Weidesaison

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Was tun, wenn es die Sonne viel zu gut meint?
"Wann wird es endlich wieder Sommer?" Den Uralthit gelegentlich wieder anzustimmen, bleibt uns angesichts der überwiegend sommerlichen Wetterlage nicht erspart. Dennoch gibt es in jedem Sommer, vor allem jetzt im August, auch extrem heiße Witterungsperioden – die so genannten Hundstage. Wir Zweibeiner stellen im Büro die Klimaanlagen auf Hochtouren, stürzen uns nach Dienstschluss in den nächsten Swimmingpool, schütten Eiswürfel aus dem Gefrierfach in den Longdrink – und denken kaum darüber nach, dass derweil unsere Pferde auf von Sonne durchglühter Weide ohne Schattenplätze Stunde um Stunde ausharren müssen. Oder wir schwingen uns – ausgerüstet mit breitkrempigem Hut und eingecremt mit Sunblocker – unverdrossen in den Wandersattel und lassen uns 30 oder 40 Kilometer (wenn wir verreisen, sogar mehr!) durch die Lande tragen. Getreu dem Motto: Endlich bei schönem Wetter reiten! Gewissensfrage: Ist das wirklich pferdegerecht? Braucht der Ex- Steppenbewohner tatsächlich keinen Schatten? Wie verkraftet er die hochsommerliche Hitze? Ist er überhaupt vor Hitzschlag, Sonnenstich und sonstigen von Sonne und Wärme verursachten Erkrankungen gefeit? Lesen Sie, welche Informationen wir in diesem Beitrag für Sie zusammengetragen haben und wie Sie Ihr Pferd vor den unangenehmen Seiten des eigentlich so schönen Sommers bewahren können. Steppenbewohner Pferd: Mit Umwandlung zum Hauspferd wuchs auch die Empfindlichkeit Mit der Umzüchtung zum Hauspferd haben wir vielfältige Rassen mit Fellfarben geschaffen, die – wie große Blessen – Sonnenbrand geradezu herausfordern oder – wie Rappschwarze – die Hitze stauen. Ist jedes Pferd dennoch nach wie vor gleichermaßen unempfindlich gegen Hitze? Nicht in jedem Fall! Daher bergen die heißen Tage für unsere Pferde durchaus auch gesundheitliche Gefahren: Sonnenbrand, Hitzschlag und sogar den gefürchteten Hitzeschock. Schauen Sie Ihre Lena oder Ihren Rambo ruhig einmal aus einem anderen Blickwinkel an! Hitzeempfindlich(er) sind im Allgemeinen Rassen, die dem Nordlandtypus oder dem Kaltsteppentypus zuzurechnen sind beziehungsweise mehr Merkmale dieses Grundpferdeschlages aufweisen als des orientalischen oder Gebirgssteppenpferdes. Die Nordländer und Kaltsteppentypen hier … Dichte, auch doppelseitige Mähnen, starke Stirnschopfe, besonders kleine Ohren, lange Nasenpartien (zum Aufwärmen kalter Luft vor Eintritt in die Lunge), Knochenwülste über den Augen sind beispielsweise Merkmale, die auf eine Abstammung von Nordland- und Kaltsteppenpferden hinweisen (können). Auch Nässe ableitende Fellwirbelungen, lange Kötenhaare, dichte Schweife und ein ausgeprägtes Winterfell mit deutlich längeren Deckhaaren als Unterhaaren sind ähnliche Charakteristika. ... und die Pferde des Südens dort Helles und seidiges, auch metallisch glänzendes Fell, das im Winter zwar dicht wird, aber wie ein kurz geschorener Pelz aussieht und keine langen grannenähnlichen Deckhaare entwickelt, seidige (überwiegend einseitig fallende) Mähnen, schmale Schopfe, feine Schweife, fehlende oder kurze Körten. All dies sind wiederum Eigenschaften und Aussehensmerkmale, die auf Orientalen- oder Gebirgssteppenpferdeblut hindeuten. Und diese Pferde weisen eine deutlich größere Hitzetoleranz auf. Was ist bei Stallhaltung zu beachten? Kühl, luftig und sauber! Diese drei Schlagwörter gelten im Sommer unbedingt für den Pferdestall! Pferde, die auch den Sommer über ausschließlich hier verbringen oder aber (weil sie zum Beispiel an Sommerekzem leiden) von der Weide in das Stallgebäude gebracht werden, sind nicht unbedingt vor Hitzebelastung gefeit. In stickigen, ungelüfteten und zudem womöglich unzureichend ausgemisteten Bauten staut sich die Wärme geradezu. Der Wärmestau macht die Tiere apathisch und lustlos, der Appetit ist gemindert. Der PFERDEANZEIGER rät ■ Öffnen Sie Fenster und Türen, damit ständig ein angenehmer Luftzug durchs Gebäude streicht. ■ Berieseln Sie die Stallgasse viele Male am Tag aus der Gießkanne, da Verdunstungskälte die Innentemperatur durchaus um einige Graden zu senken vermag! ■ Sorgen Sie für penible Hygiene, um das Auftreten der die Atemwege schädigenden Ammoniakdämpfe zu mindern, die bei Hitze noch intensiver wahrgenommen werden. Steigen Sie, wenn möglich, von Stroh- auf Späne-Einstreu um. Sie ist leichter sauber zu halten und zu entmisten, weil Sie die Mistbollen ohne großen Zeit- und Kraftaufwand leicht mit einer engzinkigen Gabel heraus sammeln und mehrmals täglich aus der Box entfernen können. ■ Denken Sie auch daran, harndurchtränkte Bereiche auszustechen und mit ein bis zwei Schaufeln Spänen nachzustreuen! ■ Zusätzlich dürfen Sie große Obstbaum-, Fichten- oder Kiefernzweige vor die Stallfenster hängen. Sie brechen das Licht und sind an Stellen, wo die Pferde sie benagen können, ein prima Mittel gegen Langeweile! ■ Auch Vorhänge aus Jutesack- Streifen können Sie an Fenstern und Stalltoren aufhängen, auch dort, wo sie von Pferden erreicht werden können. Im Allgemeinen werden sie von Pferden nicht beknabbert. ■ Aber bitte hängen Sie niemals Vorhänge aus dünnen Plastikstreifen oder Kordelbändern (die es für den Wohnbereich gibt) in Reichweite der Tiere auf! Hier ist die Gefahr, dass die Pferde daran mit den Lippen herumspielen und Plastikteile oder Kordelperlen in den Schlund geraten, zu groß! ■ Vergessen Sie niemals, auch in der Box im Sommer einen großen Salzleckstein aufzuhängen (hierfür gibt es praktische Wandhalterungen, die sich langfristig besser bewähren als die übliche Heukordel, aus der der halb abgenagte Stein irgendwann herausbricht). So kann das Pferd die mit dem Schweiß verlorenen Körpersalze wieder auffüllen. Wie lässt sich Hitzeschutz im Paddock bewerkstelligen? In eingefriedeten Ausläufen ist nicht immer und überall leicht und schnell Schatten zu schaffen. Jeder Paddock sollte daher zumindest über einen Offenstall oder Unterstand mit breitem Dach verfügen, am besten nicht gänzlich an den Rand der Einfriedung, sondern so aufgestellt, dass die Pferde darum herum gehen und gegebenenfalls auf der Rückseite Sonnen-(aber natürlich auch Wind- und Regen-) Schutz finden können. Langfristig empfiehlt es sich, außerhalb der Einfriedung heimische, nicht giftige Gehölze, besser noch schnellwüchsige Bäume anzupflanzen, die entlang der gesamten Längsseite – je nach Sonnenstand – Schattenplätze bieten. Ein Extratipp vom PFERDEANZEIGER: Eine interessante, leider noch sehr selten genutzte Möglichkeit besteht darin, an starken Seilen – zum Beispiel zwischen außerhalb des Paddocks stehenden Bäumen befestigt – eine Art Sonnensegel (aus festem Segeltuch oder starken Kunststoffplanen) zu spannen oder (falls Bäume fehlen), entsprechend dicke hohe Pfosten in den Boden einzubetonieren. Theorie und Praxis: Hier ein paar gute Tipps Leider sind großflächige Schattenplätze auf der Weide rar! Große, breitkronige Bäume sind natürlich ein idealer Schattenplatz im heißen Sommer für unsere Weidepferde. Doch leider ist vielerorts die schlichte Wiese – ohne jeden Baumbestand, ohne Unterstand, ohne Weidehütte oder Offenstall – die Regel, wenn Gehege zu Pferdekoppeln umfunktioniert werden sollen. Die Voraussetzungen für die Genehmigung von Schutzhütten sind von Staat zu Staat und Region zu Region verschieden und müssen unbedingt vor Errichtung eines Bauwerkes geklärt werden, um nicht zeit- und kostenintensive Bauten später wieder demontieren zu müssen. Das gleiche gilt leider auch für die genehmigungspflichtigen Weidehütten. Wie wär’s mit einem überdachten Futterwagen? Eine noch selten genutzte Alternative sind zu Heuraufen umgebaute und mit einem überstehenden Schutzdach versehene Wagen. Sie können von einer Koppel zur anderen gefahren werden und eignen sich zugleich – beispielsweise bei Grünfutterknappheit – zum Zufüttern von Heu oder Futterstroh. Wagen und Dach bieten zumindest eine kleine Schattenfläche bei starker Sonneneinstrahlung! Was Sie unbedingt beachten sollten: Fehlen auf der Koppel Unterstände oder breitkronige Bäume, also jedweder Schattenplatz, lassen Sie Ihr Pferd hier besser nur über Nacht weiden. Sorgen Sie dafür, dass es jederzeit Zugang zu frischem, kühlem Wasser hat! Hängen Sie am Weidezaun einen (bei großem Pferdebesatz mehrere) Salzlecksteine auf, damit Ihr Pferd auch auf der Koppel sein körpereigenes Salzdepot wieder auffüllen kann.Gefahren für die Gesundheit: Auch Pferde können in der Sonne "verbrennen" Wer glaubt, nur wir Zweibeiner könnten – nach übermäßigem "Grillen" im Liegestuhl – am schmerzhaften Sonnenbrand erkranken, irrt gewaltig! Zuviel Sonne schadet auch dem Pferd, und zwar vor allem den unpigmentierten Stellen am Pferdekörper. Besonders gefährdet sind insbesondere rosafarbene oder rosa-weißliche Nüstern, die hellen und dünnhäutigen Partien rund ums Auge und generell allen weißen Fellpartien, vor allem Blessen oder durchgehend cremefarbenen Pferden mit hellen Augen. Sonnenbrand tut auch Ihrem Pferd richtig weh, denn er ist auch fürs Pferd äußerst schmerzhaft! Schützen Sie es daher, indem Sie ein parfumfreies, allergiegetestetes Sonnenschutzmittel mit extrem hohem Lichtschutzfaktor (einen sogenannten Sun-Blocker) in die gefährdeten Hautbereiche einreiben. Es empfiehlt sich, die Augenpartie stattdessen mit Penaten- Wundcreme dick einzureiben. Sind bereits Anzeichen einer Sonnenschädigung zu erkennen (die Haut ist gerötet, schuppt oder ist gar entzündet und nässt), tragen Sie bitte vorerst eine milde Heilsalbe (kein Sonnenbrandgel!) oder Zinksalbe (Penaten) auf, bringen Sie das Tier in den kühlen, schattigen Stall und ziehen Sie den Tierarzt zu Rate. Auch Sonnenallergien nehmen vermehrt zu Wer als Mensch je zu Sommerbeginn unter einer Sonnenallergie gelitten hat, weiß, wie unangenehm die juckenden oder gar schmerzenden Bläschen und Quaddeln sind. Auch Ihr Pferd kann zu den Allergiker-Typen zählen und damit auch auf zu viel Sonneneinstrahlung mit einer Sonnenallergie reagieren. Vor allem hellhäutige Pferde und helle Füchse sind gefährdet. Der Auslöser: das gefürchtete Ozon Als Ursache für diese Dermatitis solaris werden erhöhte Ozonwerte angenommen. Sie lösen eine Überempfindlichkeit der Haut gegenüber den weniger gefiltert auf die Erdoberfläche auftreffenden Sonnenstrahlen aus. Diese Fotosensibilität ist mit starken Hautreaktionen wie Schwellungen, Quaddelbildung und oft starkem Juckreiz verbunden. Schlimmstenfalls werden dabei Hautzellen unwiderruflich zerstört. Bringen Sie Ihr Pferd bei ersten Anzeichen sofort in den Stall und ziehen Sie den Tierarzt zu Rate. Bitte setzen Sie niemals Ihr Pferd der Hitzschlaggefahr aus Während Sie selbst in den Schatten flüchten, muss Ihr Pferd womöglich in praller Sonne auf der Koppel ausharren und erleidet im schlimmsten Fall einen gefährlichen Hitzschlag! Das sollten Sie unbedingt verhüten, denn Der PFERDEANZEIGER zeigt hier die Symptome auf Bitte seien Sie hellwach, sobald sich folgende Anzeichen zeigen: ■ Ihr Pferd beginnt, auch beim Stehen oder beim Reiten im Schritt-Tempo, plötzlich stark Schweiß abzusondern. ■ Es lässt den Kopf hängen, die Muskelspannung lässt nach. ■ Wahrscheinlich wirkt es grenzenlos matt und beginnt zu taumeln. ■ Durch das zu dieser Jahreszeit dünne, seidige Fell sind die hervortretenden Adern sind deutlich zu sehen. ■ Der ganze Pferdekörper fühlt sich heiß an, manchmal verkrampfen sich die Muskeln. ■ Oder Ihr Pferd fällt gar in die Bewusstlosigkeit. Achtung: Zögern Sie keine Sekunde in der Hoffnung, es ginge gleich besser. Telefonieren Sie sofort den Tierarzt herbei! Lebensbedrohlich wird der Hitzeschock Lebensbedrohlich wird der Zustand, wenn Ihr vierbeiniger Kamerad auf übermäßige Hitzeeinwirkung mit einem Schockzustand reagiert. Dieser gefährliche Schockzustand tritt gelegentlich auch nach Unfällen, nach starker Überanstrengung, bei Eingabe unverträglicher Medikamente, Vergiftungen oder akuten Infektionen auf. Sie erkennen ihn an der schlaffen Körperhaltung mit tiefem Kopf und blassen, fast weißen Schleimhäuten und Lidbindehäuten. Häufig leidet das Pferd auch unter Schüttelfrost und liegt fest. Verständigen Sie sofort den Tierarzt! Die wichtigsten Erste- Hilfe-Regeln ■ Führen Sie Ihr Pferd umgehend an einen schattigen, kühlen Ort (ohne Zugluft) und sorgen Sie für Ruhe. ■ Ist es bereits bewusstlos zusammengebrochen, stellen Sie Schattenspender vor allem im Kopfbereich auf (Schirme, zwischen Stöcke aufgehängte Kleidungsstücke oder Ähnliches). ■ Übergießen Sie es mit kaltem Wasser oder – falls Sie einen Wasseranschluss in greifbarer Nähe finden – spritzen Sie es mit einem Schlauch mit sanftem Wasserdruck kühl ab. ■ Kühlen Sie seinen Kopf zusätzlich durch kaltnasse Umschläge. ■ Fächern Sie ihm zusätzlich Luft zu, zum Beispiel mit größeren Kleidungsstücken. ■ Ist der Schock nicht auf Hitze, sondern auf andere Ursachen zurückzuführen, kann es umgekehrt ratsam sein, Ihr Pferd mit einer Decke zu wärmen. ■ Hat Ihr Tierarzt telefonisch sein Einverständnis gegeben, lösen Sie 1 TL Salz in 10 l lauwarmem Wasser und verabreichen Sie es langsam als Einlauf in den Mastdarm. Er stützt den Kreislauf und gleicht Flüssigkeitsverluste aus. Und noch ein paar wichtige Tipps für das Reiten an "Hundstagen" Ein wirklicher Pferdefreund verzichtet auf anstrengende Ausoder gar Wanderritte an Hundstagen. Sind längere Touren geplant, die nicht ausfallen sollen, heißt es: Flexibel sein und als Horseman in erster Linie ans Pferd denken! Zwingen Sie sich früh aus den Federn und reiten Sie am frühen Morgen bis höchstens 10 Uhr. Dann gönnen Sie sich und Ihrem vierbeinigen Freund eine lange Siesta (aber bitte unbedingt im Schatten und an einem kühleren, luftigen Ort) und starten erneut am frühen Abend. Für Wanderreiter bedeutet dies: Früh genug alternative Routen auswählen, die beispielsweise durch kühlere Flusstäler oder am schattigeren Waldrand entlang führen! Die Tagesetappen dürfen keinesfalls zu lang gewählt werden, da mit steigender Anstrengung die Hitzetoleranz deutlich sinkt. Beugen Sie vor, indem Sie Ihr Pferd vorm Abritt und häufig unterwegs tränken. Zusätzliche Gesundheitstipps vom PFERDEANZEIGER ■ Tränken Sie Ihr Pferd ausgiebig bereits vor jeder Etappe. ■ Reiten Sie ausschließlich Schritt. ■ Machen Sie regelmäßig Ruhepausen im Schatten. ■ Nutzen Sie jede Gelegenheit, die Pferdebeine zu kühlen, im Bach oder mit Wasser aus dem Gasthof. ■ Bieten Sie Ihrem Pferd immer wieder Wasser an, zum Beispiel aus einem mitgeführten Tränksack oder Hut. ■ Und natürlich: Trinken Sie selbst viel und verzichten Sie keinesfalls auf Kopfschutz und Sonnenbrille. Mediendienst Wienkamp  
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