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Das Kaltblut als Westernpferd? Die Antwort lautet: Na klar! Warum ist das Westernreiten geeignet für Kaltblüter?
Das Westernreiten hat seine Herkunft bei den nordamerikanischen Cowboys. Es handelt sich hierbei um eine Arbeitsreitweise. Die Pferde unterstützen als Kollegen die Cowboys bei der täglichen Arbeit mit dem Rind. Man trainiert die Pferde zu verlässlichen, mitdenkenden, auf kleinste Hilfen reagierenden Arbeitspferden. Hier kann man die Parallelen zu der Arbeit mit den Kaltblütern hierzulande in der Landwirtschaft und im Forst ziehen. Aus dem ursprünglichen Westernreiten und der Rinderarbeit hat sich die heutige Form der Freizeit- und Turnierreiterei im Westernstil entwickelt. Die Philosophie des Westernreitens ist ganz einfach. Der Reiter wird immer nur dann aktiv, wenn er von seinem Pferd eine neue Aktion verlangt. Nach dem Prinzip "so viel wie nötig und so wenig wie möglich" übt der Reiter in Form der Hilfengebung einen Druck auf das Pferd aus, bis dieses in entsprechender Weise reagiert. Dabei geht man auf das Wesen Pferd ein und nutzt sein starkes Ruhebedürfnis. Die Hilfen in Form von Gewicht, Stimme, Beine und Hände werden nur so lange eingesetzt, bis das Pferd dem Wunsch des Reiters nachkommt. Das Pferd sollte dann das Vorgegebene, wie z. B. die Richtung, Gangart oder Geschwindigkeit, einhalten. Die gegebenen Hilfen haben eine Signalwirkung und werden nicht zur Dauerberieselung. Die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter wird dadurch immer feiner und man kommt mit einer immer schwächeren Hilfengebung aus. Man trainiert sich so ein mitdenkendes und mitarbeitendes Pferd. An einem Beispiel aus der Praxis möchte ich die Ausbildung eines Kaltblutpferdes unter dem Westernsattel zeigen. Es begann an einem sonnigen Morgen. Eine neue Reitschülerin hatte sich angemeldet. Karla Ebert mit "Nele". Ich wusste, dass es sich bei dem Pferd um eine Kaltblutdame handelte. Als sie so direkt vor mir stand, schaute ich aber dann doch ehrfürchtig an ihr herauf. Ein landwirtschaftliches Gespannpferd sei sie, wurde mir gesagt. Für das Holzrücken im Wald ist sie auch schon mal eingesetzt worden. Nun war Karlas Wunsch, Nele in der Freizeit westernzureiten. Gesagt getan. Da ich täglich mit den verschiedensten Pferderassen arbeite, fand ich den Gedanken, ein Kaltblut auszubilden, sehr spannend. "Sie kann manchmal recht stur sein", so der Originalton der Besitzerin. Ich musste schmunzeln. Da mein Ausbildungssystem Pony- und selbst Maultiererprobt war, konnte mich diese Aussage nicht schocken. Wir fingen also mit dem Training an und ich lernte die Rasse Kaltblut über die nächsten Monate sehr schätzen. Bei manchen Übungen brauchte Nele etwas länger, um Einsicht zu zeigen. So mancher würde das als stur bezeichnen. Ich meine, dass man diese Eigenschaft nicht als stur, sondern eher als schlau betiteln sollte. Das Pferd denkt vielleicht: "Wieso soll ich über ein am Boden liegendes Brett gehen, wenn genügend Platz ist, um drum herumzulaufen?" In dieser Situation muss man als Reiter gute Argumente haben und das Pferd davon überzeugen, dieses oder jenes für einen zu tun. Hat man einen Kaltblüter auf seiner Seite, wird er gut und gerne mitarbeiten. Ich halte diese Pferde für sehr menschenbezogen. Oft habe ich den Eindruck, dass sie sich extra bemühen zu gefallen. Sie merken sehr wohl, wenn sie etwas richtig gemacht haben und gelobt werden. Im Laufe der Zeit stellte ich fest, wie sensibel Kaltblüter sind. Bei dem Anblick eines so massigen und anscheinend in sich ruhenden Tieres bekommt der eine oder andere sicherlich den Eindruck von Dickfelligkeit. Es macht den Anschein, als ob so ein Pferd einem bestimmt nicht viel krumm nehmen kann. Wohl kaum. Das Gegenteil ist der Fall. Sicherlich strahlen sie eine Ruhe aus, sind aber innerlich hochsensibel. Das Schlimmste für einen Kaltblüter ist, wenn er ungerecht behandelt oder zu Unrecht bestraft wird. Auf Hektik und Ungeduld reagieren diese Pferde äußerst empfindlich. Will jemand etwas mit Gewalt erzwingen, wird er auf Granit beißen und muss mit Gegenwehr rechnen. Nele machte in der Zwischenzeit schnell Fortschritte und es machte Spaß, mit ihr zu arbeiten. Wir trainierten mit ihr die Übergänge, das bedeutet, dass sie von einer Grundgangart in die nächste wechselte. Dadurch wurde sie durchlässiger, was heißt, dass sie die Hilfen immer besser annahm. Wir machten viele Biegeübungen, die man als Gymnastik ansehen kann und das Pferd geschmeidig machen. Als sie auch gut auf Kommando stoppen konnte und bereitwillig einige Schritte rückwärts ging, fingen wir an, ihr die Seitengänge zu erklären. Das Schenkelweichen, eine vorwärtsseitwärts Bewegung verstand sie schnell. Nun wurde es schwieriger. Sie sollte lernen, im "side pass", einer reinen Seitwärtsbewegung zu laufen. Ich überlegte mir, wie ich dieses große Pferd dazu bewegen konnte, seitwärts zu treten. Ich kletterte also auf das Pferd und fragte mich, ob sie mich da oben drauf überhaupt wahrnimmt. Gemäß dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein, fing ich an meine Schenkelhilfe einzusetzen. Gleich der chinesischen Wasserfolter klopfte ich rhythmisch mit einer Wade, bis – ja, bis Nele einen Schritt zur Seite ging. Augenblicklich stellte ich die Hilfengebung ein. Nach einer kurzen Bedenkzeit begann ich erneut zu klopfen. Dieses mal kam die Reaktion, der Schritt zur Seite, schon schneller. Sofort hatte Nele wieder Ruhe vor mir. Schritt für Schritt ging es seitwärts. Nach jedem kleinen Erfolg gab es eine Pause und damit die schönste Belohnung für ein Pferd. Aus dem Reitunterricht heraus wurde die Idee geboren, dass man das Erlernte auf der "Pferdestark" vorstellen könnte. Wir wollten zeigen, dass der Kaltblüter auch unter dem Westernsattel ein passables Bild abgibt. Wir entschieden uns, für die Vorführung einen Trailparcours aufzubauen. Trail heißt übersetzt nichts anderes als Gelände. Die gewählten Hindernisse sollen Situationen darstellen, die auch während eines Geländerittes auftreten können. Ob am Boden liegende Stangen, die man sich als Unterholz im Wald vorstellen kann, eine Plane, die eine Pfütze simulieren soll, oder auch ein Tor, welches der Reiter vom Pferd aus öffnet, durchreitet und wieder schließt. All diese Hindernisse sollen das Pferd zu einem unerschrockenen und geschickten Partner ausbilden. Das Pferd lernt dabei seinem Reiter zu vertrauen und immer selbstbewusster und verlässlicher die Hindernisse zu meistern. Das Ziel ist ein gelassenes Pferd, denn das bedeutet gleichzeitig ein sicheres Pferd zu haben. Am letzten Augustwochenende kam nun die Feuerprobe. Konnte das auf dem Reitplatz Erlernte auch auf fremdem Terrain vor Publikum abgefragt werden? Als erstes Hindernis wählte ich in einer Reihe aufgestellter Pylonen aus. Diese sollten im Slalom durchritten werden. Nicht aber etwa vorwärts. Nein, rückwärts und bitte schön ohne dass ein Kegel dabei umgeworfen wird. Nele vertraute mir, obwohl sie die kleinen Hütchen, die direkt hinter ihr standen, wohl kaum sehen konnte. Sie ging brav rückwärts und schwang ihr Hinterteil dabei lässig herum. Nun kam das Tor. Dieses stand etwas abseits. Nele zeigte Nerven und schaute sich suchend nach ihren Kollegen um. Ich begann mit ihr zu sprechen und erhielt ihre Aufmerksamkeit zurück. Dabei stellte sich heraus, dass Nele multilingual ist. Gewohnt, meinen Pferden englische Stimmkommandos zu geben, versuchte ich es mit "back" und siehe da, Nele trat bereitwillig rückwärts. In dieser Situation merkte ich mal wieder wie gut Nele durch die landwirtschaftliche Arbeit auf Stimme trainiert ist. Durch beruhigen mit der Stimme fühlte sie sich sicher in der fremden Umgebung. So wurde sie immer gelassener und meisterte die ihr gestellten Trailhindernisse souverän. Als letztes kam unsere Paradedisziplin. Ein aus vier Stangen gelegtes Viereck sollte beweisen, wie geschickt Nele ist und auf die feinsten Hilfen reagiert. Auf engstem Raum sollte sie sich um die eigene Achse drehen. Ich legte mein Bein etwas weiter vorne an und sie bewegte ihre Vorhand. Legte ich das Bein etwas hinter den Sattelgurt, bewegte sich ihre Hinterhand. Da spürte ich es wieder ganz deutlich: Was ein Kaltblut mal gelernt hatte, vergisst es nicht mehr. Nele tanzte förmlich im Kreis und berührte nicht ein einziges Mal die Stangen. Ich hatte den Eindruck, dass sie stolz auf das Gelernte war. Fazit: Es gibt keinen Unterschied in der Ausbildung eines Kaltblutes im Vergleich zu anderen Pferderassen. Jedes Pferd muss als Individuum mit seinen Vorzügen und Eigenarten angesehen werden. Der faire Umgang mit dem Partner Pferd und eine konsequente und für das Pferd leicht verständliche Erziehung bilden die Grundlage für ein Zusammensein zwischen Mensch und Pferd, in dem sich gegenseitig Respekt und Vertrauen gezollt wird. Spaß und Freude aneinander und an der Arbeit sollen bei Pferd und Mensch im Mittelpunkt stehen. Mich persönlich fasziniert am Kaltblüter das freundliche, sensible Wesen. Ihre Menschenbezogenheit und der Wille mitzuarbeiten und zu gefallen. Quelle: "Starke Pferde" www.Starke-Pferde.de BrigitteTönsfeuerborn WesternCoach der Equine Canada Marpestr. 59 32825 Blomberg Tel.: 05236 889901 Fax: 0721 151431538 Mobil: 0170 4428841 E-Mail: Info@Canadian-Horsemanship.de www.Canadian-Horsemanship.de  
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