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Textversion:
Beregnungstechniken in Pferde-Bewegungshallen Wer kennt nicht das Problem,
dass gerade im Winter bei der
Bewegungstherapie der Pferde
in den Reithallen viel Staub aufgewirbelt
wird? Für Reiter und
Pferd ist es oft nicht nur eine unangenehme,
sondern auch gesundheitsschädigende
Begleiterscheinung.
Die Staubentwicklung ist eine
negative Eigenschaft der Tretschicht
eines Reitlagers. Die Tretschicht
muss stets eine Grundfeuchte
aufweisen, durch die die
Bereitbarkeit (Scherfestigkeit,
Trittsicherheit) verbessert und
die Lebensdauer deutlich verlängert
wird.
Wenn die Sande der Tretschicht
zu trocken sind, sinkt der Huf
ein und es wird beim Beritt zu
viel Staub aufgewirbelt. Das wird
besonders bei Sanden, die nur
aus wenigen Korngruppen bestehen,
beobachtet.
Sind sie zu nass, wirken sie – besonders
die kornabgestuften Sande
– fest. Für jeden Sand einer
Tretschicht gibt es also in Abhängigkeit
von Kornform, Kornbau
und Beimischungen (Holzspäne,
Textilfetzen) eine "optimale"
Feuchtigkeit, die jeweils
im Einzelfall zu ermitteln ist.
Unabhängig vom verwendeten
Belag ist eine regelmäßige Beregnung
zur Vermeidung von zu
starker Staubentwicklung für die
Gesundheit der Pferde außerordentlich
wichtig.
Denn die Luftverhältnisse haben
einen gravierenden Einfluss auf
die Atemwege. Als pathogene
Faktoren kommen hier vor allem
Mikroorganismen, im besonderen
Pilzsporen in Betracht. In der
Luft enthaltene (Staub-) Partikel
gelangen zwangsläufig beim Atmen
in die Atemwege, wobei die
Partikelkonzentration und die
umgesetzte Luftmenge von wesentlicher
Bedeutung sind.
"Beim täglichen Training eines
Turnierpferdes von 90 Minuten
Dauer mit Arbeitsphasen in allen
drei Gangarten liegt der Luftbedarf
schätzungsweise bei
45.000 Litern.
Im Vergleich zum Luftverbrauch
von 81.000 Litern während der
verbleibenden Zeit im Stall wird
also die Lunge während des Trainings
mit mehr als der Hälfte des
Luftvolumens der Ruhezeit belastet.
Dies erlaubt den Schluss,
dass die Luftverhältnisse in den
Reithallen rund ein Drittel des
Gesamteinflusses durch die
Atemluft ausmachen".
(RAPP, H. J. 1991)
Es ist also ein direkter Zusammenhang
zwischen körperlicher
Belastung und Lungenventilation
zu sehen.
Besonders in den Sommermonaten
sollte der Tretbelag mehrmals
täglich über kurze Zeit befeuchtet
werden. Hohe Wassermengen
sind zu vermeiden, da
die Grundfeuchtigkeit der Tretschicht
dann überschritten wird
und somit die Eigenschaft eines
guten Tretbelages verloren geht.
Auch darf kein Wasser in die
Trennschicht gelangen, wenn diese,
wie häufig in Reithallen, aus
Lehm besteht. Der vom Huf abgerissene feuchte Lehm vermischt
sich mit der Tretschicht und langfristig
wird der Reitbelag zerstört.
Wenn beim Einbau der Lehmschicht
feuchte Stellen erhalten
bleiben, wird die geforderte
Grundfeuchte des Reitbelages an
diesen Stellen überschritten und
eine Vermischung mit den Sanden
ist vorprogrammiert.
Um einen staubfreien Reitbelag
zu erhalten, ist es notwendig, wenigstens
die oberen 2 cm des Tretbelages
zu befeuchten.
Grundsätzlich muss vor der Beregnung
der Reitbelag gleichmäßig
mit dem Planiergerät
gelockert und eingeebnet werden!
Für die Beregnung stehen folgende
Verfahren zur Verfügung:
Die Beregnung der Tretschicht
per Hand hat sich in der Praxis
nicht bewährt. Die Erstellung einer
gleichmäßigen, nicht zu
feuchten Tretschicht kann nicht
sichergestellt werden.
Außerdem ist der Zeitaufwand
und die notwendige Regelmäßigkeit,
besonders in Trockenperioden,
bei dieser Verfahrensweise
negativ zu beurteilen.
Die Funktion des Einzugsregners
basiert auf der selbstständigen
Fortbewegung des Regners
durch eine Turbine, die mit Hilfe
des zuführenden Wassers angetrieben
wird.
Für die Befeuchtung wird das
Fahrgestell mit der Regendüse
in der Mitte der kurzen Seite der
Reithalle aufgestellt. Sobald die
Wasserzufuhr frei gegeben wird,
bewegt sich das Fahrgestell langsam
über die Länge der Bahn in
Richtung Einzugstrommel und
wickelt hierbei die Wasserleitung
auf. Währenddessen beregnet er
die Tretschicht der Bewegungshalle.
Erreicht das Fahrgestell die
Einzugstrommel, schaltet sich
die Wasserzufuhr automatisch
ab. Diese Einzugsregner sind, je
nach Ausführung, sehr preisgünstig
(ca. 2.500 Euro) und damit
gegenüber stationären Beregnungsanlagen
und als Übergangslösung
vertretbar. Das
Hauptproblem dieser Anlagen
liegt in der gleichmäßigen und
nicht zu feuchten Beregnung des
Reitbelages. Probleme sind Stellen,
zu denen das Wasser nicht
hingeführt werden kann und
Pfützenbildung bei zu hohem
Wasseraufwand und kurzfristigem
Fortbewegungsstop des
Gerätes. Außerdem können bei
ungenauer Einstellung andere
Bauteile, wie Holzbande, stromführende
Teile usw. langfristig
negativ beeinflusst werden. Auch
aus diesen Gründen werden Einzugsregner
vermehrt bei Außenreitplätzen
eingesetzt.
Schwerpunktmäßig werden in
Bewegungshallen für Pferde stationäre
Beregnungsanlagen installiert.
Überwiegend finden wir noch in
den Hallen die fest eingebauten
Strangberegnungssysteme. Das
sind an der Decke installierte
längsverlaufende Hart-PVCRohre,
die mit Flachstrahldüsen
oder Nebeldüsen versehen sind.
Flachstrahldrüsen sind hauptsächlich
für die Befeuchtung der
Tretschicht zuständig. Nebeldüsen
haben den Nebeneffekt der
Kühlung im Sommer und der
Bindung der Abgase des Planiergerätes.
Bei einer Hallenbreite von 20 m
werden fünf Reihen PVC-Rohre
über nicht rostende Ketten und
Spanndrähte an den Hallenbindern
angehängt. Die einzelnen
Düsenrohrstränge werden über
separate Zuleitungen mit Wasser
versorgt. Der Betriebs- bzw.
Fließdruck sollte min. 3,5 bis 4,0
bar, max. 10 bar betragen. Der
Wasserverbrauch beträgt je nach
Druck pro Düsenstrang zwischen
55 und 66 Liter in der Minute.
Außerdem müssen automatische
Entleerungsventile besonders
für den Winterbetrieb
(wegen Frostgefahr) eingeplant
werden. Der Wasseranschluss
sollte min. 1 Zoll, max. 1,5 Zoll
betragen und mittig der langen
Seite über der Bande angebracht
werden. Der erzeugte Sprühnebel
ermöglicht dann eine gleichmäßige
Befeuchtung des Reitbelages
in der Reithalle.
Erfahrungen der vergangenen Jahre
zeigen, dass regelmäßig durchzuführende Wartungsarbeiten
durch den Lieferanten/Einbauer
vorgesehen werden sollten. Probleme
sind Wasserüberschneidungen,
verbogene PVC-Rohre
(Ermüdungserscheinung des Materials),
verkantete Aufhängungen,
verstopfte Düsen usw. Um
Verstopfung der Düsen entgegenzuwirken,
sollte ein Feinfilter
im Zulaufbereich eingesetzt werden.
Das Nachtropfen der Düsen
wird heutzutage größtenteils
durch Magnetventile oder durch
automatische Entleerungsventile
vermieden. Zudem ist zu berücksichtigen,
dass die Düsen erst ca.
60 cm vor und hinter der Reitbande
am Kopfende der Halle eingesetzt
werden und dort der Hufschlag
nicht befeuchtet wird.
Immer häufiger wird das Pendelsystem
in neuen Reithallen
angetroffen. Von Giebel zu Giebel
wird eine Profilschiene unter
dem First bzw. der Hallenmitte
montiert. Auf diesem Profil
läuft ein Träger mit Sprühkreuz.
Die daran befestigten Düsen
erzeugen einen Nebeleffekt
und gewährleisten, dass der Reitbelag
gleichmäßig befeuchtet
wird. Der Sprühwagen wird mit
einem Elektro-Getriebemotor
vor- und zurückgefahren. Nach
der Beregnung schaltet sich die
Anlage automatisch ab.
Der Betriebs- bzw. Fließdruck sollte
min. 2,7 bar bis 3,5 bar, max. 10
bar am Übergabepunkt betragen.
Der Wasserverbrauch beträgt je
nach Druck zwischen 40 und 70
Liter in der Minute. Der Wasseranschluss
sollte min. 1 Zoll, max.
1,5 Zoll betragen und mittig der
langen oder der kurzen Seite, je
nach Schlauchaufhängungsausführung,
über der Bande angebracht
werden. Am Übergabepunkt
muss ein Absperrschieber
mit einer Entleerungsmöglichkeit
vorhanden sein, um in Frostperioden
eine Entleerung der Zuleitungen
vornehmen zu können.
Der Vorteil dieses Systems liegt in
der Variabilität der Beregnungstechnik,
um auf die schon oben
dargestellten verschiedenen Ansprüche
des Reitbelages reagieren
zu können. Durch die regulierbare
Geschwindigkeit des Trägers
wird die Niederschlagsmenge beeinflusst
(Reduzierung des Wasserverbrauchs).
Die Steuerung unterschiedlicher
Düsenpaare erlaubt
es, nur gewisse Bereiche in
der Reithalle zu befeuchten.
Seit längerem ist eine so genannte
Überkopfberegnungsanlage auf
dem Markt.
Es werden zwei Profilschienen
unter dem Hallendach montiert.
Auf diesen Schienen läuft ein
dem Hallenprofil angepasster
Wagen. Daran sind zwei verschiedene
Düsenarten für die
gleichmäßige Beregnung des
Reitbelages befestigt. Je nach den
Anforderungen des Reitbelages
können ca. 9 Flachstrahldüsen
oder ca. 20 Nebeldüsen eingesetzt
werden. Diese können ähnlich
wie beim Pendelsystem über
spezielle Computerprogramme
parallel oder einzeln angesteuert
werden. Die Geschwindigkeit
des Sprühwagens wird über
einen Elektromotor gesteuert.
Das Nachtropfen der Düsen wird
durch Magnetventile verhindert.
Nach der Beregnung schaltet sich
die Anlage automatisch ab. Der
Betriebs- bzw. Fließdruck sollte
min. 4,0 bar bis 6,0 bar betragen.
Der Wasserverbrauch beträgt je
nach Druck ungefähr 200l/min.
Der Wasseranschluss sollte min.
1 Zoll betragen und mittig der
langen oder der kurzen Seite, je
nach Schlauchaufhängungsausführung,
über der Bande angebracht
werden.
Über die spezielle Beregnungstechnik
und die stabile Düsenaufhängung
ist eine gleichmäßige
und individuelle Beregnung
gesichert. Durch die zwei verschiedenen
Düsentechniken können
die Ansprüche des Reitbelages
und des Umfeldes sehr genau
berücksichtigt werden.
Vor allem im Bereich der Außenplätze
werden Halbkreisregner
eingesetzt.
Diese werden an den Längsseiten
der Reitbahn in die Bande
eingelassen oder in Traufenhöhe
angebracht. Die Anzahl der Regnerelemente
richtet sich nach der
Größe des Reitplatzes und nach
dem vorhandenen Wasserdruck.
Versenkt eingebaute Regner fahren
mit der Wasserzufuhr über
ein Getriebe aus dem Schacht heraus
und versenken sich automatisch
nach Beendigung des Beregnungsvorganges.
Da sich die Sprühfächer der einzelnen
Regner teilweise überschneiden,
kommt es zu einem
erhöhten Wasserverbrauch und
zu einer ungleichmäßigen Befeuchtung.
Deshalb sollten diese
Halbkreisregner im Reithallenbereich
nicht eingesetzt werden. |
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