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Weltreiterspiele Aachen 2006
Eine WM der Weltklasse Die Weltmeisterschaft der Superlative – so wurden die diesjährigen
Weltreiterspiele (WEG), die in Aachen vom 20.08.2006 bis zum
03.09.2006 stattgefunden haben, bereits international zu Recht bezeichnet.
Superlativ im Hinblick auf die freund(schaft)liche Atmosphäre,
im Hinblick auf das riesige Interesse bei Akteuren und
Publikum (insgesamt 576.000 Zuschauer vor Ort!) gleichermaßen
an dem packenden Pferdesport in vielerlei Disziplinen, im Hinblick
auf Organisation und Durchführung und, und, und ... Ihren Teil beigetragen hat hierzu
mit Sicherheit auch der Wettbewerb
der Vierspänner-Fahrer, bestehend
aus den Einzelwettbewerben
Dressurprüfung, Marathonfahrt
(Geländeprüfung) und
Hindernisfahren sowie aus der
hieraus resultierenden Gesamtwertung
für den Einzelweltmeister-
Titel und für den Mannschaftsweltmeister-
Titel.
Sowohl die Einzelprüfungen als
auch die Weltmeister-Wertungen
blieben von Anfang bis Ende sehr
interessant und sehr spannend.
Und entschieden haben sich die
Titel und Medaillenränge nach
einigem Rauf und Runter tatsächlich
letztendlich erst in allerletzter
Minute bei dem abschließenden
Hindernisfahren.
Zum spannenden Wettbewerb
angetreten waren dabei insgesamt
16 Nationen mit rund 50
Fahrern, darunter auch zwei kompetente
Fahrerinnen. Und nicht
zu vergessen die vierbeinigen
Teilnehmer(innen), welche ebenfalls
tolle Leistungen zeigten; der
älteste (noch sehr fitte) Vierbeiner
(der Trakehner "Muschamp’s
Kangaroo" im Gespann der Britin
Karen Bassett) ist übrigens stolze
22 (!) Jahre alt, der älteste (und
ebenfalls noch sehr aktive) Fahrer
George Bowman/GBR stolze
71 (!) Jahre.
Die Fahrer-Wettbewerbe begannen
– nach endlich durch den Veranstalter
behobenen, wetterbedingten
Problemen, die insbesondere
die Fahrer hart getroffen
hatten – am 30./31.08.2006 mit
der Dressurprüfung. Hier siegte
Chester C. Weber/ USA – er wird
übrigens von der deutschen Fahrer-
Legende Michael Freund, auf
den noch mehrfach einzugehen
sein wird, trainiert – vor (dem
späteren Vize-Weltmeister) Ysbrand
Chardon/NED und dem
deutschen Michael Freund. Auf
Platz 4 fuhr sich (der spätere Weltmeister)
Felix Marie Brasseur/
BEL. Von den weiteren deutschen
Teilnehmern, die letztendlich für
die Mannschaftswertung zählten,
landeten Christoph Sandmann
auf Platz 7 und Rainer Duen auf
Platz 24; Ludwig Weinmayr kam
auf Platz 15, Josef-Nikolaus Zeitler
auf Platz 32.
Damit lautete nach diesem ersten
Wettbewerb die Team-Wertung:
USA vor Belgien, Deutschland
und den Niederlanden.
Doch schon der zweite Wettbewerb,
die Geländefahrt (Marathon)
mit insgesamt acht Hindernissen,
brachte am darauf folgenden
Tag eine neue Team-Reihenfolge:
Jetzt hieß es Deutschland
vor den Niederlanden und
Belgien, auf Rang 4 rückte Ungarn
vor, das Team der USA fiel
zurück auf Rang 5.
In der Einzelwertung siegte bei
diesem schönen, aber auch sehr
anspruchsvollen Marathon Ysbrand
Chardon/NED mit nur
0,43 Punkten Unterschied vor
Felix Marie Brasseur/BEL und
Stefan Klay/SUI; der schwedische
Experte Thomas Eriksson erreichte
– ebenso wie später bei
der Gesamtwertung – Rang 4. Von den deutschen Mannschaftlern
kam Rainer Duen auf Platz 14;
Altmeister Michael Freund landete
– wegen Problemen in den
Geländehindernissen 1 und 2 –
nur auf Rang 17 und musste damit
seine Hoffnungen auf eine
Medaille in der Einzelfahrer-Gesamtwertung
leider begraben.
Probleme und (glücklicherweise
die einzigen) zwei Unfälle gab an
dem Hindernis 1. Eine solche Gefährdung,
wie sie dieses Hindernis
darstellte, gehört – und mit
dieser Kritik befinde ich mich in
guter Gesellschaft mit zahlreichen
Aktiven und Berichterstattern –
nicht auf ein Turnier, selbst wenn
dieses eine WM ist!
Dennoch wurde, abgesehen von
diesem Hindernis 1, Dr. W. Asendorf
aus Hannover großes und
berechtigtes Lob gezollt für die
sehr schön konzipierte, interessante
und anspruchsvolle Geländestrecke
und die dazu gehörenden
Geländehindernisse. Lob
aber nicht nur von den aktiven
Teilnehmern, sondern auch von
den (über 25.000 im Gelände befindlichen)
Zuschauern, die auf
Grund der Streckenführung und
der an einigen Geländehindernissen
errichteten Tribünen eine
gute Einsicht in die abwechslungsreichen
Hindernisse und die
dortigen Leistungen der Vierspänner
hatten und denen es zudem
auch gut möglich war, auf
relativ kurzen Wegen alle Hindernisse
zu besuchen und – wenn
gewollt – die gleichen Fahrer sogar
an mehreren Hindernissen
beobachten zu können.
Der dritte Tag brachte mit dem
Hindernisfahren auf dem Turnierplatz
(Kegelfahren) neben einigen
Überraschungen auch
nochmals einige Verschiebungen
in den abschließenden Gesamtwertungen
sowohl der Einzelwertung
als auch der Mannschaftswertung.
Gute Nerven zeigte bei diesem
Hindernisfahren letztendlich der
– durch sein gerichtliches Vorgehen
gegen seinen Fahrer-Kollegen
Michael Freund, das erst
2006 zu dessen Aberkennung des
WM-Titels des Jahres 2004 geführt
hatte – in die Kritik geratene
Belgier Brasseur als vorletzter
Starter mit einem Nullfehler-Umlauf
und Platz 1. Schlechter erging
es dem – nach den vorangegangenen
Wettbewerben bis dahin in Führung liegenden –
Niederländer Chardon, der als
letzter Teilnehmer starten musste
und nur auf Platz 14 kam, was
ihn letztendlich nicht nur das
Gold in der Einzelwertung kostete,
sondern sein Team auf Rang
3 in der Schlusswertung abfallen
und die Belgier von bislang Rang
3 zur Silbermedaille aufstiegen
ließ. Zuvor hatten sich in der Einzelwertung
beim Hindernisfahren
die deutschen Teilnehmer
sehr erfolgreich geschlagen: Platz
2 für Sandmann, Platz 3 für Zeitler
und Platz 4 für Freund, der
durch seine nervenstarke und
routinierte Fahrweise hiermit
maßgeblich für das Mannschafts-
Gesamt-Gold der deutschen Fahrer
beitrug und sich erneut selbst
bestätigte; Duen landete hier
"nur" auf Rang 11.
Die Endwertung der Weltmeisterschaft
hieß nun in der Mannschaftswertung:
Deutschland
(Sandmann, Freund, Duen) vor
Belgien, Niederlande, Ungarn
und Schweden.
In der Einzelwertung wurde der
Belgier Felix Marie Brasseur Weltmeister.
Die Silbermedaille ging
an Ysbrand Chardon/NED, die
Bronzemedaille an den hierauf
zu Recht stolzen Christoph Sandmann/
GER mit nur 0,06 Punkten
Vorsprung vor Thomas Eriksson/
SWE und vor Michael
Freund/GER, der damit seinen
Abschied von der internationalen
Bühne als jahrzehntelang sehr
erfolgreicher internationaler Vierspänner-
Fahrer außer mit seinem
Einzelerfolg zudem mit dem
Mannschaftsgold krönte.
Und last but not least: Der (früher
selbst als aktiver Fahrer sehr erfolgreiche)
Bundestrainer Ewald
Meier durfte ohne Zweifel stolz
sein auf die weltmeisterlichen Erfolge
(und das auch noch bei der
WM im eigenen Lande) seiner
Vierspänner-Fahrer und seiner
eigenen Trainerleistung! Er steht
nun vor der – im deutschen Fußball
durch Jürgen Klinsmann bereits
erfolgreich umgesetzten –
Aufgabe, für die nächste WM in
vier Jahren die Nachwuchsfahrer
(und die Nachwuchspferde)
fit zu machen. Superlativen, Erfolgen
und Freude standen bei
den Fahrern lediglich ein wenig
traurig stimmende Abschiede gegenüber.
Nämlich der Abschied
aus der internationalen aktiven
Fahr-Szene (nicht aber aus seiner
weiteren Trainer- und Ausbildertätigkeit)
für den deutschen
Publikumsliebling Michael
Freund, für den Schweden Jan Eric
Palsson und für den Schweizer
Stefan Klay. Die Frage, ob sich
auch Christoph Sandmann/GER
aus der großen internationalen
Szene verabschiedet; das verdiente
Pferdeleben außerhalb von
Turnieren für "Muschamp’s Kangaroo"
aus dem Gespann der Britin
Karen Bassett und ob der 71-
jährige "Oldtimer" George Bowman/
GBR bei der nächsten WM
2010 in Kentucky/USA als dann
seiner 17. (!) WM wieder mitfährt,
ist nicht beantwortet.
Bericht/Fotos: © Thilo Haake/Vechta |
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