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Fast ein bundesweites Unikat mit Jahrhundert-Tradition:
Das Artländer Seejagdrennen
in Quakenbrück Alle Jahre wieder am ersten Sonntag im September findet im schönen
Artland (im Norden des Landkreises Osnabrück, in Niedersachsen
gelegen) in Quakenbrück eine fast bundesweite Rarität
statt, nämlich das – im Rahmen des großen Pferderenntages angesiedelte
– Artländer Seejagdrennen.
An diesem traditionellen Tag
kommen zumeist rund 15.000 Besucher
und renommierte Renn-
Profis hierher, zu den spannenden,
oft sogar atemberaubenden
Pferderennen – sei es als Teilnehmer
an den Galopprennen,
an den Trabrennen oder am
Höhepunkt des Tages, dem Seejagdrennen.
Weitere Rennen finden
zudem als Ponyrennen,
Halbblutrennen und Jagdrennen
statt. Insgesamt sind so im Verlauf
des bis in die Abendstunden
währenden Renntages (Beginn
12:15 Uhr) 2 Ponyrennen
und 13 Trab- und Galopprennen
sehen.
Aber auch andere Dinge ziehen
die zahlreichen Zuschauer an,
von denen viele schon seit langen
Jahren immer wieder ins Artland
kommen. So zum einen beispielsweise
die sehr ansprechende,
nostalgische Kutschenpräsentation
und Kutschenparade.
Hieran beteiligen sich die
jedes Jahr unterschiedlich eingeladenen
Kutschfahrer mit ca.
15 – 20 Gespannen; dabei werden
dem Publikum besonders
historische Kutschen vorgeführt.
Zum anderen aber natürlich auch
die spannenden Toto-Wetten, die
nicht nur Rennerfahrene "verführen",
sondern auch oftmals
Wettneulinge an den Totalisator
ziehen. Hierbei zeigt es sich dann
immer wieder, dass nicht (nur)
die so genannten Experten richtig
liegen, sondern häufig sogar
andere Wetter; denn gerade auch
bei Pferderennen ist die jeweilige Tagesform der Pferde ausschlaggebend,
was dann auch
schon mal zu nicht erwarteten
Rennergebnissen führt. Außerdem
kann man in Quakenbrück
sogar mit Nieten gewinnen, da
unter den nicht mit Wettglück
gesegneten Besuchern zusätzliche
Geldbeträge verlost werden.
Doch zurück zu den Rennen, die
gut dotiert sind (das Seejagdrennen
z. B. mit Ehrenpreisen
und insgesamt 10.000 besonders
hoch) und daher neben einheimischen
Profis auch – sogar
hierfür aus deutschen Rennmetropolen
extra eingeflogene – ausländische
Jockeys und ausgezeichnete
Pferde aus ganz
Deutschland auf den Plan rufen,
sodass insbesondere auch die beiden
Jagdrennen hochkarätig besetzt
sind.
Bei den beiden ersten Rennen,
den Ponyrennen (unterteilt für
Pferde unter 138 cm und von 138
bis148 cm), sind dann zunächst
Kinder und Jugendliche am Start.
Jeder Starter erhält hierbei traditionell
einen Kostenbeitrag für
seine Aufwendungen. Danach
finden – vor dem Seejagdrennen
als dem Höhepunkt und Abschluss
des Renntages – zwölf
Rennen statt, und zwar sechs Galopprennen
(unter dem Reiter, davon ein Jagdrennen) sowie
sechs Trabrennen (Sulky). Hierbei
sieht die Ausschreibung bei
den Galopprennen jeweils unterschiedliche
Längen vor: über
kurze Distanz (ca. 1.350 m), über
mittlere Distanz (ca. 1.750 m) und
über längere Distanz (ca. 2.400m)
sowie das Jagdrennen über ca.
3.800 m. Um allen Pferden gleiche
Ausgangschancen einzuräumen,
müssen hierbei die Jockeys
der besseren (erfolgreicheren)
Pferde mehr Gewicht tragen, Bei
den – ebenfalls gut dotierten -
Trabrennen mit oftmals ebenfalls
namhaften Fahrern aus bekannten
Traber-Metropolen geht es
auf der – für Fahrer und Publikum
gleichermaßen gut einsehbaren
– Strecke von 1.120 m um
Sieg oder Platz. Entstanden sind
diese Trabrennen übrigens schon
im 18. Jahrhundert in Amerika,
wo die Farmer auf dem Weg zur
Kirche mit ihren Gespannen um
die Wette fuhren.
Und dann – nach vorangegangenen
rasanten Rennen, spannenden
Wetten und interessanten
Kutschen – startet gegen
Abend als populärer Höhepunkt
des Renntages das so genannte
"Alte Artländer Seejagdrennen",
das in diesem Jahr von dem
7-jährigen Wallach "Sonnenglanz"
unter seinem tschechischen
Jockey V. Korytar gewonnen
wurde, gefolgt von "Legato"
unter R. Mackowiak und
"Ab und Zu" unter Am. D. Ehlen.
Wie meine Fotos vom Seejagdrennen
zeigen, ist dieses über Galoppstrecke,
über Hürden und
durch ca. 70 m des knietiefen Sees
gehende Jagdrennen (insgesamt
3.400 m) nicht nur recht strapaziös
für Pferde und Reiter, sondern
macht Sieg und Platzierungen
oftmals auch davon abhängig,
wie "wasserfest" die Pferde
und wie "sattelfest" die Jockeys
sind! So nimmt dann hier auch
manches Mal ein Reiter sein (unfreiwilliges)
Bad im See.
Und so ist dieser krönende Abschluss
des Renntages gleichermaßen
spannend für die Reiter
und für die Zuschauer, die auch
dieses Rennen hautnah und mit
guter Sicht verfolgen können. Zudem
stellt es ein fast bundesweites
Unikat dar, denn außer in
Quakenbrück gibt es ein Seejagdrennen
wohl nur noch in
Hamburg-Horn, in Bad Harzburg
und in Krefeld. Und nur in
Quakenbrück wird hierbei Ross
und Reiter eine längere Wasserstrecke
im knietiefen See abverlangt.
Auch in diesem Jahr war der Pferderenntag
(der 15. seit der Wiederaufnahme
der traditionellen
Veranstaltung im Jahre 1992) in
Quakenbrück – trotz der wechselhaften
Witterung – wieder ein
großer Erfolg, wenn auch die
sonst gewohnten Zuschauerzahlen
nicht ganz erreicht werden
konnten. Denn wegen der
gerade an diesem Nachmittag
stattfindenden Endrunde(n) der
Springreiter-WM in Aachen und
dem spannenden Stechen waren
doch manche Besucher zu Hause
vor dem Fernsehapparat hängen
geblieben.
Dafür wird es sicher 2007 beim
dann 16. Renntag wieder gewohnt
voll werden auf dem schönen
Rennplatz "Hasepark" vor
den Toren von Quakenbrück, der ein 18 ha großes, parkähnliches
Gelände umfasst und idyllisch
von dem Flüsschen Hase umflossen
wird.
Die Veranstaltung ist über die
Autobahn A 1 oder über die Bundesstraße
B 68 gut mit dem Auto,
aber auch per Bahn (mit kostenlosem
Pendelverkehr vom
Bahnhof zum Rennplatz und
zurück) erreichbar. Näheres hierzu
sowie zu den Renntagen und
dem Rennverein finden Sie im
Übrigen recht informativ im Internet
unter: www.quakenbruecker-
pferderennen.de. Und dann
wird der engagierte "Artländer
Rennverein e. V. von 1902" auch
noch nach stolzen 105 Jahren seines
Bestehens diese Traditionsveranstaltung
erneut durchführen
und damit seine
– nur von den schlechten Jahren
(1975/76 bis 1991/92) des Rennsports
und des Sterbens vieler
kleiner Rennvereine unterbrochene,
seit 1992 nonstop und
erfolgreich fortgesetzte – Vereinsund
Veranstaltungsgeschichte in
der Zeit des neueren Pferderennsports
auch im Jahre 2007 weiterhin
erfolgreich präsentieren!
Text und alle Fotos:
© Copyright: Thilo Haake
Vechta und Badbergen – 2006 |
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