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Weide- und Pferdepflege im Frühjahr
Im jetzt beginnenden Frühjahr rückt ein aktuelles Thema wieder in den Vordergrund. Die nunmehr notwendig werdende Weideund Pferdepflege ist die Basis für eine optimale Outdoor-Pferdehaltung in den kommenden sechs Monaten. Was jetzt nicht geschieht, ist im Ablauf unseres Pferdehaltungsjahres nicht wieder aufzuholen. Alle Pferdehalter sind froh, dass die kalten und unfreundlichen Monate zu Ende gehen. Wenn die Sonne höher kommt, ist auch der Zufriedenheitspegel bei Pferden sichtbar höher. Und nicht nur bei Pferden. Darum ist unser heutiges Thema ganz auf die im Frühjahr notwendige Weide- und Pferdepflege, somit auf das Wohlbefinden des Pferdes abgestimmt. Keine Arbeiten sind darum derzeit notwendiger, keine Vorbereitungen wichtiger. Ein Wort vorab: Weidegang und Paddock-Haltung sind ja immer der reinen Stallhaltung des Pferdes vorzuziehen. Aber es reicht nicht, im Frühjahr ad hoc eine Wiese abzustecken oder einen Zaun um ein Stückchen Freifläche auf dem Hof zu errichten. Weide und Auslauf sollen das Pferd nicht nur "freizügiger einsperren", sondern ihm möglichst viele seiner pferdetypischen Verhaltensweisen ermöglichen. Und zwar ohne Gefahr für seine psychische und physische Gesundheit. Nur dann werden Koppeln und Paddocks zu echten "Lebensräumen" für unsere vierbeinigen Partner, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen. Wir erklären hier in übersichtlicher Form, welche Ansprüche Pferde an die Auslaufhaltung stellen und wie Sie Risiken und Fehler bei den unterschiedlichen Haltungsformen vermeiden. Zum Thema: Pferde sind keine vierbeinigen Menschen. Sie nehmen auf "Pferdeart" Nahrung auf, wollen auf bestimmte Weise trinken und auch nicht überall ihren Kot und Harn absetzen. Sie haben ihre Eigenheiten beim Ruhen und Schlafen und spielen auf pferdetypische Weise. Je ungezwungener und natürlicher sie dies tun dürfen, desto länger bleiben sie gesund und damit auch für den Reiter einsetzbar. Verhaltensforschung: Was tut mein Pferd den ganzen Tag über? Das Pferd ist ein von vielen Instinkten und angeborenen Bedürfnissen geprägtes Lebewesen. Zu seinen natürlichen, das heißt ihm angeborenen Verhaltenweisen zählt die Forschung das Ernährungsverhalten, das Ausruhverhalten, das Bewegungsverhalten, das Fortpflanzungsverhalten, das Sozialverhalten, Ausscheidungsverhalten und das Komfortverhalten. Nur wenn die mit diesen Verhaltensweisen verbundenen Bedürfnisse erfüllt werden, fühlt sich das Pferd wirklich zufrieden. Und diese Zufriedenheit wiederum wirkt sich positiv auf Körper und Seele aus. Das Pferd bleibt oder wird gesund. Was aber charakterisiert die einzelnen Verhaltensweisen? Die folgenden Aufstellungen liefern Ihnen eine klare Übersicht: Kleine Futtermengen – über den Tag verteilt Wie, was und wann ein wildlebendes Pferd frisst, nennt der Wissenschaftler "Ernährungsverhalten". Dieses Ernährungsverhalten stellt sich wie folgt dar: Das Pferd möchte kleinste Futtergaben – bestehend aus einem vielfältig zusammengesetzten Grün- und Raufutterangebot - in natürlicher Körperhaltung über einen langen Zeitraum des Tages hinweg aufnehmen. Um seinen Durst zu stillen, also seinen Körper mit der notwendigen Flüssigkeit zu versorgen, möchte es frisches, kühles Wasser trinken. Natürlich muss dieses Wasser frei von Schadstoffen sein und möglichst viele wertvolle Mineralien enthalten. Völlig ungeeignet sind Regenwasser oder Wasser aus stehenden Gewässern. Worauf kommt es eigentlich an? Ganz klar: Aufs richtige Weidemanagement kommt es an: Für den Pferdehalter oder Stallbetreiber, der dieses natürliche Ernährungsverhalten kennt und das Pferd gesund erhalten möchte, stellt sich daher folgende Aufgabe: Er muss beim Weidegang, aber auch, wenn er bei Paddock-Haltung "Schnittfutter" (also geschnittenes Gras bei Paddock- Haltung) reicht, dafür sorgen, dass das Grünfutter die richtige botanische Zusammensetzung aufweist. Also: Grünfutter darf nicht nur aus Gräsern bestehen, sondern sollte auch kleeartige Pflanzen und eine Vielzahl heilsamer und Mineralstoffreicher Kräuter enthalten. Die Qualität des Grünfutters wird beeinflusst durch: ■die An- und Nachsaat, ■die Düngung, ■die Weidepflege (sorgsames Abmisten und Abschleppen), ■die Weideführung (als Portionsweide, Standweide oder Umtriebsweide) und den Tierbesatz (reine Pferdehaltung, Mischbeweidung mit Rindern, Nachbeweidung durch Schafe und Ziegen). Achtung: Diese Maßnahmen beeinflussen natürlich nicht nur das frisch geschnittene Grünfutter, sondern auch die Qualität von Heu, Silage und Heulage. Mögliche Gefahren für die Gesundheit: ■falsche botanische Zusammensetzung (zu hoher Kleeanteil) der Pflanzenarten, ■Giftpflanzen auf der Weide, im Schnitt- oder Raufutter, ■Verfettung durch zu hohes Futterangebot, ■Abmagerung auf zu knappen Weiden bei fehlender Zufütterung. Das Wasser muss Trinkqualität haben Was viele Pferdehalter gar nicht wissen: Die Tränken dürfen nicht mit Regenwasser gespeist werden! Vielmehr muss das Wasser Trinkqualität aufweisen. Tränkwagen und -bottiche sollten an einem schattigen, allen Pferden leicht zugänglichem Platz aufgestellt werden. Der Tränkmechanismus beziehungsweise Bottich-Inhalt muss täglich überprüft werden. Bei natürlichen Tränken an fließenden Bächen ist ein möglicher Schadstoffgehalt durch eine chemische Wasseranalyse auszuschließen. Mögliche Gefahren für die Gesundheit: ■Schadstoffbelastung beim Tränken aus Bachläufen (wenn Landwirte Abwässer einleiten), ■Verunreinigung von Bottichen durch hinein gefallene und ertrunkene Kleintiere, ■Durst und Dehydration (Austrocknung) des Organismus bei Wassermangel. Immerhin sind pro Pferd bis zu 60 Liter am Tag notwendig. Ausruh- und Bewegungsverhalten: Nur wer sich sicher fühlt, legt sich auch beruhigt hin Jedes Lebewesen braucht Ruheperioden - und zwar regelmäßig, damit sich Körper und Psyche erholen können. Das Ausruhverhalten des Pferdes äußert sich einmal in dem sehr oft zu beobachtenden Dösen in Ruheposition. Dabei steht das Pferd oder es liegt mit dem auf den Vorderbeinen oder auf der Erde aufgestütztem Kopf. Schlafen? Am liebsten auf dem Hügel: Zur nachhaltigen Erholung ist der richtige Tiefschlaf unbedingt erforderlich. Ihn erreicht das Pferd nur in völlig entspannter Seitenlage. Am liebsten möchte es sich beim Ruhen oder Schlafen auf einem trockenen, erhöht gelegenen und leicht von Luft umspielten Liegeplatz aufhalten. Und wirkliche Entspannung stellt sich nur ein, wenn es sich in der Herde der Artgenossen geborgen und sicher fühlt. Denn der "Wachposten" passt ja auf. Ohne Schutzhütten oder Unterstände geht es nicht Daraus lässt sich wiederum folgende Anspruch an den Pferdehalter oder Stallbetreiber ableiten: Weide und Auslauf müssen über trockene Bereiche verfügen, die zum Liegen einladen. Vor allem bei ebenen Koppeln ohne breitkronige Bäume bedingt dies den Aufbau von Offenställen und Unterständen. Alternativ lassen sich natürlich auch Weideschutzzelte oder fahrbare Weidehütten verwenden. Für Großpaddocks empfiehlt sich der Aufbau von Schutzhütten. Sehr bewährt hat sich das Anlegen großflächiger Liegehügel aus Eichenrindenschnitzeln, die die Pferde meist lieber als die Unterstände aufsuchen. Mögliche Gefahren für die Gesundheit: ■Infektionen der Harnwege auf kaltem, nassem Boden, ■Erkältungsgefahr bei Nässe und Wind ohne Unterstand, ■Minderung der Leistungsfähigkeit, wenn die Möglichkeit zum Tiefschlaf fehlt. Ob Weideschritt oder Treibespiel: Bewegung muss einfach sein Pferde sind keine "Steher", sondern als Fluchttiere echte Bewegungstiere. Ihr Bewegungsverhalten ist geprägt durch die ruhige Vorwärtsbewegung im so genannten Weideschritt. Wenn es nicht weidet, aber aktiv ist und nicht ruhen möchte, schlendert es hin und her, je nachdem, was es zu sehen gibt. Trab zeigt es vorwiegend bei den so genannten Treibespielen, die vor allem junge Pferde lieben. Und Galopp ist eigentlich in freier Wildbahn die Ausnahme. Manchmal überfällt alle, nicht nur die Youngster, der Drang nach Schnelligkeit und die Herde amüsiert sich beim Wettrennen. Ansonsten galoppieren Pferde freiwillig nur, wenn sie in Angst und Panik flüchten. Natürliche Bewegung ist Training zugleich Pferden auf der Weide und im Paddock Bewegung zu verschaffen, ist ein wichtiges Ziel der Auslaufhaltung. Ein Pferd, das seinem Bewegungsdrang nachgeben kann, trainiert Gliedmaßen und Herz-Kreislauf-System zugleich. Die Bodenbeschaffenheit von Weide und/oder Auslauf muss aber alle Gangarten auch gefahrlos ermöglichen, ohne dass das Pferd ausgleitet, stolpert, sich anstößt und/oder stürzt. Hindernisse bergen immer ein Risiko Es dürfen also keine gefährlichen natürlichen Hindernisse vorhanden sein: Steilhänge, so genannte Abrutsche, Morast oder Geröll. Noch gefährlicher sind künstliche Hindernisse, wie man sie leider immer wieder auf schlecht gemanagten Weiden sieht. Gerätschaften aller Art bergen immer ein hohes Unfallrisiko. Auch von der Einzäunung darf keinerlei Verletzungsgefahr ausgehen. Auch muss der Zaun hoch genug sein, dass ein Pferd ihm weder beim Spiel noch beim angstvollen Umhergaloppieren überspringen kann! Mögliche Gefahren für die Gesundheit: ■Verletzungen durch schlecht erkennbare Einzäunungen, ■Verletzungen durch Rangordnungskämpfe, bei denen ein Pferd in den Zaun oder eine Ecke abgedrängt wird (besonders riskant bei Draht-, vor allem Stacheldraht-Zäunen, bei nicht abgerundeten Ecken und scharfkantigen Pfählen), ■Huf- und Beinverletzungen bei nicht zusätzlich gesicherten Knotengitterzäunen (bei Nachbeweidung durch Schafe), ■Ausbrechen mit Verletzungsoder Todesfolge bei Unterbrechung der Stromspannung (hohe Gräser, Strauchwerk, defekte Weidezaungeräte). Wo "Input" ist, gibt’s auch "Output"... Interessant sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim Ausscheidungsverhalten. Generell koten und harnen Pferde in freier Wildbahn an Plätzen, die normalerweise abseits der gängigen Fressplätze liegen. Recht wahllos koten und harnen. Hingegen bevorzugen männliche Pferde häufig immer die gleichen Orte oder setzen Harn und Kot auf bereits "besetzte" Plätze ab. Penible Sauberkeit ist ein Muss Daraus schließen Pferdehalter und Stallbetreiber: Je sauberer Weide und Paddock gehalten werden, desto eher kann das Pferd seinem natürlichen Ausscheidungsverhalten nachgeben. Können sehr große Weiden wegen Personalmangel nicht täglich abgemistet werden, muss der Umtrieb rechtzeitig erfolgen, damit die Weide anschließend abgeschleppt werden kann. Kleinpaddocks müssen täglich (möglichst mehrmals) abgesammelt werden. Ebenso müssen Hütten und Unterstände in kurzen Abständen ausgemistet werden; befestigter Boden wird danach frisch eingestreut, unbefestigter Boden mindestens einmal pro Jahr in zwei Spaten Tiefe ausgehoben und frisch aufgefüllt. Das mindert etwas die Verwurmungsgefahr. Rindenmulch-Hügel werden ebenfalls zweimal im Jahr abgetragen und neu aufgefüllt. Ein Extratipp: Bei Großpaddocks empfiehlt es sich, um die erhöhten Liegeplätze (zum Beispiel aus Rindenmulch- Hügeln) "Straßen" aus grobem Ortbeton anzulegen. Diese erleichtern das maschinelle Entmisten. Das sollte täglich oder in zweitägigem Rhythmus (je nach Anzahl der Pferde) stattfinden. Mögliche Gefahren für die Gesundheit: ■Verwurmung bei mangelnder Weidehygiene, ■ Befall mit Hautparasiten bei zu dichtem Pferdebesatz im Gemeinschaftspaddock, ■ Schmutz-Mauke bei unbefestigtem Paddockboden oder auf verkotetem Weidegrund, ■Zerrungen und Verstauchungen, wenn Pferde bei Rangeleien auf verkotetem Boden ausgleiten. Sozialleben: Jedes Pferd braucht einen Freund Im Idealfall befriedigen Pferdehalter und Stallbetreiber natürlich auch den Sozialtrieb ihrer Tiere. Dazu müssen Pferdegruppen gekonnt zusammengesetzt werden, damit jedes Pferd einen zu ihm passenden Artgenossen findet. Vor allem auf einer größeren Weide mit trittfestem Boden und ohne sonstige Verletzungsauslöser können Pferde ihre Sozialtriebe voll ausleben. Kleine ausgetretene Pfade auf großen Koppeln sind auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gruppe immer wieder gezielt umherzieht, also ihren Wandertrieb befriedigt. In Gemeinschaftspaddocks findet das Pferd meist einen sympathischen Kumpel, mit dem es engere Freundschaft schließt. In Zweier-Paddocks schließt es sich - manchmal notgedrungen, manchmal aus echter Sympathie - an den einzigen vorhandenen Artgenossen an. Kampfspiele sind auch in kleinen Ausläufen möglich, Rennspiele allerdings nur selten. Auch die Laufspiele erwachsener Pferde finden nicht statt oder beschränken sich auf ein Bocken "auf der Stelle" oder übermütiges Auskeilen. Zweige bringen mehr als Pferdespielzeug "Wanderungen" werden in größeren Gemeinschaftspaddocks durch das Anlegen von Ortbeton-"Straßen" gefördert. Pferde in Einzel-Paddocks sind deutlich benachteiligt. Künstliches Spielzeug (Horseball) wird sowohl im Gruppen- als auch Einzelpaddock nur selten beachtet - wenn, dann höchstens in Jungpferdegruppen, und zwar in erster Linie bei jungen Hengsten oder Wallachen. Sinnvoller ist das Auslegen großer belaubter Obstbaum- oder Fichtenzweige, die zum Knabbern und Herumzerren anregen. Pferde in Einzelpaddocks sollten Artgenossen wenigstens sehen und Kontakt über den Zaun hinweg aufnehmen können. Gefahren für die Gesundheit: ■Verletzungen durch zu enge Abmessungen bei Kampfspielen oder übermütigem Auskeilen, wenn ein Pferd nicht ausweichen kann; ■Zerrungen beim Ausgleiten auf glattem Weideboden oder befestigtem Paddockboden, der nicht abgemistet wurde. Auch das moderne Sportpferd ist noch ein Steppentier Wer in die heutigen Stallungen schaut, vergisst leicht, dass auch das hochkarätigste Sportpferd genetisch immer noch ein Steppentier ist. Das äußert sich in dem, was der Wissenschaftler das "Komfortverhalten" nennt. So zeigt jedes Pferd eine gute Akzeptanz von Hitze und Kälte, natürlich nur, sofern es durch die richtige Haltung Gelegenheit hat, sein Haarkleid den dem Klima anzupassen. Nässe wird nur je nach Grundtypus vertragen. Hier unterscheidet man zwischen Kaltsteppenpferd, Nordlandpferd, Gebirgssteppenpferd, Orientale. Leichter Wind ist immer willkommen Alle Pferde bevorzugen leichte Luftbewegung (0,1 Meter pro Sekunde). Die aber bitte niemals mit Zugluft verwechseln, denn Zug ist ebenso von Nachteil wie gleichmäßige, "stehende" Wärme ohne Klimaanreize. Zum Liegen brauchen Pferde trockener, zugfreie Liegeflächen. Die Liegebereitschaft lässt deutlich nach bei durchfeuchtetem Untergrund. Trotz ausgiebiger Striegel- Aktionen von Menschenhand liebt jedes Pferd die "Eigen-Körperpflege" durch genüssliche Wälzbäder. Unverzichtbar fürs Pferdeglück ist eine freie Rundumsicht Als ursprünglicher Steppenbewohner hat das Pferd natürlich auch einen hohen Bedarf an Frischluft, denn sein Atemwegssystem ist um ein Vielfaches empfindlicher als das des Menschen. Unverzichtbar für seine nervliche Stabilität: Es will am Umweltgeschehen teilhaben. Immerhin ist es ein Fluchttier und von Mutter Natur mit höchst sensiblen Wahrnehmungsorganen ausgestattet. Und die will es benutzen und nicht gegen Wände starren. Daher ist auch der Wunsch nach Einbindung in die Schutz und Geborgenheit spendende Gruppe verständlich. Verantwortungsbewusstsein: Was heißt das für Weideund Paddockhaltung? Schutzhütten, Zeltdächer und großkronige Bäume werden als Sonnen- und Regenschutz gern angenommen. Sie müssen dann aber jedem Pferd, auch dem rangniedrigen zur Verfügung stehen. Gehölze sind gute Windbrecher, in deren Windschatten sich Pferde gern flüchten. In von Luft umspielten Gehegen ist zugleich auch das Insektenaufkommen deutlich gemindert. Auch eine sorgfältige Weidehygiene trägt zur Verminderung der stechenden Plagegeister bei. Ein verantwortungsbewusster Pferdehalter beobachtet auch das Ruheverhalten der Pferde. Gegebenenfalls kann man Strohhaufen anlegen, die meist gern als Liegeplätze angenommen werden; Sandhaufen oder -kuhlen sind willkommene Wälzplätze. Immer muss ein Pferd Möglichkeiten finden, sich an Stämmen oder Pfosten zu scheuern und Juckreiz zu stillen. In Ausläufen können hierfür "Scheuerpfosten" (aus alten Besen hergestellt) aufgestellt werden. Die häufige Zuführung neuer Pferde ist zu vermeiden, um die Stressbelastung niedrig zu halten. Gefahren für die Gesundheit: ■ Erkältung durch fehlende Unterstände oder durchfeuchtete Liegeplätze, ■ Verletzung durch Rangordnungskämpfe bei ständigen Neuzugängen (vor allem, wenn alte arthritische Pferde sich gegen Neulinge nicht zur Wehr setzen können oder herumgehetzt werden), ■Abmagerung und Nachlassen der Lebenslust, wenn ein altes Pferd aus dem Herdenverband ausgegrenzt wird. Sozial- und Komfortverhalten: Auch "Liebe" gehört dazu Immer sehr spannend ist es, das Fortpflanzungsverhalten der Pferde zu beobachten. In der Natur besteht es darin, dass das männliche Leittier sämtliche Konkurrenten vertreibt. Es hält den Stutenverband zusammen, umwirbt und deckt die rossigen Stuten. Auch die Kastration unterdrückt das Fortpflanzungsverhalten nicht gänzlich. Viele Wallache bleiben von ihrem Verhalten her eindeutlich "männlich". Daher besteht in gemischt-geschlechtlichen Weide- oder Paddockgruppen immer eine erhöhte Verletzungsgefahr bei Rangordnungskämpfen. Kluge Stallbetreiber trennen daher die Gruppen strikt nach Geschlechtern und achten möglichst auch in den reinen Stuten- und Wallach-Gruppen auf gerade Besatzzahlen. So findet nach geraumer Zeit meist jedes Pferd einen Partner. Gar nicht übel: die "Pärchen"-Haltung Unproblematischer ist die Haltung von einem Wallach und einer Stute in einer Zweiergruppe. Allerdings kann es auch da zu Verletzungen kommen, wenn die rossige Stute sich gegen einen zudringlichen Wallach wehrt. Gemischte Gruppen aus Wallachen und Stuten können bei Pferden, die sich seit Jahren gut kennen und auf sehr großen Weiden funktionieren. Hier bilden sich oft kleine "Untergruppen", die in etwas Abstand voneinander weiden. Oder die Wallache anerkennen die "Leithengst-Rolle" eines ihrer Geschlechtsgenossen und bedrängen die Stuten auch während der Rosse nicht. Mögliche Gefahren für die Gesundheit: ■ Tritt- und Bissverletzungen zwischen kämpfenden Wallachen, ■Trittverletzungen, wenn die Stute den Wallach abwehrt, ■Bissverletzungen, wenn der Wallach eine Stute drangsaliert, ■Verletzungen aller Art, wenn Pferde bei ihren Ausweichversuchen in Zäune geraten, ■ Abmagerung bei triebstarken Wallachen, wenn sie vor lauter "Hengstmanieren" das Fressen vernachlässigen. Die Herde ist Hort der Geborgenheit Wann das Pferd was gemeinsam mit der Gruppe tut, nennt die Wissenschaft "Sozialverhalten". Auch der Laie kann hier viel lernen, wenn er sich die Zeit nimmt, Pferdegruppen - zum Beispiel vom Weidezaun aus - zu beobachten. Trotz des Herdenverbandes beispielsweise halten die Pferde individuelle Abstände zwischen den einzelnen Herdenmitgliedern ein. Sie bewahren sich so ihre "Individualzone". Fellkraulen Gegenseitiges "Fellchenkraulen" und das sehr behaglich aussehende Dösen "Kopf an Schweif" drückt Sympathie aus. Jungpferde liefern sich regelmäßige Kampf- und Rennspiele mit schnellen Galoppaden. So trainieren sie ihren Körper und "diskutieren" zugleich ihren Rang in der Gruppe aus. Bei erwachsenen Pferden sind die wilden Rennen eher selten. Dennoch: Auch sie lassen sich gelegentlich zu wenige Minuten dauernden Laufspielen hinreißen. Im Frühling "rasen" sogar die Methusalems zeitweise übermütig herum und keilen aus und buckeln, dass es nur so eine Freude ist. Am häufigsten zu beobachten ist das gemeinsame Wandern. Gemächlich ziehen die Pferde dabei zu ihren Lieblingsplätzen, an denen sie Wasser aufnehmen oder sich im Baumschatten ausruhen. Mediendienst Wienkamp  
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