 |
| Fütterung & Haltung
|
 |
Vollständigen Artikel mit Bildern als PDF herunterladen: Fütterung & Haltung |
 |
 |
Textversion:
Nur Hafer, Heu & Wasser? Ein Pferd frisst Hafer - das weiß
jedes Kind. Doch das ist beileibe
nicht so. Es gibt Pferde, die
in ihrem ganzen Leben kein einziges
Haferkorn sehen. Diese
Vierbeiner werden mit ‚anderem‘
Futter versorgt.
Traditionell ist der Hafer bei uns
das Kraftfutter für Pferde. Die
Gründe liegen einfach in der
Verwendbarkeit der Getreide.
Weizen, Roggen und auch Gerste
wurden für andere Zwecke
verwendet.
In anderen Gegenden der Welt
werden die Pferde auch heute
noch mit anderem Getreide als
mit Hafer gefüttert. Zum Teil
gibt es in diesen Gebieten keinen
Hafer, in anderen Fällen ist
der Hafer dort zu wertvoll, um
an Pferde verfüttert zu werden.
Ein sehr beliebtes Getreide für
Pferde ist die Gerste. Aber auch
Hirse wird in vielen südlichen
Gegenden der Welt an Pferde verfüttert.
In den USA, wo Mais in
großen Mengen angebaut wird,
hat sich dieser Mais zu einem beliebten
Pferdefutter entwickelt.
Nährwert:
Gerste? Hafer? Mais?
Weizen?
Grundsätzlich ist es unerheblich,
welches Getreide dem
Pferd gegeben wird. Es muss allerdings
der unterschiedliche
Nährwert der Getreide berücksichtigt
werden.
Von der Gerste muss das Pferd
zum Beispiel etwas mehr erhalten
als vom Hafer, der Mais ist
in vielen Inhaltsstoffen höher anzusetzen
als der Hafer.
In wenigen Fällen wird Weizen
in der Pferdefütterung verwendet.
Das hat einfach damit zu tun,
dass Weizen das wertvollste Getreide
ist und vor allem zur
menschlichen Ernährung (Brot,
etc.) Verwendung findet.
Ein Idealfall ist selten
Über viele Jahrhunderte wurden
Pferde in unseren Breiten mit Hafer
und Gras oder im Winter eben
mit Heu gefüttert. Im Idealfall ist
eine solche Fütterung auch für
ein hart arbeitendes Pferd ausreichend.
Doch der Idealfall tritt
nur selten ein.
Nährstoffe
Damit ein Pferd alle Nährstoffe in
richtiger Zusammensetzung und
in ausreichender Menge erhält,
müssen der Hafer und auch das
Heu sich in einem optimalen Zustand
befinden. Dies ist aber beim
Hafer und auch beim Heu nur eine
kurze Zeit im Jahr der Fall.
Weil das so ist, hat sich seit einigen
Jahrzehnten durchgesetzt,
den Pferden neben dem Hafer und
dem Heu mindestens noch ein Mineralfutter zu geben, das die Mängel,
die Hafer und Heu während
der längsten Zeit des Jahres aufweisen,
ausgleichen kann.
In solchen Mineralfuttern sind
Vitamine, Spurenelemente und
Mineralien in ausreichender
Menge und immer in der gleichen
Zusammensetzung vorhanden.
Höchste Werte
Grundsätzlich kann man davon
ausgehen, dass der Hafer einige
Wochen nach der Ernte die
höchsten Werte aufweist, die
dann mit weiterer Lagerung immer
deutlicher abnehmen.
Es gibt Pferdehalter, die der Ansicht
sind, wenn sie den Hafer
frisch gekauft haben und er
frisch angeliefert wurde, ist er
auch im März noch frisch.
Doch dazu muss man einfach
mal nachdenken: Die Erntezeiten
sind in Mitteleuropa in jedem
Fall im Herbst. Auch wenn
der Hafer im März geliefert
wird, hat er eine Lagerzeit hinter
sich.
Grundnahrung Hafer:
Kaum noch
schlechte Qualität
Guter Hafer ist trocken und frei
von jeglichem Schimmel. Der
Hafer darf nicht muffig riechen
und sollte gereinigt sein. Futterhafer,
der heute bei einer
Mühle oder bei einer Genossenschaft
gekauft wird, ist fast
immer gereinigt. Wenn man den
Hafer direkt von einem Bauern
kauft, wird man unter Umständen
ungereinigten bekommen.
Der Vorteil, gereinigten Hafer zu
verfüttern, ist nicht in den Nährstoffen
zu suchen. Pferde sind
sehr staubempfindlich, und der
gereinigte Hafer enthält natürlich
sehr viel weniger Spelzen
und Staubpartikel.
Der Laie kann die Qualität des
Hafers nur am Geruch, an der
Sauberkeit und an der Größe der
Haferkörner einschätzen. Er hat
darüber hinaus die Möglichkeit,
den Hafer in seinem grundsätzlichen
Gehalt beim sogenannten
Litergewicht zu bestimmen. Dazu
wird ein Behälter, der genau
einen Liter groß ist, gefüllt mit
Hafer und danach gewogen.
Gewichtig
Ein Liter Wasser wiegt ein Kilo,
das weiß man. Ein Liter Hafer ist
leichter. Es sollte aber ein Litergewicht
von einem halben Kilo
bis 0,6 Kilo erreicht werden können.
Das Litergewicht sagt allerdings
nur Grundsätzliches
über die Haferqualität aus.
Wichtiger ist es zu wissen, dass
in Deutschland und auch in unseren
Nachbarländern über die
Genossenschaften eigentlich kein
schlechter Hafer mehr verkauft
wird.
Höhere Ration
Wenn es sich um Hafer handelt,
der unterhalb des hohen heutigen
Qualitätsniveaus angesiedelt
ist, wird der Käufer fast immer
darauf hingewiesen, und der
Preis wird verringert. In einem
solchen Fall muss die Hafer-Ration
natürlich erhöht werden.
Der Hafer-Käufer hat heute also
eigentlich nicht mehr die Notwendigkeit,
den Hafer in jeder
Partie zu kontrollieren und zu
entscheiden, ob der Hafer in seiner
Qualität abgenommen werden
kann oder nicht.
Veränderung
der Nährwerte
Der Pferdebesitzer, der den Hafer
selbst bezieht, weil er seine Pferde
selbst füttert, muss allerdings
darüber nachdenken, dass sich der
Hafer im Laufe des Jahres in seinen
Nährwerten verändert.
Direkt nach der Ernte sollte frischer
Hafer nicht gefüttert werden.
Der Hafer muss einige Zeit
(ein paar Wochen) liegen und
ausschwitzen. Das ist banal mit
frischem Brot zu vergleichen, das,
noch warm gegessen, ebenfalls
Magenschmerzen verursachen
kann.
Beste Qualität
Nach der Lagerung (vorher wird
der Hafer oftmals von den
Mühlen und Genossenschaften
gar nicht abgegeben), hat der Hafer
seine beste Qualität. In den ersten Monaten verliert
der Hafer in der Lagerung nur
unbedeutend an Werten. Das
heißt, bis zum Monat Dezember,
in manchen Jahren auch bis in
den Monat Januar, kann davon
ausgegangen werden, dass der
Hafer in gleicher Menge verfüttert
werden kann.
Mineral-Futter
Zum Anfang eines neuen Jahres
muss dann aber einkalkuliert
werden, dass der Hafer an Werten
verloren hat. Zu diesem Zeitpunkt
sollte die Ration etwas erhöht
werden. Solche Erhöhungen
sollen allmählich und nur in
zehn bis zwanzig Prozentsätzen
erfolgen.
Auch ein sehr sparsamer Pferdehalter,
der aus Gründen des
Geldbeutels in der Sommerzeit
auf eine Zufütterung eines Mineralfutters
verzichtet, sollte im
Winter nicht an der falschen Stelle
sparen. In den Wintermonaten
bis nach der neuen Haferernte
ist ein Ausgleich durch ein Mineralfutter
dringend notwendig
- wenn man seine Pferde optimal
ernähren will.
Grundnahrungsmittel Heu:
Sonne verbessert
die Qualität
Beim Heu ist es notwendiger,
auf die Qualität zu achten als
beim Hafer. Der Hafer kann in
schlechten Jahren auch aus anderen
Regionen eingeführt werden.
Heute ist eigentlich sichergestellt,
dass in jedem Jahr eine
ausreichende Menge an qualitätvollem
Hafer angeboten ist.
Beim Heu ist das nicht ganz so
einfach, weil das Heu ein sehr
großes Volumen hat und auf langen
Transporten erheblich teurer
wird. Das Heu wird also in
erster Linie in der Region geerntet
und gekauft, in der es auch verfüttert
wird.
Gut und schlecht
Jeder weiß, dass es gerade im
Sommer, wenn Heu geerntet
wird, in einem Ort regnen kann
und im anderen scheint die Sonne.
Es gibt also fast in jedem Jahr
sehr gutes und auch sehr schlechtes
Heu.
Beim Heu gilt wie beim Hafer:
Es muss gut aussehen, gut riechen,
es muss natürlich trocken
sein und darf keine Schimmelstellen
aufweisen.
Langer Halm
Heu für die Pferdefütterung darf
sehr lange auf dem Halm gestanden
haben. Viele Pferdebesitzer,
die selbst Heu machen,
lassen im Gegensatz zu Rinderzüchtern
das Gras über einige
Wochen länger stehen, bevor sie
es mähen.
Das Pferd liebt einen langen
und auch etwas härteren Halm.
Die Pferde werden dadurch zu
einem längeren Kauen veranlaßt.
Das führt zu einer stärkeren
Einspeichelung und diese
wiederum zu einer besseren
Verdauung.
Erster Schnitt
In der Pferdefütterung sollte möglichst
nur der erste Schnitt des Heus
verwendet werden. Der zweite
Schnitt, der regional unterschiedlich
Öhmd oder auch Krummet
genannt wird, eignet sich weniger
gut zur Pferdefütterung,
denn er besteht aus erheblich dünneren
und kürzeren Gräsern.
Verklebungen
und oft auch Koliken
Die Pferde fressen den zweiten
Schnitt in der Regel sehr gern.
Sie verdauen diesen zweiten
Schnitt oft aber schlecht, es
kommt im Magen zu Zusammenballungen
und Verklebungen,
die zu schweren Koliken
führen können.
Wenn zweiter Schnitt angefallen
ist, den man nicht einfach
verderben lassen kann, sollte
man Heu aus dem ersten Schnitt
mit dem Heu aus dem zweiten
Schnitt jeweils zur Hälfte vermischen.
Beim Heu ist ebenso wie beim
Hafer zu berücksichtigen, dass
es mit längerer Zeit der Lagerung
an Inhaltsstoffen verliert.
Auch Heu darf nicht sofort nach
der Ernte verfüttert werden.
Mindestens sechs Wochen sollten
vergehen, bevor das Heu
nach der Ernte den Pferden vorgelegt
wird.
Mediendienst Wienkamp |
 |
 |
Nächste Artikel dieser Ausgabe: Internetz, Kalender, Kurse, Marktplatz, Medizin & Gesundheit, Ponyland |
 |
| zurück |
 |
|
|