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Reiten mit Kindern Was, wenn das Familienpferd dem Kind nicht "reicht"?
Manchmal tritt das Hobby Pferd in den Hintergrund, wenn Ihr einst pferdenärrisches Kind heranreift. Manchmal tritt aber auch das Gegenteil ein: Ihr Youngster entwickelt besonderen Ehrgeiz im Reitsport, dem das bisherige Familienpferd auf sportlicher Sicht nicht mehr so ganz genügt. Wie aber fördern Sie als Eltern und/oder Ausbilder am besten die neuen reiterlichen Interessen? Können Sie Jugendlichen überhaupt helfen, ihre reitsportlichen Schwerpunkte zu definieren? Wollen Sie gar nach einem turniergeeigneten Pferd für Ihren Nachwuchs Ausschau halten? Zum Thema Wie verändert sich die Einstellung zum Pferd, wenn das Kind heranwächst? Wie wichtig ist jetzt das Gespräch mit dem Reitlehrer? Welche Möglichkeiten gibt es, Kinder weiter reiterlich zu fördern? Was ist beim Kauf eines neuen Pferdes – speziell fürs Kind – zu beachten? Die Antworten finden Sie auf den folgenden Seiten. Entwicklungsstufen: Manchmal ist der Freund interessanter als das Pferd ... Sobald Ihr Kind die Haupt- und Realschule oder das Gymnasium besucht, bewegt es sich – ganz allmählich, aber dennoch unübersehbar – auf das Leben als Jugendlicher und Erwachsener zu. Neue Menschen und Aktivitäten treten in sein Leben – Hobbys, die auch das Interesse am "Familienpferd" gelegentlich schmälern. Auch die erste "große Liebe" kann eine besondere Faszination ausüben. Das aber ist normal! Machen Sie Ihrem Kind deswegen keine Vorwürfe. Diese Entwicklungsstufe muss Ihr Kind jetzt und nicht verspätet als Erwachsener durchlaufen, wenn es eines Tages eine gute Partnerschaft führen will. Aber natürlich kann es auch passieren, dass Freund oder Freundin zwar existieren und eine wichtige Rolle spielen, Ihr Kind aber dennoch nun ganz besonderen Ehrgeiz im Reitsport entwickelt. Lust auf Neues Viele Kinder sind ab ungefähr dem zwölften Lebensjahr ausgesprochen "mobil". Sie haben schon viel Spaß, mit den anderen Jugendlichen aus dem Stall oder dem Verein zu einer Pferdefachmesse zu fahren, Turniere oder Schau-Veranstaltungen zu besuchen. Andere Reitweisen, die dazu gehörende Ausrüstung und auch "exotisch" anmutende Pferderassen können es in seinen Bann ziehen. Ermutigen Sie Ihr Kind Blockieren Sie diese Interessen nicht. Ermutigen Sie Ihr Kind vielmehr, möglichst zahlreiche Informationen über andere Reitstile und Rassen zu sammeln und schenken Sie ihm ruhig einmal einen Wochenend- Schnupperkurs in einem Western- oder Gangpferde-Stall oder in einem Vielseitigkeits- Camp. Je mehr unterschiedliche Erfahrungen es sammelt, desto besser kann es Vergleiche ziehen und ausprobieren, was ihm persönlich besonders gut gefällt. Was sagt der Reitlehrer? Da Sie sicher nicht jeder Reitstunde Ihres Kindes beiwohnen, empfiehlt sich jetzt gelegentlich ein Gespräch mit dem Reitlehrer. Er kann das Können des Kindes und seine besonderen Begabungen gut einschätzen und ihm helfen, die reitsportliche Disziplin zu wählen, die seinen Talenten entspricht. Denn jetzt ist durchaus der richtige Zeitpunkt, um mal darüber nachzudenken, ob Ihr Kind weiter "nur zum Spaß" reiten oder sich erste sportliche Ziele setzen möchte. Eine solche Entscheidung ist niemals endgültig. Ihr Kind darf gelegentlich an Wettkämpfen teilnehmen oder eine Zeit lang einen Schwerpunkt auf eine bestimmte Disziplin setzen, aber es muss oder braucht dies nicht zu tun und auch nicht dauerhaft dabei zu bleiben. Reiterliche Fortbildung: Wie kommt Ihr Kind jetzt am besten weiter? Wenn Ihr Kind reiterlich vorwärtskommen möchte, braucht es weiterhin guten Unterricht. Die Qualität der Reitstunden ist – wie Sie längst wissen – von Reitbetrieb zu Reitbetrieb sehr verschieden. Überdenken Sie mit Ihrem Kind folgende Möglichkeiten: Ihr Kind nimmt weiter Stunden in dem Reitbetrieb, in dem Sie Ihr Pferd eingestellt haben, falls Sie beide mit der Gestaltung und der Qualität des Unterrichts zufrieden sind und Ihr Kind hier gefördert werden kann. Sie entscheiden, ob Ihr Kind Ihr Pferd (falls es geeignet ist) oder ein gemietetes Lehrpferd reitet. Diese Lösung ist praktisch, weil Sie oft gemeinsam zum Stall fahren können und die Familie zusammen bleibt. Ihr Kind wechselt in einen anderen Reitbetrieb, der bessere Unterrichtsmöglichkeiten bietet. Falls Sie nicht mit Ihrem Pferd dorthin umziehen möchten, müssen Sie Ihr eigenes Pferd zu jeder Stunde dorthin transportieren (wenn Ihr Kind Ihr Pferd in der Stunde reiten soll). Dies ist sehr anstrengend und kostet Zeit und Geld. Wahrscheinlich ist es günstiger, für den Unterricht ein Lehrpferd zu leihen. Sie lassen Ihrem Kind Einzelunterricht von einem externen Reitlehrer in Ihrer Anlage erteilen. Dabei kann es Ihr Pferd reiten. Falls es Ihre Finanzen und die Gegebenheiten vor Ort erlauben, können Sie Ihr Kind auch als Reitpartner an einem anderen Privatpferd beteiligen. Viele erwachsene Pferdebesitzer sind an einer solchen Regelung sehr interessiert. Ihr Pferd wird unter Aufsicht ordentlich bewegt und durch den Unterricht gefördert. Wie weiter vorn empfohlen, schließen Sie einen Vertrag ab, der die Rechte und Pflichten Ihres Kindes regelt. (Für solche Verträge gibt es Vorlagen, die Sie bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung anfordern können.) Ihr Kind schließt sich mit einigen anderen Kindern Ihres Reitbetriebes zusammen und Sie engagieren einen externen Reitlehrer, der in der Gruppe Unterricht erteilt. Ihr Kind reitet während der Schulzeit Ihr Pferd und besucht während der Ferien Kurse und Lehrgänge (mit Ihrem Pferd oder einem Leihpferd) auf Reiterhöfen, um sich fortzubilden oder auf Prüfungen vorzubereiten. Wenn wichtige Entscheidungen auf Sie zukommen: "Ich wünsche mir ein eigenes Pferd!" Gerade das sportlich interessierte Kind wird Sie daher nun wieder und wieder mit dem Wunsch nach einem eigenen Pferd bedrängen. Eine solche Entscheidung erfordert intensive und lange Überlegungen, an denen der ganze Familienrat beteiligt werden muss. Vielleicht schließt Ihre finanzielle Situation den Kauf eines eigenen Pferdes für Ihr Kind – sprich eines zweiten Pferdes für Ihre Familie – von vornherein aus. Erläutern Sie Ihrem Kind Ihr Nein auf liebevolle Weise, denn sein Wunsch ist nicht als anmaßende Forderung gemeint. Er hat sich vielmehr ganz natürlich aus der Hoffnung, die eigenen reiterlichen Interessen noch intensiver zu verfolgen, entwickelt. Ihr Kind kann Ihre Entscheidung besser verstehen, wenn Sie es in die Erarbeitung Ihres finanziellen Budgets einbeziehen. Es kann mittlerweile so gut rechnen, dass es Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberstellen und vernünftige Schlüsse daraus ziehen kann. Tipps für den Pferdekauf Möglicherweise aber kann und will der Familienrat aber "Ja" zu einem weiteren vierbeinigen Familienmitglied sagen. Über die grundsätzlichen Frage hinaus, ob Sie einem zweiten Pferd langfristig ein artgemäßes Leben bieten können, spielen jetzt weitere wichtige Erwägungen eine Rolle: Nehmen Sie sich viel Zeit, um das geeignete Pferd zu finden. Suchen Sie ein Pferd, das von Rasse und Ausbildungsstand her auch den zukünftigen Anforderungen Ihres Kindes entspricht. Kaufen Sie nur ein erwachsenes Pferd, dessen Herkunft und Vorbesitzer Sie nachprüfen können und dessen Ausbildungsgang belegt werden kann. Über das Exterieur und die spezifische Begabung hinaus müssen auch Temperament und Charakter zum Wesen Ihres Kindes passen. Wenn Sie dem Ausbilder Ihres Kindes vertrauen, lassen Sie sich von ihm beim Kauf beraten. Lassen Sie sich das Pferd nicht nur ausgiebig vorreiten, sondern überprüfen Sie auch sein Verhalten im Stall, in der Herde, beim Einfangen, am Putz- und Sattelplatz und beim Verladen. Lassen Sie Ihr Kind nur probereiten, wenn Sie überzeugt sind, dass es fähig ist, das vorgestellte Pferd sicher zu kontrollieren. Willigen Sie niemals sofort in den Kauf ein, sondern erbitten Sie sich einige Tage Bedenkzeit. Wenn irgend möglich, schauen Sie sich das Pferd mehrere Male unter den unterschiedlichsten Bedingungen an. Nicht nur Aussehen und Leistung müssen Ihr Kind (und Sie) überzeugen, auch der berühmte Funke sollte überspringen. Sie alle wollen dieses Pferd als Familienmitglied lieb haben! Verzichten Sie niemals auf die Ankaufuntersuchung. Bitten Sie Ihr Kind, sein Herz nicht schon vorher zu sehr an das Pferd zu hängen, weil Sie es – je nach Resultat der Ankaufuntersuchung – bei festgestellten Mängeln zurückgeben werden. Schließen Sie grundsätzlich einen schriftlichen Kaufvertrag ab, in den Sie auch alle vom Verkäufer zugesicherten Merkmale aufnehmen. Wenn das neue Pferd kommt: Die Verantwortung liegt nach wie vor bei Ihnen Eines Tages ist es dann so weit: Der Transporter rollt heran und Ihr neues vierbeiniges Familienmitglied zieht in Ihrem Stall ein! Es ist das Pferd Ihres Kindes ..., aber in gewissem Sinn haben auch Sie in diesem Moment noch ein Kind bekommen. Nicht immer wird Ihr zweibeiniges Kind in der Lage sein, alle seine Verpflichtungen diesem neuen Wesen gegenüber wahrzunehmen. Es wird krank, fährt ins Schullandheim, büffelt für die Mittlere- Reife-Prüfung oder das Abitur. Als Mutter und Vater tragen Sie nicht nur die finanziellen, sondern auch die moralischen und sehr handfesten zeitlichen und arbeitstechnischen Verpflichtungen für den Neuen oder die Neue in Ihrem kleinen Kreis. Ihr Kind übernimmt Verantwortung Fordern Sie Ihr Kind auf, jetzt zu seiner Entscheidung zu stehen und den Löwenanteil an Zeit und Arbeit aufzubringen – aber lassen Sie es nicht allein, wenn es dies nicht immer schafft. Stehen Sie ihm mit Ihrem Rat zur Seite, wenn es diesen Rat braucht und sucht. Aber lassen Sie es auch seine eigenen Erfahrungen machen, so lange dem Pferd damit kein Schaden zugefügt wird. Es wird ihm helfen, erwachsen zu werden. Text und Fotos: Copyright Heiner Wienkamp Literatur zum Thema "So bleiben Pferde fit und fröhlich" Fachverlag Fraund GmbH, Mainz ISBN 3-921156-39-4 EUR 25,50 "Reiten mit Kindern" Ratgeber für Eltern und Ausbilder Müller Rüschlikon, Cham, Schweiz ISBN 3-275-01361-0 EUR 26,00 "Was kostet mich mein Pferd?" BLV, München ISBN 3.405-16320-X EUR 3,50  
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