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Fohlenhufe
Im Frühjahr beginnt für die Pferdezüchter eine aufregende und spannende Zeit, geprägt von dick gewordenen Stuten, hastigen Anrufen beim Tierarzt und erfolglos durchwachten Nächten, mit der Erkenntnis, dass die Stuten auf den Moment des Alleinseins gewartet haben. In den meisten Fällen ist die geduldige Warterei von einem Happy End gekrönt. Ein gesundes und gut entwickeltes Fohlen kann sich in Ihre Herde einreihen. Aber leider werden auch in diesem Jahr wieder einige missgebildete Fohlen darunter sein. Andere, gesund und korrekt geborene Fohlen werden sich im Laufe der ersten Monate gravierende Fehlstellungen erwerben. Welche Umstände die Entstehung von Huf- und Stellungsproblemen fördern, welche angeborenen Hufprobleme auftreten können und welche Bedingungen eine problemlosere Aufzucht begünstigen, soll Inhalt des Folgenden sein. 1.) Die Hufe der gesunden Fohlen: Die Hufe des Neugeborenen haben eine zylindrische Form. Die Hornwände haben nur annähernd hornähnliche Konsistenz. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hornwände noch sehr weich und nachgiebig. Die Zehenwand ist über ein an der Sohle angewachsenes, gallertartiges, schwammiges mit Serum gefülltes Keilkissen verlängert. Dieses so genannte Fohlenkissen überzieht die gesamte Bodenfläche des Hufes. Der Strahl ist noch nicht sichtbar. An dessen Stelle hat das Fohlenkissen zwei riemenförmige Verlängerungen. Die Fruchtblase und der Geburtskanal der Stute sind somit während der Trächtigkeit und der Geburt vor Verletzungen hinreichend geschützt. Hufhorn ist quellfähig und kann große Mengen an Flüssigkeit aufnehmen. Die Weichhornschichten der Hornkapsel und das Horn des Hufstrahls quellen stärker als die Harthornsubstanz. In diesem durch Flüssigkeit gesättigtem Zustand ist das Horn des Fohlens nach der Geburt, da sich das Fohlen während der Trächtigkeit in der mit Fruchtwasser gefüllten Fruchtblase befand. Sowohl das Fohlenkissen als auch die Hornwände härten nun unter Lufteinfluss zügig aus. (So, wie im Medium Luft nun das Konzentrationsgefälle " Wasser" ausgeglichen wird, so nimmt der Huf auch Substanzen der Umgebung auf. Vor allem wird der Luftsauerstoff für die chemische Aushärtung der Hufe benötigt.) Besonders das Fohlenkissen trocknet und schrumpft durch den Feuchtigkeitsverlust. Nach einigen Stunden bis zu wenigen Tagen sollte das Kissen ausgetrocknet sein und sich von allein herauslösen. Sollte sich das Fohlenkissen nicht von allein ablösen, so muss es mit einem stumpfen Gegenstand herausgestoßen werden. In keinem Falle darf es mit einem Messer entfernt werden. Bei Pferden, deren Fohlenkissen mit dem Messer herausgeschnitten wurde, konnte beobachtet werden, dass sich kein belastbarer und leistungsfähiger Tragrand entwickelt hat. Die Zeit bis zur Fohlenkissenablösung ist abhängig von der Beschaffenheit der Umgebung (feucht-trocken; Konzentrationsgefälle), Bewegung der Fohlens (viel/wenig) und seiner genetisch festgelegten Hufform (weit/eng). Nach wenigen Tagen entsteht beim Fohlen der normale und typische Tragrandzwanghuf. Das bedeutet, dass der Huf am Kronrand (Haarsaum) einen größeren Querdurchmesser als am Tragrand (Bodenfläche) besitzt. Dies ist leicht nachzuvollziehen, denn das junge Pferd mit seinen Knochen, Sehnen, Bändern, Haut und Muskeln wächst und entwickelt sich, wird also größer. Die hornigen Substanzen des Hufes wachsen jedoch nicht im gleichen Tempo. Somit haben wir einen stagnativen Tragrand und einen sich entwickelnden Kronrand. Schon nach wenigen Tagen wird beim Fohlenhuf eine Rille kurz unterhalb des Kronrandes sichtbar. Das von der Kronlederhaut neu gebildete Horn schiebt das Althorn von oben nach unten. Die sich neu bildende Hornkapsel hat eine deutlich weitere Form, was die Einschnürung erklärt. Unter der Rille ist die Hornkapsel schmaler, darüber weiter. Das Horn, mit dem das Pferd geboren wurde, ist in seiner Abriebfestigkeit nicht mit dem der erwachsenen Pferde zu vergleichen. Trotz der Aushärtung verschleißt es in viel höherem Maße. Die Wachstumsgeschwindigkeit des Hufhornes ist in diesem Lebensalter sehr groß, sodass schon nach einigen Wochen bis wenigen Monaten sich die Hornkapsel einmal ausgetauscht hat und der Tragrandzwang nicht mehr existieren sollte, wenn sich das Fohlen ausreichend bewegen konnte. Die Trachtenwände beim Neugeborenen sind im Verhältnis zur Zehenwand ungewöhnlich hoch. Die Tiere belasten in den ersten Tagen nach der Geburt die Zehenwand deutlich stärker als die Trachten. Linear zur Zeit verlagert sich die Belastung, bis etwa nach vier Wochen eine gleichmäßige Lastaufnahme über die ganze Huffläche erreicht ist. Die grundsätzliche Entwicklung von Hufform und Stellung der Gliedmaße ist nach den ersten zwölf Lebensmonaten im Wesentlichen abgeschlossen. Fertig entwickelt ist das Fundament des Pferdes mit Abschluss der Längenwachstumsperiode. Wenn das Längenwachstum der Gliedmaße abgeschlossen ist (wenn beide Epiphysenfugen des vorderen Röhrenknochens geschlossen sind), ist eine spätere Korrektur der Gliedmaßenstellung wohl möglich, aber oft nicht mehr sinnvoll. Das Pferd ist nun ca. 4 bis 5 Jahre alt. 2) Die erworbenen Stellungs- und Hufanomalien Definition: Erworbene Stellungsfehler sind Stellungsanomalien, die sich beim gesund geborenen Fohlen im Laufe der Zeit schleichend einstellen. Kaum ein erwachsenes Pferd hat die in der Literatur immer wieder beschriebene "Idealstellung". Unsere gesamte Beurteilung der Bewegung und der Stellung der Pferde beschreibt immer die Abweichungen von dieser idealisierten Stellung. Für mich hat sich immer wieder die Frage aufgedrängt, ob diese Idealstellung, da sie in der Realität doch so selten oder besser fast nie vorkommt, denn überhaupt die richtige Stellung sein kann. Wie ist es denn zu erklären, dass dann eine so große Population starke Abweichungen in der Stellung aufweist. Ein in diesem Zusammenhang sehr interessanter Aspekt stammt von Böhm (1954): Er beschreibt das Entstehen von Stellungsanomalien wie der Vorständigkeit, der Rückständigkeit etc., also den immer wieder in der Realität auftretenden Abweichungen als den Versuch des neugeborenen Fohlens, die noch nicht im Spannungsgleichgewicht befindlichen Sehnen und Bänder in ein dynamisches Gleichgewicht zu bringen. Dieses in den ersten Minuten eingestellte Gleichgewicht wird vom Fohlen beibehalten und manifestiert sich über die Zeit. Nach kurzem Nachdenken wird also sofort klar, wie entscheidend die Umgebungsbedingungen von der ersten Minute an für das Fohlen sind. Ist der Untergrund in der Abfohlbox uneben, zu weich, buckelig etc., so wird sich zufällig ein dynamischer Tonus der Sehnen und Bänder einstellen, und es entsteht vom ersten Tage an ein Korrekturbedarf, den es zu vermeiden gilt. Erworbene Stellungsfehler sind vermeidbar, wenn die Aufzucht in für das Fohlen günstigen Umweltbedingungen stattfindet und die Hufpflege, genauer gesagt die Hufkontrolle, kompetent und regelmäßig erfolgt. Gute Voraussetzungen haben Fohlen, die im Wesentlichen in Herden und Weidehaltung aufgezogen werden. Neben dem Vorteil der gesundheits- und entwicklungsförderlichen Bewegung entwickeln sich auch das Sozialverhalten und nicht zuletzt die Hufe in idealer Weise. Der ideale Untergrund ist von seiner Konsistenz hier trocken und mäßig eindrückbar. Hier wird sich der Tragrandzwanghuf zu der Kegelform entwickeln, die Hufe werden vorne eine runde und hinten eine spitzrunde Form entwickeln können. Hufe passen sich den Umweltbedingungen an, in die sie gebracht werden. So begünstigen weiche Böden die Entstehung weiterer Hufformen, was bei Überschreitung einer Schwelle problematisch wird. Die Größe des Hufbeins ist genetisch festgelegt und bleibt unveränderlich. Wenn die den Knochen umschließende Hornkapsel weiter wird, nimmt die Festigkeit des Hufhornes ab, da der Anteil des weichen Kitthornes ansteigt. In der Regel werden die Hufe weicher und das Horn bröckelig. Die Pferdezüchter in der Norddeutschen Tiefebene beschlagen aus diesem Grunde sehr häufig schon 1,5- oder 2-jährige Pferde, um dieser Tendenz entgegenzuwirken und weil sie wissen, dass diese Maßnahme das Verengen der Hornkapsel begünstigt. Harte Böden führen zu kleineren Hufen mit sehr hartem und abriebfestem Horn. Leider begünstigen die harten Bodenverhältnisse aber in starkem Umfang auch die wesentlichen erworbenen Fehlstellungen. Fohlen haben in Relation zur vorderen Gliedmaßenlänge einen verhältnismäßig kurzen Hals. Bei der Nahrungsaufnahme auf der Weide müssen Sie also entweder mit gegrätschten Vorderbeinen fressen, um das Gras mit den Lippen erreichen zu können, oder sie müssen abwechselnd ein Bein vor- und eines zurückstellen. Häufiger beobachtet man die Grätschstellung. Es kommt dadurch zu einer deutlich höheren Belastung der inneren Hufwände, die somit stärker als die Außenwände abnutzen. Es stellt sich eine bodenweite Stellung ein. In der Bewegung nutzt sich nun vermehrt die innere Zehenwand ab, sodass sich eine bodenweite/zehenweite Gliedmaßenstellung ergibt. Bei regelmäßiger Huf- und Stellungskontrolle kann dieses Defizit schnell erkannt werden und man kann frühzeitig Gegenmaßnahmen durchführen (Beraspeln der Außenwand). Bleibt die Veränderung unbemerkt, so besteht die Gefahr, dass sich die weichen Hornwände des Fohlens krümmen. Die Innenwand wird sich leicht konvex verbiegen, die weniger belastete Außenwand konkav. Dieser Zustand wird sich bei gleichbleibenden Verhältnissen verschlimmern. Man spricht vom krummen Huf. Auch bei weicher werdenden Untergründen wird sich eine einmal eingestellte Fehlstellung nicht mehr von allein verbessern. Je früher man eine Fehlentwicklung registriert, desto problemloser ist deren Korrektur. Ebenfalls bei zu harten Bodenverhältnissen besteht die Gefahr des erworbenen Bockhufes. Das Fohlen nutzt in der Bewegung die Hornzehe stärker als die Horntracht ab (Abfußungsreibung). Sehr schnell entwickelt sich eine zu stumpfe Stellung der Gliedmaßen. Fast immer sind die vorderen Gliedmaße betroffen. Wenn in diesem Stadium nicht durch kontinuierliches Zurückschneiden der Trachtenwände ein Ausgleich geschaffen wird, wird sich die Situation verschlechtern. Durch die immer geringer werdende Beanspruchung der tiefen Beugesehne, die einen immer geringeren Hebel zu überwinden hat, kann es sekundär zu einer Sehnenverkürzung kommen, bei der in schwierigen Fällen die Trachten den Boden nicht mehr berühren. Auch bei frühzeitiger Erkennung des Problems kann die Anwendung eines geklebten Bockhufschuhes, z. B. von Dallmer oder Mustad, angezeigt sein. Ein neues Produkt, das sich für die Behandlung des Bockhufes ideal anbietet, heißt "super fast". Man spritzt einen Kunststoff auf den Tragrand, der dann in Sekundenschnelle aushärtet. Vor allem bei unruhigen Fohlen hat diese Form der Korrektur große Vorteile, da die Beklebung mit einem Hufschuh sehr zeitaufwändig ist und meist nicht ohne Beruhigungsmittel funktioniert. Der Kunststoff der Firma Vettec kann mit der Raspel bearbeitet werden und steht in seiner Wirkung dem Hufschuh kaum nach. Ein Problem in der Anwendung des Materials ist seine Luftundurchlässigkeit. Ist der Huf nicht steril gesäubert, können Bakterien gravierende Fäulnisprozesse verursachen. Bockhufeisen werden heute in den meisten Fällen abgelehnt, da man genagelte Hufbeschläge erst in einem recht späten Lebensalter zur Anwendung bringen kann und das Verletzungsrisiko durch Vernageln sehr hoch ist. Wichtig und darum immer wieder zu betonen ist auch hier die Haltung des Fohlens. Auch der beste Hufschuh wird nichts bewirken, wenn das Fohlen in der weichen und tief eingestreuten Box steht oder auf dem tiefen Sandplatz herumtobt. Das Fohlen kann die Hufzehe weiter tief in den Boden drücken, und die Korrekturmaßnahme wirkt kaum! Katastrophal ist die Prognose für Fohlen, die in einer Box oder im Laufstall mit großem Anteig an tiefer Einstreu aufgezogen werden. Die Hufe bleiben klein und sehr hornarm. Die Hufwände bekommen keine ausreichende Stärke. Die zu geringe Bewegungsmöglichkeit, aber auch der geringere Tatendrang der Fohlen führen zu Defiziten im natürlichen Hornabrieb. Die Hufe werden zu lang. Mit den länger werdenden Hufen steigt die Belastung auf die Trachtenwände. Die weichen Trachtenwände knicken um, meist rollen sie sich ein und es bilden sich die untergeschobenen Trachten (Trachtenwand verläuft spitzer als die Zehenwand). Die Belastung der Zehenwand wird geringer, somit wachsen sie abrieblos und verschlimmern die Situation. Der ungünstige Untergrund verhindert das entwicklungsgemäße Weiten der Hufe. Die Hufentwicklung stagniert. Besonders bei Fohlen aus Boxenaufzucht wurde beobachtet, dass Jungpferde, die noch nie gearbeitet hatten, vermehrt an Hufknorpelverknöcherung und Schale erkrankten. Zu erklären ist dies mit mangelnder Reizung und chemisch ungünstiger Beeinflussung des Hufhornes (Urin, Ammoniak etc.), wodurch die Hufform eng bleibt der Hufmechanismus nicht arbeitet. Das Pferdegewicht nimmt zu und es kommt zu Zerrungen an der Krone und Überbeanspruchungen der Hufknorpelbänder. Weiterhin besteht bei Boxenfohlen eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines erworbenen Bockhufes. Von zentraler Wichtigkeit, vor allem bei diesen Fohlen, ist die Tatsache, dass Korrekturmaßnahmen am Huf schlecht oder gar nicht greifen. Vorgenommene Korrekturen verändern die Stellung in der Tiefstreu nicht, sodass die Durchlässigkeit zu den betroffenen Sehnen, Bändern oder Gelenken ausbleibt. Die Haltungsbedingungen müssen auf die Korrekturmaßnahme abgestimmt werden. Selbst ein geklebter Bockhufschuh wird seine Wirkung verlieren, wenn das Fohlen in der Box seine Hufzehe weiter in den Boden eingraben kann. 3) Die angeborenen Stellungs- und Hufanormalien: 1. Die Durchtrittigkeit: Als Durchtrittigkeit bezeichnet man die übermäßige Durchbeugung (Hyperextension) in den Fesselgelenken. Die Erkrankung kann an einer oder mehreren Gliedmaßen auftreten. In den meisten Fällen sind die Hinterbeine betroffen. Die neugeborenen Fohlen fußen auf den Trachten oder den Ballen. Die Zehenwand schwebt. Das Fesselbein steht spitzwinkliger zum Boden, in extremen Fällen hat es einen negativen Winkel und der oder die Fesselköpfe berühren den Boden. Der Huf bzw. die Hufe haben keinen Bodenkontakt mehr. Viele Züchter, aber auch einige Tierärzte zögern mit der Behandlung der Durchtrittigkeit sehr lange, weil in einigen Fällen eine Aufrichtung des Fesselbeins ohne Behandlung festgestellt werden kann (Knochenwachstum und Längenzunahme der Sehne haben unterschiedliche Geschwindigkeit, sodass es zur Aufrichtung des Fesselbeins kommen kann = negativ allometrisches Wachstum). Diese oft zu lange Wartezeit ist sehr bedenklich, denn schon wenige Tage können in den einzelnen Bereichen der Zehe starke irreparable Deformationen entstehen lassen. Neben der Gefahr einer Entzündung im Fesselträger kann die untere Wachstumsfuge (Epiphyse) gelockert oder verschoben werden, die Gleitflächen der angesprochenen Gelenke können sich verformen, es kann zu Randwulstbildungen kommen, Knochenabsprengungen können auftreten (Gelenkmaus), und der Huf wird untergeschobene Trachten bilden (wenn die Trachtenwand spitzer als die Zehenwand verläuft und sich somit der hintere Auflagepunkt des Hufes nach vorne schiebt und die Huffläche kleiner wird), mit/ ohne Trachtenzwang (eine Verengung der Trachtenwände zur Hufmitte). Weiter wird sich ein solch missgebildetes Fohlen unzureichend bewegen und die altersgemäße Entwicklung verlangsamen. Als Ursache für die Durchtrittigkeit gilt eine allgemeine Schwäche der Beugesehne. Für die Therapie hat sich eine starke Verlängerung des Tragrandes nach hinten bewährt. Korrekturschuhe gegen die Durchtrittigkeit bieten die Firmen Dallmer und Mustad an. Beide Hufschuhe sind aus Kunststoff und werden an der Hornwand verklebt. Dallmer bietet die Schuhe in mehreren Größen an, das Anpassen und die Anwendung ist durchdacht und einfach. Mustads Baby Glue besteht nur aus einer Kunststoffplatte und Laschen, die mit einem Heißluftföhn an der Platte verschweißt werden müssen. Die Laschen werden mit der Hornwand verklebt. Die Ausführung ist technisch und handwerklich schwieriger, das Klebeergebnis ist schlechter, aber bei Extremgrößen der Fohlenhufe sinnvoll. Auch improvisierte Techniken können ein gutes Ergebnis bringen, so erwähnt Adams, das Standardwerk der Lahmheitsdiagnostik und Therapie der Tierärzte, die Durchtrittigkeitskorrektur mit einem Türscharnier und Klebestreifen. Egal welche Technik man gewählt hat: Nach Anbringung des Hufschuhs kommt es zu einer spontanen Aufrichtung des Fesselbeins und einem Kontakt der Hufzehe zum Boden. Der Hufschuh sollte für einen Zeitraum von höchstens 10 Tagen am Huf verbleiben. Sollte sich die Sehnensituation in diesem Zeitraum nicht verbessert haben, so muss eine zweite Beklebung erfolgen. In den meisten Fällen ist die Korrektur schnell erreicht und die Prognose sehr günstig, wenn man nicht zu lange gewartet hat und es nicht zu den oben beschriebenen Veränderungen gekommen ist. 2. Der Stelzfuß der neugeborenen Fohlen Streng zu unterscheiden ist zwischen dem angeborene Stelzfuß und dem angeborenen Bockhuf. Beim Bockhuf liegt eine steile, zum Teil senkrecht zum Boden verlaufende Zehenwand vor. Die Achse des Fesselbeins verläuft regelmäßig. In der Regel sind die Vorderbeine betroffen, nicht selten ist nur ein Huf bockhufig. Man kann von einer ererbten Anlage zur Bockhufbildung ausgehen (Vergleiche C. Pollit, Schlütersche 1999). Unter Stelzfuß versteht man das Unvermögen der Neugeborenen, eine Gliedmaße in gestreckter Stellung mit durchgetretenem Fesselgelenk zu belasten Mit der Beugehaltung im Fesselgelenk ist die vermehrte Lastaufnahme im Zehenbereich erklärt. Die Trachten berühren den Boden nicht. Weiterhin ist oftmals eine Beugung im Karpalgelenk erkennbar. Die Fohlen sind nicht allein lebensfähig, da sie weder allein aufstehen noch stehenbleiben können. Ohne fremde Hilfe können sie somit keine Stutenmilch saugen. Man unterscheidet drei Erkrankungsgrade: • geringgradig, wenn die Zehenwand und das Fesselbein senkrecht zum Boden stehen; • mittelgradig, wenn die Beugestellung des Fesselbeins bis 45° von der Senkrechten beträgt und die Beugehaltung des Karpalgelenkes bis 20° beträgt; • hochgradig, wenn die Beugehaltung über 45° von der Senkrechten ist oder das Fußen auf dem Fessel- oder Karpalgelenk erfolgt. Ausgelöst wird diese Missbildung des Fohlens unter anderem durch: • angeborene Schwäche des Zehenstreckers, • angeborene Veränderung des Zehenstreckers, • Verkürzung des Beugeapparates durch Fehllage im Uterus, • übermäßige Knochenentwicklung etc. Die Behandlung des Fohlenstelzfußes muss sofort nach der Geburt des Fohlens durch den Tierarzt beginnen. Dabei werden die betroffenen Gliedmaßen in die maximale Streckungsposition gebracht, gut abgepolstert und verbunden. Nach wenigen Tagen wird der Verband nach weiterer Streckung der Gliedmaßen erneuert. Das Risiko der Behandlung besteht primär in der Infektionsgefahr. Leider kommt es in Verbindung mit den Fohlenstelzfuß auch immer wieder zur Ruptur (Abriss) der Strecksehne. Bei Nachkontrolle der 3- bis 4-jährigen Pferde, die mit angeborenem Stelzfuß zur Welt gekommen waren und deren Behandlung erfolgreich verlief, musste jedoch erkannt werden, dass eine rückstandslose Ausheilung nicht möglich gewesen war (Atropie des Musculus extensor digitalis communis). Aus diesem Grund drängt sich die Frage auf, inwieweit dem so geborenen Fohlen mit der Therapie zu helfen ist und wie sinnvoll der Versuch ist. 1. Achsenfehlstellungen in der Dorsalebene Es kann von Geburt aus zu Abweichungen (Knickungen) in allen Gelenken kommen. Sehr häufig betroffen ist das Karpalgelenk. Die Rotation kann nach innen bzw. nach außen verlaufen. Bei einer Knickung, bei der die vordere Röhre nach innen verläuft, kann man mit Hufacryl und Kunststoffplatte einen Improvisationshufschuh konstruieren, bei dem die Außenseite des Hufes verlängert wird. Bei einer Knickung der Röhrbeines nach außen muss die Verlängerung zur Innenseite zeigen. Für beide Fälle bieten die Firmen Dallmer Mustad entsprechende Spezialschuhe an, wobei der Hufschuh von Mustad wiederum individuell angefertigt werden muss. Der Dallmer-Hufschuh bietet sicherlich die einfachste und beste Möglichkeit, die Fehlstellung zu korrigieren. Dringend ist bei Rotationsfehlstellungen vor eigenmächtigem und unüberlegtem Handeln abzuraten, da die falsche oder für das Problem unangepasste Verwendung des Hufschuhs schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen für das Fohlen haben kann. In den meisten Fällen ist die einfache Korrektur durch Kürzung des Tragrandes mit Messer oder Raspel der inneren oder äußeren Hufwand nicht ausreichend, da die Maßnahmen im weichen Boden unwirksam bleiben. In schwerwiegenden Fällen kann der chirurgische Eingriff notwendig werden, allerdings ist die konservative Therapie in den meisten Fällen mit guter Prognose durchführbar. In jedem Fall gilt: Je jünger das Fohlen beim Einsatz der Therapie ist, um so besser sind die Chancen der völligen Ausheilung. 4) Die Kontroll- und Pflegeintervalle: Viele Züchter und leider auch viele Hufschmiede unterschätzen die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Kontrolle der Fohlenhufe. Wenn die Haltungsbedingungen nach bestem Vermögen auf das sich andeutende Problem abgestimmt werden, so ist in vielen Fällen mit ein paar Raspelstrichen hier und einem Schnitt mit dem Messer dort vieles zu bewirken. Selbst der Ökonom unter den Pferdezüchtern muss mir zustimmen, dass die ideale Vorsorge durch den Züchter und den Hufschmied im ersten Lebensjahr mit einem Besuch im 14-Tages-Rhythmus deutlich unter 500,- Euro bleiben wird, der dadurch erreichte Gewinn für das Pferd, aber auch die verbesserten Vermarktungschancen einen solchen Einsatz rechtfertigen.  
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