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Lahmheiten, deren Ursache und ganzheitliche Therapie
Funktionalitätsstörungen und Lahmheiten des Bewegungsapparates sind bei Pferden eine häufige Ursache für deren Unreitbarkeit und verursachen dem betroffenen Pferd oft große Schmerzen. Verschiedene Lahmheitsursachen und deren ganzheitliche Therapiemöglichkeit möchte ich in diesem Artikel aufgreifen: Muskelzerrungen: Die Muskulatur besteht aus Alpha-Muskelfasern, die eine hohe Aktivität besitzen und schnell kontraktil reagieren (ziehen sich schnell zusammen) und Beta-Muskelfasern, die langsamer kontraktil reagieren. Die Alpha-Muskelfasern werden vermehrt bei hohen Geschwindigkeiten und Höchstleistungen beansprucht, die Beta-Muskelfasern mehr bei der Ausdauerbelastung. Entscheidend ist bei dieser Unterteilung die Durchblutung der Muskelfasern: Bei Höchstgeschwindigkeiten ist ein sehr viel höherer Sauerstoffbedarf zu befriedigen, als bei einem gemächlichen Ausritt oder Spaziergang. Die Muskulatur des Pferdes wird bei ungewohnter oder/und untrainierter Leistung leicht gezerrt. Es kommt zu partiellen oder punktförmigen Blutungen oder zum Bluterguss. Durch Schädigung, Überdehnung oder Abreißen von feinen, oft peripheren Nerven können Erschlaffungs- und Lähmungserscheinungen entstehen. Es zeigt sich das Bild einer schmerzhaften Lahmheit. Therapie: Das betroffene Pferd muss ruhiggestellt werden, damit verhindert wird, dass die partiellen Zerreißungen zu großen Hämatomen werden. Ruhigstellen ist umsetzbar durch langsame Bewegung an der Hand, durch eine Box mit kleinem angeschlossenen Paddock, jedoch sollte möglichst keine Boxenhaft in einer zu kleinen Box verhängt werden, da eine völlige Bewegungseinschränkung keinen Heilungseffekt aufweist. Die schmerzhaften Muskelzerrungen sollten gekühlt werden mit Kompressen, Umschlägen und Verbänden oder je nach Lagerung dem Wasserschlauch. Bewährt hat sich die zusätzliche Verwendung von Arnicatinktur in einer Lösung. Auch die innerliche Gabe von Arnika in einer tiefen homöopathischen Potenz ist angezeigt. Arnica wird niemals als Urtinktur innerlich verabreicht, da es hier zu allergischen Reaktionen bis hin zum Schockzustand kommen kann. Sehnen- und Bänderzerrungen, Verstauchungen und Prellungen: Diese entstehen durch Traumen, Unfälle, Stoß oder Überdehnung der Bänder und der Sehnen und ziehen vielfach Schädigungen nach sich, von der Sehnenentzündung (Tendinitis) bis zur Sehnenruptur oder Sehnendegeneration (Tendinose). Ursache ist meist eine Überdehnung der Sehne, wobei durch Lockerung der Fibrillen und Faszien ein Elastizitätsverlust eintritt, besonders dann, wenn die Muskulatur übermüdet oder untrainiert ist und die Überdehnung der Sehne nicht abfedern kann. Prädestiniert sind Pferde mit langen, zu weichen und schwachen Fesseln und schwachen dünnen Sehnen. Auch Fehlstellungen der Hufe disponieren Pferde für sämtliche Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die homöopathische Behandlung von Sehnen- und Bänderzerrungen setzt nicht nur an einer Beseitigung der Schmerzen an, sondern will zu einer wirklichen Ausheilung führen, welche oftmals sehr langwierig sein kann. Je nach Schweregrad der Verstauchung oder Prellung, Sehnen- und Bänderzerrung oder Sehnenerkrankung ist das Pferd oft bis zu 12 Monate nicht reitbar und benötigt in dieser Zeit eine ausgiebige Ruhephase. Falsch wäre es jedoch, dass betroffene Pferd zur Boxenhaft zu verurteilen: Eine kontrollierte und langsame Bewegung, zum Beispiel Spaziergänge an der Hand auf hartem Boden, fördert die Regeneration oben genannter Erkrankungen. Therapie: Langsame und kontrollierte Bewegung auf hartem geraden Boden an der Hand, Kühlung mit einer Arnicatinkur-Lösung, innerliche Gabe von Arnica und Bryonia in einer tiefen Potenz sowie auf das jeweilige Erkrankungsbild individuell passender zusätzlicher homöopathischer Mittel. Prellungen im Fesselbereich und/oder am Huf: Am Huf und an der Fessel kommt es in und unter der Hufwand oder der Haut zu Hämatomen oder Defekten am Knochen, besonders an der Knochenhaut, dem Periost. Ursachen hierfür entstehen durch Anstoß, zum Beispiel beim Abwerfen von Hindernissen, bei Tritt gegen ein Hindernis oder auch beispielsweise bei einem Tritt mit dem Huf gegen einen großen Stein. Therapie: Auch bei diesem Erkrankungsbild ist eine Kühlung sowie auch die äußerliche und innerliche Verwendung der Arnica sinnvoll. Zudem hat sich Hamamelis bewährt und bei Defekten am Knochen selbst Sympthytum. Der Beinwell gilt in der Naturheilkunde als das Knochenmittel. Darüber hinaus sollte selbstverständlich auch hier eine genau auf das Erkrankungsbild abgestimmte homöopathische Therapie zusätzlich erfolgen. Bursitis: Die Schleimbeutelentzündung kommt beim Pferd auch recht häufig vor; Ursachen können Infektionen ebenso wie Fehlstellungen und falsche Belastungssituationen sein. Auch bei der Schleimbeutelentzündung gilt das oben Gesagte zur Bewegung und Kühlung. Eine Therapie sollte sich ursächlich zeigen, da diese bei einer infektiösen Bursitis eine völlig andere ist als beispielsweise bei einer durch Fehlstellung oder falsche Belastung hervorgerufenen Bursitis. Gallen: Meist sind Gallen nur ein Schönheitsfehler und die gesundheitliche Auswirkung gering. Eine Beeinträchtigung des Bewegungsapparates findet dann statt, wenn die Galle die mechanische Gelenkfunktion stört. Gallen können durch falsche Fütterung oder auch durch genetische Disposition erworben werden. Bei Entzündungen der Gelenkkapseln bilden sich mit Synovia, der Gelenkflüssigkeit, gefüllte Vergrößerungen, die schnell verhärten und bindegewebig durchwachsen können. Gallen sind schwer behandelbar, jedoch gelingt es meist mit ein wenig Geduld, dass sie sich zumindest verkleinern und so, wenn sie vormals zu Problemen geführt haben, diese nicht mehr verursachen. Die Therapie konzentriert sich vorwiegend auf lokale Maßnahmen, beispielsweise Einreibungen mit Acetat-Campher- Mischungen. Eine zusätzliche homöopathische Therapie über einen längeren Zeitraum hat sich ebenfalls sehr bewährt. Steingallen: So nennt man Entzündungen im Eckstrebenwinkel der Hufe. Es zeigen sich rötliche Flecken bis hin zu nässenden, eitrigen Entzündungen im betroffenen Bereich. Ursachen hierfür liegen beispielsweise im Eintreten von Steinen, Hufanomalien wie dem Zwanghuf, der für Steingallen prädestiniert ist, aber auch in einer schlechten Hufhornqualität und somit entsprechender Empfindlichkeit können Gründe liegen. Bei Steingallen sind feuchte Umschläge bzw. Angussverbände das Mittel der Wahl, nachdem der Hufschmied/Hufpfleger die Eckstreben ausgeschnitten hat, um ggf. noch vorhandenes Entzündungssekret abfließen zu lassen. Hufabszesse: Ursache eines Hufabszesses sind Druckstellen. diese können bei sehr empfindlichen Hufen bereits nach Steintritt entstehen oder auch durch einen fehlerhaften Beschlag, der Druck verursacht, oder das Tragen von nicht passenden, Druck verusachenden Hufschuhen entstehen. Im glücklichsten Fall liegt der Abszess so, dass er mit der Hufzange schnell aufgespürt werden kann und nicht so tief gelagert ist, dass eine Öffnung unproblematisch möglich wäre. Wird ein Hufabszess lokalisiert und geöffnet, sodass der Eiter abfließen kann, erfährt das Pferd sofort Erleichterung und der Schmerz ist genommen. Die Stelle wird dann noch desinfiziert, und das Problem ist in der Regel schnell gelöst. Anders sieht es aus, wenn ein Abszess nicht zu lokalisieren ist bzw. an einer so ungünstigen Stelle sitzt, dass das Aufschneiden zum Problem wird bzw. ausgeschlossen ist (beispielsweise am Kronrand). Hier helfen Angussumschläge, z. B. mit Rivanollösung, dem Abszess sich zu öffnen, und der Eiter kann abfließen. Unterstützend kann man in diesen Fällen das homöopathische Mittel Hepar Sulfuris in einer niedrigen Potenz geben, um den Abfluss zu unterstützen. In jedem der oben genannten Erkrankungsbilder ist zusätzlich eine individuell und passend ermittelte homöopathische Therapie einzuleiten, um eine Regulierung und Ausheilung zu erreichen. Dies gilt insbesondere bei den Sehnenerkrankungen, die unbedingt eine langfristige und passende Therapie benötigen, um die Elastizität in vollem Umfange wiederherzustellen. Gelingt dies nicht, wird das erkrankte Pferd immer sensibilisiert bleiben und nicht wieder die volle Leistungsfähigkeit erlangen können. Ein ganz wichtiger Faktor ist auch die Fütterung des erkrankten Pferdes. Diese sollte auf die Probleme eingehen, in dem sie Anpassungen der Menge erfährt. Da die betroffenen Pferde in ihrer Bewegung stark eingeschränkt werden, besteht grundsätzlich die Gefahr einer Belastungsrehe, wenn eine Extremität erkrankt ist. Durch den Schmerz und die damit eintretende Entlastungshaltung besteht das hohe Risiko einer Belastungsrehe, das man mit stark eingeschränkter Ernährung bzw. Absetzung jeglichen Kraftfutters (hierzu gehört auch Müsli) stark eindämmt. Auch sollte überlegt werden, ob der Mineralstoffhaushalt, das Calzium-Phosphor-Verhältnis und der Spurenelementehaushalt ausgewogen ist. Nicht zuletzt tragen Mängel in der Fütterung des Pferdes zu sämtlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates unmittelbar bei. Gerne können Sie unser Tierheilkunde- Team bei Fragen kontaktieren und sich ausführlich beraten lassen:  
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