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Sauber, glänzend
und schick frisiert Ob seidige Glätte oder Lockenpracht, ob Fasanenschweif oder
Bauernzopf: Mähne und Schweif beeindrucken uns Pferdefreunde
ganz besonders.
Doch das Langhaar des Pferdes soll nicht bloß schön sein. Seit
Jahrmillionen hat es auch die Aufgabe, das Pferd zu schützen.
Haarstruktur und Fülle spiegeln die Gesundheit des Pferdes wider. Daher soll Mähnen- und Schweifpflege die Funktionsfähigkeit
des Langhaars erhalten. Darüber hinaus unterstreichen aparte
Frisuren den Typus Ihres Pferdes.
Der PFERDEANZEIGER zeigt Ihnen auf, welches Handwerkszeug
und welche Pflegeprodukte Sie benötigen und wie Sie Ihren
vierbeinigen Sport- und Freizeitkameraden "mit Pfiff" frisieren.Zum Thema
Warum wachsen Mensch und
Tier überhaupt Haare? Was hat
die Fütterung mit der Haarfülle
zu tun?
Soll man Mähne und Schweif nun
bürsten oder lieber kämmen?
Wie lange braucht ein Schweifhaar,
um nachzuwachsen? Schadet
Shampoo dem Langhaar?
Warum halten bei dem einen Pferd
die Zöpfchen und beim anderen
nicht? Wie, bitte, flicht man einen
Zopf, der sich nicht nach dem ersten
Arbeitstrab auflöst?
Diese und noch viel mehr Fragen
beantworten wir auf den
nächsten Seiten.
Das Haarkleid:
Haut und Haare sind eine
geniale Erfindung der
Natur
Nur gesundes Haar ist schönes
Haar. Fell und Langhaar dienen
dem Temperaturausgleich und
schützen vor Nässe, Wind und
UV-Strahlen. Je nach Fülle und
Wuchsrichtung lenken sie Regenwasser
gen Boden. Sie halten
Insekten fern, tarnen – und
schmücken. Ein schönes Pferd
wird durch eine seidige Mähne
und einen dichten, wehenden
Schweif noch attraktiver!
Was wir sehen, ist der Haarschaft.
Er wächst aus einer zur Zwiebel
verdickten Haarwurzel. In diese
ragt von unten her ein zapfenförmiges
Gebilde mit Blutgefäßen
und Pigmentzellen hinein
– die Haarpapille. Meist sitzen
die Haare schräg in der Haut und
können durch einen kleinen Muskel
aufgerichtet werden.
Zwischen Muskel und Haar
liegen winzige Talgdrüsen, deren
öliges Sekret das Haar geschmeidig
hält. Kein Haar wächst
endlos – beim Kopfhaar des Menschen
hört das Wachstum bei maximal
80 Zentimetern auf.
Die Bausteine der
Haargesundheit
Beim Pferd hängen Länge und
Dichte des Langhaars von Rasse
und Typus ab. Seine Gesundheit
wird durch drei Bausteine wesentlich
beeinflusst:
■hochwertige Fütterung, die
Haut und Haar von innen optimal
versorgt.
■umsichtige Pflege mit sorgsam
ausgewählten Pflegewerkzeugen,
■pflegende Substanzen, die das
Haar reinigen und geschmeidig
halten.
Auch Haare brauchen
Nährstoffe
Der Spiegel offenbart es: Gesunde
Vollwertkost kräftigt unser
eigenes Haar und lässt es glänzen.
Auch Fell und Langhaar des
Pferdes spiegeln die Qualität von
Rau- und Kraftfutter wider. Nicht jedes, auch ansonsten einwandfreies
Futter, enthält die gesamte
Fülle von Mineralstoffen und Vitaminen.
In diesem Fall stellen Ergänzungsfuttermittel
sicher, dass der
Stoffwechsel reibungslos funktioniert.
Erst dann werden sämtliche
Organe – somit auch die
Haut – ausreichend mit Nährstoffen
versorgt.
Haarprobleme?
Lassen sich lösen …
Ist das Langhaar stumpf und
spärlich? Vielleicht fehlt Biotin,
das als Hufvitamin bezeichnete
Vitamin H. Sollen Fell und Mähne
noch mehr glänzen?
Dann ist Leinsamen das Zaubermittel.
Musste er früher umständlich
vorgequollen werden,
lassen sich die modernen Aufbereitungen
ohne aufwändige
Vorbehandlung verfüttern.
Schleim- und Ballaststoffe und
ungesättigte Fettsäuren reinigen
den Darm von schädigenden
Rückständen. Die Haut wird besser
durchfettet, das Fell glänzender.
Auch kalt gepresste Pflanzenöle
sind Haarverschönerer. Hergestellt
aus Weizen- und Maiskeimen,
Öl- und Kräutersamen, liefern
sie nicht nur energiereiche
Nährstoffe. Sie fördern auch die
Sauerstoffversorgung des Organismus
und damit die Hautgesundheit.
Extratipp
Auch Parasitenbefall hat
großen Einfluss auf Fell und
Langhaar. Daher das Pferd regelmäßig
entwurmen und auf
Hautparasiten wie Läuse und
Haarlinge untersuchen.
Die richtige Pflege:
Bürsten und kämmen
mit Verstand
"Einhundert Bürstenstriche
morgens und abends!" war
Großmutters Zaubermittel für
die Haarpracht. Das Bürsten entfernt
Staub und mit dem
Schweiß ausgeschiedene Salzpartikel
und Hautschüppchen
Das heißt: Es reinigt das Haar
auf mechanische Weise. Zugleich
verteilt es das ölige Sekret
entlang des Haarschaftes
und lässt es glänzen.
Die Massage der Hautoberfläche
regt die Durchblutung an. Dadurch
werden mehr Nährstoffe
zu den Haarwurzeln transportiert.
Das Gleiche gilt auch für
Mähne und Schweif unseres vierbeinigen
Partners. Wichtig dabei:
das Langhaar sanft behandeln,
auch wenn es sich verwirrt
oder sogar verknotet hat.
Dazu gehört nicht irgendeine
Bürste, sondern das richtige
Pflegewerkzeug:
■Mit weicher Bürste oberflächlichen
Staub, Sand und getrockneten
Schlamm von Mähne,
Schöpf und Schweif entfernen.
■Verklebte Stellen zunächst vorsichtig
zwischen den Fingern
zerreiben (notfalls dünne
Gummihandschuhe anziehen).
Oder – siehe unten – mit
Mähnenspray oder Mähnenspray
einreiben/einsprühen
und auflösen.
■Verknotungen entstehen häufig
in langen Mähnen und
Schweifen, vor allem bei Paddock-
oder Weidehaltung oder
wenn Pferde gern liegen. Bitte
behutsam mit der Hand entwirren
und nicht den Kamm
mit Gewalt einsetzen. Auch
hier erleichtert Mähnenspray
die Arbeit!
■Mähne und Schopf mit angefeuchteter
Bürste glatt bürsten;
hierfür sind auch Noppenbürsten
mit Gummibett aus
dem Fachhandel für Hundebedarf
geeignet.
■Starren Mähnenkamm möglichst
selten benutzen. Und
wenn, nur vorsichtig, um keine
Mähnenhaare auszuziehen.
Pferdefreundlicher sind die
neuartigen Pferdekämme mit
flexiblen Zinken.
■Schweifhaare einzeln von
Hand verlesen – keinen Kamm
oder gar Striegel benutzen.
Schweifhaare benötigen bis zu
zwei Jahre, um wieder komplett
nachzuwachsen! Extratipp
Naturborsten sind teurer. Anders
als Kunststoffborsten verhindern
sie jedoch das statische
Aufladen der Haare, was
die einzelnen Strähnen unschön
aus der Reihe tanzen
lässt.
Stabile Rundbürsten mit
Wildschweinborsten (aus der
Drogerie) bringen besonderen
Glanz in Mähne und
Schweif.
Außerdem entfernen sie leichter
im Langhaar Streureste,
zum Beispiel von Sägespänen.
Was bewirken besondere
Pflegemittel?
Eigentlich müsste man sie Pferdekosmetika
nennen. In hochwertiger
Ausführung können sie
sich durchaus mit guten Pflegeprodukten
messen, mit denen
auch wir Menschen Haut und
Haar verschönern. Ein Selbstversuch
mit einem der neuen
Sprays, Liquids, Ölen und Gels
mag überzeugen!
Fell- und Mähnensprays sind sogenannte
Striegelhilfen. Sie machen
Fell und Langhaar staubund
schmutzabweisend. Urin-,
Mistflecke und Verkrustungen
lassen sich nach Tagen noch leicht
abbürsten. Verknotungen im
Langhaar werden leichter gelöst,
ihre Neubildung verhindert. Seidenproteine
lassen Fell und
Langhaar erstrahlen.
Mähnenliquids sind wirksame
Haarwässer für Mähnengrund
und Schweifrübe. Durch natürliche
Wirkstoffe wie Weidenrinde,
Harnstoff und Schwefel lösen
sie Schuppen, wirken antibakteriell
und erneuern die Haut. Außerdem lindern sie den
Juckreiz. Das beugt abgescheuertem
Langhaar – kahlen
Schweifrüben und kurzen unansehnlichen
Mähnen – vor.
Shampoos sollen mehr als nur
reinigen. Waschaktive Substanzen
auf Kokosöl- und Wollfettbasis
oder in Kombination mit
Teebaumöl schützen, regenerieren
und beruhigen zugleich (speziell
auch irritierte) Haut.
Hautöle kräftigen und regenerieren
angegriffene Hautpartien
mit Wirkstoffen wie denen von
Ringelblume, Karotte und Johanniskraut.
In den Mähnenkamm
und am Schweifansatz
einmassiert, regen sie das Haarwachstum
an. Inhaltsstoffe wie
Schwefel mindern lästigen Juckreiz
und die Scheuerneigung.
Creme-Gels für Fell und Langhaar
enthalten unter anderem
aus Seidenfasern gewonnene Seidenproteine.
Diese wirken mit
Vitaminen und Pflanzenextrakten
tief im Haarschaft, spenden
Feuchtigkeit und unterstützen
die Haarstruktur. Durch die lichtreflektierenden
Mikropigmente
der Seide erhält das Langhaar einen
unvergleichlichen Glanz.
Wussten Sie
eigentlich,
... dass vor etwa 4000 Jahren
die Hethiter in Kleinasien bereits
Seifenkraut verbrannten,
die Asche in Wasser lösten
und sich damit wuschen?
Die Phöniker kochten Ziegentalg,
Wasser und kaliumhaltige
Asche und ließen die
Emulsion zu fester Seife eindampfen.
Dabei spalten sich die Fette
oder Öle in der Seife in
Fettsäuren und Glycerin. Diese
Bestandteile lösen Schmutz
und sorgen für die Rückfettung
der Haut.
Und tatsächlich handelt es sich
bei unserer heutigen Seife im
Prinzip – abgesehen von Farbund
Duftstoffbeimischungen
– noch um das gleiche Produkt,
das die Phöniker benutzten!Nasspflege:
Auf die richtige Waschtechnik
kommt es an
Die Natur sieht keine Wäsche
des Langhaars vor. Wilde Pferde
wälzen sich in Wasserlöchern,
schwimmen durch
Seen oder Flüsse oder werden
bei Regen nass. Sonne und
Wind trocknen Fell und Langhaar
wieder. Staub, Salze und
Schüppchen fallen von selbst
ab. Die Talgproduktion funktioniert
bei günstigem Nahrungsangebot
reibungslos.
Bei aller Freude an frischem,
schön gepflegtem Langhaar:
Achten Sie darauf, dass Mähne
und Schweif weder zu viel natürliches
Fett entzogen noch die
Haut an Mähnenkamm und
Schweifrübe zu sehr ausgetrocknet
und gereizt wird. Nur
hochwertige Pflegeprodukte mit
starker Rückfettung sind gut genug!
So wird’s gemacht: Mähne und
Schweif gründlich mit Schlauch
oder Gießkanne durchnässen.
Das Wasser sollte handwarm
und weder heiß noch kalt sein.
Mähnenschopf hinter die Ohren
legen, damit kein Wasser in die
Ohren dringt! Gästehandtuch zusammenrollen
und über die Stirn
legen, um die empfindlichen Augen
zu schützen.
Shampoo-Klecks mit etwas Wasser
in der hohlen Hand aufschäumen
und zunächst in die
Mähne einbringen. Niemals
Shampoo direkt aufs Mähnenhaar
auftragen!
Alternative: Shampoo direkt in
einem breiten Eimer aufschäumen
und die Strähnen partienweise
im Eimerwasser durchkneten.
Sorgsam alle Shampoo-Reste
handwarm ausspülen – dafür das
Wasser viele Male wechseln, bis
es ganz klar bleibt und die Mähne
"quietscht". Wasser mit der
Hand aus den Strähnen streifen.
Haarkur (aus der Drogerie) oder
spezielles Mähnen-Gel in die nassen
Mähnenhaare einkneten und
je nach Produkt mehr oder
minder lange einwirken lassen.
Die Inhaltsstoffe machen das
Haar weich und geschmeidig
und erleichtern das anschließende
Verlesen. Je nach Anweisung
ausspülen oder im Haar belassen.
Mähne und Schopf mit
Handtüchern trocknen – dabei
die Strähnen nur drücken, nicht
gegeneinander reiben!
Wenn erwünscht, zusätzlich
noch Mähnenspray großzügig
zwischen die Strähnen sprühen.
Strähnen sorgsam einzeln
verlesen. Mit dem Schweif ebenso
verfahren.
Extratipp
Zur natürlichen Schönheit der
Schweifhaare tragen Fütterung
und Entwurmung bei.
Sie fördern nämlich die reibungslose
Verdauung!
Setzt Ihr Pferd trockene, gut
strukturierte Kotballen ab?
Prima, dann bleibt auch der
Schweif länger sauber als bei
weichem, breiigem Kot. Besonders
unangenehm sind
Verklebungen durch Kotwasser.
Dieses Kotwasser weist oft auf
Verwurmung oder Stoffwechselstörungen
hin. Ursache
unbedingt tierärztlich abklären
lassen! Verklebungen
sind oft nur schwer, wenn
überhaupt zu lösen.
Weichen Sie den Schweif in
warmer Shampoolauge oder
mit warmem Babyöl auf.
Fellspray hilft auch nicht immer
zuverlässig. Im Extremfall
hilft nur, die verklebten
Stellen herauszuschneiden
und Schweifhaar zu opfern.
Alte Hausmittel
Großvaters Geheimrezepte
wirken auch heute noch
Alte Züchter kennen ihn noch,
den Trick mit dem Gerstensaft,
der Mähne und Schweif sehr viel
fülliger macht! Probieren Sie ihn
ruhig einmal aus!
Dazu eine Flasche Bier in einen
Topf schütten, leicht anwärmen,
Mähne und Schweif mit Wasser
ausspülen. Zunächst die Hälfte
des Biers portionsweise in Mähnenkamm
und Schweifrübe einmassieren.
Fünfzehn Minuten
einwirken lassen und ausspülen.
Dann die zweite Hälfte auftragen
und einmassieren. Mähne
und Schweif verziehen und
trocknen lassen.
Die Zwiebel ist in der Tat
ein wahres Wundermittel
Oder möchten Sie spärliches
Mähnenhaar fülliger machen?
Dann schneiden Sie eine große
Gemüsezwiebel in der Mitte
durch und massieren mit der
Schnittstelle gründlich den Mähnenkamm.
Zwiebeln enthalten
viel Schwefel, den der Organismus
zum Aufbau der Haarsubstanz
benötigt. Lassen Sie Ihr
Pferd aber anschließend unter
dem Zwiebelduft nicht leiden,
sondern waschen die Mähne eine
halbe Stunde später mit einem
milden Shampoo aus.
Mediendienst Wienkamp
Aktuell 79
Die Zwiebel als Pflegemittel: Mähne und Schweif
werden nach einer Behandlung fülliger. |
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