Hufgesundheit

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Hufgesundheit
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Jedes Pferd ist nur so gut wie sein schlechtester Huf
Nicht immer sind schlechte Pflege oder Haltungsbedingungen schuld, wenn die Hufe brechen und bröckeln. Es kann auch am Futter oder an Stoffwechselstörungen liegen. Hufe als Indikator für den Gesundheitszustand des Pferdes Die Zusammenhänge zwischen Hufgesundheit, Fütterung, erblicher Veranlagung, Pflege und Haltungsbedingungen sowie Bewegung sind äußerst komplex. Die Hufe lassen wie übrigens auch das Fell Schwächen und Störungen in der Ernährung und im Stoffwechsel rasch erkennen und sind daher ein zuverlässiger Spiegel für den Gesundheitszustand des Pferdes. Meist sind schlechte Hufe mit einer Störung des Allgemeinzustands gekoppelt. Sind Ernährungsfaktoren die Ursache für Hufprobleme, so kann es sein, • dass das Pferd nicht genügend Nährstoffe erhält, um sein Hauptfutter optimal verwerten zu können, • oder es diese nicht ausreichend verwerten kann (z.B. schlechte Zähne, Stoffwechselstörungen), • "Fehlfütterungen" zu Verwertungsstörungen führen (z.B. zu enges Calcium-Phosphor-Verhältnis, zu viel Eiweiß) • dass wichtige Grundbausteine für ein gesundes Hufhornwachstum in der Nahrung fehlen oder im Mangel sind (z.B. Zink, Biotin, Vit. A), • zu viel von bestimmten Nahrungsstoffen aufgenommen wird (z.B. Selen). Sowohl das Wachstum als auch die Konsistenz des Hufhorns kann nur durch eine sehr komplexe Versorgung mit unterschiedlichen Nährstoffen beeinflusst werden. So sind die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein wichtig für die Bildung eines gesunden Bindegewebes und damit einer gesunden Huflederhaut. Diese bildet die "Wachstumszone" des Hufhorns. Kupfer und Vitamin C sind dienen als Katalysatoren bei der Bildung eines festen und gesunden Horns. Essenzielle Fettsäuren, wie z.B. im Lecithin enthalten, sind nicht nur für ein gesundes und glänzendes Haarkleid notwendig, sondern auch für geschmeidiges und gut durchfeuchtetes Hufhorn. Große Bedeutung für die Haut und die Schleimhäute hat auch Vitamin A. Ein Mangel wirkt sich negativ aus auf die Haut, auf alle Organe, die Schleimhaut besitzen und auch auf die Hufe. Allerdings kann das Pferd Vitamin A "selbst herstellen". Und zwar aus Carotin (1 mg ß-Karotin = 400 IE Vit. A). Dieses muss es in genügender Menge zu sich nehmen. In frischem Grünfutter ist stets genügend Carotin enthalten, in der Winterfütterung muss die Carotin-Versorgung aber beachtet werden. Eine Überdosierung von Carotin gibt es nicht, bei der direkten Vitamin A-Zufuhr sind aber Höchstgrenzen einzuhalten. Oft Ursache schlechter Huf: Siliciummangel Seit Jahrzehnten werden landwirtschaftliche genutzte Gräser und Halmgewächse (Getreide) auf möglichst hohen Ertrag gezüchtet. Dadurch bedingt hat ihr Gehalt an vielen Mineralien und Mikronährstoffen oft dramatisch abgenommen oder sie sind nur unzureichend verfügbar. Neben Calcium und Magnesium gilt dies für ein bislang in der Pferdefütterung wenig beachtetes Element, das Silicium. Der Gehalt an Siliciumdioxid (SiO2) hat in manchen Getreidesorten in den letzten hundert Jahren um bis zu 80 Prozent abgenommen. Beim Menschen sind die Folgen längst bekannt: schlechtes Bindegewebe, Cellulite, vorzeitige Hautalterung bis hin zu Magen-Darmoder Gelenkproblemen und anderen Störungen. Da die Grundlage unserer Pferdefütterung jedoch Gräser und Getreide sind, fehlt im Stoffwechsel unserer Vierbeiner – besonders in den schnell wachsenden Körpergeweben wie Hufe, Haut und Haare meist auch der lebensnotwendige Baustein SiO2. Gezielte Nahrungsergänzung zur Verbesserung des Huf-, Haut- und Fellwachstums Mit MicroMineral-SILICIUM hat die englische Firma medica-consulting Ltd. im letzten Jahr ein spezielles Ergänzungsfutter für Pferde und andere Huftiere auf den Markt gebracht, das dem Organismus neben SiO2 auch Calcium, Magnesium und Eisen zur Verfügung stellt. Es ist bei mangelnder Hornqualität- und stagnierendem Hufwachstum, aber auch bei Verdauungsstörungen wie wiederkehrenden Koliken oder Durchfall anzuwenden). Zu beziehen u.a. unter www.equo-vadis.de. Biotin – seltener als angenommen "die Ursache" von Hufproblemen Der Einfluss von Biotin – auch als Vitamin H bezeichnet – auf die Beschaffenheit des Hufhorns ist seit langem wissenschaftlich erwiesen. Doch ist eine zusätzliche Ergänzung über die Fütterung beim Pferd eigentlich nicht notwendig. Bei einer intakten Darmflora wird es nämlich von den Mikroorganismen in Blind- und Grimmdarm in ausreichender Menge gebildet. Nur bei Verdauungsstörungen – z.B. nach Koliken, Durchfallerkrankungen oder bei einer Antibiotika- Therapie – und in Stresssituationen reicht diese Eigenproduktion nicht mehr aus. Wichtig zu wissen: Fütterungsfehler (z.B. zu große Kraftfuttermengen) können die Darmflora schädigen und damit die Biotinsynthese hemmen. Amerikanische Studien haben gezeigt, dass nur etwa fünf Prozent der Pferde mit Hufproblemen auf reine Biotinzugaben ansprechen. Und die weltweit bekannteste Untersuchung zu Biotin – durchgeführt an der Spanischen Hofreitschule in Wien – hat gezeigt, dass täglich mindestens 15 mg Biotin pro Pferd verabreicht werden müssen. Außerdem muss die Zufütterung langfristig erfolgen: Im Versuch dauerte es mindestens acht Monate, bis die ersten Wirkungen erkannt werden konnten. Im Bereich der weißen Linie (oft eine Problemzone in Sachen Huffestigkeit) kann man mit ersten Erfolgen erst nach 14monatiger Zufütterung von Biotin rechnen. Hinsichtlich der Festigkeit des Hufhorns insgesamt sind noch weitaus längere Zeiträume zu kalkulieren. Allerdings scheint die positive Wirkung der Biotinzugabe auch nach dessen Absetzen über einen längeren Zeitraum "nachzuwirken". Einfluss verschiedener Spurenelemente auf die Hornbeschaffenheit Neben dem Biotin haben auch bestimmte Spurenelemente einen Einfluss auf die Hornbeschaffenheit. Gesunde Hufe benötigen Zink, Kobalt, Kupfer und Eisen, um Keratin zu bilden. Keratin festigt die äußeren Schichten des Hufs und der Haut. Bei unzureichender Keratinbildung bleibt der Huf weich und verletzungsanfällig. Untersuchungen des Instituts für Tierernährung der Hochschule Hannover aus dem Jahr 1995 haben gezeigt, dass fast alle Pferde mit schlechtem Hufhorn einen Zinkmangel hatten. Wie weit verbreitet Zinkmangel insbesondere bei Freizeitpferden ist, zeigt auch die Meisterarbeit im Rahmen der Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister von Hufpflegerin Nina Besser aus Salzgitter aus dem Jahr 2003: Sie ermittelte in ihren Untersuchungen an 112 Pferden über Zusammenhänge zwischen Haltung, Fütterung und Hufqualität bei 60 Prozent der Pferde einen akuten Zinkmangel. Vorsicht bei zusätzlichen Selengaben Auch Vitamin E und Selen sind wichtig für den Stoffwechsel und damit auch für die Gesundheit des Hufs. Selen (Se) ist ein Zellschutzelement. Eine Unterversorgung schwächt die Infektionsabwehr. Sie kann bei ausschließlicher Heu/Haferfütterung vorkommen. Vorsicht jedoch bei zu viel Selen! Es kann beim Pferd bereits bei 2 mg pro kg Futtertrockensubstanz – das entspricht der zehnfachen Überdosierung des Erhaltungsbedarfs – Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Weil Selen den Schwefel in den schwefelhaltigen Aminosäuren des Strukturproteins Keratin ersetzt, werden brüchige, nichtfunktionelle Haare und Hufe gebildet. Betroffene Pferde lahmen, der Kronsaum verändert sich und es entwickeln sich von der Eckstrebe bis zum Hufrücken tiefe Ringe in der Hufwand. In schweren Fällen können die Pferde sogar ausschuhen, das heißt die Hornkapsel komplett verlieren. Vergiftungen können durch die Aufnahme besonders selenhaltiger Pflanzen verursacht werden, die allerdings nicht in Deutschland, sondern nur in Nordamerika, Irland, Israel, Australien, China oder Südafrika vorkommen. Probleme können jedoch in industriellen Gebieten vorkommen, wenn der Selengehalt im Boden durch Emissionen erhöht ist oder es durch Klärschlammdüngung zu Selenanreicherung in Pflanzen kommt. Ebenso kann das Trinkwasser durch Eintrag über das Grundwasser in solchen Gebieten erhöhte Selengehalte aufweisen. Eine weitere Quelle von Selenvergiftungen sind Mischfehler bei der Herstellung selenhaltiger Zusatzfuttermittel oder Überdosierung von Injektionslösungen zur Prophylaxe des Selenmangels. 2 bis 3 mg Selenit oder Selenat/kg Futtertrockenmasse (2 bis 3 ppm) führen beim Pferd zu chronischen Vergiftungen. Ebenso geht ein Selengehalt im Trinkwasser von über 10 ppm mit chronischen Vergiftungen einher sowie die tägliche Aufnahme von 44 mg Selen/kg Körpergewicht übers Futter. Zu viel Eiweiß als Ursache von Hufproblemen Wenn Pferde mehr Protein bekommen als sie benötigen (z.B. auf Grund zu hoher Kraftfutterration oder zu langem Weidegang etc.), entsteht eine erhöhte Belastung für Leber und Nieren, weil diese den durch die Proteinumsetzung entstehenden Ammoniak ausfiltern müssen. Wird dieser Leberund Nierenstress zum Dauerzustand, so sind Langzeitschäden im Stoffwechsel vorprogrammiert, die auch negative Auswirkungen auf das Hufwachstum haben können. Dazu gehört in erster Linie die Übersäuerung. Aber Ammoniak löst noch weitere Schäden am Pferd aus. Zusammen mit Urin bildet er in der Stalleinstreu eine Lösung, die das Hufhorn auslaugt und brüchig werden lässt. Wann droht die Gefahr einer Hufrehe? Große Gefahr droht Pferden bei jeder plötzlichen Futterumstellung, insbesondere bei Eiweißüberfütterung wie beispielsweise beim Weideauftrieb im Frühjahr. Bei der Hufrehe, einer äußerst schmerzhaften Entzündung der Huflederhaut, kommt es zu einer Zusammenhangstrennung zwischen den Huflederhautblättchen und den Hornblättchen, wodurch das Hufbein seinen Halt an der Hufwand verliert und sich in der Hornkapsel absenken (u.U. bis zum Sohlendurchbruch) oder/und drehen kann. Fütterungsbedingte Risikofaktoren für Hufrehe • mastiger Ernährungszustand • zu viel Kraftfutter/zu wenig Raufutter • jede Art von plötzlicher Futterumstellung Fütterungsbedingte Faktoren, die Rehe auslösen können • Übermäßige Kraftfutteraufnahme jeglicher Art • Übermäßige Aufnahme von nährstoffreichem Raufutter wie Luzerne, Kleeheu, üppiges junges Grünfutter • Erhitztes oder welkes Gras • Giftige Futterinhaltsstoffe (bakterielle Gifte, Pilzgifte, Mutterkorn, Spritzmittel etc.) • Giftpflanzen • Giftstoffe (z.B. Aloe, Rizinus, Istizin) • Überladung des Verdauungsapparats mit Verdauungsbzw. Stoffwechselprodukten aus eiweißreicher und Kohlehydrat- Überfütterung (dies ist die wichtigste Ursache!) Aber auch andere Ursachen können eine Rehe verursachen. So zum Beispiel Medikamentenunverträglichkeiten, Vergiftungen oder das Nachgeburtsverhalten bei Stuten. Auch Durchgehen auf hartem Untergrund, starkes Anschlagen der Hufe an harte Gegenstände, Wände etc. können eine Rehe auslösen. Hierbei spricht man dann von "Belastungsrehe". Pferde mit Hufrehe benötigen besondere Pflege. Hier sollte immer der Rat eines Tierarztes und Hufschmieds eingeholt werden. Außerdem hat sich gezeigt, dass mit einer besonderen Fütterung in nahezu allen Stadien der Hufrehe beeindruckende Verbesserungen verzeichnet können. Fazit Fütterungsmaßnahmen können einen entscheidenden Einfluss auf die Hornqualität haben. Aber Erfolg können sie nur dann bringen, wenn alle anderen Faktoren, die die Hufqualität beeinflussen, beachtet werden. Dazu gehören insbesondere die Haltungsbedingungen, ausreichend Bewegung und die Pflege der Hufe.  
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