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Ein Pferdefilm entsteht
Leser aller gängigen Pferdezeitschriften kennen sie – die TV-Tipps rund ums Pferd. Vielleicht hat sich der eine oder andere auch schon mal darüber Gedanken gemacht, wie so ein Film über Pferde wohl entsteht. Im April 2004 war der Regionalsender NDR auf einem Shiregestüt, um eine Reportage über die Eignung, Verwendung und Zucht dieser Pferde zu drehen. Für mich somit Gelegenheit, bei der Entstehung einer Dokumentation über Pferde für das Fernsehen sozusagen live dabei zu sein. Drehort war das Gestüt "Frettholt Shire" im Münsterland. Das Gestüt liegt nahe an der holländischen Grenze am Rande der malerischen Baumberge. Dort werden die gewaltigen Shire Horses aus England gezüchtet. Grundlage für einen solchen Film, der ja auch informativ sein soll, ist ein großer Bestand an Pferden. Nun, hier waren zu Drehbeginn drei gekörte Deckhengste, fünf Stuten und ein neugeborenes Hengstfohlen als Darsteller vorgesehen. Zu Beginn einer solchen Produktion muss abgewägt werden, welche Themen rund ums Pferd für den Zuschauer interessant sein könnten. Ein Skript wird erstellt, in dem die Stichpunkte festgehalten werden. Was unbedingt gedreht werden muss und was eventuell wegfallen kann. Zu Anfang mussten seitens des Gestütes nochmal alle Pferde gewaschen, der Rasen gemäht und alles andere auf Hochglanz gebracht werden. So konnten Redakteurin Elke Bille, Kamerafrau Claudia und Tontechniker Matthias Anfang April anreisen. Geplant waren 10 Stunden Filmmaterial, das zu einer Dokumentation von 15 Minuten zusammengeschnitten werden sollte. Das Skript sah vor, einen ganzen Tagesablauf rund ums Pferd zu dokumentieren. Von daher wurde der Hausherr Peter Joksimovic morgens mit der Kamera begleitet, als es hieß, alle neun Pferde zu füttern und ebenso viele Ställe auszumisten. Das hört sich recht einfach an, jedoch spielte das Wetter nicht immer mit. Im April herrschten ausgerechnet an den Drehtagen im Münsterland Oktoberböen vor, begleitet von heftigen Regenfällen. So konnten die Außenaufnahmen nur in den kurzen Schönwetterphasen gedreht werden. Und da die meisten Szenen nicht auf Anhieb sitzen, auch wenn hier kein Text vorgegeben ist, hieß es oft von Redakteurin Elke Bille : "Können Sie das noch einmal machen?" Ein Satz, der die Familie Joksimovic die nächsten zwei Tage ständig begleiten sollte. Damit die Zuschauer einen Überblick darüber erhalten, wie viel Arbeit mit der Haltung und Zucht von Pferden verbunden ist, sind auch der Tierarzt, Schmied und die Besamungsstation aktiviert worden. Mit einem kleinen unauffälligen Mikrofon verkabelte Tontechniker Matthias die menschlichen Akteure, um die Gespräche direkt aufzeichnen zu können. Der Tierarzt nahm an einer Stute eine Tupferprobe vor und erklärte dem Fernsehteam ganz genau, wieso man diese Untersuchung machte. Diese kleine Routineuntersuchung fiel in diesem Falle ein wenig länger aus, da auch der Tierarzt Dr. Schamann einiges "noch einmal" machte. Kaum war der Tierarzt wieder zu seinem nächsten Patienten unterwegs, erschien auch schon der Schmied Dirk Bruhmann. Der Deckhengst "Frettholt’s Uncle Sam" sollte neue Eisen bekommen. Zwar waren die Alten noch in Ordnung, aber für das Fernsehen wurde der Beschlagstermin einfach um zwei Wochen vorverlegt. Das hieß dann auch für Herrn Bruhmann, sich wie alle anderen verkabeln zu lassen und genau zu erklären, warum das Pferd vorgetrabt wurde, warum die Eisen neu aufgelegt werden sollten, und das ausschneiden der Hufe diesmal so vorzunehmen, dass die Kamera alles genau im Bild erfassen konnte. Dies bedeutete für Kamerafrau Claudia, kurze Brennweiten auf die Kamera zu schrauben und sich hinter die gewaltige Hinterhand eines Ein-Tonnen-Pferdes zu knien. Für jemanden, der seltener mit Pferden zu tun hat, bestimmt keine angenehme Aufgabe. Aber Kameraleute sind wie Fotografen – sie tun so gut wie alles für ein gutes Bild. Kaum war der Schmied samt Helfer wieder vom Hof gefahren, setzte der unermüdliche münsterländische Regen ein und zwang das ganze Aufnahmeteam zu einer verdienten Kaffeepause. Hier sprach man ganz zwanglos miteinander, viele für den Film wichtige Details wurden hier schnell noch einmal geklärt und der Drehplan für den nächsten Tag aufgestellt. Dabei erzählte Frau Bilk auch, dass sie schon einmal einen Film über Kühe gemacht hatte. Der Filmtitel lautete "Miss Kuh" und war eine Reportage über die Schauklassen bei Kühen. Auch das gibt es. Wettbewerbe um die beste Milchkuh. Und wie bei den Pferden werden auch die Kühe gewaschen, geputzt, geschniegelt und gestriegelt. So etwas hatte ich im Jahr vorher auf der Yorkshireshow in England beobachten können, wie Kühe mit Fellglanzspray, Seife und Fön für die Show frisiert wurden. Hatte ich das bis dahin für ein englisches Phänomen gehalten, wurde ich von Frau Bille eines besseren belehrt. Nun, das Wetter besserte sich nicht und die Dreharbeiten waren damit für den ersten Tag beendet. Für den nächsten Morgen war der Termin auf der Besamungsstation Weitkamp in Billerbeck geplant. Familie Joksimovic hat zwei der drei Deckhengste im Frischspermaversand und für den Hengst "Ballybane Adonis" war eine Stute angemeldet, die mit Frischsperma besamt werden sollte. Man kann zu diesen künstlichen Besamungen stehen wie man will. Tatsache jedoch ist, das die Stuten keine langen Anfahrtswege haben, dem Stress der ungewohnten Umgebung oder auch dem eventuellen Stress des natürlichen Decksprungs nicht ausgesetzt sind. Die Stuten bleiben zu Hause, werden vom Tierarzt in aller Ruhe mit dem Frischsperma besamt, bringen keine eventuellen Krankheiten mit in den Stall etc. Im Gegensatz zum Gefriersperma, welches fast minutengenau zur Ovulation in die Stute eingebracht werden muss, ist Frischsperma, sobald es in die Stute eingebracht ist, genauso lange haltbar wie Sperma aus einer natürlichen Bedeckung. Somit kann die Besamung während der Ovulation etwas großzügiger erfolgen. Die Trächtigkeitsquote ist neuesten Untersuchungen zu Folge ca. 40 % höher als beim Gefriersperma und erstaunlicherweise auch höher als beim natürlichen Decksprung. All dies sollte in den Film eingebracht werden, und somit waren am nächsten Tag morgens um neun Uhr alle bei Herrn Weitkamp auf dem Gestüt. Herr Weitkamp hat aber nicht nur eine Besamungsstation, sondern ist auch ein großer Traberzüchter. Bis zu 70 Traber leben auf seinem Hof. Die Besamungsstation nimmt allerdings Pferde aller Rassen an. Hierher kommen die Warmblutzüchter ebenso wie die Ponyleute oder Quarter-Horse-Hengste. Die Kaltblüter sind natürlich die schwersten Kunden – allerdings nur in Bezug auf ihr Gewicht. Zwecks Fotos war ich etwas früher auf dem Hof und erwartete die Karawane der folgenden Autos. Bei diesigem Wetter fuhren dann alle nacheinander auf den Hof. Vorneweg der Jeep von Martina Joksimovic mit dem Hengst auf dem Hänger, dahinter der Bulli des NDR und zum Schluss im zweiten Jeep Peter Joksimovic, der anschließend nach Dortmund weiterfahren wollte. So fuhr der Tross den kleinen Berg hinauf, wo sie schon von Ludger Weitkamp erwartet wurden. Deckhengst Adonis entpuppte sich als ein sehr kooperatives Fernsehpferd und wartete ab, bis Kamerafrau Claudia alles geordnet und eingestellt hatte. Doch dann ging alles sehr schnell. Kaum war die Stute dem Hengst vorgeführt worden, war Adonis auch schon auf dem Phantom und die ganze Angelegenheit in wenigen Sekunden vorbei. Diese Szenen kann man natürlich nur schlecht "noch einmal" machen. Da muss der erste Schuss sitzen – im wahrsten Sinne des Wortes. Noch ein kleines Interview, und die Autos verließen samt Pferd und Menschen wieder den Hof in Richtung Asbeck. Noch einige kurze Informationen für Frau Bille zu den Pferden und am Mittag setzte sich das Kamerateam wieder in das Auto Richtung Norden – und dann immer geradeaus. Der Film wurde im Nachhinein natürlich noch geschnitten und vertont. Dann wartete er im Archiv des NDR auf seinen Einsatz. Da dies recht zeitlose Reportagen sind, werden sie immer kurzfristig ins Programm genommen. Ein kurzer Zusammenschnitt dieser Produktion war bereits im Mai 2004 und danach weitere fünf Mal im NDR zu sehen. Es wäre schade um das reichlich abgedrehte Material. Eventuell gibt es ja noch einen längeren Zusammenschnitt – so wie es eigentlich geplant war. Text und Fotos: Andrea Schneider www.pferdefoto-schneider.de  
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