Weidesaison

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So kommen die Pferde gut durch die kalte Jahreszeit
Mal knistert es draußen so richtig vor Kälte, dann wieder öffnet der Himmel tagelang seine Schleusen. Je nach Haltungsform und Reitanlage genießen unsere Pferde jetzt höchst unterschiedliche Zuwendung. Das eine steht im Winterpelz auf der Matschkoppel und wird nur mehr am Wochenende zu einem längeren Ausritt gesattelt – sein Kamerad aus dem Boxenstall kommt erst am Abend zu einer Gymnastizierungsstunde in die Halle. Beiden Pferden aufs Gramm genau das gleiche Futter vorzulegen, ginge am Sinn einer zielgerichteten Winterfütterung vorbei. Lesen Sie im folgenden Beitrag, was der Winter im Jahreszeitenrhythmus überhaupt für das Pferd bedeutet, wie Sie das saisonal bedingte Tief auffangen und Ihr kleines oder großes Pferd entsprechend der Haltungsform und Einsatzweise fit und fröhlich durch den Winter bekommen, ohne dass es abmagert oder einen Speckbauch ansetzt. Bio-Rhythmus: In Winter arbeitet der Organismus auf Sparflamme Der Rhythmus der Jahreszeiten geht nach wie vor nicht spurlos an allen Lebewesen, die in unseren Breiten leben, vorüber. Wir modernen Menschen allerdings versuchen, ihm durch eine Vielzahl von Gegenmaßnahmen zu entkommen. Doch wenn wir unseren Körper in der kalten Jahreszeit mit molliger Kleidung und der künstlichen Wärme aus der Zentralheizung umhüllen und der früh einsetzenden Dunkelheit mit einer Handbewegung zum Lichtschalter begegnen, schaffen wir uns eine Art Kunstwelt und ignorieren die natürlichen biologischen Vorgänge in uns selbst. Anders unsere Verwandten, die Säugetiere. Ihr Organismus ist noch voll und ganz den Gesetzen der Chronobiologie unterworfen. So heißt der moderne Wissenschaftszweig, der sich mit den Zeitmustern befasst, denen alle Geschöpfe unterliegen und die von natürlichen jahreszeitlichen Rhythmen und von innen gesteuerten biologischen Uhren gesteuert werden. Mehrbelastung für den Körper Zu den so genannten saisonalen Rhythmen gehört der Winterschlaf mancher Tierarten. Der Grasfresser Pferd gehört allerdings nicht zu den Tieren, die in diesen besonderen Ruhezustand fallen, der Igeln, Murmeltieren, Hamstern und Springmäusen hilft den Winter zu überbrücken. Allerdings ist auch das Pferd saisonalen Veränderungen unterworfen. Die auffälligste ist der Fellwechsel. Die Ausbildung des dichten Winterhaarkleids, das viele Freizeitpferde jetzt aufweisen, ist nun abgeschlossen. Belastungen Sie hat den Organismus des Pferdes weitaus mehr belastet, als Sie vermuten. Gar nicht selten geht diese Mehrbelastung noch einher mit zusätzlicher Arbeit, zu der herbstlich schöne Tage verlocken – ein oder zwei letzte Wander- und Distanzritte, Herbstjadgen und Hubertusritte und die Fortführung des Trainings für die noch anstehenden Freizeitreiterturniere. Werden diese Mehrbelastungen nicht durch eine entsprechend gehaltvolle Fütterung sowie durch Regenerationsphasen bei Weidegang ausgeglichen, kann sich der Organismus immer weniger gegen Angriffe von außen in Form von Viren, Bakterien und Parasiten wehren. Im schlimmsten Fall wird Ihr Pferd krank. Organismus will Energie sparen In Mitteleuropa waren die Winter auch früher nasskalt und boten ein reduziertes Nahrungsangebot. Daher musste der Organismus der wilden Urpferde auf Sparflamme schalten. Der Aufbau des wärmenden Haarkleids im Herbst hatte viel Energie verschlungen, die von den überständigen Wintergräsern nicht in gleichem Umfang nachgeliefert werden konnte. Das Haarkleid war der äußere Schutz gegen Kälte, Nässe und Wind; was aber schützte das Pferd von innen her vor dem gefährlichen Absinken seiner Körpertemperatur? Vereinfacht ausgedrückt: ein durchdachtes Energiesparprogramm. Entweder musste das Pferd zusehen, dass es energiereiches Futter fand, oder es musste sich vor übermäßigem Energieverlust hüten, indem es sich weniger intensiv bewegte. Energiereiches Futter war im Winter knapp; das Pferd scharrte sich magere Gräser unterm Schnee hervor und knabberte notfalls Laub, Flechten und kleine Äste, um seinen Hunger zu stillen und den Vitamin- und Mineralstoffbedarf nicht gänzlich zu vernachlässigen. Wie aber sollte es Bewegung vermeiden, wenn Nahrungsknappheit weite Wanderungen erforderte oder Beutegreifer die Herden bedrängten? Fazit: In nahrungsarmen Regionen magerten die Pferde stark ab und kühlten dann in Schlechtwetterperioden stark aus. Einige Pferde waren dieser Belastung nicht gewachsen, sie verhungerten oder fielen Raubtieren zum Opfer. Ausgemergelte, dezimierte Herden waren im Frühjahr keine Seltenheit. So viel zur Situation in der oft ein wenig zu lobhudelnd besungenen Mutter Natur. Pferdehaltung: Haltungsbedingungen beeinflussen Energiebedarf In jedem modernen Freizeitpferd sind diese saisonalen Rhythmen seiner Vorfahren noch verankert. Doch so, wie der Mensch sich selbst eine bequeme warme Winterwelt verschafft und weiterhin aktiv ist, so nutzt er auch seine Pferde oftmals weiter wie gewohnt – ja, manchmal sogar nimmt er sie jetzt erst recht ins Training, wenn beispielsweise im Frühjahr eine Leistungsprüfung ansteht. Darüber hinaus hält er seine Pferde auf unterschiedlichste Weise. Selbst Befürworter der artgemäßen Haltung siedeln in unfreundlichen Wintern gelegentlich in einen Pensionsstall mit Halle, Boxen und geschlossenen Stalltüren um, wenn die täglichen Schlammschlachten beginnen, an den Nerven zu zehren. Viele Möglichkeiten So existiert heute eine Palette der Einstellmöglichkeiten. Sie beginnt bei der reinen Boxenhaltung mit leichtem bis mittlerem täglichem Arbeitseinsatz, führt über die Kaltstallvariante, bei der die Temperaturen im Stall den Außengraden weitgehend angeglichen sind, hin zur Halbrobusthaltung, bei der den Pferden jederzeit ein dreiseitig geschlossener, eingestreuter Stall zur Verfügung steht. Bei einer Variante hiervon stehen die Pferde tags im Paddock und nachts grundsätzlich im Stall. Unter Vollrobusthaltung gehen wir heute von ständiger Auslaufhaltung im Großpaddock oder auf der Winterkoppel aus, wobei die Tiere in einem dreiseitig geschlossenen Unterstand und auf trockenen Liegeflächen Schutz bzw. Komfort finden. Darüber hinaus gibt es natürlich nach wie vor auch die sehr robuste und tierschützerisch nicht immer vertretbare Abart, die den Tieren zwar ein großzügiges Gehege auf einer Winterweide anbietet. Diese verschlammt jedoch im Laufe der Monate arg und stellt meist auch außer Baumgruppen und Gehölzen keinerlei Wind- und Nässeschutz bereit. Fragen über Fragen ... Jedes dieser Pferde wird mit unterschiedlichen Bedingungen konfrontiert, auf die die Fütterung im Winter eingehen muss. Nach dem Grundprinzip von Energieversorgung gemäß Energiebedarf erhält das eine Pferd größere, das andere kleinere Futterportionen in jeweils anderer Zusammensetzung. ➤ Was ist Energie aber überhaupt? Ist Energie (wie viele fälschlich annehmen) identisch mit Eiweiß? Welche Futtermittel bringen Energie ins Pferd, ohne es mit Eiweiß zu überfordern? Leidet das Pferd unter Vitaminmangel, nachdem es nicht mehr frisches Grünfutter frisch von der Weide aufnehmen kann? ➤ Warum sollen Zuckerrübenschnitzel so gut sein? Ist die durchschnittliche Winterernährung wirklich sehr mineralstoffarm? Friert das Pferd, wenn es nicht genügend Futter bekommt – was wärmt es von innen, wie handhabe ich die Fütterung unserer kleinen Robusten? Die Vielzahl dieser Fragen macht deutlich: Zum Thema Fütterung – vor allem im Winter – kursieren noch viele Missverständnisse. Daher muss versucht werden, aufbauend auf leicht verständlicher Basisinformation, die häufigsten bei der Winterfütterung auftretenden Probleme aufzuzeigen und mit durchführbaren Anregungen für die Praxis zu verknüpfen. Energiekraftwerk Körperzelle Alle Lebensvorgänge bei Mensch, Tier und Pflanze sind von der lebenden Zellsubstanz, dem Zytoplasma, abhängig. In der Körperzelle vollzieht sich ein höchst wichtiger Vorgang: der Stoffwechsel. Anorganische und organische Stoffe werden aufgenommen und chemisch verarbeitet – Sonnenenergie wird in chemische Energie umgewandelt. Außerdem kann sich die Zelle teilen und schafft so die Grundvoraussetzung für Wachstum und Vermehrung. Ja, tatsächlich ist die Zelle ein richtiges Energiekraftwerk. Erhaltungs- und Leistungsbedarf: Was geschieht bei der Futteraufnahme? Wenn unser Pferd Futter und Flüssigkeit aufnimmt, versorgt es seinen Körper mit Wasser und Nährstoffen mit genau dieser zum Leben notwendigen Energie. Es benötigt ungefähr 70 Prozent dieser Energie, um seine wichtigsten Prozesse in Gang zu halten, zum Beispiel die Tätigkeit von Herz, Leber und Niere. Nur etwa 30 Prozent der aufgenommenen Futtermittel werden in äußere Energie umgewandelt, die dann für Bewegungsaktivitäten zur Verfügung steht. Hier haben wir in einfachen Worten das, was sich im Fachvokabular so kompliziert liest: den Erhaltungsbedarf und den Leistungsbedarf. Der Erhaltungsbedarf stellt die Lebensfunktionen des Organismus sicher und erhält das Körpergewicht aufrecht. Wenn Ihr Pferd also den Winter über im Paddock eine mehr oder minder passive Erholungspause genießt, müssen Sie dennoch diesen Erhaltungsbedarf decken. Der Leistungsbedarf deckt die größere Energie- und Nährstoffzufuhr, die jegliche darüber hinausgehende Leistung verlangt. Im Sportpferdebereich definiert man das übrigens wie folgt: leichte Arbeit = eine Stunde/ mittlere Arbeit = zwei Stunden/ schwere Arbeit = mehrstündige Arbeit. Was – ohne böse Absicht – passieren kann: Ihr Pferd verbrennt mehr Energie, als Sie ihm über das Futter zuführen (in Schlechtwetterperioden im Auslauf, bei anstrengenden Geländeritten im Winter); sein Körper muss auf die eigenen Brennstoffreserven zurückgreifen. Umgekehrt verhält es sich, wenn es mehr oder weniger unbeschäftigt im temperierten Stall steht und mehr frisst, als es verbraucht. Jede Form des Futters stellt also eine bestimmte Energiemenge bereit, die bei der Verbrennung durch die Körperzellen freigesetzt wird. Aufgabe des Stoffwechsels ist es, Energieaufnahme und -verbrauch im Körper im Gleichgewicht zu halten, und zwar Tag für Tag. Daraus folgt: Wenn Sie es richtig machen wollen, müssen Sie Tag für Tag die Futterrationen neu auf Haltungsform und Leistungsanspruch abstimmen. Am einfachsten ist es, ... ... Sie rechnen sich einmal aus, wie Sie Ihr Pferd im Durchschnitt der Wintertage halten und nutzen, und stimmen die Fütterung darauf ab. Ändern sich Haltung und Nutzung (nach oben wie nach unten), wandeln Sie Futterzusammensetzung und -menge entsprechend ab. Text/Fotos: Mediendienst Wienkamp  
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