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| Medizin & Gesundheit
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Textversion:
Kurz vorm Verhungern? Die Leidensgeschichte von Neujahr ist unfassbar: Ich habe sie
mehrmals gelesen und mir kamen immer wieder die Tränen, Tränen
um Neujahr, der sein Schicksal so tapfer ertrug und nichts dagegen
unternehmen konnte, dem die Sprache fehlt, sein ganzes Elend in
Worte zu fassen, Tränen um die Pferdebesitzerin samt Familie, die
völlig allein gelassen und hilflos war, immer das Beste für Neujahr
wollte, jedoch keine wirkliche Hilfe erfahren hat. Neujahrs Geschichte zeigt einmal
mehr, dass auf jedes individuelle
Pferd auch individuell
und speziell eingegangen werden
muss, dass es bei Pferden
kein Schema F gibt und Futtermittelbedarfstabellen
mit Vorsicht
zu betrachten sind.
Auch wenn 90 % unserer Pferde
eher abspecken als ansetzen
müssten, wenn eine Futtermittelempfehlung
bei all diesen Pferden
extensiv gestaltet werden
muss, so gibt es ebenso Pferde,
die aus verschiedenen Gründen
einen bedeutend höheren Futterbedarf
im Laufe ihres Lebens
entwickeln. Nicht grundsätzlich
muss eine Grunderkrankung
vorhanden sein, Gründe können
ebenso in psychischen Faktoren,
Stress oder auch im fortgeschrittenen
Lebensalter durch
nachlassende Verwertung liegen.
Erkrankungen dieser Pferde ergeben
sich oftmals erst aus der
Unterernährung, der fehlenden
Abwehr und einem massiv gestörten
Immunsystem, wie Neujahr
uns zeigt. Andererseits können
auch Erkrankungen vorliegen,
die solch eine Auszehrung
begünstigen. Daher ist selbstverständlich,
neben einer geeigneten
Futtermittelempfehlung
eine eingehende Untersuchung
anzuraten.
Bei Neujahr fand sich jedoch in
der Realität keinerlei Erkrankung!
Daher steht dieser Bericht
dafür, bei Fütterungsfragen und
Empfehlungen genau hinzuschauen
bzw. hinzuhören sowie
schnellstmöglich neue Wege zu
gehen, wenn das Praktizierte versagt.
Ebenso steht er dafür, dass
auch ein 28-jähriges Pferd, das
sich zeitweise aufgab, wieder
Lebensfreude und Lebenswillen
erlangen kann, und nicht zuletzt
dafür, gut auszuwählen, wem
Vertrauen geschenkt wird, wenn
es um etwas so Wertvolles wie
ein Pferdeleben geht:
Neujahrs Leidensweg
von Sabine Trager-Stoffels
und Jeanette Vollmert:
Neujahrs Leidensweg begann genau
genommen schon Ende 2002.
In dieser Zeit zog Neujahr aus
seinem alten Stall, in dem Heu,
Gerste, Hafer und Mais gefüttert
wurde, zusammen mit seinem
Kumpel Sam in einen Offenstall
mit morgendlicher und abendlicher
Fütterung. Hier wurde
Müsli, Hafer und Heu gefüttert.
Als Sam im neuen Stall plötzlich
verstarb, litt Neujahr sehr unter
dem Verlust, die beiden standen
bis dahin 11 Jahre zusammen.
Danach verlor er einiges an Gewicht.
Zuerst schoben wir das
ganze auf den Verlust des Freundes,
da die Zähne noch im Dezember
2002 gemacht wurden.
Als sich bis zum Frühjahr sein
Zustand nicht verbesserte, zogen
wir unsere langjährige Tierärztin
zu Rate, die Neujahr gründlich
durchchecken sollte, was sie
auch machte. Sie stellte ihn auf
den Kopf, untersuchte sein Herz,
nahm eine Kotprobe, machte ein
großes Blutbild usw. Allerdings
konnte sie sich auch nicht erklären,
warum Neujahr langes,
stumpfes Fell hatte, sein Winterfell
nicht abwarf und auch
nicht wieder an Gewicht zulegte.
Alle Untersuchungen waren
ohne Befund. Seine Zähne waren
vor kurzem gemacht worden, er
wurde regelmäßig entwurmt,
also was sollte es sein? Ich zog
meine Tierheilpraktikerin hinzu,
die ihn ebenfalls untersuchte. Sie
fand, dass Neujahr trotz Gewichtsverlust
auf den 1. Blick
doch ganz gut aussieht, aber eben
dieses stumpfe, lange Fell hat.
Sie schaute sich die Zähne an und
meinte, dass die nicht ganz in
Ordnung seien. Daraufhin wurden
ihm die Zähne noch mal gemacht.
Im folgenden Sommer
2003 sah Neujahr dann ein bisschen
besser aus, vermutlich aufgrund
der fetten Weiden, hatte
aber weiterhin ein stumpfes Fell
und sein altes Gewicht auch noch
nicht wieder zurück. Im Oktober
2003 fuhr ich für 2 Wochen
in Urlaub. Der Stallbesitzer wollte
sich in dieser Zeit um mein Pferd
kümmern. Er rief mich nach ca.
1 Woche an, dass er Neujahr von
den anderen Pferden trennen
müsste, da er sie nur treten und
beißen würde. (Heute weiß ich,
dass er vermutlich in meiner
Abwesenheit nicht genug gefüttert
wurde, aber erst einmal weiter
im Text.) Zurück aus dem Urlaub,
fuhr ich als erstes zu Neujahr.
Er hatte in den 2 Wochen
wieder einiges an Gewicht verloren.
Ich ließ noch am gleichen
Tag eine andere Heilpraktikerin
kommen, die mir der Stallbesitzer
empfahl. Diese hörte zuerst
sein Herz ab und meinte, den
Grund gefunden zu haben: Neujahr
habe ein sehr schwaches
Herz, sie wüsste nicht, ob er es
noch lange schafft. Obendrein
sollte er angeblich dämpfig sein.
Der letzten Aussage bezüglich
der Dämpfigkeit konnte ich aber
keinen Glauben schenken, da die
angebliche Dampfrinne eher wie
eine Hungerrinne für mich aussah. Ihr Therapievorschlag war Aloe
Vera und Moor zum Einnehmen
sowie 2 – 3 homöopathische Mittel,
womit ich es dann probierte.
Zum Winter hin habe ich Neujahr
dann eingedeckt, damit er
aufgrund seiner fehlenden
Speckschicht nicht anfing, auch
noch zu frieren. Neujahr blieb
weiter von den anderen Pferden
getrennt.
Im Winter 2003 bekam er plötzlich
dicke Beine, die Lymphen
waren geschwollen, ebenso der
Schlauch bis zu den Beinen hinunter.
Therapievorschlag des behandelnden
Tierarztes war ein
Spezialfutter, dessen Namen ich
vergessen habe, und 2 x am Tag
15 min im Schritt führen, damit
die Schwellung zurückging.
Aber Neujahr wollte nicht laufen,
es viel ihm sichtlich schwer
und ich musste ihn förmlich hinter
mir herziehen. An dieser Stelle
dachte ich das erste Mal ans Einschläfern,
weil ich das Gefühl
hatte, dass er sich quält: Ich bat
ihn, mir ein Zeichen oder einen
Wink zu geben, was ich machen
sollte. Die Fütterung mit dem
Spezialfutter übernahm größtenteils
der Stallbesitzer, ich bestellte
immer wieder nach, ebenso
Aloe Vera, Moor und hier und
da jede Menge Zusatzfütterchen,
aber nichts half. Mittlerweile war
ich ziemlich verzweifelt, auf meine
Fragen an meinen Tierarzt und
meine Heilpraktikerin, ob es besser
ist, ihn einzuschläfern, bekam
ich von keiner Seite eine klare
Aussage, das müsste ich selber
wissen. Im Januar 2004 war ich
so weit, ihm noch bis Februar/
März 2004 Zeit zu geben. Bis dahin
sollte eine Entscheidung getroffen
werden, ob es besser wäre
ihn von seinem Leiden zu erlösen.
Dem Tierarzt und den beiden
Heilpraktikerinnen hatte ich
bis dato vertraut, dass man nichts
machen kann, außer Abzuwarten.
Die zweite Heilpraktikerin
schlug dann trotzdem noch vor,
es mit einer Eigenbluttherapie zu
versuchen. Gesagt, getan. Aber
auch diese brachte keinen Erfolg,
Neujahr blieb weiter mager.
Anfang Februar 2004 ließ ich
noch mal seine Zähne kontrollieren,
es war nichts Gravierendes,
und sie wurden nur geraspelt.
In dieser Zeit telefonierte
ich auch noch mal mit der Heilpraktikerin
Nr. 1. Als ich mich
mit ihr über die Eigenbluttherapie,
die gerade gemacht wurde,
unterhielt, wurde ich stutzig, als
sie meinte, die Fläschchen mit
dem Blut für die Therapie müssten
verplombt sein. Das waren
sie allesamt nicht.
Mittlerweile war bei mir auch
der Eindruck entstanden, dass
Neujahrs Gewichtsproblem darin
begründet ist, dass er vom
Stallbesitzer nicht ausreichend
gefüttert wird und auch die
homöopathischen Mittel bei ihm
nicht, wie versprochen, ankamen.
Da die 2. Heilpraktikerin
keine Verbesserung brachte und
der Stallbesitzer nun auch nicht
mehr vertrauenswürdig war,
wechselte ich mit Neujahr erneut
den Stall. Diesen Wechsel verkraftete
Neujahr sehr gut, er
machte auf mich den Eindruck,
als wäre er froh darüber.
Das war Ende Februar 2004. Dort
angekommen, wurde er erst einmal
allein in eine Box zum Aufpäppeln
gestellt. Er bekam Hafer,
Rübenschnitzel, Heu und
Terrab (Pellets) en masse. Ich ließ
noch einmal die Heilpraktikerin
Nr. 1 kommen, die eine Haaranalyse
vorschlug. Dabei stellte
sie fest, dass er die homöopathischen
Mittel im alten Stall gar
nicht bekommen hat (heute frage
ich mich: Geht dies überhaupt?).
Der neue Therapievorschlag
(der wievielte?) war eine
Spritzenkur zur Stärkung des Immunsystems
und der Abwehrkräfte:
2 Wochen lang habe ich
Neujahr dann jeden Tag gespritzt.
Dies brachte kurzzeitige
Besserung seines Allgemeinzustandes,
aber keinen anhaltenden
Erfolg, keine Gewichtszunahme.
Vor allen Dingen sagte
die Heilpraktikerin mir, dass er
ein sehr starkes Herz habe, was
mich zusätzlich verwunderte,
sollte es doch angeblich vor einiger
Zeit noch so schwach gewesen
sein, dass man nicht wüsste,
ob er es schafft ...?
KLASSE!
Kurze Zeit später fing Neujahr
an, sich zu jucken und hatte ein
sehr kribbeliges Nervenkostüm.
Wir fanden Haarlinge bei ihm,
woraufhin wir ihn komplett geschoren
und gewaschen und
natürlich eingedeckt haben.
An diesem Tag kam die dritte
Heilpraktikerin, die ich wegen
dem dauernden Auf- und Ab
konsultierte. Sie meinte, es hing
mit den Haarlingen und schlechten
Zähnen zusammen. Ich sollte
ihn mit APM-Creme besprühen,
was ich noch am gleichen
Tag viermal machte, obwohl
ich der Sache keinen rechten
Glauben schenken konnte,
aber man fühlte sich mittlerweile
einfach so hilflos.
Als die Haarlinge mittels der
Chemiebombe dann endlich ein
paar Tage später ausgemerzt waren,
wurde Neujahr ruhiger. Die
Zähne wurden auch nochmal geraspelt.
Ich dachte wieder über
eine Futterumstellung nach und
informierte mich über alle möglichen
Futtersorten, welche Neujahr
helfen könnten – bei verschiedenen
Futterhändlern, beim
Stallbesitzer, Tierärzten, anderen
Einstellern. Keiner konnte
mir eine genaue Info geben, bis
auf einen Futterhändler stieß,
dessen Argumente mir am Einleuchtendsten
vorkamen, und so
landeten Neujahr und ich bei diesem
Futter. Aber nicht beim normalen
Pferdefutter, sondern
beim Fohlenaufzuchtfutter, wegen
der Aminosäuren, klang
logisch, fand ich.
Im April 2004 war wieder einmal
ein Tierarzt da, der Neujahr
nochmals durchcheckte, aber wie
erwartet nichts finden konnte.
Nachdem Neujahr mittlerweile
einige Wochen dieses Futter bekam,
konnte man eine leichte
Bauchrundung erkennen. Das
war schon ein toller Erfolg, freute
ich mich mittlerweile über jedes
kleine Anzeichen einer Gewichtszunahme.
Der Sommer
2004, indem er Tag und Nacht
auf der Weide verbracht hatte,
ging, aber er war immer noch
nicht der Alte. Im Herbst 2004
eingestallt, fuhr ich mittlerweile
3 – 4 mal am Tag zum Stall, um
Neujahr zu füttern, da die Pferde
tagsüber auf dem Paddock standen.
Dies wurde dann bei Neujahr
stundenweise reduziert, damit
er im Stall so oft wie möglich
Futter hatte und im Winter
ohne Gras nicht wieder abbaute.
Einige Einsteller hatten sich mittlerweile
bereit erklärt, ihn zusätzlich
zu meinen 3 – 4 Malen
auch noch zwei- bis dreimal zu
füttern. Im Winter 2004 fing Neujahr
dann an, mit seinem Heu im
Maul Kügelchen zu drehen, was
eine erneute, seine fünfte Zahnbehandlung
nötig machte. Dies
brachte aber wieder keine Besserung
und ich bestellte nochmal
eine andere Zahnärztin, als ich
plötzlich Blut im Futter fand, was
ihm offensichtlich beim Fressen
aus dem Maul gelaufen war. Diese
Ärztin zog Neujahr zwei Zähne
und raspelte ziemlich lange
an den anderen Zähnen herum.
Sie musste eine Schiefstellung
korrigieren und Fehler der anderen
Zahnärzte ausbessern. Gegen
die Entzündungen und
Schwellungen bekam Neujahr
Schüsslersalze.
Diese letzte Zahnärztin empfahl
als erste eingeweichte Heucobs
wegen mangelnder Futterverwertung
aufgrund der fehlenden
Zähne. Leider fraß Neujahr diese
Heucobs überhaupt nicht, sodass
ich gezwungen war, weiter das
bisherige Futter – Mais, Rübenschnitzel
und Hafer – zu füttern.
Bis Februar 2005 hat sich Neujahrs
Zustand trotz gemachter
Zähne, verschiedener Behandlungen
durch Heilpraktiker und
Tierärzte weiter verschlechtert,
sodass er mittlerweile wie ein
Klappergestell aussah. Mein armes
Pferd, war er doch mal ein
stolzer Vollblüter, ein Rennpferd
gewesen!
Einen traurigen, zwischenzeitlichen
Höhepunkt bekam das
Ganze, als Neujahr sich beim Spazierengehen
auf dem Platz hinlegte
und zuerst nicht mehr hochkam.
Der gerufene Tierarzt stellte
die Diagnose Kolik, Neujahr
bekam entkrampfende Mittel gespritzt.
Danach ging es ihm etwas
besser, aber nach einer halben
Stunde ca. schwoll sein Hals
furchtbar an. Der Tierarzt hatte
sich verspritzt, obwohl Neujahr
ganz still gehalten hatte. Neujahr
ist ein sehr geduldiger, lieber
Patient trotz der ganzen Behandlungen.
Erst nach fast vier
Wochen täglicher Kühlung und
Behandlung mit Schüsslersalzen
wurde es besser und die Schwellung
ging zurück. In dieser Zeit
hatte er noch eine Kolik und fraß
fast gar nichts mehr. Klar, mit so
einem dicken Hals. Ich habe ihm
alle Eimer mit Futter und sein
Heu hochgestellt bzw. gelegt,
denn ein Bücken war für ihn nicht
wirklich möglich mit so einem
dicken Hals. Sein Gewichtszustand
hatte sich dadurch natürlich
auch wieder rapide verschlechtert
und ich unterhielt
mich mit vielen Pferdehaltern,
was sie in meiner Situation machen
würden, da ich nicht mehr
weiter wusste und auch nicht den
Eindruck hatte, dass Neujahr
noch wollte. Danach kam ich zu
dem Entschluss, ihn einschläfern
zu lassen. Dauernde Behandlungen
durch Ärzte, Heilpraktiker,
immer wieder verschiedene
Therapien, Futter- und Stallwechsel,
das wollte ich ihm nun
ersparen. Ich rief meine Tierärztin
an und machte an einem
Dienstag Ende Februar den Termin.
Montag abends verabschiedete
ich mich mit meiner
Tochter drei Stunden lang bei
Neujahr. Wir putzen ihn, machten
noch einmal Fotos – für mich
war der Kampf verloren, ich war
verzweifelt und am Boden zerstört.
Morgens um 10 Uhr sollte
es so weit sein, allerdings wurde
ich in der Nacht davor um
4 Uhr wach und meine Gedanken
kreisten natürlich nur um
Neujahr, irgendwie sagte mir
mein Bauchgefühl, dass es die
falsche Entscheidung ist, ihn einzuschläfern!
Wir fuhren an dem besagten
Dienstag schon früh zum Stall,
meine Eltern waren schon da
(mein Dad hatte mir ihn zum 18.
Geburtstag geschenkt). Als ich
am Stall ankam, stand Neujahr
munter in seiner Box und fraß …
Ich glaube, er wollte mir damit
einen Wink geben. Sofort rief ich
die Tierärztin an, sie brauche
nicht zu kommen. Aber irgend
etwas musste passieren. Ich fing
an, eine Weide für ihn zu suchen,
da die Weiden am Stall nicht für
den ganzen Sommer und all die
Pferde reichen würden, ich fand
auch eine: eine schöne, fette, riesengroße
mit Kräutern in frischer
Umgebung und Waldnähe. Es
wurde ein schöner Sommer, er
nahm wieder etwas zu, wurde
weiterhin viel gefüttert und
machte einen guten Eindruck.
Wir sind am Ende des Sommers
nicht mehr zum alten Stall
zurück. Wir waren mittlerweile
drei Mädels mit Pferden, und ich
hatte noch ein Pferd dazu gekauft.
Zusammen haben wir
noch zwei Pferde vom Schlachter
gerettet. Es war eine wirklich
schöne, nette Herde von acht
Pferden geworden. Ich hatte den
Eindruck, diese Herde baute
Neujahr auf: 1. durch die Beständigkeit,
2. waren alle lieb, 3.
fand er wieder einen Freund in
der Herde, 4. hatte er viel frische
Luft und 5. das saftige Gras.
Für den Winter 2005 hatten wir
einen Stall (nachts Boxen, tagsüber
Paddock, im Sommer 24
Stunden Weide) zur Pacht in der
Nähe gefunden, den wir ab sofort
in Eigenregie managten. Im
Winter waren die alten Pferde
von den Jungen getrennt, damit
diese in Ruhe fressen können.
Mittlerweile waren wir mit allen
Pferden komplett auf Naturfutter
umgestiegen: Heucobs, Rübenschnitzel,
Hafer, Gerste,
Möhren, Äpfel, Ingwer, Schwarzkümmelöl,
sehr gutes Heu und
Stroh. Neujahr ging es langsam,
aber stetig besser. Er nahm etwas
zu, fühlte sich wohl, das Fell
sah besser aus. Er war sehr munter,
aber richtig zufrieden war
ich (bzw. wir Mädels) noch nicht.
Neujahr bekam noch mehr Futter,
ging viel mit uns spazieren,
hatte Spaß.
Dann wurde uns der Stall gekündigt.
Warum? Keine Ahnung, ist
auch egal! Wir hatten noch eine
riesige, traumhafte Weide mit altem
Bachlauf und altem Baumbestand
darauf, die wir separat
gepachtet hatten. Diese Wiese
war dann im Sommer 2006 das
vorläufige Zuhause unserer
Pferde.
Alles war o. k.: Er hatte genug
Gras, seine Herde, uns und mehrmals
täglich Futter. Trotzdem
wurde er wieder weniger, je weiter
es Richtung Herbst ging. Das
Gras war natürlich auch weniger
geworden, und so gab es
reichlich Heu dazu. Im Oktober
2006 war ich mit meiner Familie
eine Woche im Urlaub. Die beiden
Mädels und meine Mom haben
sich in dieser Zeit um Neujahr
gekümmert. Meine beste
Freundin hatte extra Urlaub genommen
wegen der Pferde und
unseres Hundes. Und wegen
Neujahr.
Als ich aus dem Urlaub wiederkam,
traf mich fast der Schlag, er
konnte sich kaum auf den Beinen
halten und hatte noch weiter
abgenommen. Ein Alptraum!
Obwohl alle ihn während meiner
Abwesenheit sooft gefüttert
haben, hatte er abgebaut. Wie so
oft weinte ich wieder um mein
Pferd. Zwar in letzter Zeit nicht
mehr so viel, es ging ihm ja gut,
aber in dem Moment traf es mich
mit voller Härte.
Was war nun schon wieder los?
Fragen über Fragen. Zum Glück
war wegen zwei anderer Pferde
der Tierarzt gerade da, den ich
direkt zu Neujahr schickte. Ich
dachte, ich müsste ihn direkt hier
und jetzt einschläfern!
Der Tierarzt meinte, er ist nicht
so weit, er hat noch Lebenswillen,
er wäre einfach am Verhungern.
Super, wen hatte ich bis
jetzt jeden Tag mit Futter voll gestopft?
Es war so unfair. Der Tierarzt
gab mir Turbobooster für
Neujahr und sagte, wir sollen ihn
von der Herde trennen und ein
eigenes Stück einzäunen, in dem
er rund um die Uhr Futter hat,
d. h. so viele eingeweichte Heucobs,
wie er mag. Das haben wir
dann direkt gemacht. Er hatte
jetzt immer eingeweichte Heucobs,
Hafer, Gerste, Mash, Rübenschnitzel
und Heu zur Verfügung.
Trotzdem war er sehr
schwach. Jeden Tag danach fuhr
ich mit einer Riesenangst zur
Weide, er könnte da liegen. O. k.,
irgendwann kommt einfach der
Tag X, und für ein ehemaliges
Rennpferd ist er mit 28 schon
sehr alt, aber ich möchte doch
nicht, dass mein Pferd stirbt, weil
es verhungert ist, trotz Fütterung.
Wir hatten in der Zwischenzeit
einen Offenstall für den Winter
und noch eine Weide in der Nähe
(ca. 9 Kilometer) gefunden. Dort
wollten wir die Pferde schnellstmöglich
hinstellen, da sie dort
nochmal viel Gras hatten, und
das im Oktober. Bloß wie kamen
wir dahin? Bis dato sind wir zu
Fuß, geritten und unsere alten
Pferde als Handpferde dabei. Die Strecke erschien mir für Neujahr
in seiner Lage viel zu weit, er war
zu schwach. Also haben wir einen
Hänger geliehen und alle unsere
Pferde verladen. Ausgerechnet
als ich Neujahr und seinen
Opi-Kumpel Felix (32) im
Hänger hatte, musste ich stark
bremsen, weil mir jemand die
Vorfahrt nahm, sonst wäre sie
mir voll reingefahren. Dann gab
es einen Knall im Hänger. Meine
Freundin meinte, sie könne
Neujahr nicht mehr sehen! Wie?
Ich dachte, ich werde wahnsinnig
vor Sorge.
Sie schaute nach und er lag im
Hänger, aber ganz friedlich, er
war zu schwach und konnte sich
nicht mehr auf den Beinen halten.
Der arme Kerl! Wir fuhren
weiter, da er so ruhig lag. An einer
Ampel stand er wieder auf.
An der neuen Weide angekommen,
rutschte er auf der Rampe
aus und flog nochmals hin. Oh
Gott, ich hielt das nicht mehr aus!
Er stand schnell wieder auf. Ich
gab ihm und seinem Kumpel direkt
Notfalltropfen und wir stellten
sie auf die neue Weide. Er hat
sich direkt auf das fette Gras gestürzt.
Wir fuhren los und holten
die nächsten Pferde. Als wir
wieder kamen, lag er komplett
auf der Wiese – ich dachte, so,
das war es jetzt, es war einfach
alles zu viel für ihn. Ich habe sofort
angefangen zu heulen, meine
Nerven lagen blank. Meine
Mom und meine Freundin auch.
Sie ging auch hin und schaute
nach ihm. Aber Gott sei Dank, er
schlief tief und fest und war einfach
k. o. Erst als sie direkt neben
ihm stand, bewegte er sich.
Wir trennten ihm wieder ein
Stück ab, sodass er wieder rund
um die Uhr Futter hatte und die
anderen Pferde nicht an seine Eimer
kamen. Inzwischen hatte ich
ihn eingedeckt, weil es kälter
wurde. Ich wollte ihn aber auch
nicht allein in den neuen Stall
bringen, da es ihn zu sehr aufgeregt
hätte, ohne seine Herde.
Ich wusste nicht mehr, was ich
mit Neujahr machen sollte, es
wurde trotz der 24-Stunden-Fütterung
nicht wesentlich besser.
Mittlerweile hatte meine Freundin
im Internet Hilfe für Neujahr
gesucht und war dabei auf Frau
Nehls und ihren Artikel mit der
Haaranalyse gestoßen, die wir
machen lassen wollten. Gesagt,
getan. Hier gilt an erster Stelle
schon mal ein ganz herzlicher
Dank an meine beste Freundin
Jeanette, dass sie dies für mich
in die Hand genommen hat, denn
zu der Zeit lag meine Oma (mittlerweile
verstorben) sehr
schlimm im Krankenhaus und
mein Kopf war nicht wirklich
frei. Die Auswertung der Haaranalyse
kam superschnell, Neujahr
war ein absoluter Notfall. Er
war am Verhungern trotz des
ganzen Futters, das ihm zur Verfügung
stand. Frau Nehls fand
heraus, dass es einfach nicht das
richtige Futter für seinen Bedarf
war, obwohl das Naturfutter an
sich für normale Pferde ein optimales
Futter ist. Alle seine
Werte waren im Keller, er hatte
starke Mangelerscheinungen
und Defizite. Frau Nehls machte
uns deutlich, dass die Therapie
bei der Fütterung anzusetzen
sei. Sie empfahl uns für Neujahr
spezielle gehaltvolle und
natürliche Futtermittel, die wir
bis dato nicht kannten. Zusätzlich
bekam Neujahr einige
homöopathische Mittel verordnet
und eine Darmkur.
Frau Nehls machte uns einen genauen
Fütterungs- und Genesungsplan
für Neujahr, an den
wir uns strikt hielten. Meinem
Mann und meinem Vater bin ich
sehr dankbar, sie fuhren sofort
los, um das Futter abzuholen, sodass
Neujahr das Futter direkt
nach der Auswertung der Haaranalyse
zu fressen bekam. Es dauerte
keine drei Wochen, und man
konnte die ersten Erfolge schon
deutlich sehen. Neujahr sah fast
wieder aus wie ein Pferd! Sein
Zustand besserte sich täglich und
er nahm immer weiter zu. Das
war toll!
Anfang Dezember sah er schon
viel besser aus. Bis zum Januar
hat er noch mehr zugenommen,
sodass er wieder richtige Rundungen
hat. Niemals hätte ich
mir eine so schnelle Besserung
nach dem ganzen Rumgedoktere
der letzten Jahre erwartet!
Heute, im Februar/März 2007,
geht es Neujahr richtig, richtig
gut! Er strotzt vor Lebenswillen
und Energie und ist wieder richtig
verrückt geworden, er springt,
galoppiert und trabt umher, betreibt
wieder Fellpflege mit seinen
Pferdefreunden und animiert
die anderen Pferde mitzurennen,
er steigt und buckelt –
kurz, er macht alles, was ein gesundes,
glückliches Pferd so
macht! Obwohl ich manchmal
glaube, dass er denkt, er sei erst
3 oder 4 Jahre alt oder noch jünger.
Es ist schön, ihn einfach so
voller Lebensfreude zu sehen. Er
ist wie ausgewechselt und ich bin
dankbar, dass der arme Kerl so
lange durchgehalten hat, bis ihm
endlich jemand helfen konnte,
nach all den Jahren. Er hat mich
nicht aufgegeben, dass ich irgendwann
das Richtige finde
bzw. meine Freundin. Denn hätte
ich sie nicht kennen gelernt,
wäre ich auch nicht auf Frau
Nehls getroffen, ihr gebührt
mein/unser ganzer Dank. Also:
Nochmals vielen, vielen Dank an
Sie, Frau Nehls, Sie haben meinem
Pferd das Leben gerettet!
Wir sind froh, dass es so jemanden
wie Sie gibt, und werden Sie
überall weiterempfehlen. Vielen
Dank natürlich auch an den Futtermittelhersteller
mit seinem
Spitzenfutter. Danke an alle drei,
ohne die Neujahr bereits nicht
mehr da wäre – und an meine
Familie, die die ganze Zeit hinter
mir gestanden hat.
Sabine Trager-Stoffels und Jeanette
Vollmert
Kontakt:
jvollmert@imgworld.com
Neujahr war – man mag es kaum
glauben – in all den Jahren mein
"leichtester” Fall:
Tierheilkundezentrum,
Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Am Buchholz 3
33014 Bad Driburg
Tel.: 05648 963335
Fax: 05648 963334
Mobil: 0173 5157633
www.tierheilkundezentrum.de
E-Mail: tierheilpraxis1@t-online.de
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