Weidesaison

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Gesunde Weiden – gesunde Pferde!
Die Weidesaison sollte für die Pferde eigentlich der reinste Jungbrunnen sein: Sie können sich ihre Futterration selbst zusammenstellen, ihren Bewegungsdrang stillen und ihr Sozialverhalten ausleben. Doch viele Pferdeweiden sind mittlerweile zu Problemweiden herabgewirtschaftet worden. Und so wird aus dem vermeintlichen Wellnessfaktor Weidegang leicht ein Risikofaktor für die Gesundheit der Pferde. Die meisten dieser Probleme sind aber hausgemacht und lassen sich durch ein vorausschauendes Weidemanagement erfolgreich vermeiden. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Wenn man sich erst einmal darüber im klaren ist, welche Probleme speziell auf Pferdeweiden auftreten, weiß man auch schon, wo man mit der Vorsorge ansetzen muss. Pferde belasten die Grasnarbe auf der Weide in extremer Weise durch Trittschäden und tiefen Verbiss. Durch den selektiven Fraß und durch das Anlegen von speziellen Kotplätzen tendieren Pferdeweiden zu einer negativen Artenverschiebung: Schmackhafte Arten werden immer wieder abgefressen und gehen dadurch langsam zurück. Unkräuter und weniger schmackhafte Pflanzen bleiben dagegen stehen und breiten sich - auch von den Geilstellen ausgehend - immer weiter aus. Doch auch eine fehlerhafte Düngung wirkt sich nachteilig aus. Viele Weiden werden immer noch über Jahre hinweg nach einem starren Schema gedüngt, ohne dass die Nährstoffgehalte des Bodens berücksichtigt werden. Das führt zu unausgewogenen Mineralstoffgehalten im Futter, was die Gesundheit der Pferde beeinträchtigen kann. Ein typisches Problem der Pferdeweiden ist außerdem die Verseuchung mit Parasiten. Dadurch erreicht die Verwurmung der Pferde im Laufe der Weidesaison oftmals kritische Ausmaße. Durchdachtes Weidemanagement Allein durch ein vorausschauendes Weidemanagement lassen sich viele dieser Probleme in den Griff bekommen: - Überbesatz vermeiden: Möglichst nicht mehr als zwei Pferde je Hektar Weidefläche. - Befestigte Auslaufkoppel für Schlechtwetter- Perioden bereitstellen, um die Weide zu schonen. - Nach Möglichkeit Umtriebsweide mit wöchentlichem Wechsel der Koppeln (5-8) einrichten - Regelmäßiges Abmähen der von den Pferden verschmähten Reste - Wechsel von Schnittund Weidenutzung. Günstig ist auch eine Misch- oder Wechselbeweidung mit Rindern. - Grunddüngung und Kalkung nur nach Analyse einer Bodenprobe - Stickstoffdüngung am besten mit Kalkstickstoff - Regelmäßige Nachsaat mit Deutschem Weidelgras. Im Frühjahr die Weichen richtig stellen Viele wichtige Maßnahmen für die Weidepflege sind im zeitigen Frühjahr zu treffen. Durch das Abschleppen (z. b. mit einer einfachen Reifenschleppe) der Weide werden Maulwurfshügel eingeebnet und die Gräser zur Bestockung angeregt. Auf humusreichen Standorten, die zum Auffrieren neigen, ist es außerdem ratsam, nach den letzten Frösten mit einer schweren Wiesenwalze den Anschluss der Grasnarbe an den Boden wieder herzustellen. Auch ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Weidezäune zu kontrollieren und auszubessern. Bei der ebenfalls im Frühjahr fälligen Düngung sollten Sie in drei Schritten vorgehen: 1. Bodenuntersuchung auf die Hauptnährstoffe Phosphor, Kalium, Magnesium, Schwefel und Kalk machen lassen. Denn nur wenn Sie wissen, ob und welche Nährstoffe fehlen, können Sie gezielt düngen. 2. Grunddüngung. Ob und mit was Sie düngen müssen, sagt Ihnen die Empfehlung, die Sie mit dem Ergebnis der Bodenuntersuchung erhalten. Das spart unnötige Düngerkosten, schont die Umwelt und sorgt für einen ausgeglichenen Mineralstoffgehalt im Futter. 3. Stickstoffdüngung: Pferdeweiden haben keinen großen Stickstoffbedarf, denn Pferde benötigen als Steppentiere eher nicht zu fettes Gras. Andererseits begünstigt eine zu geringe Stickstoffdüngung die massenhafte Ausbreitung des Weißklees, der sich den Stickstoff dank seiner Symbiose mit den Knöllchenbakterien selber aus der Luft holen kann. Ein großer Kleeanteil im Futter ist aber aufgrund seines hohen Eiweißgehaltes kritisch zu sehen. Deshalb muss der Klee durch eine moderate Stickstoffdüngung, die vor allem den Gräsern zugute kommt, im Zaum gehalten werden. Der Jahresbedarf für eine Pferdeweide liegt bei 80 bis 140 kg Reinstickstoff je Hektar. Zumindest die erste Gabe im Frühjahr wird auf Pferdeweiden am besten in Form Kalkstickstoff PERLKA gestreut. Denn Kalkstickstoff wirkt gleichmäßig und lange anhaltend. Er verursacht kein Stoßwachstum und keine überhöhten Nitratgehalte im Futter. Statt dessen sorgt er für eine dichte Grasnarbe und stoppt die Bodenversauerung. Der entscheidende Vorteil ist aber: Als einziger Stickstoff- Dünger wirkt Kalkstickstoff zusätzlich gegen Unkräuter und Weideparasiten! Parasiten – die lauernde Gefahr im Gras Hauptinfektionsquelle für fast alle Arten von Endoparasiten ist die Weide. Wichtig ist, Pferd und Weide vor dem Auftrieb möglichst parasitenfrei zu bekommen, damit sich die Verwurmung nicht sofort wieder aufschaukeln kann. Deshalb sollten nur einwandfrei entwurmte Pferde auf die Weide gelassen werden. Viele Parasiten können jedoch auch in Form von Eiern oder Larven auf der Weide überwintern. Mit Erwärmung des Bodens werden sie wieder aktiv, kriechen an den Grashalmen nach oben und werden von den Pferden beim Grasen aufgenommen. Deshalb werden die Pferde im Frühjahr am besten zuerst auf jene Flächen gelassen, die im Herbst nicht mehr beweidet worden sind. Die auf der Weide überwinterten Parasiten können auch durch eine Düngung mit Kalkstickstoff dezimiert werden. Das nach dem Ausstreuen dieses Düngers unter dem Einfluss der Bodenfeuchte kurzfristig entstehende Cyanamid schaltet den Großteil dieser Parasiten aus. Die beste Wirkung wird erzielt, wenn pro Hektar 300 bis 400 kg Kalkstickstoff zur Zeit der Forsythienblüte gestreut werden. Bei hohem Parasitendruck oder in verregneten Sommern sollte auch die Nachdüngung im Juni/Juli vorzugsweise als Kalkstickstoff gegeben werden. Grundsätzlich sollten die Pferde 10 bis 14 Tage nach der Anwendung von Kalkstickstoff nicht auf die gedüngte Weide gelassen werden. Auch Nachsaaten sollten frühestens 10 Tage nach der Düngung vorgenommen werden. Zum Eindämmen der Verwurmung sind weiterhin auch die Kotballen regelmäßig von der Weide abzusammeln. Das ist zwar lästig, aber außerordentlich wirkungsvoll. Dringend abzuraten ist dagegen vom Abschleppen des Grünlands nach einer Beweidung, weil hierdurch Kot und Parasiten von den Geilstellen gleichmäßig über die ganze Weide verschmiert werden! Fazit: Das Pferd ist, was es frisst! Pferdeweiden müssen mitnichten zu Problemweiden werden. Durch ein gezieltes Weidemanagement lässt sich selbst auf Pferdeweiden ein hochwertiger Grünlandbestand etablieren und erhalten. Gleichzeitig kann die Weidehygiene schon mit wenigen einfachen Maßnahmen entscheidend verbessert werden. Bei der großen Bedeutung für die Gesundheit der Tiere verwundert es, dass so viele Pferdehalter der Weidepflege nur relativ wenig Beachtung schenken. Dr. Hans-Jürgen Klasse Degussa AG, Trostberg  
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