da keine Einschränkung isoliert
betrachtet wird. Erster Bereich ist die
Hippotherapie, eine krankengymnastische,
ärztlich verordnete und kontrollierte Bewegungsmaßnahme
auf dem Pferderücken.
Zweiter Bereich ist das Heilpädagogische
Reiten und Voltigieren, bei dem der pädagogische
und psychologische Aspekt in den
Vordergrund gestellt wird. Dritter Bereich
ist das Reiten als Sport für Behinderte, bei
dem der Schwerpunkt eindeutig auf Sport
bzw. Leistung im Rahmen der jeweiligen
Möglichkeiten liegt. In unserem Betrieb wird
vorrangig HPV (Heilpädagogisches Voltigieren)
mit Kindern im Vorschulalter durchgeführt.
Um sich auf die speziellen Belange
dieser jüngeren Patienten einzustellen
führen wir das HPV auf Ponys durch.
Beim HPV kommt
dem Rhythmus des
sich bewegenden
Ponys eine sehr
große Bedeutung zu,
das Kind muss sich
früher oder später
dem Rhythmus des
Tieres anpassen, um
das eigene Gleichgewicht
zu wahren
und wird sich so
leichter aus seiner
Verspannung und
Verkrampfung lösen.
Der ständige
Wechsel von Spannung
und Entspannung
der Muskulatur im Beckenbereich
lenkt
von eigenen
Problemen ab
und fördert die
Öffnung für
neue Dinge und
die allgemeine
L o c k e r u n g .
Dies wird sehr
gut reflektiert
von Menschen
mit Spastiken,
die teilweise eine
nichtgekannte
Entspannung
über Tage
erfahren haben.
Es wird überwiegend
an der
Longe oder an
der Hand gearbeitet, die Ponys sind dabei
mit einem Voltigiergurt oder einem speziellen
Therapiegurt mit verstärkter Polsterung
ausgerüstet. In den Sommermonaten
werden aber auch Ausflüge ins Gelände unternommen.
Situationsbedingt kann ein Stundenablauf
auch jederzeit geändert werden.
Das HPV zeichnet sich durch die ganzheitliche
Beanspruchung des Körpers und
ein weites Feld der Bewegungsförderung
und -erziehung aus. Folgende
Bereiche werden nachhaltig
gefördert: Motorik, Wahrnehmung,
emotionaler und sozialer
Bereich. Dies möchte ich
durch einige Beispiele aus der
Praxis erläutern: Beim Umgang
mit dem Pony und der Vorbereitung
des Tieres für eine Therapiestunde
wird schon die
Grob-und Feinmotorik der Kinder
beansprucht, dies beginnt
beim Aufhalftern und Strick anbringen
und geht weiter beim
Anbinden und Putzen. Schon
das Auskratzen der Hufe erfordert
Gleichgewicht, ein gewisses
Maß an Kraft und Koordination
und vor allem eine
gehörige Portion Mut sich dem
großen Tier überhaupt zu
nähern. Kinder die innerhalb
ihrer Kindergartengruppe wenig
Selbstbewusstsein zeigen,
sind häufig beim Reiten mutiger als "ranghöhere"
Kinder der Gruppe. Durch diese
Konstellation stärken sie ihre Position in den
Alltagssituationen.
Es gibt schon bei den vorbereitenden Arbeiten
viele Möglichkeiten "Teamwork" zu
fördern, Hilfen zu geben und anzunehmen.
Regeln müssen eingehalten werden und eigene
Ansprüche eingegliedert werden. Kinder
mit aggressiven Verhaltensweisen werden
durch das Pony vorbehaltlos angenommen,
da
Pferde nicht nach
zivilisatorischen
Verhaltensmustern
(Strafe, Rache)
handeln.
Das Kind erfährt
somit, dass sein
abweichendes
Verhalten nicht
unbedingt und
überall auf Ablehnung
und Gegenwehr
trifft und
erhält die Möglichkeit,
aus seinem
Verhaltensmuster
auszubrechen
und positiv
verstärkt zu werden.
Während der Therapie auf dem Pferderücken
geht die ganzheitliche Förderung weiter, es
werden Raum-Lage-Beziehungen (links,
rechts, vorne, hinten etc.) hergestellt, Ausdauer,
Entwicklung von Muskulatur, Steigerung
von Konzentration und Reaktionsfähigkeit
gefördert. Motorische Unruhe wird
reduziert und viele Eltern haben sich schon
gewundert, mit welcher Ruhe und Ausdauer
ihre kleinen "Zappelmänner'''' das Reiten genießen,
es sind sogar schon Kinder auf dem Ponyrücken eingeschlafen. Betreuer und Eltern
haben beim HPV die Möglichkeit ihre
Schützlinge aus einer völlig neuen Perspektive
zu sehen und können diese Erfahrungen
und Erkenntnisse für ihre weiteren
Erziehungsziele verwerten.
Den Einsatz von Ponys in der Therapie mit
Kindern halte ich für optimal, da nur mit
den "kleinen Pferden" ein angemessener
Umgang für die "kleinen Menschen" gegeben
ist. Man stelle sich nur mal die Perspektive
Kleinkind - Großpferd als Therapievoraussetzung
vor.
Das Therapeutische Reiten wird von ausgebildeten
Reitpädagogen, mit speziell für
diesen Zweck ausgebildeten Pferden und
Ponys durchgeführt. Die Anforderungen an
ein Therapiepferd und -pony sind sehr groß.
Es sollte ein ausgeglichenes Temperament
besitzen und Kindern gegenüber freundlich
sein. Es darf nicht schreckhaft sein, sollte
aber auch nicht abgestumpft und phlegmatisch
im Wesen sein, da ein Therapiepferd
aufmerksam und fein reagieren soll.
Es muss über ordentliche Grundgangarten
verfügen, besonders der Schritt ist zu beachten,
da ein großer Teil der Therapie in
dieser Gangart stattfindet.
Der Schritt des Pferdes simuliert optimaler
als jede andere Therapieform den menschlichen
Gang. Der Schritt des Pferdes ist wie
der menschliche Gang eine dreidimensionale
Bewegung. Patienten mit Muskelschwächen,
Lähmungen etc. können ihre
Muskulatur kräftigen und erhalten im Idealfall
die Möglichkeit, ihre Mobilität zu verbessern,
eventuell sogar das Gehen zu erlernen.
Auch die Körperform des Ponys ist
von entscheidender Rolle, viele Kinder sind
auf schmale Tiere angewiesen, da sie sehr
kurze Beine haben und anatomisch nicht
in der Lage sind so weit zu spreizen, dass
sie auf einem dicken, rumpfigen Pferd oder
Pony sitzen können.
Die Ausbildung eines Therapiepferdes erfordert
viel Zeit und Erfahrung, und für die
Gesunderhaltung des Tieres ist eine artgerechte
Haltung mit viel Auslauf und Abwechslung
in der Arbeit unerlässlich. Die
Ponys werden zusätzlich dressurmäßig geritten,
im Gelände bewegt und teilweise
auch gesprungen. Eine Überforderung ist
zu vermeiden, da überforderte Ponys nicht
die innere Gelassenheit haben, die für den
Einsatz im Therapeutischen Reiten erforderlich
ist. Die in unserem Betrieb eingesetzten
Therapieponys werden alle selbst
ausgebildet und sind größtenteils auch selbst
gezogen bzw. aufgezogen.
Auf diese Art haben wir die größtmögliche
Einflussnahme auf die Entwicklung der Tiere,
doch selbst dies ist keine Gewähr, ein
gutes Therapiepferd zu bekommen, denn
"Therapiepferde" kann man nicht züchten.
Bei uns werden in der Therapie Reitponys
unterschiedlicher Größen, Haflinger und
ein Norwegermix eingesetzt. Für Erwachsene
stehen neben den Haflingern auch
zwei Warmblüter (ein Hannoveraner und
ein Lette) zur Verfügung.
Vorteil der Förderung auf dem Pferd ist das
Agieren und Reagieren in einer lebendigen,
lustbetonten Umgebung. Kein anderes
"Sportgerät" und keine andere Therapieform
motiviert so stark und anhaltend wie ein
Pferd oder Pony.
Reitstall KüBo
Karen Küfe, Reitpädagogin
An der Osterheide 34, 27246 Borstel,
Telefon: 0 42 76-12 25 |
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