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Krankheitsvorsorge im Zuchtbetrieb
Gesundheit der Mutterstuten ist für eine erfolgreiche Bedeckung und Trächtigkeit, Gesundheit der Fohlen und Jungpferde für die spätere Nutzung als Sport- und Freizeitpferd Voraussetzung. Über 70 % der späteren Leistungsfähigkeit wird in der Zeit bis zum Anreiten bereits festgelegt. Nun kann man sich sagen: dieses Geschäft regelt normalerweise die Natur. Instinktiv wissen Stuten am besten selbst, wie sie ihre Fohlen austragen und aufziehen. Dies trifft aber nur bedingt zu, und zwar für Pferde, die in der freien Wildbahn leben. Sie sind Nomaden in der Steppe, d. h. sie leben nicht an einem festen, geschützten Standort, sondern sie ziehen von Ort zu Ort. Und sie leben in einem festen Herdenverband. Sie werden mit Krankheiten und Infektionen allein fertig, sie brauchen dafür keine Hilfe von Menschen, keine Impfungen und keine Medizin. Freilebende Pferde unterliegen nicht einem hohen Infektionsdruck. Zwar gibt es Bakterien, Pilze, Viren, Staub, Würmer, giftige Gase überall. Dagegen sind Pferde mit einem gut funktionierenden Immunsystem ausgerüstet. Aber Krankheitserreger und Parasiten können sich nicht über die Maßen vermehren, weil die Pferde weiterziehen. Die Pferde haben mit der Zeit in ihrer Herde eine Immunität gegen ihre Erreger ausgebildet und stecken sich nicht täglich bei fremden Pferden an. Probleme mit Ausscheidungen gibt es nicht. Pferdeäpfel werden nicht wieder beim Grasen aufgenommen. In der Steppe weht beständig ein frisches Lüftchen, die Luft ist gut, Ammoniak aus dem Urin verflüchtigt sich sofort. Auch Kleinstlebewesen können sich nicht in stehender Luft ansammeln. Und schließlich sind die Pferde abgehärtet durch Wind und Wetter, sie reinigen ihre Atemwege bei kontinuierlicher Bewegung, auch die Verdauung und der gesamte Stoffwechsel funktionieren dadurch gut. Ganz wichtig für das Immunsystem ist auch die UV-Strahlung aus dem Tageslicht. Der Mensch hat die Umweltbedingungen für Pferde nun tiefgreifend verändert. Vollkommen naturbelassene Pferdehaltung ist, zumindest in Europa, nicht möglich. Auch bei der artgerechtesten Haltung muss der Lebensraum der Pferde räumlich begrenzt werden. Und deshalb ist der Pferdehalter dafür verantwortlich, sich die Probleme aus der veränderten Situation bewusst zu machen und ausgleichende Maßnahmen zu ergreifen. Probleme entstehen aus dem Umkehrschluss des oben Genannten: Auf begrenztem Raum entsteht ein höherer Infektionsdruck, für den die Pferde keine ausreichenden Abwehrmechanismen mehr haben. Beispielsweise Fäulnisbakterien vermehren sich hervorragend in feuchter Einstreu oder in Matschpaddocks. Zwar ist der Pferdehuf durchaus in der Lage, auch über lange Zeit ohne Schaden auf feuchtem Untergrund oder in Nässe zu stehen oder sich zu bewegen. Ist der Untergrund aber mit Bakterien angereichert, wie dies bald der Fall ist, wenn Pferde auf Dauer ihre Ausscheidungen nicht meiden können, treten Huffäule und Mauke auf. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbst vermehren. Sie sind auf Wirtszellen von anderen Lebewesen angewiesen, deren Stoffwechsel sie dann verändern, insbesondere, um sich selbst zu vermehren. Wenn Viren einmal ihre Wirtszellen verlassen haben, sind sie allein bald nicht mehr lebensfähig. Viren werden von Pferd zu Pferd, also durch Ansteckung übertragen. Kommen fremde Pferde in den Bestand, ist dieses Risiko jedes Mal gegeben. Krankmachende Bakterien können zusätzlich in den geschwächten Organismus eindringen und sogenannte Sekundärinfektionen verursachen. Pferdekot stellt gerade in Zuchtbetrieben ein großes Problem dar. Er bietet Parasiten (Würmern) ein ideales Entwicklungsumfeld, und wenn er nicht regelmäßig und vollständig entfernt wird, ist dieses Problem nicht in den Griff zu kriegen. Denn sowohl auf der Weide als auch in der Box nehmen die Pferde Würmer immer wieder beim Grasen und Fressen auf. Der Kreislauf wird so für die Parasiten immer wieder geschlossen und sie sterben niemals ab. Das Ammoniak aus dem Urin verflüchtigt sich in geschlossenen Boxen nicht so schnell. Zunächst verbleibt es selbst bei Wechselstreu eine Zeit in der Einstreu. Schadgase sind schwerer als Luft und sinken deshalb – übrigens wie auch Krankheitserreger und Staub – nach unten. Pferde sind nun bei Boxenhaltung gezwungen, sich auf oder neben ihren Ausscheidungen hinzulegen, wenn sie ausruhen wollen. Dazu kommt, dass ein Luftaustausch in Bodennähe in Ställen nur sehr begrenzt stattfinden kann. Pferde atmen am Boden also kontinuierlich alles ein, was schlecht für sie ist. Dies betrifft besonders gravierend Fohlen, die ja erstens kleiner sind, zweitens mehr liegen und drittens ihre Organe erst ausbilden. Mangelnde Bewegung, zu wenig Tageslicht und jede Art von Stress schwächen insbesondere im Winter den gesamten Organismus des Lauf- und Fluchttiers Pferd. Als vorbeugende Maßnahmen gegen Krankheiten im Gestüt sollten Impfungen, Wurmkuren und Hygienemaßnahmen eine Selbstverständlichkeit sein. Sie müssen allerdings im gesamten Betrieb koordiniert werden. Einzelaktionen sind teilweise sinnlos. Auch sind nicht alle Bekämpfungsmaßnahmen zu jeder Jahreszeit erfolgreich. Professionelles Wissen über Pferde- und Hygienemanagement erfahren Sie im Rahmen der Qualifikation zum Pferdefachwirt (KPA). Infos dazu erhalten Sie unter Telefon 0221 4064824 und www.KoelnerPferdeAkademie.de Impfungen Viren können nicht (wie Bakterien mit Antibiotika) wirksam bekämpft und abgetötet werden, da sie ja Bestandteil der befallenen Zellen in den Pferden sind. Therapiert werden kann nur durch eine allgemeine Stärkung des gesamten Organismus und durch eine Bekämpfung der bakteriellen Sekundärinfektionen. Das Pferd muss Abwehrstoffe entwickeln und die Erkrankung selber bekämpfen, bis sie ausgeheilt ist. Danach besteht eine Zeitlang eine Immunität gegen dieses Virus. Einen Schutz gegen manchmal auch tödlich verlaufende Virus- Infektionen gibt es jedoch durch Impfungen. Daher fragt man sich, warum nicht jeder Pferdehalter dieses Mittel nutzt. Die Antwort ist: Weil die Notwendigkeit, Geld auszugeben und Pferde zu behandeln, die offenbar gar nicht krank sind, nicht von jedem erkannt wird. Dagegen ist bei einem Pferd, das mit dem Tod ringt, der Handlungsbedarf offenkundig und damit für jeden einsehbar und die Ausgabe sinnvoll. Leider sind die Kosten dann um ein Vielfaches höher und bleibende Schäden nicht auszuschließen. Außerdem muss man wissen, dass es Pferde-Impfungen gibt, die das einzelne Pferd zuverlässig schützen (gegen Tollwut und gegen Tetanus) und solche, die nur einen Schutz bieten, wenn der gesamte Bestand geimpft wird (gegen Herpes und gegen Influenza). Die individuelle Impfung gegen Tetanus ist ein absolutes Muss, denn eine Infektion führt bei 80 – 100 % der Fohlen und bei 40 – 90 % der älteren Pferde zum qualvollen, langsamen Tod durch Dauererregung der Muskulatur. Erreger sind Tetanusbakterien (ausnahmsweise keine Viren), die gut unter Luftabschluss in feuchtwarmer Umgebung gedeihen, also z. B. in einer Matratze oder in der Erde. Sie gelangen über kleinste Verletzungen in das Pferd und sind nicht von Pferd zu Pferd übertragbar. Durch das Kolostrum sind Fohlen bis zum Absetzen geschützt, vorausgesetzt, die Mutter hat Antikörper gebildet. Deshalb ist eine Grundimmunisierung im Alter von 5 Monaten mit Wiederholungen nach 4 – 6 Wochen und einem Jahr angeraten, danach reichen Abstände von zwei Jahren. Bei Tollwut handelt es sich um eine durch Rhabdo-Viren hervorgerufene Erkrankung. Die Infektion erfolgt durch virushaltigen Speichel meist eines erkrankten Fuchses, der bei einem Biss oder einer Hautabschürfung durch die verletzte Haut in den Körper des Pferdes oder Menschen gelangt. Die Krankheit kann erst sehr spät nach Ansteckung ausbrechen (bis 200 Tage) und führt dann innerhalb von 2 – 8 Tagen zum Tod durch Lähmung. Daher ist eine Impfung besonders in tollwutgefährdeten Bezirken dringend erforderlich. Eine ganz wichtige Impfung für jedes Pferd im Zuchtbetrieb ist auch die gegen equine Herpesviren. Hier ist der Sachverhalt komplexer und betrifft immer den ganzen Bestand. Der equine Herpesvirus (EHV) tritt weltweit auf und weist 5 Subtypen (Unterarten) auf. EHV1 wird für den Virusabort (siehe Abbildung) im letzten Drittel der Trächtigkeit verantwortlich gemacht, der fast immer alle Stuten eines Betriebs betrifft und deshalb insbesondere in großen Gestüten immensen Schaden anrichtet. EHV4 ruft vor allem Atemwegserkrankungen hervor, ist auch beteiligt am paralytischen Krankheitsbild. Herpesviren sind sehr klein und hochansteckend. Sie werden direkt von Pferd zu Pferd übertragen, aber auch indirekt über den Menschen, Gerätschaften oder Putzzeug. Es erfolgt eine schnelle Stalldurchseuchung innerhalb einiger Tage. Einmal mit Herpesviren infizierte Pferde bleiben lebenslang Virusträger. Bei Stress wird die Virusausscheidung neu gestartet (mit oder ohne Erkrankungsbild), und andere Pferde können angesteckt werden. Das Tückische ist also, dass alle Pferde, auch nicht erkrankte, andere anstecken, dass auch Wallache so den Virusabort übertragen können; weiterhin, dass bereits junge Absetzer-Stuten sich infizieren und erst viel später im Leben den Schaden (Abort) erleiden können. Eine Impfung gegen Herpes- Viren kann einen Ausbruch der Erkrankung beim einzelnen Pferd nicht verhindern, wenn der Infektionsdruck zu hoch wird. Die Schutzimpfung kann man sich wie einen Deich vorstellen, der einer Überschwemmung eine Weile standhält, aber ab einer gewissen Höhe der Flutwelle bricht oder überflutet wird. Diese Impfung ist also eine Bestandsimpfung, denn sie macht gemäß dem o. g. nur Sinn, wenn alle Pferde, junge und alte, Wallache und Hengste und auch Esel geimpft werden. Und wenn in den Betrieb viele neue Pferde dazukommen, z. B. im Deckgeschäft oder weil ein Reitbetrieb angelagert ist, sind unter Bestand auch die fremden Pferde zu verstehen. Die Impfung gegen EHV muss regelmäßig wiederholt werden. Geimpft wird ab dem 5. bis 6. Lebensmonat, mit Wiederholung nach 4 – 6 Wochen und dann alle 6 Monate. Trächtige Stuten sind im 5., 7. und 9. Monat der Trächtigkeit zusätzlich gegen Virusabort zu schützen. Ebenfalls sollte man den Bestand gegen Influenza impfen. Ähnlich wie die Grippe beim Menschen rufen Pferdeinfluenza-Viren fieberhafte Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege hervor und schwächen dadurch das Abwehrsystem. Bakterielle Sekundärinfektionen, manchmal mit Todesfolge, kommen meist noch hinzu. Die Infektion ist hochansteckend und erfolgt durch Tröpfchen, also entweder durch Husten oder durch Kontakt der Pferde untereinander. Dabei muss man sich vorstellen, dass bei einem Hustenstoß die Tröpfchen 40 m weit mit bis zu 150 km/h geschleudert werden. Die Erkrankung breitet sich also im Stall rasant aus, innerhalb von 1 – 3 Tagen. Das Virus kann auch durch Pferde übertragen werden, die keine Symptome zeigen. Deshalb hat Influenza eine große wirtschaftliche Bedeutung, gerade an Orten mit hoher Fluktuation, wie in Deckbetrieben und auf Turnieren. Fohlen und Jungpferde werden durch anhaltende Infektionen mit Schnoddernasen und trockenem Reizhusten oft lebenslang geschädigt und damit in ihrer Leistung schon lang vor der sportlichen Nutzung begrenzt. Geimpft wird ab dem 5. Lebensmonat, mit Wiederholung nach 4 – 6 Wochen und dann alle 6 Monate. Das Virus ändert immer seine Oberfläche, daher ist es nur sinnvoll, moderne Impfstoffe einzusetzen, die gegen den Stamm A/Equi-2 schützen. Impfungen einzelner Tiere sind bei EHV und Influenza sinnlos, und zu lange Impfabstände führen zur Wirkungslosigkeit oder trivial ausgedrückt: Das Geld für die durchgeführten Impfungen ist zum Fenster hinausgeworfen. Erwiesen ist es, dass korrekt durchgeführte Bestandsimpfungen das Ansteckungsrisiko auf ein Minimum reduzieren. Die Entscheidung, auf Tetanus oder Tollwut zu impfen, kann daher dem Pferdebesitzer überlassen werden, aber Bestandsimpfungen müssen durch den Betriebsleiter im Einstellungsvertrag festgelegt werden. Impfungen werden generell im Pferdepass eingetragen, sodass die Impfabstände lückenlos nachzuvollziehen sind. Als Betriebsleiter sollte man nur korrekt geimpfte Pferde (vorher Kopie des Passes schicken lassen) in seinen Betrieb aufnehmen. Außerdem sollten neu ankommende Pferde zunächst 14 Tage in einem Quarantänebereich untergebracht werden. Erkrankte Pferde müssen in einen isolierten Stall gebracht, Gebäude, Geräte und Menschen desinfiziert und auf peinliche Hygiene großer Wert gelegt werden. Abortierte Fohlen müssen inklusive Nachgeburt sofort entsorgt und am besten zu einer Untersuchungsanstalt gebracht werden, die eine Untersuchung auf Erreger durchführt. Stress spielt für die Infektionsanfälligkeit und das Ausmaß der Erkrankung beim einzelnen Pferd eine große Rolle. Dieser kann bestehen in Transport und veränderter Umgebung, ungewohnten sportlichen Anforderungen und in nicht artgerechten Haltungsbedingungen. Stickige Boxen, zu wenig Licht, Luft und Bewegungsmöglichkeit stellen für das Steppentier Pferd Dauerstress dar. Neben der Impfung sind also möglichst viel Frischluft, Tageslicht, Bewegung und Klimareize für eine natürliche Abwehr besonders auch im Winter unumgänglich. Für Pferdehalter gibt es die Möglichkeit, sich auf dem zweiten Bildungsweg als Pferdewirt, Schwerpunkt Zucht und Haltung zu qualifizieren, um Betriebe professionell leiten zu können. Das Berufsbildungsgesetz sieht vor, Erwachsene auch ohne Lehre zur Prüfung zuzulassen, wenn einschlägige Erfahrung auf anderem Wege nachgewiesen werden kann. Die Kölner Pferde- Akademie bietet entsprechende Vorbereitung auf die Abschlussprüfung an. Nähere Infos erhalten Sie unter Telefon 0221 4064824 oder info@koelnerpferdeakademie.de  
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