 |
| Reitsportanlagen
|
 |
Vollständigen Artikel mit Bildern als PDF herunterladen: Reitsportanlagen |
 |
 |
Textversion:
Reitplatzbeläge und wie sie funktionieren Beim Bau oder Sanieren eines Reitplatzes taucht zwangsläufig die
Frage auf: Welchen Belag nehme ich?
Um darauf eine Antwort zu finden, muß zunächst das Anforderungsprofil
an den neuen oder zusanierenden Platz festgelegt werden:
Staubfrei im Sommer, ohne Pfützen im Frühjahr und Herbst,
bereitbar auch im Winter und bei Frost, pflegeleicht, langlebig
und, bitte schön, nicht all zu teuer sollte er sein. Und für die Pferde
gelenkschonend, schön griffig und elastisch. Lassen sich diese Forderungen
alle unter einen Hut ober besser
in eine Tretschicht bringen? Die
Materialeigenschaften der einzubauenden
Tretschicht sind
dafür maßgebend. Da sind im
Wesentlichen Sand oder Holz in
Form von Spänen oder Hackschnitzeln
als Tretschichtmaterialien
mit unterschiedlichen Qualitäten
und Körnungen und seit
rund 10 Jahren synthetische
Teppichflocken zu nennen. Auch
Mischungen miteinander sind
möglich.
Wie sind nun
deren Eigenschaften?
Beim Sand handelt es sich um
nichts anderes als um viele kleine
Steine, die auch naturgemäß
steinhart sind. Das bedeutet, dass
die Sandkörner selbst niemals
weich oder elastisch sein können.
Sand - also die Steinchen – weichen
lediglich bei Belastung, also
beim Auffußen des Pferdes, aus.
Die Steinchen verschieben sich;
das hat aber mit Elastizität nichts
zu tun. Elastizität ist die Eigenschaft
eines Körpers durch äußere
Einwirkungen ein Volumen
zu verringern und danach in die
Ausgangslage zurück zu kehren.
Also: Durch Belastung wird ein
elastischer Körper zusammengedrückt
um danach wieder auseinander
zu gehen. Steinchen –
Sandkörner – können so etwas
nicht. Beim Verschieben und Bewegen
reiben sich die einzelnen
Steinchen aneinander. Sie zerreiben
– zerschmirgeln sich. Der
Abrieb ist Staub. Dieser wird vom
Regen in den Sandbelag gespült
und schließt die Zwischenräume
des Sandes und lässt kein Regenwasser
hindurch. Gleichzeitig
verhindert er so die weiteren
Bewegungen der Sandkörner.
Der Sand ist nun nicht mehr in
der Lage dem Pferdehuf beim
Auffußen auszuweichen. Der Belag
ist an dieser Stelle steinhart.
Holz ist als organisches Material
ohnehin hygroskopisch, d. h. es
saugt sich mit Wasser voll. Das
nasse Holz beginnt zu verrotten
und wird letztlich ebenfalls zu
Schlamm, welcher alles zusetzt.
Betrachtet man die Holzspäne –
oder Hackschnitzel im Neuzustand,
so verhält es sich ähnlich
wie mit den Sandkörnern, nur
größer und mit weniger Bewegung.
Einzig die Form der Hackschnitzel
oder Späne ist verantwortlich
für eine geringe"elastische"
Bewegung des Gesamtpaktes.
Da die einzelnen Teile, also Späne
oder Schnitzel, nicht glatt aufeinander
liegen und sie sich bei
Belastung biegen, sorgt dies für
eine gewisse "Elastizität" der
Tretschicht. Mischt man jedoch
z. B. Holzspäne mit Sand, werden
sich sehr schnell die Sandkörner
satt um die Späne legen
und somit deren Biegungen vereiteln.
Das Gleiche gilt für Textilflocken, die man in den Sand
mischt. Auch hier legt sich der
Sand um die einzelne Flocke und
lähmt deren Elastizität. Zudem
zerreibt sich nicht nur der Sand
sondern auch die Holz- oder
Textileinmischungen mit der
Zeit. Es entsteht nicht nur Steinstaub
sondern auch die noch
leichteren Holz oder Synthetikstäube.
Seit rund 10 Jahren sind vollsynthetische
Tretschichten auf
dem Markt. Deren Materialeigenschaften
sind gänzlich anders.
Allerdings ist hier von ausschlaggebender
Bedeutung, dass
es sich wirklich um vollsynthetisches
Material aus umweltverträglichen
Kunststoffen handeln
muss. Aufgrund von Patentrechten
wird dieses Material nur
von einer Firma angeboten. Diese
vollsynthetischen Teppichflocken
besitzen eine materialbedingte
hohe Eigenelastizität,
die auch bei Alterung nicht
zurück geht.
Da kein Schmirgeln stattfinden
kann, entsteht auch kein mikroskopisch
feiner Staub. Das ist die
Gewähr für eine extrem lange
Haltbarkeit gegenüber Sand oder
Holz. Durch die Form der
Flocken wird auch eine gute Haftung
untereinander erreicht, so
dass sich schon nach kurzer Zeit
eine stabile "Matte" einstellt.
Diese wird nur bei Extrembelastungen,
z. B. Sliding Stops aufgerissen.
Dieser Belag ist somit
für alle Pferdesportarten geeignet.
Ein wesentlicher Vorteil der
vollsynthetischen Tretschicht ist
außerdem, dass sie im Gegensatz
zum Holz nicht hygroskopisch
ist. D. h. sie saugt sich nicht
mit Wasser voll. Und wo kein
Wasser drin ist, kann auch nichts
gefrieren. Und da es keinen Abrieb
gibt der das Gefüge auf Dauer
zusetzt, gibt auch dauerhaft
keinen Wasser-Rückstau (Pfützen)
bei diesem Belag.
Neben vorgenannten wesentlichen
Tretschichtmaterialien gibt
es noch weitere Beläge wie z. B.
Leder oder Kabelschrott. Letztere
sollten aber wegen ihrer zum
Teil starken Umweltbelastungen
nicht mehr verwendet werden. |
 |
 |
Nächste Artikel dieser Ausgabe: Rund ums Pferd, Urlaub im Sattel, Veranstaltungen, Von Rechts wegen, Was-Wann-Wo, Weidesaison |
 |
| zurück |
 |
|
|