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Hygienemanagement im
Pferdebetrieb Pferdekot stellt gerade in Zuchtbetrieben ein großes Problem dar.
Er bietet Parasiten (Würmern) ein ideales Entwicklungsumfeld,
und wenn er nicht regelmäßig und vollständig entfernt wird, ist
diese Problematik nicht in den Griff zu bekommen. Denn sowohl
auf der Weide als auch in der Box nehmen die Pferde Würmer bzw.
ihre Entwicklungsstadien immer wieder beim Grasen und Fressen
auf. Der Kreislauf wird so für die Parasiten immer wieder geschlossen
und sie sterben niemals ab.Sogenannte Endoparasiten sind
überall vorhanden und werden
in gewissem Grad von Pferden
toleriert. Durch begrenztes
Raumangebot entsteht aber in jeder
Pferdehaltung ein Problem,
das durch Wurmmittel und Hygienemaßnahmen
gelöst werden
muss. Darmparasiten können
aufgrund ihres artspezifischen
Entwicklungszyklus verschiedene
innere Organe schädigen
(Blutgefäße, Lunge, Leber, Magen-
Darm-Trakt).
Hierbei kann es von leichten Irritationen
bis zu schweren Organschädigungen
kommen,
manchmal sogar mit Todesfolge.
Außerdem steigt bei Verwurmung
von Pferden die Kolikgefahr.
Äußerlich sind Anzeichen
eines Wurmbefalls meist nur geringfügig
oder gar nicht zu erkennen.
Es kann bereits zu einem
gefährlichen Befall eines
Pferdes gekommen sein, obwohl
es äußerlich gesund erscheint. Es
können folgende Symptome zu
beobachten sein: stumpfes Fell,
Abmagerung, aufgeblähter
Bauch, Kümmern bzw. Wachstumshemmung,
Scheuern an der
Schweifrübe, Husten, Nasenausfluss,
Durchfall, Kolik. Es gibt
kleine Strongyliden, Spulwürmer,
Magendasseln, Bandwürmer,
daneben große Strongyliden
(Blutwürmer), Zwergfadenwürmer,
Pfriemenschwänze
u. a.
Nach Kenntnis dieser Situation
ist es jetzt aber nicht geraten, in
blinden Aktionismus zu verfallen
und den Pferden reihum alle
Wirkstoffe zu verabreichen, die
auf dem Markt sind oder immer
wieder das gleiche Wundermittel,
auf das jeder schwört. Es ist
auch nicht richtig, die Mittel routinemäßig
zu wechseln, damit
sich keine Resistenzen bilden
oder alle drei Monate eine Wurmkur
zu geben, ohne zu hinterfragen,
mit welchen Inhaltsstoffen.
All diese Vorgehensweisen
beruhigen das Gewissen, können
aber zu massiven Problemen
bei den Pferden führen, und die
Umwelt unnötig belasten sowie
natürlich den Geldbeutel schädigen.
Der Impfplan für den eigenen
Betrieb sollte vielmehr
sorgfältig überlegt und mit dem
Tierarzt abgestimmt werden.
Er hängt ab von …
■dem Befall der Pferde: dieser
ist über Kotproben zu ermitteln
(Vorsicht bei der Interpretation
des Befunds im Winter
und manchmal auch im Sommer!). Kotproben sollten
vor einer Behandlung zu einem
Untersuchungslabor geschickt
werden, und 14 Tage
nach der Behandlung nochmal,
um den Erfolg einzuschätzen.
■dem Ansteckungsrisiko auf
der Weide: Besatzdichte, fremde
Pferde, Weide-Management,
regionale Verseuchung.
■dem gewählten Medikament
(verschiedene Behandlungsabstände),
4-mal pro Jahr reicht
in der Regel nicht.
■dem Alter der Pferde: Fohlen
und Jungpferde müssen wesentlich
häufiger entwurmt
werden.
Falsch ist es, zu glauben, mit Medikamenten
und dem richtigen
Entwurmungsplan könne man
das Problem der Darmparasiten
vollständig lösen. Vielmehr können
Behandlungen nur helfen,
wenn gleichzeitig das Haltungsmanagement
darauf abgestellt
wird.
Nach Wurmkuren sollten die
Pferde, da es zu einer Massenaustreibung
der Parasiten
kommt, drei Tage im Stall verbleiben,
wo sorgfältig ausgemistet
und anschließend desinfiziert
werden kann. Außerdem belastet
die Behandlung den Organismus,
weshalb Pferde nicht
gleichzeitig weiterem Stress unterworfen
werden sollen. Der Abstand
zu einer Impfung sollte
mindestens 14 Tage betragen.
Nachdem mit dem Tierarzt eine
sinnvolle Strategie zur Entwurmung
des Bestands erarbeitet
wurde, liegt es am Betriebsleiter,
wie auch schon bei den Impfungen,
diese umzusetzen. Denn sobald
die Pferde nicht mehr in ihrer
eigenen Box allein gehalten
werden, sondern mit anderen
Pferden zusammen auf Weiden,
Ausläufen oder Paddocks stehen,
handelt es sich um ein gemeinschaftliches
Problem. Die
artgerechte Haltung von Pferden
hat somit auch Konsequenzen
für Pferdebesitzer, über die sie
aufgeklärt werden müssen. Eine
vertragliche Regelung mit Einstellern
ist hier unumgänglich.
Über verabreichte Entwurmungen
muss Buch geführt werden,
sinnvoll ist es auch, die Termine
den Pferdepässen beizulegen,
wenn Pferde den Betrieb wechseln
oder verkauft werden. Bei
Neueinstellungen sollten, wenn
keine aussagefähigen Aufzeichnungen
vorliegen, die Pferde
zunächst in Quarantäne gestellt
und entwurmt werden, bevor sie
zu den anderen Pferden auf die
Weide gelassen werden.
Die allerwichtigste Maßnahme
ist nach wie vor das tägliche Absammeln
der Pferdeäpfel von
Weiden und Ausläufen. Denn
die unterschiedlichen Stadien der
Parasiten werden mit dem Kot
ausgeschieden und entwickeln
sich dort auch weiter. Sie sind
sehr widerstandsfähig, teilweise
können sie sogar auf der Weide
überwintern. Werden die Haufen
von den Pferden verteilt, ist
es unumgänglich, dass die Parasiten
beim Grasen wieder aufgenommen
werden.
Da Weidegang und Auslauf bei
zunehmend artgerechter Haltung
vermehrt angeboten werden,
handelt es sich um ein organisatorisch-
wirtschaftliches
Problem, das beim Betriebsmanagement
auf jeden Fall als bedeutender
Faktor eingeplant
werden muss. Mittlerweile gibt
es Pferdeäppel-Sauger, mit denen
effizient auch auf großer
Fläche gearbeitet werden kann.
Deshalb sollte auch Überbesatz
auf Flächen vermieden werden.
Denn wenn die Ausscheidungen
von den Pferden verteilt sind, bevor
sie entfernt werden konnten,
wenn Parasiten quasi am ganzen
Futterangebot kleben, sind Probleme
unvermeidbar.
Die Wurmbelastung steigt von
Juni bis September kontinuierlich
an und bleibt bis zum Ende
der Weidesaison hoch.
Je nach Flächenangebot ist es
möglich, eine Wechselbeweidung
mit Rindern durchzuführen
(ein Jahr Pferde, ein Jahr
Rinder). Pferdeparasiten schädigen
Rinder nicht und sind danach
weitgehend verschwunden.
Eine weitere Bekämpfungsmaßnahme
stellt die Düngung der
Weiden im Frühjahr mit Kalkstickstoff
dar.
Selbstverständlich sollte Futter
nicht auf verunreinigtem Boden
(in Box oder Paddock) vorgelegt
werden. So natürlich dann auch
die Fresshaltung des Pferdes ist,
Parasiten gelangen wieder in das
Tier hinein. Krippen, Raufen und
Tränken sollten, auch auf der
Weide, regelmäßig gereinigt
werden, denn es lässt sich nicht
vermeiden, dass Kotreste
hineinfallen.
Zusammenfassend ist zu sagen,
dass Wurmkuren und Hygienemaßnahmen
den gesamten Bestand
betreffen. Einzelmaßnahmen
sind sinnlos. Daher muss
der Betriebsleiter Kunden aufklären,
für die Umsetzung verantwortlich
zeichnen und – bei
unterschiedlichen Pferdebesitzern
– die zusätzlichen Kosten in
Rechnung stellen.
Qualifizierungen für Pferdehalter
finden regelmäßig in der Kölner
Pferde-Akademie statt: am
11. Mai ein Spezial-Seminar zum
Thema "Alternative Verfahren
der Mistentsorgung”, von 17. –
20. Mai FN-Sachkunde (Halterpass
für Pferdebetriebe), ab 27.09.
2007 Pferdewirt für Seiteneinsteiger.
Weitere Infos:
Tel. 0221 4064824 oder
info@KoelnerPferdeAkademie.de |
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