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| Medizin & Gesundheit
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Textversion:
Fohlenhufe Im Frühjahr beginnt für die Pferdezüchter eine aufregende und
spannende Zeit, geprägt von dick gewordenen Stuten, hastigen
Anrufen beim Tierarzt und erfolglos durchwachten Nächten, mit
der Erkenntnis, dass die Stuten auf den Moment des Alleinseins
gewartet haben. In den meisten Fällen ist die geduldige
Warterei von einem
Happy End gekrönt. Ein gesundes
und gut entwickeltes Fohlen
kann sich in Ihre Herde einreihen.
Aber leider werden auch in diesem
Jahr wieder einige missgebildete
Fohlen darunter sein. Andere,
gesund und korrekt geborene
Fohlen werden sich im Laufe
der ersten Monate gravierende
Fehlstellungen erwerben.
Welche Umstände die Entstehung
von Huf- und Stellungsproblemen
fördern, welche angeborenen
Hufprobleme auftreten
können und welche Bedingungen
eine problemlosere Aufzucht
begünstigen, soll Inhalt des
Folgenden sein.
1.) Die Hufe der gesunden
Fohlen:
Die Hufe des Neugeborenen haben
eine zylindrische Form. Die
Hornwände haben nur annähernd
hornähnliche Konsistenz.
Zu diesem Zeitpunkt sind
die Hornwände noch sehr weich
und nachgiebig. Die Zehenwand
ist über ein an der Sohle
angewachsenes, gallertartiges,
schwammiges mit Serum gefülltes
Keilkissen verlängert. Dieses
so genannte Fohlenkissen
überzieht die gesamte Bodenfläche
des Hufes. Der Strahl ist
noch nicht sichtbar. An dessen
Stelle hat das Fohlenkissen zwei
riemenförmige Verlängerungen.
Die Fruchtblase und der Geburtskanal
der Stute sind somit
während der Trächtigkeit und
der Geburt vor Verletzungen hinreichend
geschützt.
Hufhorn ist quellfähig und kann
große Mengen an Flüssigkeit aufnehmen.
Die Weichhornschichten
der Hornkapsel und das Horn
des Hufstrahls quellen stärker
als die Harthornsubstanz. In diesem
durch Flüssigkeit gesättigtem
Zustand ist das Horn des
Fohlens nach der Geburt, da sich
das Fohlen während der Trächtigkeit
in der mit Fruchtwasser
gefüllten Fruchtblase befand.
Sowohl das Fohlenkissen als
auch die Hornwände härten nun
unter Lufteinfluss zügig aus. (So,
wie im Medium Luft nun das
Konzentrationsgefälle " Wasser"
ausgeglichen wird, so nimmt der
Huf auch Substanzen der Umgebung
auf. Vor allem wird der
Luftsauerstoff für die chemische
Aushärtung der Hufe benötigt.)
Besonders das Fohlenkissen
trocknet und schrumpft durch
den Feuchtigkeitsverlust. Nach
einigen Stunden bis zu wenigen
Tagen sollte das Kissen ausgetrocknet
sein und sich von allein
herauslösen. Sollte sich das Fohlenkissen
nicht von allein ablösen,
so muss es mit einem stumpfen
Gegenstand herausgestoßen
werden. In keinem Falle darf es
mit einem Messer entfernt werden.
Bei Pferden, deren Fohlenkissen
mit dem Messer herausgeschnitten
wurde, konnte beobachtet
werden, dass sich kein
belastbarer und leistungsfähiger
Tragrand entwickelt hat.
Die Zeit bis zur Fohlenkissenablösung
ist abhängig von der
Beschaffenheit der Umgebung
(feucht-trocken; Konzentrationsgefälle),
Bewegung der Fohlens
(viel/wenig) und seiner genetisch
festgelegten Hufform
(weit/eng).
Nach wenigen Tagen entsteht
beim Fohlen der normale und typische
Tragrandzwanghuf. Das
bedeutet, dass der Huf am Kronrand
(Haarsaum) einen größeren
Querdurchmesser als am
Tragrand (Bodenfläche) besitzt.
Dies ist leicht nachzuvollziehen,
denn das junge Pferd mit seinen
Knochen, Sehnen, Bändern, Haut
und Muskeln wächst und entwickelt
sich, wird also größer.
Die hornigen Substanzen des
Hufes wachsen jedoch nicht im
gleichen Tempo. Somit haben wir
einen stagnativen Tragrand und
einen sich entwickelnden Kronrand.
Schon nach wenigen Tagen
wird beim Fohlenhuf eine Rille
kurz unterhalb des Kronrandes
sichtbar. Das von der Kronlederhaut
neu gebildete Horn
schiebt das Althorn von oben
nach unten. Die sich neu bildende
Hornkapsel hat eine deutlich
weitere Form, was die Einschnürung
erklärt. Unter der Rille
ist die Hornkapsel schmaler,
darüber weiter. Das Horn, mit
dem das Pferd geboren wurde,
ist in seiner Abriebfestigkeit nicht
mit dem der erwachsenen Pferde
zu vergleichen. Trotz der Aushärtung
verschleißt es in viel
höherem Maße. Die Wachstumsgeschwindigkeit
des Hufhornes
ist in diesem Lebensalter
sehr groß, sodass schon nach einigen
Wochen bis wenigen Monaten
sich die Hornkapsel einmal
ausgetauscht hat und der
Tragrandzwang nicht mehr existieren
sollte, wenn sich das Fohlen
ausreichend bewegen konnte.
Die Trachtenwände beim Neugeborenen
sind im Verhältnis zur
Zehenwand ungewöhnlich hoch.
Die Tiere belasten in den ersten
Tagen nach der Geburt die Zehenwand
deutlich stärker als die
Trachten. Linear zur Zeit verlagert
sich die Belastung, bis etwa
nach vier Wochen eine gleichmäßige
Lastaufnahme über die
ganze Huffläche erreicht ist.
Die grundsätzliche Entwicklung
von Hufform und Stellung der
Gliedmaße ist nach den ersten
zwölf Lebensmonaten im Wesentlichen
abgeschlossen. Fertig
entwickelt ist das Fundament des
Pferdes mit Abschluss der Längenwachstumsperiode.
Wenn
das Längenwachstum der Gliedmaße
abgeschlossen ist (wenn
beide Epiphysenfugen des vorderen
Röhrenknochens geschlossen
sind), ist eine spätere
Korrektur der Gliedmaßenstellung
wohl möglich, aber oft nicht
mehr sinnvoll. Das Pferd ist nun
ca. 4 bis 5 Jahre alt.
2) Die erworbenen Stellungs-
und Hufanomalien
Definition: Erworbene Stellungsfehler
sind Stellungsanomalien,
die sich beim gesund geborenen
Fohlen im Laufe der Zeit
schleichend einstellen.
Kaum ein erwachsenes Pferd hat
die in der Literatur immer wieder
beschriebene "Idealstellung".
Unsere gesamte Beurteilung der
Bewegung und der Stellung der
Pferde beschreibt immer die Abweichungen
von dieser idealisierten
Stellung. Für mich hat
sich immer wieder die Frage aufgedrängt,
ob diese Idealstellung,
da sie in der Realität doch so selten
oder besser fast nie vorkommt,
denn überhaupt die richtige
Stellung sein kann. Wie ist
es denn zu erklären, dass dann
eine so große Population starke
Abweichungen in der Stellung
aufweist.
Ein in diesem Zusammenhang sehr
interessanter Aspekt stammt von
Böhm (1954): Er beschreibt das Entstehen
von Stellungsanomalien
wie der Vorständigkeit, der Rückständigkeit
etc., also den immer
wieder in der Realität auftretenden
Abweichungen als den Versuch
des neugeborenen Fohlens,
die noch nicht im Spannungsgleichgewicht
befindlichen Sehnen
und Bänder in ein dynamisches
Gleichgewicht zu bringen. Dieses in den ersten Minuten eingestellte
Gleichgewicht wird
vom Fohlen beibehalten und manifestiert
sich über die Zeit.
Nach kurzem Nachdenken wird
also sofort klar, wie entscheidend
die Umgebungsbedingungen
von der ersten Minute an für das
Fohlen sind. Ist der Untergrund
in der Abfohlbox uneben, zu
weich, buckelig etc., so wird sich
zufällig ein dynamischer Tonus
der Sehnen und Bänder einstellen,
und es entsteht vom ersten
Tage an ein Korrekturbedarf, den
es zu vermeiden gilt.
Erworbene Stellungsfehler sind
vermeidbar, wenn die Aufzucht
in für das Fohlen günstigen Umweltbedingungen
stattfindet und
die Hufpflege, genauer gesagt
die Hufkontrolle, kompetent und
regelmäßig erfolgt.
Gute Voraussetzungen haben
Fohlen, die im Wesentlichen in
Herden und Weidehaltung aufgezogen
werden. Neben dem
Vorteil der gesundheits- und entwicklungsförderlichen
Bewegung
entwickeln sich auch das
Sozialverhalten und nicht zuletzt
die Hufe in idealer Weise. Der
ideale Untergrund ist von seiner
Konsistenz hier trocken und
mäßig eindrückbar. Hier wird
sich der Tragrandzwanghuf zu
der Kegelform entwickeln, die
Hufe werden vorne eine runde
und hinten eine spitzrunde Form
entwickeln können.
Hufe passen sich den Umweltbedingungen
an, in die sie gebracht
werden. So begünstigen
weiche Böden die Entstehung
weiterer Hufformen, was bei
Überschreitung einer Schwelle
problematisch wird.
Die Größe des Hufbeins ist genetisch
festgelegt und bleibt unveränderlich.
Wenn die den Knochen
umschließende Hornkapsel
weiter wird, nimmt die Festigkeit
des Hufhornes ab, da der Anteil
des weichen Kitthornes ansteigt.
In der Regel werden die Hufe weicher
und das Horn bröckelig. Die
Pferdezüchter in der Norddeutschen
Tiefebene beschlagen aus
diesem Grunde sehr häufig schon
1,5- oder 2-jährige Pferde, um dieser
Tendenz entgegenzuwirken
und weil sie wissen, dass diese
Maßnahme das Verengen der
Hornkapsel begünstigt.
Harte Böden führen zu kleineren
Hufen mit sehr hartem und
abriebfestem Horn. Leider begünstigen
die harten Bodenverhältnisse
aber in starkem Umfang
auch die wesentlichen erworbenen
Fehlstellungen.
Fohlen haben in Relation zur vorderen
Gliedmaßenlänge einen
verhältnismäßig kurzen Hals. Bei
der Nahrungsaufnahme auf der
Weide müssen Sie also entweder
mit gegrätschten Vorderbeinen
fressen, um das Gras mit den Lippen
erreichen zu können, oder
sie müssen abwechselnd ein Bein
vor- und eines zurückstellen.
Häufiger beobachtet man die
Grätschstellung.
Es kommt dadurch zu einer deutlich
höheren Belastung der inneren
Hufwände, die somit stärker
als die Außenwände abnutzen.
Es stellt sich eine bodenweite
Stellung ein. In der Bewegung
nutzt sich nun vermehrt die innere
Zehenwand ab, sodass sich
eine bodenweite/zehenweite
Gliedmaßenstellung ergibt. Bei
regelmäßiger Huf- und Stellungskontrolle
kann dieses Defizit
schnell erkannt werden und
man kann frühzeitig Gegenmaßnahmen
durchführen (Beraspeln
der Außenwand).
Bleibt die Veränderung unbemerkt,
so besteht die Gefahr, dass
sich die weichen Hornwände des
Fohlens krümmen. Die Innenwand
wird sich leicht konvex
verbiegen, die weniger belastete
Außenwand konkav. Dieser
Zustand wird sich bei gleichbleibenden
Verhältnissen verschlimmern.
Man spricht vom
krummen Huf. Auch bei weicher
werdenden Untergründen wird
sich eine einmal eingestellte Fehlstellung
nicht mehr von allein
verbessern. Je früher man eine
Fehlentwicklung registriert, desto
problemloser ist deren Korrektur.
Ebenfalls bei zu harten Bodenverhältnissen
besteht die Gefahr
des erworbenen Bockhufes. Das
Fohlen nutzt in der Bewegung
die Hornzehe stärker als die
Horntracht ab (Abfußungsreibung).
Sehr schnell entwickelt sich eine
zu stumpfe Stellung der Gliedmaßen.
Fast immer sind die vorderen
Gliedmaße betroffen.
Wenn in diesem Stadium nicht
durch kontinuierliches Zurückschneiden
der Trachtenwände
ein Ausgleich geschaffen wird,
wird sich die Situation verschlechtern.
Durch die immer geringer
werdende Beanspruchung
der tiefen Beugesehne, die einen
immer geringeren Hebel zu überwinden
hat, kann es sekundär zu
einer Sehnenverkürzung kommen,
bei der in schwierigen Fällen
die Trachten den Boden nicht
mehr berühren.
Auch bei frühzeitiger Erkennung
des Problems kann die Anwendung
eines geklebten Bockhufschuhes,
z. B. von Dallmer oder
Mustad, angezeigt sein. Ein neues
Produkt, das sich für die Behandlung
des Bockhufes ideal
anbietet, heißt "super fast". Man
spritzt einen Kunststoff auf den
Tragrand, der dann in Sekundenschnelle
aushärtet. Vor allem
bei unruhigen Fohlen hat diese
Form der Korrektur große Vorteile,
da die Beklebung mit einem
Hufschuh sehr zeitaufwändig
ist und meist nicht ohne Beruhigungsmittel
funktioniert.
Der Kunststoff der Firma Vettec
kann mit der Raspel bearbeitet
werden und steht in seiner Wirkung
dem Hufschuh kaum nach.
Ein Problem in der Anwendung
des Materials ist seine Luftundurchlässigkeit.
Ist der Huf nicht
steril gesäubert, können Bakterien
gravierende Fäulnisprozesse
verursachen. Bockhufeisen werden heute in
den meisten Fällen abgelehnt, da
man genagelte Hufbeschläge erst
in einem recht späten Lebensalter
zur Anwendung bringen
kann und das Verletzungsrisiko
durch Vernageln sehr hoch ist.
Wichtig und darum immer wieder
zu betonen ist auch hier die
Haltung des Fohlens. Auch der
beste Hufschuh wird nichts bewirken,
wenn das Fohlen in der
weichen und tief eingestreuten
Box steht oder auf dem tiefen
Sandplatz herumtobt. Das Fohlen
kann die Hufzehe weiter tief in
den Boden drücken, und die Korrekturmaßnahme
wirkt kaum!
Katastrophal ist die Prognose für
Fohlen, die in einer Box oder im
Laufstall mit großem Anteig an
tiefer Einstreu aufgezogen
werden.
Die Hufe bleiben klein und sehr
hornarm. Die Hufwände bekommen
keine ausreichende
Stärke. Die zu geringe Bewegungsmöglichkeit,
aber auch der
geringere Tatendrang der Fohlen
führen zu Defiziten im natürlichen
Hornabrieb. Die Hufe werden
zu lang. Mit den länger werdenden
Hufen steigt die Belastung
auf die Trachtenwände. Die
weichen Trachtenwände knicken
um, meist rollen sie sich ein und
es bilden sich die untergeschobenen
Trachten (Trachtenwand
verläuft spitzer als die Zehenwand).
Die Belastung der Zehenwand
wird geringer, somit
wachsen sie abrieblos und verschlimmern
die Situation.
Der ungünstige Untergrund verhindert
das entwicklungsgemäße
Weiten der Hufe. Die Hufentwicklung
stagniert.
Besonders bei Fohlen aus Boxenaufzucht
wurde beobachtet,
dass Jungpferde, die noch nie gearbeitet
hatten, vermehrt an Hufknorpelverknöcherung
und
Schale erkrankten.
Zu erklären ist dies mit mangelnder
Reizung und chemisch
ungünstiger Beeinflussung des
Hufhornes (Urin, Ammoniak
etc.), wodurch die Hufform eng
bleibt der Hufmechanismus nicht
arbeitet. Das Pferdegewicht
nimmt zu und es kommt zu Zerrungen
an der Krone und Überbeanspruchungen
der Hufknorpelbänder.
Weiterhin besteht bei
Boxenfohlen eine deutlich höhere
Wahrscheinlichkeit für die
Entstehung eines erworbenen
Bockhufes.
Von zentraler Wichtigkeit, vor
allem bei diesen Fohlen, ist die
Tatsache, dass Korrekturmaßnahmen
am Huf schlecht oder
gar nicht greifen. Vorgenommene
Korrekturen verändern die
Stellung in der Tiefstreu nicht,
sodass die Durchlässigkeit zu
den betroffenen Sehnen, Bändern
oder Gelenken ausbleibt. Die
Haltungsbedingungen müssen
auf die Korrekturmaßnahme abgestimmt
werden.
Selbst ein geklebter Bockhufschuh
wird seine Wirkung verlieren,
wenn das Fohlen in der
Box seine Hufzehe weiter in den
Boden eingraben kann.
3) Die angeborenen Stellungs-
und Hufanormalien:
1. Die Durchtrittigkeit: Als
Durchtrittigkeit bezeichnet man
die übermäßige Durchbeugung
(Hyperextension) in den Fesselgelenken.
Die Erkrankung kann
an einer oder mehreren Gliedmaßen
auftreten. In den meisten
Fällen sind die Hinterbeine betroffen.
Die neugeborenen Fohlen fußen
auf den Trachten oder den Ballen.
Die Zehenwand schwebt.
Das Fesselbein steht spitzwinkliger
zum Boden, in extremen
Fällen hat es einen negativen
Winkel und der oder die Fesselköpfe
berühren den Boden. Der
Huf bzw. die Hufe haben keinen
Bodenkontakt mehr.
Viele Züchter, aber auch einige
Tierärzte zögern mit der Behandlung
der Durchtrittigkeit
sehr lange, weil in einigen Fällen
eine Aufrichtung des Fesselbeins
ohne Behandlung festgestellt
werden kann (Knochenwachstum
und Längenzunahme
der Sehne haben unterschiedliche
Geschwindigkeit, sodass es
zur Aufrichtung des Fesselbeins
kommen kann = negativ allometrisches
Wachstum).
Diese oft zu lange Wartezeit ist
sehr bedenklich, denn schon wenige
Tage können in den einzelnen
Bereichen der Zehe starke irreparable
Deformationen entstehen
lassen.
Neben der Gefahr einer Entzündung
im Fesselträger kann die
untere Wachstumsfuge (Epiphyse)
gelockert oder verschoben
werden, die Gleitflächen der
angesprochenen Gelenke können
sich verformen, es kann zu
Randwulstbildungen kommen,
Knochenabsprengungen können
auftreten (Gelenkmaus), und der
Huf wird untergeschobene
Trachten bilden (wenn die Trachtenwand
spitzer als die Zehenwand
verläuft und sich somit
der hintere Auflagepunkt des
Hufes nach vorne schiebt und
die Huffläche kleiner wird), mit/
ohne Trachtenzwang (eine Verengung
der Trachtenwände zur
Hufmitte).
Weiter wird sich ein solch missgebildetes
Fohlen unzureichend
bewegen und die altersgemäße
Entwicklung verlangsamen. Als
Ursache für die Durchtrittigkeit
gilt eine allgemeine Schwäche
der Beugesehne.
Für die Therapie hat sich eine starke
Verlängerung des Tragrandes
nach hinten bewährt. Korrekturschuhe
gegen die Durchtrittigkeit
bieten die Firmen Dallmer und
Mustad an. Beide Hufschuhe sind
aus Kunststoff und werden an der
Hornwand verklebt. Dallmer bietet
die Schuhe in mehreren
Größen an, das Anpassen und die
Anwendung ist durchdacht und
einfach. Mustads Baby Glue besteht
nur aus einer Kunststoffplatte
und Laschen, die mit einem
Heißluftföhn an der Platte verschweißt
werden müssen. Die Laschen
werden mit der Hornwand
verklebt. Die Ausführung ist technisch
und handwerklich schwieriger, das Klebeergebnis ist
schlechter, aber bei Extremgrößen
der Fohlenhufe sinnvoll.
Auch improvisierte Techniken
können ein gutes Ergebnis bringen,
so erwähnt Adams, das Standardwerk
der Lahmheitsdiagnostik
und Therapie der
Tierärzte, die Durchtrittigkeitskorrektur
mit einem Türscharnier
und Klebestreifen.
Egal welche Technik man gewählt
hat: Nach Anbringung des
Hufschuhs kommt es zu einer
spontanen Aufrichtung des Fesselbeins
und einem Kontakt der
Hufzehe zum Boden.
Der Hufschuh sollte für einen Zeitraum
von höchstens 10 Tagen am
Huf verbleiben. Sollte sich die Sehnensituation
in diesem Zeitraum
nicht verbessert haben, so muss eine
zweite Beklebung erfolgen. In
den meisten Fällen ist die Korrektur
schnell erreicht und die Prognose
sehr günstig, wenn man nicht
zu lange gewartet hat und es nicht
zu den oben beschriebenen Veränderungen
gekommen ist.
2. Der Stelzfuß der neugeborenen
Fohlen
Streng zu unterscheiden ist zwischen
dem angeborene Stelzfuß
und dem angeborenen Bockhuf.
Beim Bockhuf liegt eine steile, zum
Teil senkrecht zum Boden verlaufende
Zehenwand vor. Die Achse
des Fesselbeins verläuft regelmäßig.
In der Regel sind die Vorderbeine
betroffen, nicht selten ist
nur ein Huf bockhufig. Man kann
von einer ererbten Anlage zur Bockhufbildung
ausgehen (Vergleiche
C. Pollit, Schlütersche 1999).
Unter Stelzfuß versteht man das
Unvermögen der Neugeborenen,
eine Gliedmaße in gestreckter
Stellung mit durchgetretenem
Fesselgelenk zu belasten
Mit der Beugehaltung im Fesselgelenk
ist die vermehrte Lastaufnahme
im Zehenbereich erklärt.
Die Trachten berühren den
Boden nicht. Weiterhin ist oftmals
eine Beugung im Karpalgelenk
erkennbar. Die Fohlen sind nicht
allein lebensfähig, da sie weder
allein aufstehen noch stehenbleiben
können. Ohne fremde Hilfe
können sie somit keine Stutenmilch
saugen. Man unterscheidet
drei Erkrankungsgrade:
• geringgradig, wenn die Zehenwand
und das Fesselbein
senkrecht zum Boden stehen;
• mittelgradig, wenn die Beugestellung
des Fesselbeins bis 45°
von der Senkrechten beträgt
und die Beugehaltung des Karpalgelenkes
bis 20° beträgt;
• hochgradig, wenn die Beugehaltung
über 45° von der Senkrechten
ist oder das Fußen auf
dem Fessel- oder Karpalgelenk
erfolgt.
Ausgelöst wird diese Missbildung
des Fohlens unter anderem
durch:
• angeborene Schwäche des Zehenstreckers,
• angeborene Veränderung des
Zehenstreckers,
• Verkürzung des Beugeapparates
durch Fehllage im Uterus,
• übermäßige Knochenentwicklung
etc.
Die Behandlung des Fohlenstelzfußes
muss sofort nach der
Geburt des Fohlens durch den
Tierarzt beginnen. Dabei werden
die betroffenen Gliedmaßen in
die maximale Streckungsposition
gebracht, gut abgepolstert und
verbunden. Nach wenigen Tagen
wird der Verband nach weiterer
Streckung der Gliedmaßen
erneuert. Das Risiko der Behandlung
besteht primär in der
Infektionsgefahr. Leider kommt
es in Verbindung mit den Fohlenstelzfuß
auch immer wieder
zur Ruptur (Abriss) der Strecksehne.
Bei Nachkontrolle der
3- bis 4-jährigen Pferde, die mit
angeborenem Stelzfuß zur Welt
gekommen waren und deren Behandlung
erfolgreich verlief,
musste jedoch erkannt werden,
dass eine rückstandslose Ausheilung
nicht möglich gewesen
war (Atropie des Musculus extensor
digitalis communis).
Aus diesem Grund drängt sich
die Frage auf, inwieweit dem so
geborenen Fohlen mit der Therapie
zu helfen ist und wie sinnvoll
der Versuch ist.
1. Achsenfehlstellungen in der
Dorsalebene
Es kann von Geburt aus zu Abweichungen
(Knickungen) in allen
Gelenken kommen. Sehr häufig
betroffen ist das Karpalgelenk.
Die Rotation kann nach innen
bzw. nach außen verlaufen.
Bei einer Knickung, bei der die
vordere Röhre nach innen verläuft,
kann man mit Hufacryl und
Kunststoffplatte einen Improvisationshufschuh
konstruieren,
bei dem die Außenseite des Hufes
verlängert wird. Bei einer
Knickung der Röhrbeines nach
außen muss die Verlängerung
zur Innenseite zeigen. Für beide
Fälle bieten die Firmen Dallmer
Mustad entsprechende Spezialschuhe
an, wobei der Hufschuh
von Mustad wiederum individuell
angefertigt werden muss.
Der Dallmer-Hufschuh bietet sicherlich
die einfachste und beste
Möglichkeit, die Fehlstellung zu
korrigieren. Dringend ist bei Rotationsfehlstellungen
vor eigenmächtigem
und unüberlegtem
Handeln abzuraten, da die
falsche oder für das Problem unangepasste
Verwendung des
Hufschuhs schwerwiegende gesundheitliche
Konsequenzen für
das Fohlen haben kann.
In den meisten Fällen ist die einfache
Korrektur durch Kürzung
des Tragrandes mit Messer oder
Raspel der inneren oder äußeren
Hufwand nicht ausreichend, da
die Maßnahmen im weichen Boden
unwirksam bleiben.
In schwerwiegenden Fällen kann
der chirurgische Eingriff notwendig
werden, allerdings ist die
konservative Therapie in den
meisten Fällen mit guter Prognose
durchführbar.
In jedem Fall gilt: Je jünger das
Fohlen beim Einsatz der Therapie
ist, um so besser sind die Chancen
der völligen Ausheilung.
4) Die Kontroll- und Pflegeintervalle:
Viele Züchter und leider auch
viele Hufschmiede unterschätzen
die Wichtigkeit einer kontinuierlichen
Kontrolle der Fohlenhufe.
Wenn die Haltungsbedingungen
nach bestem Vermögen
auf das sich andeutende Problem
abgestimmt werden, so ist
in vielen Fällen mit ein paar Raspelstrichen
hier und einem
Schnitt mit dem Messer dort vieles
zu bewirken. Selbst der Ökonom
unter den Pferdezüchtern
muss mir zustimmen, dass die
ideale Vorsorge durch den Züchter
und den Hufschmied im ersten
Lebensjahr mit einem Besuch
im 14-Tages-Rhythmus deutlich
unter 500,- Euro bleiben wird,
der dadurch erreichte Gewinn
für das Pferd, aber auch die verbesserten
Vermarktungschancen
einen solchen Einsatz rechtfertigen. |
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