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Reiten kann man
tatsächlich lernen Es gibt gute Gründe dafür, das irdische Paradies für Pferdefreunde
in Deutschland zu suchen. Die Reiternation schlechthin kann mit
einer Menge Superlative punkten, nicht nur mit einer jahrhundertelangen
Tradition in der Zucht und Ausbildung von Pferden. Deutschland hat weltweit die
meisten sportlichen Erfolge bei
internationalen Championaten
und Olympischen Spielen aufzuweisen.
Die deutsche Pferdezucht
stellt die Weltspitze der
vierbeinigen Sportler in den klassischen
Disziplinen Dressur und
Springen.
Das hierzulande überlieferte
Know-how in Sachen Pferdeausbildung
wird weltweit anerkannt
und kopiert. Auf die deutsche
Reittradition berufen sich
erfolgreiche Sportreiter aller Disziplinen,
auch aus Übersee und
sogar im noch vergleichsweise
jungen Western-Reitsport.
Nirgendwo sonst auf der Welt
gibt es ein so umfangreiches Angebot
an sportlichen Wettbewerben
im Freizeit-, Breiten- und
Leistungssport und so viele ausgebildete
Turnierfachleute (Richter,
Parcoursbauer) wie in
Deutschland. Und wer reiten lernen
will, findet ein flächendeckendes
Angebot an Vereinen
und Betrieben, die Ausbildung
im Reitsport anbieten.
Vielfältiges Pferdeland
Nur hierzulande gibt es anerkannte
Lehrberufe rund um das
Pferd (Berufsbezeichnung Pferdewirt
oder Pferdewirtschaftsmeister
mit unterschiedlichen
Schwerpunkten). Um die große
Nachfrage nach Ausbildung im
Pferdesport zu decken, wurde
zusätzlich zum System der
hauptberuflichen Pferdefachleute
ein System qualifizierter
Amateurausbilder (analog zu
den Trainerqualifikationen C,
B, A im Deutschen Sportbund)
geschaffen.
Aber trotz der unangefochtenen
führenden Stellung der überlieferten
klassischen Reitlehre finden sich nirgendwo sonst auf der
Welt auf dichtestem Raum so viele
unterschiedliche Institutionen,
Reitweisen und Pferderassen; so
viele selbst ernannte Reitlehrer
und Gurus; so viele Kurse, Seminare,
Lehrmeinungen zum
Thema "Pferd und Reiten”.
Nirgendwo gibt es so viele
Bücher, Zeitschriften, Ratgeber
zum Thema Reitsport mit seinen
unterschiedlichsten Facetten.
Einsteiger sehen sich eher mit einem
Überangebot als mit einem
Mangel an Informationsmöglichkeiten
konfrontiert.
Mehr Fragen
als Antworten
Ganz wie in der Realität bildet
sich im Internet die Vielfalt, aber
auch Widersprüchlichkeit der
Reitsportszene ab. Beim Surfen
durch einschlägige Diskussionsforen
sticht eine Gemeinsamkeit
ins Auge: Die Probleme
sind in der Überzahl – statistisch
gesehen jedenfalls.
Im Schutz der Anonymität schütten
hier Pferdeleute ihr Herz offener
aus als je im heimatlichen
Stall. Fragen und Sorgen rund
um das Thema Pferd finden in
der Regel mehr Interessenten als
zum Beispiel die sonst in diesem
Medium so beliebten Kontaktgesuche.
Einer Fülle von Informationsmöglichkeiten
stehen wahre Leidensgeschichten
gegenüber: Probleme
mit dem unberechenbaren
und sturen Verhalten von
Pferden, Probleme mit dem fehlenden
Gehorsam der Pferde
beim Reiten, Berichte von Angst,
Unfällen, scheinbar unlösbaren
Konflikten und scheinbar unüberwindliche
Hindernissen für
das eigene Reitenlernen.
Es scheint, als würde die Beschäftigung
mit dem Pferd in der
Regel mehr offene Fragen als befriedigende
Antworten provozieren.
Mangelware Fortschritt?
Wer sich eine x-beliebige Anfänger-
Reitstunde in einem so
genannten Schulbetrieb (also auf
zur Verfügung gestellten Pferden)
anschaut, dem können auch
als Reitsport-Laien ernste Zweifel
daran kommen, ob sich das
Reiten für einen durchschnittlichen
Reitschüler denn überhaupt
erlernen lässt.
Noch desillusionierender wird
dieser Eindruck in so mancher
Stunde mit angeblich fortgeschrittenen
erwachsenen Reitern.
Selbst jahrelange Reiterfahrung
oder die Anschaffung eines eigenen
Pferdes können anscheinend
vor gravierenden Mängeln
in der Übereinstimmung mit dem
Pferd nicht generell schützen.
Noch schlimmer, wenn man
selbst einer der Betroffenen ist –
seit vielen Jahren erfolglos auf
der Suche nach dem versprochenen
Paradies auf dem Pferderücken.
Am mangelnden Engagement
und finanziellen Einsatz liegt der
Lern-Misserfolg in der Regel
nicht. Die rund 1,6 Millionen Reiter
hierzulande lassen sich dabei
ihren Sport was kosten: Jeweils
vier der insgesamt rund eine Million
Pferde und Ponys sichern
gar einen Arbeitsplatz.
Ein Buch mit
sieben Siegeln?
Einerseits wird gerade im Reitsport
der Slogan vom Lifetime-
Sport groß geschrieben – andererseits
bleiben viele Reiter ihr
Reiterleben lang mit scheinbar
unüberwindlichen Basisproblemen
beschäftigt.
Einerseits ist lebenslanges Ausüben
einer Sportart überhaupt
nur möglich, wenn die körperlichen
Anforderungen an Gelenkbeweglichkeit,
Muskelkraft
und Ausdauer nicht im extremen
Bereich liegen – andererseits
scheint es für das Reitenlernen
doch viele Hindernisse zu geben.
Man muss kein überaus bewegliches
Kind, kein auffallend sportlicher
Jugendlicher sein, um reiten
zu lernen oder auch gut reiten
zu können.
Aber wer im Erwachsenenalter
einsteigt, hat dennoch mit vielen
Schwierigkeiten zu kämpfen.
Wer als Kind reiten lernt, hat die
größten Chancen für eine beneidenswerte
Selbstverständlichkeit
auf dem Pferderücken.
Talent zum Reiten –
was ist das?
Welche geheimnisvollen Fertigkeiten
überhaupt den Ausschlag
geben für reiterliches
Talent, darüber streiten sich die
Fachleute ohne Aussicht auf
Einigkeit. Die klassischen Reitsportdisziplinen
gehören nämlich
zu den wenigen
Sportarten, in denen
Männer und Frauen mit gleichen
Chancen gegeneinander
antreten können. In Dressur,
Springen und Vielseitigkeit hat
es jeweils mal männliche, mal
weibliche Weltmeister gegeben.
Zwar dominieren seit einiger
Zeit in der Dressur die Damen
und im Springsport die Herren,
aber es gibt immer wieder überzeugende
Gegenbeispiele von
Vertretern des anderen
Geschlechtes.
In vielen anderen Sportarten sind
die körperlichen Voraussetzungen
für Spitzenleistungen klar
abgesteckt. Kein Sprinter mit kurzen
Beinen hat Siegeschancen,
kein Basketballer darf klein sein; dafür werden Damen mit dem
Gardemaß von 1,80 Metern vielleicht
im Hochsprung, bestimmt
aber nicht beim Turnen außergewöhnliche
Erfolge sammeln
können.
Anders als in vielen anderen
Sportarten existieren offenbar
keine eng gesteckten körperlichen
Grenzen als Voraussetzungen
für reiterliches Talent: Auf
den vorderen Plätzen im Spitzensport
tummeln sich Reiter beiderlei
Geschlechts mit den unterschiedlichsten
Größen, Figuren
und Proportionen.
Viel mehr als in anderen Sportarten
scheinen innere Eigenschaften
für den Erfolg im Sattel
den Ausschlag zu geben. Trainingsfleiß
und mentale Stärke
können über körperliche
Schwächen in erstaunlichem
Maß hinweghelfen.
Und mit langjähriger Erfahrung
lässt sich das unvermeidliche
Nachlassen der körperlichen
Fähigkeiten erstaunlich gut kompensieren
– Spitzensportler jenseits
der 40-Jahre-Grenze sind
beim Reiten keine Seltenheit.
Kein Spitzensport
ohne Trainingsfleiß
Dennoch scheint das Reiten so
kompliziert zu erlernen zu sein,
dass viele Reitschüler trotz
großen Engagements nicht über
holprige Anfangsgründe hinauskommen.
Mit solchen Selbst-
Erfahrungen im Hintergrund lassen
sich die Darbietungen im
Spitzensport – gleich welcher
Disziplin – nur mit großen, verwunderten
Augen betrachten.
Es scheint für viele Reiter trotz
– oder gerade wegen? – der eigenen
Erfahrungen ein unbegreifliches
Rätsel zu bleiben, wie
die scheinbar mühelose Übereinstimmung
mit dem Pferd
auch in höchst anspruchsvollen
Bewegungsabläufen zustande
kommen kann.
Allerdings vergessen Hobbyreiter
manchmal gern, dass sich
Spitzenreiter wie alle Spitzensportler
von jungen Jahren an viele
Stunden am Tag mit ihrem
Sport beschäftigen. Perfektion
hat in allen anspruchsvollen
sportlichen Disziplinen einen
hohen Preis.
Hier Turnierreiter,
da Freizeitreiter
Da kann es nicht verwundern,
dass die Reitsportszene in zwei
große Lager zerfällt: die so genannten
Turnierreiter und die
Freizeitreiter. Wie alle schematischen
Klassifizierungen ist diese
Zuordnung künstlich und geht
am Kern der Problematik vorbei.
Denn die erdrückende Überzahl
aller Reitsportler reiten mehr
oder weniger intensiv in ihrer
Freizeit – nur mit unterschiedlichen
Zielsetzungen.
Turniere sind ein Angebot zur
Überprüfung der eigenen Leistung,
denn die Anforderungen
im Turniersport sind an der klassischen
Reitlehre ausgerichtet.
In den sportlichen Wettbewerben
in der Einstiegsklasse wird
bei der Beurteilung durch die
Richter immer ein besonderer
Schwerpunkt auf Sitz und Einwirkung
des Reiters gelegt. Ein
gutes Pferd allein ist daher noch
kein Garant für den erfolgreichen
Einstieg in eine Turnierkarriere
– man muss auch selbst genügend
"Sportler” sein.
Im Leistungssport dagegen wird
das Können des Reiters
hauptsächlich an der Leistung
des Pferdes gemessen – allerdings
auf einem Niveau, das ohne
solide reiterliche Kenntnisse
gar nicht erst zu erreichen ist.
Dennoch kann eine einseitige
Ausrichtung auf den Turniersport
den Blick dafür trüben,
dass gutes Reiten auch in den
Anfangsgründen und auch auf
Pferden möglich ist, die nicht
im Leistungssport mithalten
können. Entscheidend ist es, für
das eigene Reiten die passenden
Ziele zu finden.
Die attraktiven
Alternativen
Die Anforderungen im Turniersport
- mit Ausnahme von
spielerisch geprägten Wettbewerben,
die zunehmend an Beliebtheit
gewinnen - setzen da
ein, wo viele Reiter gar nicht
erst hinkommen. Die in den Leistungsabzeichen
– selbst auf unterstem
Level – definierten Anforderungen
sind vom reiterlichen
Alltag vieler begeisterter
Reiter und Pferdebesitzer so
weit entfernt, dass die Suche
nach alternativen Lehren – vor
allem mit schnell erreichbaren
konkreten Zielen – nahe liegt.
Die Bedarfslücke wird gefüllt
von alternativen Reitweisen,
Liebhabern exotischer Pferderassen
und Gurus mit erfolgreichem
Marketing. In unserer
Zeit ist die Begegnung mit Pferden
nicht mehr selbstverständlich.
Zeit und Gelegenheit, mit
unseren größten Haustieren in
Ruhe vertraut zu werden, sind
rar. Ein großer Teil der Probleme
mit Pferden spiegelt mangelnde
Erfahrung und Unkenntnis
der Besitzer und/oder
Reiter wieder.
Sie machen die gelegentlich frustrierende
Erfahrung, dass Pferdeliebe
allein nicht genügt, um
Pferde zu angenehmen Partnern
zu erziehen. Aber diese Liebe
zum Pferd öffnet auch dem Missbrauch
Tür und Tor.
Für die von der wachsenden Zahl
von Gurus in der Reitsportszene
angepriesenen Patentlösungen
kann man viel Geld loswerden
– mit zweifelhaftem Erfolg.
Denn nur auf der Basis solider
eigener Erfahrungen lassen sich
solche Anregungen auf ihre
Tauglichkeit im Einzelfall hin abklopfen
und auf die Dauer erfolgreich
umsetzen. was, bitteschön, ist das?
Die klassische Reitlehre ist eine
Art Ursprache der Verständigung
zwischen Reiter und Pferd.
Sie beruht nicht auf Tipps und
Tricks, nicht auf angelernten
Kunststückchen, sondern auf einer
besonders guten Kenntnis
des physischen und psychischen
Zusammenspiels zwischen Pferd
und Reiter.
Die Grundlagen dieses Systems
sind artspezifisches Pferdeverhalten,
Anatomie und Bewegungsmöglichkeiten
von Mensch
und Pferd, Gleichgewicht, rhythmische
Strukturen, Bewegungsdynamik
und Reflexe.
Es ist schließlich die Summe all
dessen, was Pferdeleute jahrhundertelang
überliefert, erfahren,
ausprobiert, erarbeitet und
weitergegeben haben – von den
alten Griechen bis zum heutigen
Reglement der Olympiade.
Die klassische Reitlehre hat als
höchstes Ziel ein perfekt "gymnastiziertes”
Pferd, dessen Muskulatur
so ausgebildet ist, dass
es nicht nur seinen Reiter mühelos
tragen, sondern auch seinen
individuellen Bewegungsspielraum
voll ausschöpfen kann.
Die Übungen – in der Fachsprache
Lektionen – der klassischen
Reitlehre sind keine Kunststückchen,
sondern sie knüpfen
an das natürliche Bewegungsverhalten
der Pferde an. Viele
Lektionen aus dem hohen Dressursport
sind aus dem Imponierverhalten
der Pferde gewonnen.
So ist die Behauptung
nicht übertrieben, dass Pferde im
Verlauf einer guten klassischen
Ausbildung immer schöner und
selbstbewusster werden.
Basis für viele
Arten der Reiterei
Gleichzeitig ist die klassische
Reitlehre eine gute Grundlage
für eine völlig alltagstaugliche
Reiterei: Sie hat als Ziel ein Pferd,
das in jeder denkbaren Situation
von einem Reiter mit leichten Hilfen
kontrolliert werden kann.
Daher ist die dressurmäßige Arbeit
zwar das zentrale Kernstück
der klassischen Ausbildung,
aber nicht die einzige Arbeitsweise.
Ebenso unverzichtbar ist
die Arbeit im Gelände, im natürlichen
Bewegungsumfeld eines
Pferdes. Ergänzt werden diese
beiden Trainingsaspekte durch
die Arbeit an Hindernissen.
Letztere müssen nicht unbedingt
aus bunten Stangen gebaut sein –
aber Stangen sind hilfreiche Instrumente,
um Pferde Schritt für
Schritt zu lehren, weiterzugehen,
wenn ihr Instinkt ihnen Ausweichen
oder Umdrehen empfiehlt.
Es ist eine verblüffende Einsicht
aus einer großen unabhängigen
Studie über den Reitsport, dass
auch die Mehrzahl der nicht in
Vereinen organisierten Reiter
überwiegend Anhänger der klassischen
Reitlehre sind. Unabhängig
vom Turniersport versuchen
sie, sich und ihre Pferde
gemäß den seit Generationen
überlieferten Grundsätzen auszubilden.
Klassische Reitlehre
wie kann man sie lernen?
Denn wenn auch die ersten
Schritte auf dem Weg zum Reitenkönnen
klein sind, so müssen
sie doch in die richtige Richtung
führen, damit das individuelle
Ziel überhaupt erst einmal ausgeguckt
werden kann – das Erreichen
hängt natürlich noch von
anderen Bedingungen ab.
Natürlich kann nicht jeder
Reitanfänger ein guter Reiter
werden – Talent, passende
Bedingungen einschließlich eines
guten Lehrers, Trainingsfleiß
und in nicht zu unterschätzendem
Maße auch das persönliche
Engagement (Selbstdisziplin,
Ausdauer) geben jeweils ein
individuelles Ende der Fahnenstange
vor.
Aber wenn die ersten Schritte auf
dem Pferderücken in die falsche
Richtung gehen, rückt das Ziel
in unerreichbare Ferne. Das heißt,
werden Grundfertigkeiten auf
dem Pferderücken von Anfang
an nicht richtig gelehrt und gelernt,
bleibt das reiterliche Handwerkszeug
unbefriedigend.
Die mit solchen Mitteln erreichbaren
Ziele bleiben auf Dauer
hinter den eigenen Möglichkeiten
zurück – und es wird ein
Stück weit verständlicher, warum
Gurus in der Reiterszene ein
so leichtes Spiel haben.
Strategien
für den Anfang
Als Kenner der Szene möchte
man jedem willigen Reitsportinteressenten
raten, sich vorab
gründlich kundig zu machen.
Wer mit präzisen Erwartungen
und konkreten Lernzielen in die
Startlöcher geht, dessen Chancen
auf einen guten Start erhöhen
sich natürlich beträchtlich.
Aber das Gegenteil ist die Regel:
Die Motivationen für das Reitenlernen
sind vielschichtig und
liegen oft im Unterbewusstsein verborgen. Schließlich locken unsere
größten Haustiere vielfältige
Emotionen hervor. Pferde sind
groß, schnell, stark, sanft, freundlich,
selbstbewusst, ängstlich und
vertrauensvoll – anziehende,
manchmal betörende Gegensätze.
Entscheidungen werden in diesem
Umfeld sehr oft sozusagen
aus dem Bauch heraus getroffen.
Den konkreten Anstoß für das
Hineinschnuppern in den Reitsport
geben in den meisten Fällen
Pferdenarren im persönlichen
Umfeld – in der Familie, unter
Nachbarn und Freunden, in der
Partnerschaft.
Bei der Auswahl eines konkreten
Ausbildungsbetriebes regiert König
Zufall. Mund-zu-Mund-Empfehlungen
oder günstige Gelegenheiten
(gute Erreichbarkeit,
Urlaubsangebot) geben den Ausschlag
für die Wahl eines Reitbetriebes
oder Vereines. Wer Glück
hat, gerät an ein kompetentes Gegenüber;
wer kein Glück hat, muss
Lehrgeld zahlen.
Mitunter wird man
erst aus Schaden klug
Eine gründliche kritische Runduminformation
im Voraus wäre
natürlich die bessere Strategie.
Leider gewinnen Reitanfänger
erst die nötigen Kenntnisse
für das richtige Management der
eigenen Karriere im Sattel, wenn
sie endlich rückblickend erkennen
können, wann die Weichen
falsch gestellt wurden: bei der
Wahl der Ausbildungsstätte, des
ersten Ausbilders und – besonders
häufig – beim Kauf des ersten
eigenen Pferdes.
Die beste Voraussetzung für eine
Erfolgsstory im Sattel ist es,
in eine Reiterfamilie hineingeboren
zu werden: Unter den Spitzensportlern
aller Reitsportdisziplinen
sind Söhne und Töchter
von Turnierreiten, Züchtern,
Reitausbildern bei weitem überrepräsentiert.
Wer bei der Wahl seiner Eltern
nicht auf diese Karte gesetzt hat,
wird günstigstenfalls noch im direkten
Umfeld auf das nötige
Know-how zurückgreifen können,
das heißt die Familienmitglieder,
Partner oder Freunde haben,
bei denen sie kompetenten
Rat und vielleicht sogar Anleitung
finden können (letzteres
führt in Partnerschaften allerdings
erfahrungsgemäß zu hohem
Reibungsverlust).
Ansonsten braucht man die nötige
Portion Glück, um sich nicht
in den vielen für Lernwillige im
Reitsport ausgelegten Fallstricken
zu verheddern.
Besser reiten lernen
In meinem Buch geht es um eine
zentrale Frage: Wie kann ich
besser reiten lernen? Die Doppeldeutigkeit
der Frage ist dabei
durchaus so gemeint, nämlich:
Wie kann ich besser lernen?
Wie kann ich besser reiten?
Dieses Anliegen verbindet Anfänger
und Fortgeschrittene, Jugendliche
und Erwachsene, Kinder
und Spät-Einsteiger, Sportreiter
und die so genannten Freizeitreiter.
Aber während das Training für
den Leistungssport mehr oder
weniger ein "Selbstfahrer" ist -
je höher übrigens das Leistungsniveau,
desto umfangreicher
und intensiver die Förderungskonzepte
-, lassen Förderungsangebote
im Basisbereich
oder gar für Turnierabstinenzler
zu wünschen übrig. Entweder
gibt es sie gar nicht, oder sie sind
nicht auf die Bedürfnisse der Zielgruppe
zugeschnitten.
Theoretisch sollten FN-geprüfte
Ausbilder in der Lage sein, die Erkenntnisse
und Anforderungen
der klassischen Reitlehre auf jedem
Level in die Praxis umzusetzen.
Aber in der Praxis wissen
die meisten sehr viel mehr über
die anspruchsvolle und schwierige
Ausbildung eines Pferdes Bescheid
als über den Ausbildungsweg
eines Reiters. Die allermeisten
unter ihnen können ein
Pferd unter dem Sattel ausbilden,
einen talentierten Jugendlichen
fördern oder einen sportlich engagierten
Reiter weiterbringen.
Das Know-how für die kleinen
Schritte, die ein erwachsener Einsteiger
braucht, ist dagegen
(noch) keine Selbstverständlichkeit,
sondern eine Frage des persönlichen
Engagements (auf der
Grundlage von persönlichen
Vorlieben, speziellen Fortbildungen
und praktischen Erfahrungen).
Ihre eigene Karriere im Sattel
steht und fällt mit einer guten
Anleitung von Anfang an. Nehmen
Sie sich die Zeit dafür, diese
Anleitung zu suchen und zu
finden. Es gibt sie!Wenn Ihnen
diese Anleitung gefehlt hat: Versuchen
Sie, so viel wie möglich
nachzuholen!
Wer besser reiten lernen will,
muss sein eigenes Lernen schon
selbst in die Hand nehmen. Das
ist leichter gesagt als getan, denn
es setzt die Bereitschaft voraus,
sich und das eigene Reiten durch
eine kritische Brille zu sehen –
mit dem Risiko wenig schmeichelhafter
Erkenntnisse.
Und es setzt die Bereitschaft voraus,
sich intensiv mit den Bedürfnissen,
Möglichkeiten, Problemen
und Grenzen der Pferde
zu beschäftigen – mit dem Risiko,
manchen Traum begraben zu
müssen. Der Lohn für diese Anstrengungen
kann den Preis allemal
wettmachen: ein Zipfelchen
von der Harmonie mit dem
Pferd zu erhaschen, von der
schließlich alle träumen, die vom
Pferdevirus befallen sind.
Mir ist im Grunde genommen eines
wichtig: Ich möchte vermitteln.
Zwischen Pferden und Reitern,
Reitschülern und Reitlehrern,
Turnier- und Freizeitreitern,
Seit-Kindesbeinen-Reitern
und Spät-Einsteigern, Organisierten
und Nicht-Organisierten,
Pferdebesitzern, Privatpferdeund
Schulpferdereitern, Warmblutpferde-
Anhängern und Fans
sogenannter Freizeitrassen – weitere
Gegensatzpaare bleiben der
Phantasie des Lesers überlassen.
Zur Autorin
Isabelle von Neumann-Cosel ist
Amateurreitlehrerin FN und Turnierrichterin
FN, im Hauptberuf
Journalistin und Autorin. Mit
ihren drei reitenden Töchtern lebt
sie in der Nähe von Mannheim.
Aus ihrer Feder stammen zahlreiche
Artikel, Bücher und Filme
für alle Altersstufen rund um das
große Thema "Pferde und Reiten".
Seit vielen Jahren gibt sie
mit Begeisterung Reitunterricht
für Kinder und Jugendliche.
Kann man reiten
tatsächlich lernen?
Ja, lautet die eindeutige Antwort,
die uns die Autorin mit ihrem
Buch gibt und auch gleichzeitig
Wege aufzeichnet, wie man es
denn angehen soll.
In drei Teilen veröffentlichen wir
Auszüge aus ihrem Werk, indem
Isabelle von Neumann-Cosel
vielfältige Probleme zwischen
Reitern, Pferden und Reitlehrern
aufführt und mit Witz und Wärme
auf deren Belange eingeht.
Das Buch zur Serie: "Reiten
kann man tatsächlich lernen"
von Isabelle von Neumann-Cosel
FN-Verlag, Warendorf
ISBN 3-88542-393-6
Preis 22,00 Euro
Quelle: Mediendienst Wienkamp |
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