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Fehlstellungen der Pferdebeine
Sie kennen aus der Pferdeliteratur doch sicher alle das "Idealpferd" Es hat von vorne und von hinten betrachtet gerade Beine, ebenmäßige Hufe, den Mittellangen und belastbaren Rücken. Aber im Stall gesehen haben wir ein solches Pferd doch noch kaum, oder? In anbetracht dessen ist dieses imaginäre Bild des idealen Pferdes sicher fragwürdig, vor allem dann, wenn die nicht so lehrbuchhaft entwickelten Pferde nun doch leistungsfähig sein können und viele, den Reiter tragend, das hohe Alter erleben dürfen. Aber Fehlstellungen der Pferdebeine sind in vielen Fällen so gravierend, dass eine Korrektur der Hufe als prophylaktische Maßnahme sinnvoll sein könnte. Allein die Arbeit des Hufschmiedes reicht aber nicht aus! Ist die Wachstumszeit des Pferdes abgeschlossen, so gelten die in der Jugendzeit des Pferdes (und hier nicht ausreichend behobenen) Stellungsfehler der Hufe und Beine des Pferdes als etabliert. In der Regel arbeiten die Hufexperten hier nur noch geringgradig oder kaum an der Stellungskorrektur der Gliedmaßen. Es ist allgemeiner Tenor, dass beim erwachsenen Pferd allein die Verschlechterung der Fehlstellung verhindert werden soll, eine Korrekturmaßnahme aber in den meisten Fällen mit großen Nachteilen für das Pferd verbunden ist. Sehnen, Bänder und Knorpelflächen haben sich mit der Belastungssituation des auffälligen Gelenkes arrangiert und eine abrupte Umstellung wird mit Schwellung, Lahmheiten und gesundheitlichen Gefährdungen beantwortet. Nur dann, wenn eine aktute Erkrankung im Bereich der Gliedmaßen oder Hufe auftritt, die als begleitende Maßnahme der tierärztlichen Behandlung ein deutliches Eingreifen in die Stellung der Hufe vorschreibt, wird der Hufexperte hier gezielt korrektiv arbeiten. Nicht wenige Fehlstellungen des Pferdes sind aber bei genauer Betrachtung die Ursache, der Ursprung für das Entstehen der späteren Erkrankung. So können zum Beispiel stark zehenweite oder zehenenge Stellungen Knorpel- und Bänderschäden genauso provozieren wie Gelenkentzündungen, Arthrosen oder Knochenentzündungen. In vielen Fällen bedarf es eines genauen Abwägens, ob die Korrektur der Stellung beim erwachsenen Pferd für dessen Gesundheit vorteilhaft ist. Aber in jedem Einzelfall, in dem man sich für eine solche Maßnahme entscheidet, steht fest, dass allein die Arbeit des Hufschmiedes nicht ausreicht. Der Korrekturprozess muss in jedem Fall durch weitere therapeutische Maßnahmen begleitet werden. Zur Veranschaulichung ist ein Fallbeispiel sicherlich am klärendsten: In unserem Hause wurde eine 8-jährige Warmblutstute mit einer ausgeprägten Steilstellung des Hufes der linken Schultergliedmaße vorgestellt. Das Pferd war aktuell beschwerdefrei, zeigte aber bedingt durch die Fehlstellung eine stark taktunreine Bewegung. Der dressurmäßige Einsatz war bedingt durch dieses Problem kaum denkbar. Die Stellungskorrektur wurde durch folgende physiotherapeutische Arbeiten begleitet: Korrespondierend mit der Hufkorrektur wurde der Beugesehnenapparat mit Massagetechniken aktiviert. Bei der so genannten Querfriktion werden Sehnen und Bänder vorsichtig gedehnt und auf veränderte Belastungssituationen vorbereitet. Massagetechniken wie Streichungen und Knetungen an der Streck-, und Beugemuskulatur im oberen Teil des Beines aktivieren den Längenanpassungsprozess. An der oberen Beinmuskulatur (die über die sehnige Verbindung bis in den Huf reicht) muss mit Dehnungstechniken gearbeitet werden. Ein wichtiges Element ist die manuelle Therapie am Sehnen- und Bandapparat von Huf-, Kron-, und Fesselgelenk. Die passive Mobilisierung der Gelenke bis an die sich langsam verändernde Schmerzgrenze unterstützt die Anpassung der gelenkhaltenden Strukturen. Die Umstellung des Pferdes wurde über den gesamten Zeitraum thermografisch beobachtet. Eine durch das Thermobild angezeigte Veränderung hätte uns den Hinweis gegeben, dass die Umstellung zu beschleunigt oder die therapeutischen Maßnahmen zu gering gewesen wären. Nach nur drei Monaten war die Angleichung der paarigen Hufe so weit fortgeschritten, dass eine Taktunreinheit nur noch vom sehr geübten Auge zu bemerken war. Einer Karriere als Dressurpferd steht nichts mehr entgegen. Burkhard Rau Claudia Maria Rothe Rheinische Hufbeschlagschule 02601 914488 www.hufbeschlagschule.de  
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