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| Von Rechts wegen
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Sicherheitsrisiko Reitstall? - Sicherheit und Qualität haben gerade bei uns in Deutschland eine lange Tradition. Wie aber steht es mit Sicherheit und Qualität im Reitstall? Das allabendliche „Pferde Reinholen"
in unserem Reitstall wird
seit Jahren mit Skepsis betrachtet:
Jeweils fünf bis acht Pferde
der etwa 40 Tiere starken Herde
werden durch das Tor gelassen
und laufen über den asphaltierten
Hof teilweise selbstständig in ihre
Boxen. Eines abends gerieten
zwei Pferde in eine Box: eine
28jährige Stute als „Bewohnerin"
der Box und eine jüngere Stute.
Das jüngere Tier schlug das Ältere
so an Brust und Rippenbogen,
dass es daraufhin offensichtlich
starke Schmerzen und daraus folgend
eine Stresskolik bekam. Am
nächsten Tag starb es an den Folgen.
Die Reaktion des Stallbetreibers:
„Das sind eben Pferde, da
passiert schon mal was. Das einzelne
Hereinholen von der Koppel
kostet zuviel Zeit."
Mangelnde Sachkunde
Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie
nachlässig manche Pensionsstallbetreiber
teilweise mit unserem
teuren – im finanziellen wie
ideellen Sinne – Gut umgehen.
„Diese Probleme resultieren aus
der leider oft mangelhaften Sachund
Fachkunde der Betreiber,"
meint Ingolf Bender, Berater für
Pferdehaltung im weitesten Sinne.
Aber nicht nur Bauern, auch
so manchem privaten Resthofbesitzer
sind die Sicherheits- und
Qualitätsanforderungen nicht unbedingt
immer geläufig.
Untaugliches Baumaterial,
unsachgemäße Verarbeitung
Die Konsequenzen sind oft untaugliches
Baumaterial wie zu dünnes,
weiches und splitterfähiges
Holz, unverzinkte Eisenrohre als
Trenngitter, die einfach zusammengeschweißt
werden. Dadurch
entstehen scharfkantige Schweißnähte
und ein Verletzungs- und Infektionsrisiko.
Weitere Beispiele
sind zu niedrige Boxentrennwände,
Türen ohne unteren Sicherungshaken,
so dass Pferde beim
Wälzen die Tür nach außen durchtreten
und sich beim Zurückziehen
den Huf verletzen; zu weite Abstände
in den Trenngittern, einfaches
Glas an Fenstern ohne Schutzgitter.
Zu den baulichen Mängeln
gehören auch schlampige Stromleitungsverlegung,
Schalter und
Steckdosen in Erreichbarkeit der
Pferde, hervorstehende Wasseranschlüsse
und Sattelhalter. Ein
weiteres Sicherheitsrisiko entsteht
aus unsachgemäßer Einzäunung.
Mittlerweile wurde Stacheldraht
durch eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes
Weimar (AZ
KO700/99) als alleinige Verwendung
als tierschutzwidrig eingestuft.
Dasselbe gilt für Knotengitterzäune
und nicht stromführenden
Glattdraht. Unsicher sind
außerdem alle E-Zäune mit
schwach verspannter und schlecht
sichtbarer Litze. Last not least
kommt dazu oft genug die Diskussion
um manchmal schimmelige
Heu-, Stroh- oder Silageballen,
aus denen (wenn überhaupt) nur
die Schimmelnester entfernt werden,
obwohl der gesamte Ballen
auf den Misthaufen gehörte. Die
Folge muss nicht immer die Kolik
sein. Schimmelpilze sind generell
ein Sicherheitsrisiko - für Atmung
und Verdauung gleichermaßen.
Mut zur Wahrheit!
Die meisten Einsteller haben bei
einem Unfall nicht den Mut, beim
Stallbetreiber die Tierarztrechnung
einzufordern. Und selbst wenn der Einsteller auf Schadensersatz besteht,
kommt oft die Antwort: „Sie
haben ja gewusst, wie die Box
aussieht und hätten ja was sagen
können....". Das ist prinzipiell richtig
und gilt sicherlich für offensichtliche
Mängel wie Stacheldrahtzäune
und herausstehende
Nägel an der Wand. Aber inwieweit
muss der Pferdebesitzer auch
Fachmann für Stallbau sein?
Genau hinsehen!
Stallbetreibern und Einstellern gleichermaßen
sei daher empfohlen,
sich in der einschlägigen Literatur
(s. Hinweise) oder auch auf der
Web-Seite des Verbraucherschutzministeriums
zu informieren,
wie eine pferdegerechte und
sichere Unterbringung aussehen
muss. Die Anforderungen betreffen
Maße für Boxengrößen, Trennwände
und Türen. So sollten Trennwände
und oben offene Türen für
eine durchschnittliche Pferdegröße
von 1,67 m Stockmaß etwa 1,35m
hoch sein. Trenngitter im Schlagbereich
dürfen höchstens einen
Stangenabstand von 5 cm oder –
nur wenn sich die Pferde gut kennen
– über 20 cm haben, damit
der Huf entweder gar nicht oder
leicht hindurchpasst. Im Kopfbereich
muss der Abstand unter 17
cm oder über 30 cm sein. Die Rohre
oder Stangen des Gitteraufsatzes
müssen eine Materialstärke
von 20 bis 25 mm aufweisen. Als
Boxenmaterial wird 40(!) mm dickes
Hartholz (Robinie, Eiche, Lärche)
oder 25 mm dicke schlagfeste
Sperrholzplatten empfohlen. Der
Bodenabstand der Zwischenwände
darf maximal 5 cm, bei Fohlen
nur 2 cm betragen. Alle Türen
eines Pferdestalls sollten eine Mindestbreite
von 1,2 m aufweisen.
Schmale Zaun-Litzen bieten nur in
Verbindung mit einem Festzaun
aus Holz oder Gummigurtbändern
die nötige Sicherheit. In anderen
Fällen müssen drei Reihen und
mindestens 4 cm breite Litzen gezogen
werden. Die Zaunhöhe darf
die Widerristhöhe minus 10 Prozent
nicht unterschreiten – also für
ein durchschnittliches Warmblut
etwa 1,5 m; für Hengste gilt Widerristhöhe
plus 10 Prozent, also
ab 1,7 m.
FN-geprüfter Pferdestall
Seit dem Jahr 2000 bietet die
Deutsche Reiterliche Vereinigung
ein Kennzeichnungssystem an, mit
dem sich Pferdeställe qualitativ
überprüfen und kennzeichnen lassen
können. Dafür besichtigt eine
von der FN beauftragte Kommission
den Stall nach den Richtlinien
der tierschutzgerechten
Pferdehaltung. Ist der Stall in Ordnung,
erhält er für drei Jahre ein
Kennzeichnungsschild mit Prüfplakette.
Diese nachgewiesene
Qualität hat positiven Werbecharakter,
der den Stall gegenüber
anderen herausheben kann.
Mehr Qualitätsbewusstsein!
Es ist zu hoffen, dass zunehmend
mehr Kunden kritischer werden
und Mängel anzeigen, bevor das
Pferd zu Schaden kommt. Je häufiger
ein Pensionsstallanbieter mit
Fragen nach der Korrektheit seiner
Anlage, sachlicher Kritik und
nach einem Unfall mit berechtigten
Forderungen und ggf. mit der
Kündigung seiner Einsteller konfrontiert
wird, desto eher wird er
einsehen, dass er seinen Stall mit
dem nötigen Qualitäts- und Sicherheitsniveau
betreiben muss.
Es ist aber auch wünschenswert,
dass der Kunde einmal den Wert
der aufwändigen Dienstleistung
erkennt und bereit ist, für Service
einen Extrapreis zu bezahlen,
so dass für beide Teile ein faires
Geschäft entsteht.
Literaturempfehlungen:
Gerlinde Hoffmann und Dr. Hans-
Dietrich Wagner
Orientierungshilfen Reitanlagenund
Stallbau
FN-Verlag Deutsche Reiterliche
Vereinigung e.V.
10. Auflage 2001
ISBN 3-88542-243-3
Ingolf Bender
Praxishandbuch Pferdehaltung,
Kosmos Verlag 1999. ISBN 3-
440-07560-5
Ingolf Bender
Praxishandbuch Pferdeweide,
Kosmos Verlag 2003;
ISBN 3-440-09248-8).
Eberhard Fellmer/ Dr. Antje Rahn
Der richtige Stall für mein Pferd
– Pferdepension und Einstellungsvertrag
Cadmos Verlag 1997
ISBN 3-86127-315-2 |
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