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Textversion:
Bedeckung von Stuten
Wahl des günstigsten Bedeckungszeitpunkts im Jahr Stuten sind saisonal polyöstrisch,
d. h. sie haben mehrmals
im Jahr einen Eisprung und sind
damit befruchtungsfähig, überwiegend
während der günstigen
Saison. Dies ist die frostfreie Zeit, vorwiegend
der Sommer. Durch
Wärme, Licht und gute Fütterung
kommt der Hormonzyklus
in Gang.
Da Stuten gut 11 Monate tragen,
werden in der Natur Fohlen im
späten Frühjahr oder im Sommer
geboren, wenn zunächst das
Gras eiweißreich für die Milch
der Mutterstuten ist und danach
ein ausreichendes Futterangebot
auch für die Fohlen zur Verfügung
steht. Gemäßigte Temperaturen
erhöhen die Lebenschance,
Sonnenlicht ist der Entwicklung
förderlich und es gibt
ausreichend Gelegenheit für
spielerische Bewegung.
Dieser Zyklus funktioniert bei Robustrassen
immer noch nahezu
unverändert. Während des Spätherbstes
und des Winters sind die
Stuten an Hengsten völlig desinteressiert,
bis durch die ersten
Frühlingstage die Fruchtbarkeit
allmählich wieder angeregt wird.
Dies geschieht demzufolge in Abhängigkeit
von der Region: In kälteren
Gegenden, wo die Natur
später erwacht, ist auch die Rosse
der Stuten im Durchschnitt später.
Das Fortpflanzungsgeschehen
ist also sinnvoll geregelt und
der Umwelt angepasst.
Bei domestizierten Pferden sieht
dies etwas anders aus: Hochgezüchtete
Leistungspferde, etwa
Warmblüter, können das ganze
Jahr in Rosse kommen, da die winterlichen
Extreme – karges Futterangebot,
Kälte, kurze Tage – in
Stallhaltung abgemildert sind
oder gar nicht vorkommen.
Allerdings gibt es auch Probleme,
z.B. die Dauerrosse und die Rosse
im Winter, die aber dafür zum
geplanten Bedeckungszeitpunkt
im Frühjahr aussetzt und viele andere
Unregelmäßigkeiten mehr.
In manchen Zuchten, wie bei englischen
Vollblütern, wird ein
früher Decktermin angestrebt,
da die Jährlinge bereits in den
Rennstall einrücken, und ein
Pferd, das 1/2 Jahre alt ist natürlich
gegenüber einem 1/4 Jahre
alten entwicklungsmäßig sichtbar
weiter ist.
Es ist aber erwiesen, dass dieser
frühe Bedeckungszeitpunkt –
vorausgesetzt die Stute wird
überhaupt tragend – die spätere
sportliche Nutzung entscheidend
negativ beeinflusst und
deshalb auch in Leistungszuchten
nicht mehr empfohlen
wird. Sowohl der Bewegungsals
auch der Atemwegsapparat
sind bei früh im Jahr geborenen
Fohlen häufig anfällig und einer
späteren, langjährigen Belastung
nicht gewachsen.
Chips in den Gelenken sowie
chronische Atemwegserkrankungen
machen sportliche Leistungen
unmöglich. Wir wissen
andererseits, dass Maifohlen später
meist belastungsfähiger und
härter sind.
Dies ist folgendermaßen zu erklären:
Pferde sind Nestflüchter,
d. h. sie werden fix und fertig geboren.
Das ist anders als bei uns
Menschen, die wir Nesthocker
sind. Unsere Babys brauchen viele
Jahre, bis sie richtig laufen können,
sie sind die erste Zeit völlig
schutzlos und auf unsere Hilfe
angewiesen. Wir neigen dazu,
unsere eigenen Bedürfnisse unbewusst
auf andere uns anvertraute
Geschöpfe zu übertragen
und begehen daher oft gravierende
Fehler, bis hin zum Verstoß
in Sinne des Tierschutzes –
gut gemeint.
Fohlen sind darauf ausgelegt, innerhalb
von einer Stunde mit der
Herde weiterziehen und eventuell
sogar flüchten zu können.
In diesem kleinen Zeitfenster
nach der Geburt kann das Fohlen
sich deshalb auf die neue Situation
einstellen. Es stehen ihm
außerordentliche Anpassungsmechanismen
zur Verfügung,
nicht nur, dass es dann schon stehen
und laufen kann. Auch der
gesamte Stoffwechsel, die Thermoregulation
und der Herz-
Kreislaufapparat passen sich der
neuen Umwelt in Minutenschnelle
an.
Wichtig zu wissen ist außerdem
sicher noch, dass Pferde aufgrund
ihrer Entwicklungsgeschichte
eine Temperatur-Wohlfühlzone
von -10 bis +5 Grad
Celsius haben. Nachts ist es immer
kälter als tags, in der Wüste
ist ein Tag-Nachtgefälle von 40 °C nicht außergewöhnlich.
Fohlen sind auf besonders frische
und saubere Luft angewiesen,
wenn sich ihre kleine
Lunge entfaltet. Schädlich ist das
Einatmen von Dämpfen aus der
Einstreu, wenn die Pferde quasi
ihr Bett auf der Toilette haben.
Besondere Bedeutung
kommt dem spielerischen Laufen
auf hartem und unterschiedlichem
Untergrund von
Anfang an zu. Nicht nur die
Hufe, sondern alle Gelenke werden
durch Training von Anfang
an erst richtig ausgebildet und
auf die Belastung vorbereitet.
Ein Pferd, das in der weichen,
warmen Box geboren wird, und
dort die ersten Monate die meiste
Zeit verbleibt, wird aller normalen
Entwicklungsmöglichkeiten
beraubt und stellt sich auf
völlig artfremde Bedingungen
ein. Das Geburtsdatum ist daher
auch für Pferdekäufer später eine
wichtige Information.
Die Empfehlung lautet: Stuten
erst im Frühjahr bedecken lassen,
damit die Fohlen direkt die
Möglichkeit des zeitlich nicht limitierten
freien Auslaufs haben.
Fohlen brauchen Laufspiele mit
anderen Fohlen.
Darüber hinaus sind die Fruchtbarkeitsaussichten
in diesen Monaten
zum Sommer hin wesentlich
günstiger.
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