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Betrugsmasche schwappt in den Pferdehandel Der englische Interessent
Wie jedes Jahr zur Fohlenzeit versucht der Pferdezüchter seine kleine Nachzucht an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. So auch ich – seit fast 15 Jahren in der Friesenpferdezucht. Dazu nutzt der Verkäufer nicht nur die gängigen Pferdemagazine mit Kleinanzeigenteil, sondern die letzten Jahre vermehrt eben auch das Online-Angebot. Dort wimmelt es ja bei näherem Stöbern vor kleinen und auch größeren kostenlosen Portalen, wo man eben auch Pferde und das Zubehör inserieren kann. Schnell und bequem zu installieren, bietet es auch den Vorteil der weltweiten Einsicht von Interessenten. Das perfekte Angebot für jeden Anbieter? Ja schon, aber nicht ohne Risiko, wie ich jetzt selber erleben durfte. Mein kleines Friesenfohlen mit hübschem Foto und Beschreibung setzte ich in eben solch ein Online-Portal. Immer wieder erreichten mich über E-Mail Nachfragen und Interessenten. Der normale Gang nahm seinen Lauf. An einem Morgen erhielt ich eine E-Mail in englischer Sprache. Daniel meldete sich auf mein Angebot. Er bekundete großes Interesse. Vertrauensselig plauderte er drauflos. Er wäre gerade in Venezuela auf einem Ölfeld tätig, seine Familie würde in Italien leben und er wolle seiner Frau eine Überraschung in Form eines Friesenfohlens bereiten. Was es denn kosten würde. Meine Antwort erhielt er prompt und auch seine Reaktion war wieder schnell und, was den Ablauf des Kaufes angeht, dann auch sehr detailiert. Folgendermaßen sollte der Deal von seiner Seite her ablaufen: Er würde mir einen Scheck schicken, mit einer leider weitaus höheren Summe, als ich für mein Fohlen verlangt habe. Aber kein Problem für ihn, er hätte jetzt schon viel Vertrauen in mich (Ach!). Es gibt ja noch einiges hier in Deutschland für den Transport des Fohlens abzuwickeln und zu bezahlen, dafür sei der Überschuss gedacht. Ein "Kumpel" würde mit mir Kontakt aufnehmen, wenn ich den Scheck erhalten hätte und alles Weitere übernehmen (Soso). Gerne hätte er ja auch noch mehr Fotos, damit er seiner Frau die Überraschung schon zeigen könnte, und ich wäre jederzeit nach Italien eingeladen und herzlich willkommen. Ich müsste ihm jetzt nur noch meine Adresse nennen, damit alles seinen Gang gehen kann. So viel Vertrauen machte mich skeptisch. Ich forschte nach. In seiner E-Mail nannte er eine Transportfirma, die sich mit dem Transport befassen sollte. Schnell fand ich die Telefonnummer heraus und rief an. Maschinen würden sie transportieren, sagt mir die Dame am Telefon, aber Tiertransporte – nein, das nicht. Ganz bestimmt nicht! Daniel wird ungeduldig. Ich habe nicht geantwortet. Ich halte ihn weiter hin und wandere direkt über die Straße zur nächsten Bank. Dort ließ ich mich bezüglich ausländischer Schecks informieren. Tja, und danach ging ich direkt in die nächste Polizeiwache. Dort zieht man bei meiner Schilderung die Augenbrauen hoch – eine bekannte Masche – allerdings bisher überwiegend im Autohandel. Aha, jetzt wird es woanders versucht. Mein Fall geht an das Betrugsdezernat. Findige Computerspezialisten aus dem Polizeirevier stöbern nach dem Absender, der Herkunft, irgendetwas, was Aufschlus geben könnte, woher der Absender wohl kommt. Ich helfe, wo ich kann. Versuche den Kontakt zu Daniel zu halten. Bis heute weiß ich nicht, ob mein "Freund aus Übersee" Wind von der Sache bekommen hat und sich deshalb wieder verkroch. Leider haben wir nichts gegen diesen Herren unternehmen können. Ich möchte an dieser Stelle nur alle Pferdebesitzer eindringlich davor warnen, auf so einen Deal einzugehen. Der weitere Weg wäre nämlich, ähnlich wie im Autohandel, so gelaufen: Der Scheck wäre gekommen und wäre auch ohne Probleme in jeder Bank dem Privatkonto gutgeschrieben worden. Der besagte "Kumpel" des Käufers kommt kurz danach und lässt sich die überschüssige Summe in bar aushändigen. Vielleicht sagt er: "Um den Transport zu regeln." Alles logisch, immerhin ist das Fohlen ja bezahlt, denkt der Verkäufer. Danach wäre er wieder verschwunden. Tja, und die ausländische Bank, die teilweise bis drei Wochen nach Einlösung eines Schecks diesen immer noch zurückholen kann, hätte genau das getan. Gutschrift wieder weg. Und der nette Käufer, der wäre mit einem netten Häufchen Bargeld auf und davon, und wir als Verkäufer hätten diesem Deal noch gutes Geld hinterhergeworfen. Also: Finger weg von solchen Angeboten! Text/Foto: Sabine Mehl  
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