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Textversion:
So wird die
Sattelkammer zum
Schmuckkästchen Ob bäuerliche Pensionspferdehaltung,
Westerntrainingsstall,
Gangpferdezentrum oder konventioneller
Reitbetrieb: Ein besonderer
Raum ist unverzichtbarer
Bestandteil jeder Reitanlage
– die Sattelkammer.
In ihr lagern die wichtigsten
Ausrüstungsteile, die wir für den
gesamten Pferdesport benötigen,
angefangen bei Sattel und
Zaumzeug über Longierleine
und -peitsche bis hin zum kompletten
Fahrgeschirr.
Trotz der Werte, die sie beinhaltet,
wird sie dennoch in zahlreichen
Betrieben wie ein vernachlässigtes
Stiefkind behandelt
und ähnelt eines Tages eher einer
Rumpelkammer als einem
praktischen, funktionalen und
sauberen Wirtschaftsraum. Das
muss nicht sein!
Das Fachmagazin PFERDEANZEIGER
stellt Ihnen vor, wie eine
Sattelkammer im Idealfall
aussehen kann und welche Kniffe
und Tricks Sie anwenden können,
um eine schmuddelige
Rumpelkammer in ein richtiges
Schmuckkästchen zu verwandeln! Trendwende:
Ausrüstung – immer
besser, immer teurer
"Seht mal, mein neuer Sattel! Endlich
ein maßgeschneidertes Modell
... hat natürlich auch ein paar
Mark extra gekostet." Der Stolz
steht den meisten Pferdehaltern
ins Gesicht geschrieben, wenn sie
ihren Reiterkollegen ein besonders
schönes Ausrüstungsteil
vorführen.
Begrüßenswert ist auch die Tatsache,
dass sich mehr und mehr
verantwortungsbewußte Pferdehalter
bereit erklären, hierfür
durchaus tief ins Portemonnaie
zu greifen. Dass der hundertprozentig
auf Pferd und Reiter
sowie den angestrebten Einsatzbereich
abgestimmte Sattel und
eine passende Zäumung der Gesunderhaltung
des Pferdes und
zugleich der Steigerung des eigenen
Reitvergnügens dienen,
hat sich durch die Aufklärungsarbeit
der Pferdefachpresse herumgesprochen.
Edle Stücke ...
sorglos abgelegt
Was aber passiert in der Regel
nun? In gar nicht seltenen Fällen
verschwindet dieser zunächst
sehr bewunderte Beweis bester
traditioneller Sattlerkunst dann
für 23 Stunden pro Tag in einem
stickigen, muffigen Räumchen.
Was sich stolz Sattelkammer
nennt, ist am Boden manchmal
von einer zentimeterdicken
Staubschicht bedeckt. In den
Ecken sammelt sich mehr und
mehr Gerümpel in Form ausgedienter
Putzutensilien oder verdreckter
Pferdedecken an.
Die Sattelkammer – in Sachbüchern
über Reitanlagen- und
Stallbau als wichtiger Nebenraum
bezeichnet – wird auf diese
Weise zur unwichtigen Nebensache
diskriminiert; den Gedanken
an ihren vernachlässigten
Zustand schiebt der Pferdehalter
bewusst beiseite. Doch halt:
Wer die Werte, die hier lagern,
spaßeshalber einmal in harter
Währung zusammenzählt,
kommt schnell zu dem Schluss,
dass die Sattelkammer in Wahrheit
eine richtige Schatzkammer
ist. Als solche darf – und sollte!
– Sie natürlich auch behandelt
werden.
Was darüber hinaus jeder Stallbetreiber
nicht vergessen darf:
ein aufmerksamer Blick in diesen
kleinen Raum verrät jedem
Außenstehenden viel über die
allgemeine Sorgsamkeit eines
Pferdehaltungsbetriebes.
Wohin mit dem Sattel?
Pferde werden heutzutage auf
die unterschiedlichste Weise
gehalten. Manch ein Privatmann
mit eigenem Grund und
Boden hält sie in Stall und Paddock
hinterm Haus und bringt
Sättel, Zaumzeug und sonstige
Utensilien entweder in einem
zum Haus gehörenden
Raum oder (ziemlich häufig
sogar) in der eigenen Garage
unter.
Auf dem Bauernhof, der Pensionspferdehaltung
als Hauptoder
Nebenerwerbszweig betreibt,
wird das Sattelzeug
überwiegend in einem Schuppen,
einer in die Scheune integrierten
Kammer oder einer
sonstigen Räumlichkeit aufbewahrt.
Nicht immer ist diese
Räumlichkeit verschließbar
– Größe, Lage und Gestaltung
richtet sich nach den Gegebenheiten
des Hofes.
Vielerorts bringt der Pferdehalter
auch sämtliche Ausrüstungsteile
in einem entsprechend
großen Schrank unter.
In einer größeren Reitvereinsanlage
entspricht die Sattelkammer
am ehesten den
grundsätzlichen Anforderungen
an Lage, Größe und Ausstattung,
da ihre Einrichtung
schon bei der Planung und
beim Bau der Gesamtanlage
berücksichtigt werden konnte.
Lage und Einrichtung:
Weite Wege zwischen Box
und Kammer vermeiden
Im günstigsten Fall ist die Sattelkammer
Bestandteil des Stallgebäudes
und (beim konventionellen
Boxenstall) von den Boxen
aus leicht erreichbar. Ideal: Sie
befindet sich am Ende einer Boxenreihe
und gleichzeitig in unmittelbarer
Nähe des Putz- und
Sattelplatzes.
So bleiben dem Reiter nicht nur
lange Wege mit dem schweren
Sattel überm Arm erspart; auch
das Pferd bleibt nicht zu lange
unbeaufsichtigt sich selbst überlassen.
Denn manch ein gewitzter
Vierbeiner entwickelt, seiner
individuellen Veranlagung entsprechend,
interessante Strategien,
mit eventueller Langeweile
umzugehen! Auf jeden Fall sollte
die Sattelkammer begehbar
sein, ohne dass dabei der Reitbetrieb
gestört wird.
Extratipp vom
PFERDEANZEIGER:
In größeren Anlagen, in denen
auch Reitunterricht erteilt wird,
haben sich zwei separate Sattelkammern
bewährt.
So können die Ausrüstungsteile
der Lehrpferde getrennt von denen
der Privatpferde aufbewahrt
werden.
Kluge Köpfe berücksichtigen bereits
in der Planungsphase ihrer
Reitanlage eventuelle spätere Erweiterungsmöglichkeiten.
Vielleicht
sollen eines Tages doch
noch zusätzliche Außenboxen angebaut
werden? Oder die Nachfrage
nach Offenstallanlagen
wächst? Dabei ist immer zu bedenken,
dass auch das Sattelzeug
der dann neu hinzukommenden
Pferde sachgemäß untergebracht
werden muss.
Eine solche Erweiterung setzt entweder
Großzügigkeit bei den
Raummaßen der ursprünglichen
Sattelkammer/n voraus oder das
Vorhandensein zusätzlicher Räumlichkeiten.
Platz schafft
bessere Übersicht
Wer kennt sie nicht, die Klagelieder
der Bewohner winziger
Appartements, die über räumliche
Enge stöhnen. Wo Platz fehlt,
müssen die eigenen Siebensachen
stets von einer Ecke in die andere
geräumt werden. Hingegen
freut sich der Besitzer einer
großen Wohnung über die Leichtigkeit,
mit der er Ordnung halten
kann. Das gleiche Prinzip gilt natürlich
auch für die Sattelkammer, denn
sie soll ja möglichst sämtliches
Zubehör rund um den Pferdesport
aufnehmen können. Das
heißt: In Betrieben, in denen sowohl
Reiter als auch Fahrer ihrem
Sport nachgehen, ist neben dem
Sattelzeug das gesamte Fahrgeschirr
unterzubringen; der aktive
Turnierreiter oder -fahrer
benötigt zusätzlich viel Raum,
um die teils sperrigen Turnierkisten
zu verstauen.
Breiten, Tiefen, Höhen:
Wie viel Platz für Aufhängevorrichtungen?
Im Allgemeinen werden die
Aufhängevorrichtungen für
Sättel und Zaumzeuge sowohl
übereinander als auch nebeneinander
fest in den Wänden verankert.
Die Normallösung
(Quelle: Schnitzer 1973, aus Orientierungshilfen
Reitanlagenund
Stallbau, FN) sieht dabei bei
konventionellen Satteltypen
einen Platzbedarf von 55 cm in
der Breite, 60 cm in der Tiefe und
50 cm in der Höhe pro Sattel vor.
Das setzt voraus, dass die Sättel
neben- und übereinander und die
Trensen an einer separaten Wand
aufgehängt werden. Für die Trensen
ist dann ein Platzbedarf von
20 cm in der Breite und 82,5 cm
in der Höhe zu veranschlagen.
Soll das Zaumzeug jedoch direkt
am Sattel hängen, ist ein Platzbedarf
von insgesamt knapp 110
cm in der Höhe einzukalkulieren.
Andere Reitweisen –
andere Maße
Für Reitbetriebe, in denen auch
Western-, Trekking- oder iberische
Sättel benutzt werden, sind
großzügigere Abmessungen zu
empfehlen. Diese Sättel benötigen
im Allgemeinen mehr Platz.
Viele Pferdebesitzer verwenden
außerdem größere Sattelunterlagen
in Schabracken- beziehungsweise
Pad-Form, die nach
dem Reiten über den Sattel gelegt
werden.
Mehr Abstand nach oben, unten
und nach beiden Seiten hin verhindert,
dass der Sattel beim Hineinbringen
und Herausholen
nicht jedesmal an andere Sättel
stößt. Auch darf er natürlich nicht
an der Wand entlang schaben, da
dabei stets die Gefahr der Beschädigung
besteht. Für ein Fahrgeschirr
(Quelle: Schnitzer 1973,
wie oben) ist eine Wandbreite von
mindestens 60 cm erforderlich,
ein Voltigiergurt benötigt zirka
55 cm in der Breite.
Auflage auf
Satteltyp abstimmen
Die Aufhängevorrichtung sollte
auf den Satteltyp abgestimmt
sein. So empfiehlt sich beispielsweise
vor allem beim Westernsattel
eine flächige Auflage, damit
sich die Lederteile (Skirts)
nicht verformen.
Vielerorts werden auch gern so
genannte Sattelböcke – zum Beispiel
aus Holz – verwendet. Sie
bieten insbesondere dem Besitzer
eines schweren Sattels den
Vorteil, dass er das gewichtige
Stück nicht über Taillenhöhe heben
muss, also bequemer handhaben
kann. Mit weniger Bizeps
ausgestattete Damen danken eine
solche Anschaffung ...
Schön gearbeitete Sattelböcke eignen
sich im Übrigen prima für
den Sattelsammler, die sein
Prunkstück im Wohnbereich seines
Hauses zur Schau stellen
möchte! Fußboden freihalten
Durchdacht montierte zusätzliche
Aufhängemöglichkeiten sind
höchst willkommen, nehmen sie
doch weitere Halfter, Kappzäume,
Longiergurte, Leinen und
Stricke auf. Praktisch ist es, einen
hohen vasenähnlichen Behälter
aufzustellen, der lange Gerten
und Longierpeitschen aufnimmt.
All diese Maßnahmen machen es
nicht nur leichter, Ordnung zu
halten, sondern dienen auch der
Sauberkeit, denn je mehr auf dem
Fußboden herumliegt, desto geringer
wird die Lust, in der Sattelkammer
einmal den Besen zu
schwingen!
Und noch ein praktischer Hinweis
für Mäusegeplagte, die trotz
eifrig jagender Hofkatzen der
kleinen Quieker, die hin und wieder
vom Sattelleder naschen,
nicht Herr werden: Hängen Sie
Ihre wertvollen Sättel an stabilen
Stricken frei im Raum auf!
Lagerbedingungen:
Auf die richtige
Temperierung achten
Die ideale Raumtemperatur für
die Aufbewahrung des Sattelzeugs
beträgt 10 bis 15 Grad Celsius.
Vielen Lesern wird diese
Temperaturempfehlung als recht
niedrig erscheinen, vor allem,
wenn die Sattelkammer in ihrer
eigenen Reitanlage an sommerheißen
Tagen eher an einen Brutkasten
als an einen Weinkeller erinnert.
Doch der Sattelbesitzer darf eine
wichtige Tatsache niemals vergessen:
Leder ist Tierhaut – und
trocknet daher, genauso wie
menschliche Haut, bei Hitze und
Trockenheit aus. Im Menschengesicht
entstehen Runzeln, das
Leder des Sattels wird brüchig.
Daher darf auch kein Sattel in
der Nähe eines Heizkörpers aufbewahrt
werden oder ein Dauersonnenbad
nehmen, wenn seine
Schönheit und Lebensdauer
nicht beeinträchtigt werden
sollen.
Natürliches Licht ist selbstverständlich
ideal für die Beleuchtung
der Sattelkammer während
des Tages. Sie ersetzt jedoch die
fachmännisch installierte elektrische
Beleuchtung nicht, da die
Kammer sicherlich auch in den
Abendstunden benutzt werden
soll.
Luftfeuchte
optimieren
So wie die menschliche Haut auf
extreme Trockenheit mit einem
unangenehmen Spannungsgefühl
reagiert, so trocknet auch Leder
bei zu trockener Raumluft
nachhaltig aus. Der Grad der Luftfeuchte
sollte in der Sattelkammer
zwischen 50 und 70 Prozent
betragen. Der genaue Wert lässt
sich leicht mit einem Hygrometer
bestimmen. Ist er zu niedrig,
erhöht eine im Raum aufgestellte,
mit Wasser gefüllte Schüssel
die Luftfeuchtigkeit.
Extratipp vom
PFERDEANZEIGER
- Große Reitanlagen mit
Schwerpunkt Turniersport
lassen im Übrigen nicht nur
eine mit einem Temperaturfühler
und Thermostat
ausgestattete Heizung, sondern
zusätzlich gern auch
ein Luftbefeuchtungsgerät
zur Optimierung des Raumklimas
installieren.
- Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit
– zum Beispiel in einem
schwülheißen Sommer –
hilft nur lüften.
- Bannen Sie die Schimmelpilzgefahr:
Winzige Algenund
Schlauchpilze überziehen
sonst das organische
Material Leder mit häßlichen,
krustenförmigen oder
staubähnlichen farbigen
Überzügen.
- Wichtig: Achten Sie aus
diesem Grund auch beim
Kauf eines Metallschrankes
zur Unterbringung des
Sattelzeuges auf eine ausreichende
Anzahl von
Luftschlitzen!
Ratschläge vom Experten:
Das rät Ihr Sattlermeister
Schützen Sie Ihr wertvolles Sattelzeug
unbedingt vor direkter
Sonneneinstrahlung, indem Sie
nötigenfalls das Sattelkammerfenster
mit einer Folie bekleben.
Lassen Sie Ihren Sattel im Sommer
nicht zu lange im heißen Auto
liegen. Sollte sich das nicht vermeiden
lassen, beobachten und
betasten Sie das Leder sorgsam,
um eventuellen Schäden durch
zusätzliche Pflegemaßnahmen
vorzubeugen.
Achten Sie auch darauf, schweißfeuchte
Sattelunterlagen erst an
einem luftigen Ort völlig trocknen
zu lassen, ehe Sie sie in der
Sattelkammer unterbringen. So
beugen Sie unangenehmer Geruchbildung
vor!
Wasseranschluss
nicht vergessen
In ihren Orientierungshilfen
Reitanlagen- und Stallbau empfiehlt
die Deutsche Reiterliche
Vereinigung zu recht die Installation
eines Waschbeckens
mit Kalt- und Warmwasseranschluss
in der Sattelkammer. In
der Praxis reicht oftmals ein
zumindest in der Nähe befindlicher
Wasserhahn, um die
Gebisse auszuwaschen und
verschmutzte Teile von Sattelzeug
oder Geschirr feucht zu
reinigen.
Ideal ist natürlich ein zusätzlicher
Wirtschaftsraum in direkter
Nachbarschaft der Sattelkammer.
Hier wäre Platz für ein
oder sogar mehrere Waschbecken,
eine ausklappbare Spinne
aus Metallrohren oder andere
Aufhängmöglichkeiten. Sie
sind praktisch, um Sattelunterlagen
und Pferdedecken zu
trocknen, und stellen gleichzeitig
Hängevorrichtungen für die
unterschiedlichen Stallarbeitsgeräte
dar.
Sandkörnchen zerstören Leder
Apropos Schmutz: Der Staubschutzüberzug
aus Stoff überm
Sattel ist erfreulicherweise ein
normaler Anblick in den meisten
Sattelkammern. Doch mehr noch
als der in der Raumluft befindliche
Staub, der bei längerer
Nichtbenutzung des Sattels das
Leder mit einer feinen grauen
Schicht überzieht, schaden dem
wertvollen Material feine Sandpartikel.
Sie finden beim Reiten
auf dem Außenplatz oder im
Gelände ihren Weg auch zwischen
die einzelnen Lederteile.
Wird der Sattel nach einem solchen
Ritt nicht sorgfältig gereinigt, verletzen Sie das Leder wie
Schmirgelpapier.
Extratipp vom
PFERDEANZEIGER
- Ein stark verschmutzter Sattel
gehört nicht gleich in die
Sattelkammer!
- Waschen Sie ihn mit lauwarmem
Wasser und rückfettender
guter Sattelseife
und trocknen ihn sorgfältig
ab.
- Das Nachfetten richtet sich
nach Art und Fettgehalt des
Leders und sollte nie im nassen
Zustand geschehen.
Richten Sie sich daher unbedingt
nach den Empfehlungen
des Sattelherstellers!
- Ölen Sie niemals dünnes
Polsterleder wie den mit
Glatt- oder Rauhleder gepolsterten
Sitz, die Pauschen
oder die Polsterung des Sattels
selbst.
- Bedenken Sie: Öle dringen
tief ins Material ein und beeinflussen
den Weichheitsgrad
des Leders. Das – seltene!
– Ölen empfiehlt sich
daher nur für dicke, ständige
Lederarten.
- Satteltaschen oder Stiefel
und Ähnliches werden niemals
geölt, sondern gefettet
oder gewachst – beides dient
dem Oberflächenschutz.
Gute Kombipräparate sind
übrigens auch mit dem sehr
empfehlenswerten Schutz
gegen UV-Strahlung erhältlich.
- Benutzen Sie keine sogenannten
Pflege-Lacke! Indem
sie die Oberfläche versiegeln,
verschließen sie
gleichzeitig die Poren und
nehmen dem Naturmaterial
Leder die Möglichkeit zu
atmen!
- Machen Sie es sich zur lieben
Gewohnheit, regelmäßig
auch alle Verschleißteile
wie Strippen,
Gurt- und Bügelriemen zu
überprüfen, ehe Sie den Sattel
wieder in die Sattelkammer
bringen. So entdecken
Sie Materialfehler, bevor ein
Unfall passieren kann!
- Sattelzeug ist Lederzeug –
und Leder gehört zu den ältesten
Materialien, die vom
Menschen benutzt und verarbeitet
werden. Als Leder
bezeichnen wir Tierhaut, die
im nassen Zustand zur
Fäulnis neigt und im trockenen
Zustand leicht bricht.
Die Aufgabe der Ledererzeugung
ist es nun, diese
leicht verderbliche Tierhaut
mit Gerbstoffen chemisch
umzuwandeln und durch
besondere Zurichtmethoden
widerstandfähig zu machen.
- Die Bezeichnung der verschiedenen
Arten richtet
sich nach dem verarbeiteten
Hauptmaterial. So wird
zum Beispiel zwischen
Rind-, Kalb-, Ziegen-,
Schaf-, Ross- oder Reptilleder
unterschieden.
- Auch die Gerbstoffe, die
hierbei angewendet wurden
(pflanzlich, chrom-, alauntran-,
kombiniert gegerbt),
und die Zurichtverfahren
schlagen sich in der Bezeichnung
nieder. So kennt
man unter anderem
Velours-, Nappa-, Nubukoder
Anilinleder.
- Zudem spielt der Verwendungszweck
eine Rolle. Es
gibt Sohl-, Schuhober-, Bekleidungsleder,
Sattel- und
Geschirrleder.
- Wichtig ist auch die Unterscheidung
von Leder mit
natürlichen Narben (Narben-
Leder, Voll-Leder) und
Leder aus narbenfreien oder
mit Pressnarben versehenen
Spaltschichten (Spalt-Leder,
fälschlich oft Wildleder genannt).
- Auch der Körperbereich,
von dem das Leder stammt
– also Hals, Flanke oder
Rücken –, spielt bei der Herstellung
eine Rolle.
- Für Bügelriemen wird heute
grundsätzlich Leder aus
dem Rückenbereich benutzt,
weil es die größte Festigkeit
aufweist.
- Für Sattelzeug und Geschirre
benutzt man überwiegend
Rindleder verschiedener
Zurichtungen
verwendet, entweder vegetabil
oder nach einem
Mischverfahren gegerbt. |
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