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Das Pferd im Sommer Nach den Monaten der Nässe und Kälte sehnt der Pferdehalter die
sommerlichen Wochen und Monate herbei. Dann können die Pferde
auf die Weide, und im satten Grünlandparadies sind sie dann
bis zum Ende der Weideperiode gut versorgt und gut untergebracht.
Das allerdings nur, wenn mit Bedacht und Sorgfalt die Voraussetzungen
für eine artgerechte Weidehaltung geschaffen werden.
Die gut gepflegte Wiese bekommt man nicht zum Nulltarif, und
so sind die Themen Düngung, Unkrautbekämpfung und Parasitenbefall
in jedem Jahr wieder aktuell.
Zäune müssen aufgestellt beziehungsweise inspiziert werden. Die
Wassertränke muss stets sauberes Wasser liefern, außerdem ist ja
die Weide Lieferant von Heu und Silage.
In der Kombination all dieser Gesichtspunkte ist die Pferdepflege
im Sommer durchaus aufwändig, in jedem Falle aber erforderlich.
Wer seine Pferde auf die Weide jagt, um sie sich selbst zu
überlassen, verstößt gegen Gesetze des Tierschutzes und erweist
sich als nicht fachgerechter Pferdehalter.
Mit unserem aktuellen Sonderthema ‘Das Pferd im Sommer’
geben wir Tipps und Hinweise, wie man Pferde in den Sommermonaten
optimal und artgerecht im Außenbereich
hält und pflegt. Die Weide im Sommer:
Kein uneingeschränktes
Paradies
Der Sommer gilt landläufig als
die schönste Jahreszeit, und
wir haben keinen Grund,
daran zu zweifeln. Die langen
Abende sind des Genießens
wert, und auch die
Pferde auf der Weide finden
im Grünland ein kleines Paradies.
Dies allerdings
nicht uneingeschränkt,
denn brütende Sonnenhitze,
lästige Fliegen, harter
Boden und viel zu fettes
Gras bergen viele Gefahren
für unsere draußen gehaltenen
Vierbeiner.
Das Koppelgras kann im Sommer
entweder besonders fett oder
völlig ausgetrocknet und damit
nutzlos sein. Ersteres ist für Pferde
wesentlich gefährlicher. Insbesondere
Ponys sind von Natur
aus genügsam und benötigen
kein besonders reichhaltiges Futter.
Man hält sie am besten auf
mageren Weiden.
Ist das Gras recht fett und das
Pferd oder Pony bereits gut
genährt, sollte man das Tier
nicht uneingeschränkt grasen
lassen.
Steht kein Stall zur Verfügung,
sollte das Pferd entweder auf eine
magere Koppel umgestellt
oder seine Weide mit Elektrodraht
in kleinere Abschnitte unterteilt
werden. Zur Not kann
man ihm auch zumindest für ein
paar Stunden am Tag einen Maulkorb
anlegen.
Ponys und Welsh-Cobs gedeihen
auf Schafweiden prächtig. Das
überfette Gras von Kuhweiden
ist für sie nicht geeignet.
Verdorrtes Gras
Ist das Koppelgras nach lang anhaltender
Trockenheit völlig verdorrt,
leidet das Pferd bald an
Futtermangel. Das führt - neben
Gewichtsverlust - zu Gesundheitsproblemen,
wie zum Beispiel
zu Kolik. In einem solchen
Fall müssen unbedingt Heu oder
Heucops zugefüttert werden. Reitpferde sollten am besten zusätzlich
Kraftfutter erhalten.
Als Faustregel kann man vom
normalen Futterbedarf eines im
Stall gehaltenen Pferdes ausgehen
und das Pferd zweimal am
Tag füttern. Die Fütterung eines
Koppelpferdes kann im Sommer
zu einem wahren Drahtseilakt
werden.
Schränkt man aus Angst vor
Hufrehe die Graszufuhr drastisch
ein, knabbert das Pferd
womöglich aus Hunger an Giftpflanzen
oder an den Koppelzäunen.
Füttert man es hingegen zu reichhaltig,
kann dies unter Umständen
zu Hufrehe führen. Im Zweifelsfall
sollte daher immer der
Tierarzt um Rat gefragt werden.
Frisches Wasser
Im Sommer sollte man mindestens
zweimal täglich die Wasserquelle
überprüfen, vor allem,
wenn sie sich nicht automatisch
nachfüllt. Bei heißem Wetter haben
Pferde einen ganzen Trog
schnell leer getrunken!
Frisches, sauberes Wasser ist für
die Gesundheit des Pferdes unerlässlich.
Auf genügenden Vorrat
sollte daher stets geachtet werden.
Sommerpflichten:
Ein Pferd liebt seinen
Unterstand
Wenn ein Pferd oder Pony den
ganzen Tag auf der Koppel verbringt,
braucht es nicht unbedingt
geritten zu werden. Will
man es jedoch nicht nur bei guter
Gesundheit, sondern auch in
seiner Leistungskraft erhalten,
sind Reitarbeit und zusätzliches
Kraftfutter nötig.
Damit erhält es zusätzliche Energie
und baut seine Muskulatur
auf. Die Rückenmuskeln sind
dabei besonders wichtig, da sie
das Gewicht des Reiters tragen
müssen. Um ein Koppelpferd
auch im Sommer für kleine Turniere
am Wochenende fit zu halten,
sollte es während der Woche
an mindestens drei Tagen eine
gute Stunde geritten werden.
Eine Stunde Unterricht in der
Woche sorgt beim Pferd für die
Bewegung der richtigen Muskeln
und tut auch dem Sitz des
Reiters gut!
Schützender Unterstand
Ein auf der Weide gehaltenes
Pferd benötigt unbedingt einen
Unterstand, der es vor Regen
wie Sonne schützt. Wenn keine
hoch gewachsenen Bäume oder
überhängenden Hecken vorhanden
sind, ist ein Offenstall
die richtige Lösung. Der beste
Fliegenschutz ist ein gut haftendes
Fliegenmittel mit Langzeitwirkung.
Tägliche Kontrolle
Die tägliche Kontrolle sollte das
Pferd, den Boden, den Wasservorrat
und die Umzäunung
einschließen.
■ Ein gesundes Pferd wirkt wach
und munter und hat ein glänzendes
Fell. Ist es dagegen ungewöhnlich
ruhig, müde oder
auch übernervös, mag dieses
ein Hinweis auf eine Krankheit
sein. Bei heißem Wetter
können Pferde, die keinen Unterstand
haben, einen Hitzschlag
erleiden.
■ Die Hufe auf Risse oder verlorene
Eisen überprüfen. Werden
Pferde von zu vielen lästigen
Fliegen geplagt, geraten
sie leicht in Panik und galoppieren
unkontrolliert auf
der Koppel herum. In der Aufregung
können sie sich leicht
verletzen.
■ Die Weide selbst ist auf Unrat
zu überprüfen. Es kommt immer
wieder vor, dass unachtsame
Spaziergänger ihren Abfall
in die Koppel werfen oder
am Koppelrand liegenlassen.
Dies kann für das Pferd sehr
gefährlich werden.
■ Die Tränke muss gut gefüllt
und sauber sein. Es gilt, eventuelle
brüchige Stellen im Koppelzaun
oder Löcher in der
Hecke auszubessern, bevor
das Pferd entwischt. Der Unterstand
darf ebenfalls keine
Schäden aufweisen. Kotballen
sind von der Koppel zu entfernen,
da sie vermehrt Fliegen
anziehen.
Sommerprobleme:
... wenn sich die Pferde
quälend wetzen
Man sieht es, und man leidet
mit: Das Pferd hat Juckreiz,
quält sich und wetzt bestimmte
Stellen nahezu ununterbrochen.
Die Sommerhitze
bringt Probleme mit sich.
Vor allem Fliegen und andere
lästige Insekten verlangen
dem Geduldstier Pferd einiges
ab.
Sommerräude
Ein Pferd, das sich ständig an
Mähne, Schultern, Widerrist und
Schweifrübe wetzt, leidet unter
der so genannten Sommerräude,
verursacht durch eine allergische
Reaktion auf Mückenstiche. Die
Folge sind offene Hautstellen, die
sich entzünden und noch mehr
Insekten anziehen. Umgehend einen
Tierarzt zu Rate ziehen.
Am besten stellt man das Pferd
zwei Stunden vor und nach Sonnenauf-
und -untergang in den
Stall, da zu diesen Zeiten die kleinen
Stechmücken am lästigsten
sind. Ist dies nicht möglich, zumindest
regelmäßig Fliegenschutz
auftragen.Grundregeln für die Wasserversorgung
■ "Ständig frisches Trinkwasser” auf der genutzten Weide anbieten.
■ Tränken müssen artgerechte Wasseraufnahme ermöglichen.
■ Für einen trockenen, sauberen Tränkeplatz sorgen.
■ Das Wasserfass schattig aufstellen.
■ Tränkwasser muss für die Pferde in unbegrenzter Menge angeboten
werden; denn anders als der Mensch trinken sie nicht
"über den Durst”. Rinderdasselfliegen
Sie sind nicht mehr so häufig anzutreffen,
schaffen aber nach wie
vor Probleme. Bildet sich in der
Stalllage des Pferdes eine harte,
heiße und schmerzhafte Schwellung,
reift hier vermutlich eine
Larve der Dasselfliege heran. In
diesem Fall heißt es, sofort den
Tierarzt rufen, da die Larve herausgeschnitten
werden muss.
Das Pferd kann erst wieder geritten
werden, wenn die Wunde
verheilt ist. Ein Pferd mit derartigen
Beulen am Rücken darf nie
geritten werden, da man - abgesehen
vom Schmerz, dem man
dem Pferd zufügt - die Larven
zerquetscht, die dann unter der
Haut verwesen und schlimme
Entzündungen verursachen.
Magendasseln
Helle, kleine Punkte an den Beinen
oder Schultern des Pferdes
sind vermutlich Eier von Dasselfliegen.
Verschluckt das Pferd
die Eier, hat es den ganzen Winter
lang die Larven der Dasselfliege
im Magen - es sei denn,
man verabreicht ihm im Herbst
eine Wurmkur, die auch gegen
Dasselfliegenlarven wirkt.
Man sollte das Pferd zwar im
Herbst ohnehin entwurmen, aber
wenn man diese Eier entdeckt,
sofort mit einem stumpfen Messer
oder einer Plastikspachtel abkratzen.
Ein gutes Fliegenmittel
sorgt dafür, dass sich die Dasselfliegen
gar nicht erst zur Eiablage
auf dem Pferd niederlassen.
Thema Pferdetränken:
Kein "Schmuddelwasser”
für das Pferd
Alle Stoffwechselvorgänge im
Organismus sind vom Wasser
abhängig.
Wasser dient als Lösungs- und
Transportmittel, ist ein großer
Bestandteil der Körperzellen und
übernimmt wichtige Funktionen
bei der Wärmeregulierung. Der
tägliche Wasserbedarf der Pferde
wird von mehreren Faktoren
beeinflusst und unterliegt demzufolge
großen Schwankungen.
Wasserbedarf
Die Tränkwasserversorgung ist
so auszurichten, dass jedes Pferd
jederzeit in der Lage ist, seinen
Wasserbedarf zu decken. Gelingt
es dem Tier nicht, kommt
es unweigerlich zu einem Absinken
der Futteraufnahme und
zwangsläufig auch der Leistung.
Diese Situation bedeutet für die
Pferde Stress. Stress in Zusammenhang
mit Wassermangel und
warmer Witterung bedeutet eine
enorme Belastung des Organismus
und des Stoffwechsels
für die Pferde.
Brauchbare Lösungen
Das Wasser für die Pferde sollte
‘Trinkwasserqualität’ aufweisen.
Am sichersten ist hier die öffentliche
Wasserversorgung anzusehen
sowie eigene Brunnen
am Hof oder auf der Weide, die
mit geeigneter Technik geputzt
werden können.
Auch das Weidefass ist sicherlich
eine brauchbare Lösung, solange
durch schattiges Aufstellen
eine Überhitzung vermieden
wird. Bei der Nutzung von
natürlichen Wasserstellen, wie
Flüssen und Bächen sollten mögliche
Verschmutzungsquellen
Gewässer aufwärts ausgeschlossen
sein.
Sauberes Wasser
Pferde bevorzugen eindeutig frisches
und sauberes Wasser. Dreibis
zehnmal während des Tages
bedient sich das Pferd an der
‘Wasserbar’.
Überprüfungen an Selbsttränken
ergaben häufig nur einen
Wassernachfluss von zwei Liter
pro 30 Sekunden. Eine solche
Tränke reicht selbstverständlich
nicht aus, den Bedarf
der Tiere zu decken. Rangniedrige
Tiere sind hier besonders
im Nachteil.
Wasser-Nachfluss
Maximal sollten pro Tränkeplatz
(Zungentränke) nicht mehr als
zehn Pferde gerechnet werden.
Tränkewannen und -Tröge zum
Beispiel gewährleisten einen tiergerechten
Wassernachfluss und
sind grundsätzlich zu bevorzugen.
Bei der Wahl des Tränkestandortes
sollten Geländeerhöhungen
ausgenutzt werden.
Keine Lust auf weite Wege?
Wenn der Tränkeplatz zu weit von
der genutzten Weide entfernt liegt
oder das Tränkwasser im Fass zu
warm geworden ist, entscheiden
sich die Pferde häufig für einen in
der Nähe gelegenen schattigen
Platz. Die entsprechend nötige
Wasseraufnahme unterbleibt.
Schattenplatz und Hitzestress
Ein Schattenplatz ist eine zusätzliche
Forderung. Hier können
die Pferde zuweilen Schutz
vor der direkten Sonneneinstrahlung
suchen.
Er kompensiert aber nicht eine
schlechte Wasserversorgung.
Vielmehr sollte beides in der
Nähe der Weide gegeben sein,
damit die Tiere den ‘Hitzestress’
abbauen können.
Mediendienst Wienkamp |
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