 |
| Pferdegesundheit
|
 |
Vollständigen Artikel mit Bildern als PDF herunterladen: Pferdegesundheit |
 |
 |
Textversion:
Arthrose, Hufrollenentzündung, Spat Im ersten Teil dieses Artikels beschäftigen wir uns mit den Erkrankungen
an sich und deren Symptome bzw. des Erkennens der
oben genannten verschiedenen Arten der Arthrose. Die Arthrose
ist der Oberbegriff; denn sowohl die Podotrochlose, wie auch der
Spat, gehören zu den arthrotischen Erkrankungen. Darüber hinaus
gibt es zahlreiche weitere Arthrosen der verschiedenen Gliedmaßen.
Die Therapie der unterschiedlichen Arthrosen ist jedoch
nur leicht abweichend bei den einzelnen Arthroseformen; Unterschiede
liegen beispielsweise in speziellen Hufbeschlägen, welche
optimal auf die Erkrankung abgestellt werden.
Im zweiten Teil des Artikels beschäftigen wir uns ausführlich mit
der für an Arthrose erkrankte Pferde optimalen Fütterung und Haltung,
Bewegungsmöglichkeiten, sowie mit homöopathischen und
naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten. Kausale Ursachen:
Eine Arthrose entsteht in der Regel
aus einer nicht ausgeheilten
Arthritis:
Die Ursache der Arthritis ist eine
akute Entzündung, welche aus
äußeren, inneren, infektiösen
oder stoffwechselbedingten Einflüssen
(siehe auch Ursachen der
Arthrose) entsteht.
Die Arthritis muss frühmöglichst
fachgerecht behandelt werden,
um nicht in ein chronisches,
schwer heilbares Stadium bzw.
in die degenerative Form, also
die Arthrose, überzugehen. Die
Arthritis entwickelt sich stetig
zur Arthrose, wenn diese nicht
erfolgreich und schnellstmöglich
therapiert wird. Es bilden sich
unphysiologische Knochenzubildungen,
wie zum Beispiel die
arthrotische Hufgelenksschale.
Der Prozess wird durch Überbelastung,
aber auch durch Bewegungsmangel
gefördert.
Ursachen der Arthrose sind vermehrte
Abnutzungen durch
Fehlstellungen, Fehlbelastungen,
Überbelastungen, falsche Hufbearbeitung/
Hufbeschlag über
längere Perioden, sowie Stoffwechselstörungen
und das Missverhältnis
zwischen Belastbarkeit
und tatsächlicher Belastung
des Pferdes.
Auch eine zu gut gemeinte Fütterung,
vor allem in der Zeit der
Entwicklung des Skelettes, fördert
spätere arthrotische Veränderungen,
ebenso wie ein längerfristiges
Ungleichgewicht des
Calzium : Phosphor Verhältnisses
und des übrigen Mineralstoffhaushaltes,
wie auch Bewegungsmangel.
Symptomatik und
klinisches Bild:
Die Arthrose zeigt sich in Bewegungsstörungen
mit stumpfem,
unfreiem, gebundenem Gang
und häufigem Wendeschmerz.
Oftmals kommt es zu umfangreichem
Abbau oder Zerstörung
des Gelenkknorpels, im Röntgenbild
zeigen sich Veränderungen
in der Knochenstruktur
mit Randwulstbildungen am Gelenkrand.
Auslöser sind oft Fehlstellungen
der Gliedmaßen mit
bodenweiter, bodenenger, Y-beiniger,
O-beiniger, struppierter,
vorbiegiger, rückbiegiger, kuhhessiger,
fassbeiniger, säbelbeiniger
oder stuhlbeiniger Stellung.
Dadurch kommt es auf hartem
Boden, besonders beim Springen,
immer wieder zu Mikrotraumen,
zur Überbelastung und
Überanstrengung bestimmter
Gelenkbereiche und zu Knorpeldefekten. Es kann durch starken
Knorpelverlust zur Gelenksversteifung
kommen.
Diagnostik:
Je nach Lagerung der Arthrose
röntgenologischer Befund,Beugeprobe,
Lahmheitsuntersuchung/
Gangverhalten, äußerlich sichtbare
Knochenzubildungen; weitere
siehe unten.
Therapiemöglichkeiten:
Die Therapie der Arthrose sollte
zwingend ganzheitlich erfolgen:
Fütterung, Haltung, Bewegung,
medikamentöse Therapie und
Hufbearbeitung/Hufbeschlag
sollten optimal auf das erkrankte
Pferd abgestellt werden und
sich gegenseitig in der Therapie
ergänzen und positiv unterstützen.
Nur durch die verschiedenen
sich ergänzenden Therapiebausteine
kann dem erkrankten
Pferd langfristig geholfen werden.
Die ausschließliche Gabe von
Schmerzmitteln ist aus verschiedenen
Gründen nicht empfehlenswert:
Degenerative Veränderungen
verlaufen durch die Schmerzübertünchung
ungesehen weiter;
die Wirkung von Schmerzmitteln
lässt bei Daueranwendung
meist nach; die Nebenwirkungen
bei einer dauernden Anwendung
können oft den positiven
Nutzen nicht wettmachen
(empfohlene Dauer der Schmerzmittelgabe
liegt bei 10 Tagen!).
Insgesamt ist die alleinige
Schmerzbekämpfung keine Therapie,
sondern allein die Bekämpfung
eines Symptoms.
Der Spat dient als Sammelbegriff
aller schmerzhaften Prozesse im
Bereich der straffen Tarsalgelenke.
Die kausale Genese liegt
in einer chronischen Traumatisierung
der drei Gelenkreihen.
Im engeren Sinne handelt es sich
um die kleinen Tarsalknochen.
Die Funktion derer besteht überwiegend
in einer Stoßbrechung
der auf sie einwirkenden Druckund
Schubkräfte. Weiterhin
haben sie Rotationsbewegungen
abzufangen. Sie sind stärksten
Druckbelastungen entsprechend
der ständigen Änderung in der
Winkelung des Sprunggelenks
ausgesetzt.
Symptomatik:
Die durch Spat ausgelöste Lahmheit
tritt nicht in gleichmäßiger
Stärke auf, weil Art und Umfang
der Bewegungsstörung an
Schmerzperioden gebunden
sind, die von der Intensität der
Belastungen mitbestimmt werden.
Symptome sind eine gemischte
Lahmheit mit Schrittverkürzung
durch mangelhafte
Beugung des Sprunggelenks und
Vermeiden einer maximalen
Streckung, ein verspannter
Rücken, Schwierigkeiten beim
Tempowechsel, schwungloser
Trab und ein vermehrtes Anspringen
in den Galopp. Die
Symptome sind unmittelbar nach
Arbeitsbeginn auffälliger als
nach längerer Bewegung. Eine
Knochenaufreibung an der medialen
Sprunggelenksfläche ist
nur gelegentlich zu sehen.
Im fortgeschrittenen Stadium der
Erkrankung besteht meist keine
Lahmheit mehr durch die dann
eingetretene Verknöcherung.
Spat ist als eine degenerative Erkrankung
unheilbar.
Diagnostik:
Zur Diagnose dient neben Röntgenaufnahmen
die Beugeprobe
sowie Beurteilung des Gangverhaltens
bzw. der vorhandenen
Lahmheit des Pferdes.
Kausale Ursachen:
Die Entstehung der Krankheit
wird durch eine unkorrekte Stellung
der Hintergliedmaßen (kuhhessiger
und bodenweiter Stand)
gefördert, ebenso durch Fehler
in der Hufbearbeitung und im
Hufbeschlag. Auch eine zu energiereiche
und proteinreiche
Fütterung, wie auch Ungleichgewichte
im Mineralstoffhaushalt,
fördern den Spat schon in
jugendlichem Alter. Spat kann
demnach schon sehr früh entstehen,
sofern die Fütterung der
Absetzer zu "mastig" gestaltet
wird, was einerseits die Energie,
andererseits auch ganz besonders
den Proteinanteil der Fütterung
betrifft. Durch ein Zuviel
an Futter können die kleinen Tarsalknochen
in ihrer Gestaltung
(Form und Größe) sowie in ihrer
inneren Statik im Zuge der Skelettreifung
ungünstig beeinträchtigt
werden. Stellt sich der
Spat erst in späteren Jahren ein,
so kann er auch auf einem Verschleiß
der Gelenkknorpelflächen
beruhen.
Therapiemöglichkeiten:
Die Therapie sollte mit einer korrekten
Hufbearbeitung bzw. eines
auf die Erkrankung abgestellten
Hufbeschlages als Grundvoraussetzung
begründet werden.
Eine weitere Grundvoraussetzung
in der Therapie des an
Spat erkrankten Pferdes ist eine
optimale Fütterung; welche nicht
zu gut gemeint werden sollte; das
heißt, es sollten keine Überversorgungen
mit Protein und Energie
stattfinden, das Calzium zu
Phosphor Verhältnis und der Gesamtmineralstoffhaushalt
sollte
möglichst optimal sein.
Das an Spat erkrankte Pferd
benötigt eine dauernde freie Bewegungsmöglichkeit;
fehl am
Platze wäre hier eine Boxenhaltung
über viele Stunden. Es bietet
sich eine Offenstallhaltung
mit Auslauf bzw. eine weiträumige
Box mit angeschlossenem
(nicht zu kleinem) Paddock als
optimale Haltungsform an.
Lokale Maßnahmen wie scharfe
durchblutungsfördernde Einreibungen
werden empfohlen. (= Hufrollenentzündung):
Die Hufrollenerkrankung lässt
sich dem Arthrosenkomplex zuordnen
und stellt eine häufige
Lahmheitsursache der Vorderextremitäten
dar, sie ist in der
Reitpferdehaltung einer der
größten Sorgen.
Die Hufrolle wird aus dem
Strahlbein mit seinen Aufhängebändern,
dem über den Knochen
hinweg ziehenden Anteil der tiefen
Beugesehne und der zwischen
beiden Gewebsstrukturen
liegenden Bursa podotrochlearis
gebildet. Bei der Podotrochlose
finden wir bindegewebige Verstärkungen
des Hufbein-Strahlbeinbandes,
die Hufgelenksfacette
reagiert mit Formveränderungen,
die Ansatzflächen der
tiefen Beugesehne und der
Bänder mit Knochenzubildungen
(Exostosen). Am Hufbein
können sich Randwulsterscheinungen
bilden und am Strahlbein
Absprengungen der Facies
flexoria.
Die pathologischen Veränderungen
treten am Bandapparat
des Strahlbeins, an der tiefen
Beugesehne und an der Struktur
und Kontur des Strahlbeins auf.
Klinische Veränderungen werden
oft erst im fortgeschrittenen
Stadium festgestellt. Die Lahmheit
kann von sehr wechselnder
Intensität sein und betrifft die
Vordergliedmaßen.
Kausale Ursachen:
Ursachen der Hufrollenentzündung
liegen in Stellungsfehlern,
Fehlstellungen, falscher Hufkorrektur
und Beschlages, Fehlernährung,
Aufzuchts- und Beschlagsschäden,
Überbeanspruchung
des Pferdes.
Eine genetische Veranlagung gilt
als sicher.
Der ständige Wechsel der auf das
Strahlbein einwirkenden Zugund
Druckkräfte macht es bei
nutzungsbedingter Überbeanspruchung
des Pferdes, durch
fehlerhaften Hufbeschlag, unregelmäßige
Huf- oder Gliedmaßenstellung
anfällig für degenerative
Umbauvorgänge, die
sich in schmerzhaften Reaktionen
an den sensibel versorgten
Anteilen, insbesondere an dem
Hufbein-Strahlbeinband, auswirken.
Symptomatik:
Klinische Erscheinungen zeigen
sich sehr unterschiedlich und
wechselhaft. Die Erkennung einer
deutlichen Lahmheit wird
dadurch erschwert, dass unter
den betroffenen Pferden mehr
als 50 % beiderseits erkranken.
Es besteht makroskopisch daher
oft eher eine Bewegungsstörung,
keine Lahmheit. Die Aktion der
Vorderbeine wird eigenartig
klamm, flacher und kürzer. Die
Gangveränderung ist wenig
ausgeprägt. Manchmal besteht
deutlicher Wendeschmerz. Beim
noch nicht warmgerittenem
Pferd ist die Symptomatik deutlicher;
während der Bewegung
nehmen die Symptome ab. Der
Gang bleibt aber wenig raumgreifend
und das Pferd zeigt sich
zögerlich; insbesondere beim
Sprung. Die Krankheit nimmt
zwar einen eher schleichenden
Verlauf, jedoch kann sich die
Lahmheit auch ganz plötzlich
zeigen. Ein in der Regel ausnahmslos
auftretendes Symptom
ist vermehrtes Stolpern.
Die Lahmheit tritt in einem geringen
bis mittleren Ausmaß auf.
In der Ruhe setzt das betroffene
Pferd die Vorderhufe abwechselnd
weit nach vorn, um das
Hufgelenk zu entlasten (bei der
Hufrehe werden in der Regel beide
Vorderhufe gleichzeitig weit
nach vorne gestreckt). Die
Fußungslast wird auf den Zehenrand
des Hufes verlagert, so
dass ein vermehrter Abrieb an
der Zehe erfolgt. Beim beschlagenen
Huf unterliegen die Schenkelenden
des Hufeisens nur einem
geringen Abrieb; beim unbeschlagenen
Pferd wird die
Trachtenwand im Verhältnis zur
Zehenwand länger. Die Entlastung
des hinteren Hufabschnitts
schränkt den Hufmechanismus
ein, weshalb der Hornstrahl allmählich
verkümmert und ein
Trachtenzwanghuf entsteht. Bei
überwiegend einseitiger Hufrollenentzündung
kann es aufgrund
dieser Schonstellung zu
Muskelatrophien bzw. zur Hufatrophie
kommen. Eine verstärkte
Pulsation der Mittelfußarterie
ist nur bei einem akuten
Schmerzschub (wie auch bei
der Hufrehe) zu erfühlen.
Diagnostik:
Klinische Untersuchungen zur
Diagnostik sind die Zehengelenksbeugeprobe
und die Keilprobe,
die Perkussion der Sohle
im Bereich der Strahlspitze
löst eine Abwehrreaktion aus.
Eindeutig ist jedoch erst eine
Diagnose aufgrund der Leitungsanästhesie.
Das sogenannte
Umspringen der Lahmheit
nach einer Anästhesie ist
als eindeutige Diagnose der Podotrochlose
zu werten. Röntgenologisch
greifbar sind die
Veränderungen des Strahlbeins.
Die Podotrochlose gehört zu
den deformierenden Osteoarthopathien,
ist demnach nicht
heilbar; im günstigsten Falle
werden die Schmerzen beseitigt
und der Prozess zum Stillstand
gebracht.
Therapiemöglichkeiten:
Die Therapie setzt bei einem auf
die Erkrankung abgestellten Hufbeschlag
bzw. einer dementsprechenden
Hufkorrektur an;
weitere Grundvoraussetzungen
sind eine stetige freie Bewegung
(wer rastet, der rostet) des Pferdes
sowie eine optimale Fütterung
im richtigen Verhältnis.
Diskutiert wird auch immer wieder
der sogenannte "Nervenschnitt".
Hier kommt einmal die
Neurektomie sowie die Desmotomie
in Betracht. Diese beseitigen
nicht die Podotrochlose, sondern
schalten nur den Schmerz
aus. Aber auch hier ist die Dauer
der weiteren Reitbarkeit des operierten
Pferdes von der Intensität
des zukünftigen Beritts abhängig.
Pferde sind Lauftiere und gerade
arthrotische Pferde brauchen
entsprechende dauernde freie
Bewegung, sonst versteifen die
Gelenke sehr schnell. Die Heilungschance
bei Arthrosen ist
ungünstig. Es ist meist ein fortschreitender
Prozess, und es gilt,
das Fortschreiten der Erkrankung
zu verlangsamen, im günstigsten
Falle zum Stoppen zu
bringen.
Eine Behandlung, die zur Heilung
führt, gibt es nicht.
Je schneller und effektiver eine
Therapie jedoch umgesetzt wird,
desto besser sind die Chancen
für das betroffene Pferd, wieder
Lebensqualität zu erlangen und
diese noch lange Zeit zu erhalten.
Weitere umfassende Informationen
finden Sie auf unserer
Homepage.
Ihre Fragen zum Thema beantworten
wir jederzeit gerne:
Informationen
Tierheilkundezentrum
Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Am Buchholz 3 · 33014 Bad Driburg
Tel.: 05648 963335 · Fax: 05648 963334 · Mobil: 0173 5157633
Internet: www.tierheilkundezentrum.de
E-Mail: tierheilpraxis1@t-online.de |
 |
 |
Nächste Artikel dieser Ausgabe: Ponyland, Reitsportanlagen, Rund ums Pferd, Urlaub im Sattel |
 |
| zurück |
 |
|
|