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Der richtige Hufschutz
Die Zeit, da es nur das Hufeisen für den Schutz des Pferdehufes vor übermäßiger Abnutzung gab, ist vorbei. Techniker und Tüftler haben in den vergangenen Jahren eine Fülle von innovativen Methoden zum Schutz des Hufes hervorgebracht. Es hat sich was getan beim Thema Hufschutz. Schon in den 80er Jahren begann in den Reiterkreisen die Diskussion, ob nicht viel zu viele Pferde viel zu oft und viel zu lange beschlagen werden. Es war kein Novum, dass der Hufbeschlag mit den altbekannten Hufeisen eine Fülle von Nachteilen mit sich brachte, und jeder Hufschmied kannte die Einschätzung, dass der Hufbeschlag ein Notwendiges Übel für das Pferd bedeutet. In den achtiger Jahren begann die Diskussion ob dieses Übel des Hufbeschlages nun wirklich ein notwendiges sei. Es formierten sich sich neue Gruppen von Hufbearbeitern, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die Frage nach dem Hufschutz in jedem Einzelfall neu zu stellen und jeweils neu darüber nachzudenken, ob nicht auch sinnvolle Veränderungen der Haltungs,- und Lebensbedingungen die Entwicklung der Hufe günstig beeinflussen könnten und somit den Hufschutz überflüssig werden ließen. Dieses Bestreben hat viel Bewegung und Diskussionen ausgelöst und unzweifelhaft durchdachteres naturnäheres und damit besseres Leben für das Pferd erbracht. Es stellte sich bald heraus, dass in vielen Fällen wirklich über sehr lange Zeit auf den Hufschutz verzichtet werden konnte und dass es nur wenige Pferde gibt, bei denen ein permanenter Hufschutz über alle 12 Monate des Jahres wirklich notwendig und ratsam ist. Aber gleichermaßen stellte sich heraus, dass das Bestreben, jedes Pferd immer und unter allem Umständen unbeschlagen laufen zu lassen, auch eine Sackgasse war. Es begann das große Nachdenken über Hufschutzmöglichkeiten, deren Vorteile mit dem Hufeisen vergleichbar und deren Nachteile für die Pferdegesundheit geringer als die des Hufeisens waren. Wenn auch diese Gedanken nicht neu waren und in vielen Fällen auch nur alte Patente zum Hufschutz aufgegriffen wurden, so waren die aktuellen technischen Möglichkeiten der Umsetzung und die zur Verfügung stehenden Materialien doch von einer Qualität, dass mittlerweile konkurrenzfähige Hufschutzprodukte auf dem Markt sind. Sehr oft hört man die Frage, wenn ein Reiter ein neues und ihm unbekanntes Hufschutzprodukt sieht: Ja, taugt das denn was, soll und kann ich das mal ausprobieren? Ich hab von jemandem mal gehört, dass dies total gut sein soll … Solche oder ähnliche Statements sind allgegenwärtig und spiegeln die Problematik sehr gut. Ich weiß, wie sehr jeder Vergleich hinkt, aber: hätte ich nur einen Anzug im Schrank hängen, dann würde sich der Gedanke an die Auswahl erübrigen; nun habe ich aber mehrere Anzüge und ich stehe vor der Qual der Wahl. Der Anzug soll zur Außentemperatur und zum Anlass passen. Zumindest ähnlich ist es heute mit dem Hufschutz. Er muss passen und der jeweiligen Situation entsprechen. Die alternativen zum Hufeisen Der praxistaugliche Hufschutz, der heute auf dem Markt erhältlich ist, lässt sich in unterschiedlichen Gruppen sortieren: Es gibt permanenten Hufschutz, also ein Hufschutz, der über die gesamte Beschlagsperiode am Huf des Pferdes verbleibt, und es gibt den temporären Hufschutz, also ein Hufschutz, der nur für das Reiten oder die Arbeit mit dem Pferd am Huf angebracht wird. Diese Hufschuhe haben mittlerweile eine große Verbreitung gefunden und werden von vielen Reitern sehr gerne in der reitärmeren Winterzeit verwendet, wenn ein ständiger Hufschutz aufgrund der geringeren Belastung der Pferdehufe nicht nötig ist. Aber auch Pferde mit sehr guten Hufen, die im Grunde ohne Hufschutz auskommen, können mit Hufschuhen Nutzungsspitzen im Jahr weiterhin unbeschlagen aushalten. Der permanente Hufschutz teilt sich in die Gruppen der genagelten und der geklebten Hufschutzmodelle. Der geklebte Hufschutz hat sich einen festen Platz in den Kliniken und der Huforthopädie gesichert. Kaum eine Fohlenbehandlung der Hufstellung kommt heute ohne einen geklebten Bockhuf, Durchtrittigkeits- oder Extensionsschuh aus. Aber geklebter Hufschutz erobert auch immer weitere Pferdehufe der gesunden Reitpferde. Der Dallmer Cuff überzeugt durch seine universelle Einsetzbarkeit, das Hippoplast-Klebesystem durch die Einfachheit der Anbringung und den günstigeren Preis. Der genagelte Hufschutz unterteilt sich in die starren und die flexiblen genagelten Hufbeschläge. Flexible Hufbeschläge behindern die Verformung der Hornkapsel in geringerem Maße, als starre Beschläge das tun. Der weichere Kunststoff dämpft die Auftritte des Pferdehufes auf harten Böden, er ist in aller Regel mit kleineren und weniger Näglen zu befestigen und entspricht näher dem unbeschlagenen Laufen des Pferdes, als dies bei starren Beschlägen der Fall ist. Die starren genagelten Hufbeschläge unterscheiden sich wiederum durch die Auswahl des verwendeten Materials. Es gibt sie aus Aluminium, aus Eisengusswerkstoffen, aus Titan und Stahl. Eine weitere Gruppe sind die starren genagelten Hufbeschläge aus Werkstoffkombinationen. Das starre Metall ist hierbei mit einem Kunststoff oder Gummi ummantelt oder kombiniert. Die Auswahl Viele Hufschmiede wie auch viele Pferdebesitzer vergessen bei der Auswahl des geeigneten Hufschutzes wesentliche Auswahlkriterien, die ausgewertet und entschieden werden müssen, um den geeigneten Hufschutz für ein Pferd zu finden. Es reicht nicht aus, nur das Pferde zu beurteilen und auf dieser Basis eine Entscheidung zu finden. Die Kriterien Die Berteilung des Pferdes steht natürlich an der ersten Stelle. Hat das Pferd ein gesundheitliches Problem, sind alle weiteren Überlegungen überflüssig, denn dann muss alles nur auf die baldige Genesung des erkrankten oder rekonvaleszenten abgestimmt werden. Aber Sie haben, so hoffe ich zumindest, ein gesundes Pferd im Stall und müssen aufgrund der ausgiebigen Beurteilung des Pferdes im Stand, aber vor allem in der Bewegung erkennen, wie der Istzustand, wie die aktuelle Problematik des Pferdes lautet. Beispielhaft für die notwendigen Gedankengänge stellen sie sich ein Pferd vor, welches bislang unbeschlagen war und nun frisch eingefahren nach einem Hufschutz verlangt. Das Pferd zeigt wie viele seiner Artgenossen in der Vorwärtsbewegung keine geradlinige Gliedmaßenführung sondern eine Bewegung der Beine gegen die stützende Gliedmaßen. Das Bein bewegt sich also im Bogen in der Richtung des anderen auf dem Boden befindlichen Bein. Es ist einsichtig, dass jeder hier angebrachte Hufschutz das Gewicht am Huf und damit den Bogen der Bewegung verändern wird. Bei so einem streichgefährdeten Pferd muss und wird also das Gewicht des zukünftigen Hufschutzes von besonderer Bedeutung und damit zu einem wichtigen Kriterium. Dererlei Informationen ergeben sich in einer großen Fülle aus der individuellen Beurteilung des Pferdes. Sie müssen in Einklang zu weiteren Auswahlkriterien gebracht werden. Wie wird das Pferd genutzt? Aus der Nutzung des Pferdes ergibt sich der Anspruch, dem der Hufschutz entsprechen muss. Wenn ein Dressurreiter in den meisten Fällen einen Hufschutz wünscht, der das Gangvermögen des Pferdes nicht beeinträchtigt und ausschließlich den Huf vor zu starkem Abrieb zu schützen hat, so wünscht der Springreiter die Möglichkeit, Gleitschutzstollen anzubringen. Wo wird das Pferd genutzt? Jeder, der schon einmal mit seinem Pferd umgezogen ist, wird erkennen, dass sein Pferdchen in der Lüneburger Heide vielleicht ohne jeglichen Hufschutz auskam und nun, in den Vogesen wohnhaft, ohne Hufschutz nicht mehr nutzbar ist. Von wem wird das Pferd genutzt? Meinen Sie, dass es für die Auswahl des Hufschutzes einen Unterschied macht, ob eine zierliche kleine Frau oder ein stattlicher kräftiger Mann auf dem Rücken des Pferdes sitzt? Es macht einen Unterschied, denn so manches Pferd, das mit der Reiterin frei und forsch über den Feldweg trabt, wird deutlich fühlig, wenn der bebauchte Herr dasselbe tut. Dies stellt selbstverständlich nur eine kleine Auswahl aller notwendigen Überlegungen dar, die zur schlussendlichen Auswahl des sinnvollsten Hufschutzes führen, aber ich hoffe Ihre Motivation gesteigert zu haben, sich mit diesem Thema eindringlicher zu befassen, denn der nächste Huftermin kommt so sicher wie der anstehende Herbst und damit die neuerliche Frage: Schmied, was sagst du, beschlagen oder nicht und womit? Text/Copyright © Burkhard Rau Info Burkhard Rau Info@hufbeschlagschule.de Tel.: 02601 914488  
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