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Der "Schumi" des Pferde-Fahrsports: rasanter Teenager unterwegs mit 4 PS
Traditionell fand über Pfingsten beim Reit- und Fahrverein Zeiskam e. V. (RLP) das Reit- und Fahrturnier der Kat. A statt. Normalerweise stoppen viele Zuschauer ihren Fußmarsch am Rande des Springplatzes, wo namhafte Reiter ihre Pferde in den höchsten Springklassen über den Parcours dirigieren. Auch mein Weg endete dort bislang bei meinen Besuchen. Diesmal jedoch folgte ich nicht den Reitern, sondern heftete mich an die Fersen der Fahrer. Mit einem Fotoapparat ausgestattet wollte ich mir die Geländeprüfung der Klasse S für Ein- bis Vierspänner anschauen. Was aus dem kurzen Besuch wurde, war ein zweitägiger Daueraufenthalt. Mit bislang unübertroffener Freundlichkeit, die in Reiterkreisen leider nur zu oft Opfer von Ignoranz und Arroganz geworden ist, empfingen mich die Anhänger des Fahrsports. Bei angenehmen, teilweise sogar sonnigen Witterungsbedingungen ließ ich mich neben einem schwäbischen Ehepaar an einer Grasnarbe nieder. Mit engelsgleicher Geduld erklärten mir die beiden netten Herrschaften, wie das vor mir liegende Hindernis Nummer 3, ein tückisches und überaus attraktives Wasserhindernis, zu nehmen ist und erzählten bereitwillig Details über herannahende Fahrer und Gespanne. Es war schon ein seltsames Gefühl, nach 35 Jahre Reit- und Zuchtsport zum ersten Mal das Auge auf Kutschen zu lenken. Und es war ein gutes, spannendes Gefühl. Ich fotografierte eifrig die Zweispänner, beobachtete die Mimik der Tiere, wenn sie in ein ihnen völlig unbekanntes Gewässer preschten – in nahezu blindem Vertrauen zu ihren Fahrern – und ließ mir die Regeln und Wertungen nebenbei erklären. Wie kontrolliert das alles wirkte. Und trotz hohen Tempos doch irgendwie, mal mehr, mal weniger, gelassen und reibungslos. Nach der Konkurrenz der Zweispänner im Gelände fing mit einem gesunden Maß an Verspätung der Durchlauf der Vierspänner an. Ich konnte mir mit meinen neu gewonnen Kenntnissen nun keinesfalls vorstellen, wie durch die engen, festen Hindernis jetzt ein Gefährt mit deutlich mehr Länge durchkommen sollte. Plötzlich schupft mich die nette schwäbische Lady an und raunt mir zu: " Das Gespann, das jetzt kommt, das behalten Sie mal im Auge! Der Fahrer ist grade mal 16 Jahre alt!". Wie befohlen, so getan, allerdings ließ mir das, was ich sah, den Atem schier stocken. Wo andere mit respektvoller Vorsicht sich dem Wasser näherten, fegte der Teenager mit seinen vier stolzen Pferden in nahezu halsbrecherischem Tempo in das kühle Nass hinein und um die Hindernisse im Wasser herum. Ich hielt die Luft an beim Drücken des Auslösers und bestaunte fassungslos, dass hier ein Team unterwegs war, bei dem ich wirklich nicht mehr beurteilen konnte, wer zu wem das meiste Vertrauen unter den sieben Beteiligten hatte: die vier Pferde oder der Fahrer nebst seinen beiden Beifahrern, von denen einer hinten auf der Kutsche stand und bei Engpässen mit ruckartigen Bewegungen die Kutsche scheinbar mit Leichtigkeit im Wasser mal eben 20 cm nach rechts und links rumhievte und die teils unangenehme Schräglage der Kutsche durch Gewichtsverlagerungen ausglich. Ebenso halsbrecherisch wie die Sieben kamen, gingen sie auch wieder, und ich sagte laut vor mich hin: "Mein Sohn ist auch 16. Ich würde sterben vor Angst, wenn er so was machen würde." Die Damen neben mir lächelt milde und verständnisvoll. Mit diesen Erlebnissen und einer Chipkarte voller tollen Fotos mache ich mich auf den Heimweg, fest entschlossen, mir das Hindernisfahren am nächsten Tag auch anzuschauen. Waren samstags die "Wilden, Mutigen" gefragt, lautete die Anforderung am nächsten Tag an die gleichen Teams: Sei kultiviert und diszipliniert und habe ein waches Auge – und das galt sowohl für die Fahrer als auch für ihre mutigen Rösser. Die Parcoursbauer hatten mich netterweise in die Bahnmitte zu ihren Standort gebeten, da ich von dort aus einen besseren Blick zum fotografieren hätte. Ich grinste ängstlich und meinte nur, dass ich bei der Startnummer 6, dem "4-PS-Schumi", die Bahn fluchtartig verlassen würde, aus Sorge, unter die Räder zu kommen. Aber man garantiert mir, dass das nicht passieren würde. Und wirklich: Ob im Einspänner, Zwei- oder Vierspänner, ich ich Pferde und Fahrer mit höchster Konzentration zwischen den aufgebauten Hindernissen hindurch jonglieren. Auch der sympathische Teeanger namens Michael Brauchle vom PSV Schloss Kapfenburg lenkt seine Tiere mit einem Höchstmaß an Konzentration durch den Parcours – und wird schließlich für seine Leistungen auch entsprechend belohnt: Bei seinem ersten Start mit einem Vierspänner verlässt Michael Brauchle die Reitanlage des RV Zeiskam als Gesamtsieger in der Kombination Dressur-Gelände-Hindernis. Ein Name, den man mit Sicherheit oft hören wird. Text und Fotos wurden uns zur Verfügung gestellt von Ilona Kirsch, Essingen  
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