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Mit Weidehygiene
gegen die Parasiten! Bald ist es wieder soweit – die Pferde dürfen endlich wieder auf
der Weide grasen. Doch in die Freude mischen sich auch gewisse
Sorgen: Wie werden die Pferde die Futterumstellung verkraften?
Wie stark bedrohen Weideparasiten die Gesundheit der Pferde?
Insbesondere die Blut- oder Palisadenwürmer (Strongyliden) sind
auf Pferdeweiden allgegenwärtig. Selbst bei regelmäßiger Anwendung
von Wurmkuren bleiben diese Parasiten gefährlich: Zum
einen, weil bestimmte Larvenstadien im Pferd nur schwer zu
bekämpfen sind. Zum anderen, weil sich entwurmte Pferde auf
der Weide schnell wieder neu infizieren. Um die unerwünschten
Parasiten erfolgreich in den Griff zu bekommen bedarf es daher
eines ganzen Bündels abgestimmter Maßnahmen. Lauernde Gefahr im Gras: Palisadenwürmer
Die erwachsenen Palisadenwürmer
leben im Dickdarm der Pferde.
Hier vermehren sie sich, ihre
Eier werden in großer Zahl mit
dem Kot ausgeschieden. Auf der
Weide entwickeln sich aus den
Eiern Larven, die nacheinander
drei unterschiedliche Stadien
durchlaufen. Erst die dritte Larve
ist wieder infektionsfähig. Sie
kriecht bei ausreichender Feuchtigkeit
im Flüssigkeitsfilm an den
Pflanzen hoch und wird von den
Pferden beim Grasen aufgenommen.
Dabei ist es wichtig zu
wissen, dass die Larven bei
feuchtkühler Witterung auf der
Weide monatelang infektionsfähig
bleiben, während starke
UV-Strahlung und Trockenheit
ihre Überlebensfähigkeit stark
einschränken.
In den ersten 4-6 Wochen nach
der Infektion wandern die Larven
durch die Blutgefäße der
Pferde und können dort große
Schäden wie Thrombosen und
Innere Blutungen hervorrufen.
Daraus ergeben sich mögliche
Folgeschäden wie Koliken, Infarkte
und Hinken. Selbst eine
Hirnhautentzündung kann
durch die wandernden Larven
ausgelöst werden. Unglücklicherweise
sind die im Blutsystem
des Pferdes wandernden Larven
durch Medikamente nur schwer
zu treffen. Am Ende wandern
die Larven wieder in den Dickdarm,
wo sie sich an die Darmwand
anheften und zu erwachsenen
Würmern reifen. Durch
die massive Schädigung der
Darmwand leiden die Pferde
dann unter Blutarmut, Durchfall,
Schwäche und Abmagerung.
Hygiene-Maßnahmen
wichtiger denn je
Aufgrund des oben geschilderten
Entwicklungskreislaufs ist es offensichtlich,
dass das Problem
mit den Magen-Darmwürmern
durch Medikamente allein nicht
zu lösen ist. Zumal durch die jahrelange
Bekämpfung mit Benzimidazol-
Präparaten die Palisadenwürmer
gegen diese Wirkstoffgruppe
inzwischen weitgehend
resistent geworden sind.
Ziel muss es also sein, das Niveau
der Neu-Infektionen so gering
wie möglich zu halten. Dafür
sollten alle Maßnahmen zur Förderung
der Weidehygiene genutzt
werden:
• Regelmäßige Wurmkuren, um
die Ausscheidung von Wurmeiern
zu reduzieren
• Wechsel von Schnitt- und Weidenutzung,
um den natürlichen
Schwund an infektionsfähigen
Larven auszunutzen
• Misch- oder Wechselbeweidung
mit Wiederkäuern
("Staubsaugereffekt"), denn
die Blutwürmer der Pferde
können sich im Wiederkäuer
nicht entwickeln
• Absammeln der Kotballen, um
möglichst viele Eier und Larven
von der Weide zu entfernen
• Düngung der Weide mit Kalkstickstoff,
um Wurmlarven zu
dezimieren
Larven auf der Weide dezimieren
Am Institut für Parasitologie der
Universität Gießen wurden in
den vergangenen Jahren umfangreiche
Untersuchungen zur
Wirkung von Kalkstickstoff auf
die Larven der Strongyliden gemacht.
Dabei bestätigte sich, dass
durch eine Cyanamidkonzentration,
wie sie mit einer Kalkstickstoffgabe
von 300 bis 400
kg/ha erreicht wird, innerhalb
von 8 Tagen rund 90% der Strongylidenlarven ausgeschaltet werden.
Bei niedrigen Temperaturen
sind tendenziell höhere Aufwandmengen
bzw. längere Einwirkungszeiten
erforderlich, um
den gleichen Hygiene-Effekt zu
erzielen. Die Parasitenlarven sind
also schwerer zu bekämpfen,
wenn sie ihre Aktivitäten aufgrund
niedriger Temperaturen
eingestellt haben. Damit bestätigt
sich die alte Regel, dass mit der
Kalkstickstoffdüngung im Frühjahr
bis zur Forsythienblüte gewartet
werden sollte, so dass
schon eine gewisse Erwärmung
des Bodens eingetreten ist und
die Larven sich bereits an der
Bodenoberfläche tummeln.
Die richtige Anwendung von
Kalkstickstoff
Zur Frühjahrsdüngung und zur
Verbesserung der Weidehygiene
werden je Hektar Pferdeweide
350 bis 400 Kilogramm Kalkstickstoff
Perlka gestreut. Das
Ausbringen des Düngers erfolgt,
wenn die Grasnarbe abgetrocknet,
der Boden hingegen noch
feucht ist. Damit ist gewährleistet,
dass die Düngerkörnchen auf
den Boden durchrieseln und
nicht an den Pflanzen haften bleiben.
Die Kalkwirkung des Kalkstickstoffs
beugt Verschlämmungen
vor und begünstigt das
schnellere Abtrocknen der Weide.
Auch hierdurch wird den Parasiten
das Überleben erschwert.
Die gleichmäßige und lange anhaltende
Stickstoffwirkung fördert
die wertvollen Untergräser
und begünstigt so die Bildung
einer dichten und strapazierfähigen
Grasnarbe. Zwei Wochen
nach der Kalkstickstoff-
Düngung können die Pferde wieder
auf die Weide gelassen werden,
selbst wenn am Boden noch
Überreste der Düngerkörnchen
sichtbar sind. Vor dem Auftrieb
sollten die Tiere natürlich medikamentös
entwurmt worden
sein. Eine Nachdüngung ist
frühestens erst wieder im Juli
notwendig. Hier können dann
nochmals 200 bis 300 Kilogramm
Kalkstickstoff gestreut werden,
um die inzwischen hinzugekommenen
Parasitenlarven zu
dezimieren.
Dr. Hans-Jürgen Klasse, Trostberg |
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