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Der Elektrozaun Jeder Pferdehalter muss auch für eine ausbruchssichere, gut sichtbare
und verletzungshemmende Einzäunung Sorge tragen. Spätestens,
wenn man die Idee eines Zaunbaus schon in die Tat umgesetzt
hat, weiß man, dass pferdegerechte Zäune nicht unbedingt
billig und einfach aufzustellen sind. Zeit- und geldsparende Zäune
ergeben meist einen mangelhaften Sicherheitsaspekt, darum
heißt es "Augen auf" bei der Auswahl der Pferdeeinzäunung. In den letzten Jahren haben die
verschiedensten Arten von Elektrozäunen
einen starken Aufschwung
erlebt. Der günstigere
Anschaffungspreis, die lange
Haltbarkeit und die leichte Aufstellbarkeit
sprechen für diese
Zaunvariante. Die Pferde zeigen
zumeist Respekt vor dem Elektrozaun
und machen ihn dadurch
zu einer echten Alternative zum
feststehenden Holzzaun.
Sicherheitsaspekt
Dennoch haben sich die verschiedenen
Elektrozäune nicht
immer als sicher erwiesen: Viele
Pferde erkennen sofort, wenn der
Strom ausgeschaltet ist, und
schlüpfen durch die Elektrobänder.
Durch einen "windigen"
Elektrozaun rennen einige Vierbeiner
einfach durch. Die Bänder
reißen dann meist, und nicht
selten tragen die Pferde dann
Schnittverletzungen davon, die
durch die scharfrandigen Kunststoffbänder
hervorgerufen werden.
Sichtbar ist sicher
Diese Devise gilt auch beim Elektrozaun.
Darum verwendet man
für Weiden, die allein mit Elektrozaun
eingezäunt werden sollen,
extrabreite Bänder. Diese Breitbänder
sind mindestens vier Zentimeter
stark. Allerdings stellt die Windundurchlässigkeit der
meisten Bänder einen Nachteil
dar.
Auf die Pfähle übertragen sich
bei Sturm starke Belastungen,
und auch die Bänder sind einem
starken Zug ausgesetzt. Sie dehnen
sich und hängen durch. Es
ist darum unerlässlich, sie regelmäßig
nachzuspannen. Bei
starker mechanischer Beanspruchung
können auch die stromführenden
Drähte reißen, und
der Stromfluss wird unterbrochen.
Akzeptanz
Wie die Erfahrung gezeigt hat,
ist die Akzeptanz des Elektrozaunes
sehr stark vom Temperament
und Charakter des Pferdes
und damit auch von der Pferderasse
abhängig. Es kann daher
keine pauschale Antwort auf die
Frage gegeben werden, ob und
wie ein Pferdehalter nun einen
Elektrozaun einsetzen soll.
Der Elektrozaun ist sicher nicht
für alle Pferde geeignet;
grundsätzlich kann er aber als
Ergänzung zum feststehenden
Holzzaun eingesetzt werden.
Einerseits gibt das doppelte
Sicherheit, und andererseits
wird verhindert, dass die Pferde
das Holz annagen oder/und die
Pfähle wegdrücken.
Der Elektrozaun kann sowohl als
feststehender Zaun installiert
werden als auch als Mobilzaun
Verwendung finden. Beim feststehenden
Zaun werden Pfähle
aus Holz oder Kunststoff (die
vom Durchmesser her nicht so
stark sein müssen wie die Pfähle
eines Holzzaunes) verwendet,
die wie auch beim festen
Holzzaun in den Boden gegraben
oder gerammt werden. Qualitäten:
Was die "Praxis"
ergeben hat
Bei manchen Kunststoffpfählen
kann es Probleme geben: Für
den Elektrozaun werden meist
Recycling-Kunststoffpfähle angeboten,
die den Preis eines
Holzpfahles halten. Die Qualität
lässt jedoch of zu wünschen
übrig. Auch hier gilt: Der Preis
regelt die Qualität. Die Pfähle
können bei mechanischer Beanspruchung
oder großer Hitze
teilweise extrem verbiegen.
Für gute Qualität muss man halt
tiefer in die Tasche greifen.
Den Rohstoff für die Kunststoffpfosten
liefern Abfälle der Kunststoffindustrie.
Es gibt sie in runder
oder eckiger Form. Manche Vertreiber
machen damit Werbung,
dass man bei Recyclingpfählen von
einer Lebensdauer von hundert
Jahren ausgehen kann.
Vorteile
Der große Vorteil der Recyclingpfosten
ist die optimale Bearbeitbarkeit.
Der Pfahl kann genagelt,
geschraubt und mit den
üblichen Holzbearbeitungswerkzeugen
gebohrt und gesägt werden.
Isolatoren mit Gewinde lassen
sich sogar ohne Vorbohrung
in den Pfahl einschrauben.
Die Eckpfähle werden durch das
Spannen der Elektrobänder am
stärksten beansprucht. Daher
muss besonders auf deren Halt
geachtet werden. Wegen der Verbiegegefahr
der Recycling-
Kunststoffpfähle greift man bei
Eckpfählen oft wieder auf den
Holzpfosten zurück.
Mobilzaun
Beim Mobilzaun werden lediglich
dünne Kunststoffpfähle in
den Boden gesteckt (Manche
Hersteller bieten für die stark beanspruchten
Ecken des Mobilzauns
metallene Eckpfähle an,
die sich nicht verbiegen können
und der starken mechanischen
Beanspruchung an den Ecken bestens
gewachsen sind) und die
Breitbänder an den dafür vorgesehenen
Haken befestigt.
Dieser Zaun ist leicht umzurennen
und dient zum größten Teil auch
nur einer zeitweisen ‚Abstellung’
der Pferde zum Abgrasen einer
Wiese, zur Unterteilung einer Weide
und zur Pause auf einem Wanderritt
oder auf dem Turnier.
Risiko
Viele Pferdehalter vertrauen entweder
ihren Pferden oder dem
Elektrozaun ganz besonders, wenn sie ihre Vierbeiner sogar
während der Nacht auf einem
nur mit einer einzigen dünnen
Elektrolitze umzäunten Platz halten.
Oft funktioniert das bei bestimmten
Pferden auch, trotzdem
ist es ein entsprechendes Risiko
und darum keinesfalls zur Nachahmung
empfohlen.
Alternativen
Immer mehr im Kommen sind
Alternativen zu den Breitbändern,
die an Hütesicherheit größtenteils
doch einiges zu wünschen
übriglassen, vor allem, wenn man
sich nicht für die beste Qualität
entscheidet. Der große Trend geht
zurzeit zu den Elektroseilen, die
noch am ehesten akzeptiert werden
können. Diese werden in unterschiedlichen
Stärken angeboten
und haben eine wesentlich
höhere Widerstandskraft mechanischen
Beanspruchungen gegenüber.
Dadurch sind auch die
eingeflochtenen stromführenden
Drähte haltbarer und brechen seltener.
Mitunter werden auch die Elektroseile
in Verbindung mit reinen
Drähten verwendet, was allerdings
mit Skepsis betrachtet
werden sollte, da die stromführenden,
wenn auch relativ
starken (2,5 Millimeter) Drähte
von den Pferden schlecht erkennbar
sind. Der Stromfluss
wird allerdings nicht durch
Kunststoffteile behindert, und so
zeigen die meisten Pferde besonders
großen Respekt vor dem
Seil-Draht-Zaun.
Wirkungen:
Stromschläge als
psychologische Barriere
Elektro-Zäune lösen durch
Berührung einen Stromschlag
aus, der beim Tier einen Schock
hervorruft. Je stärker der Schlag
ist, desto größer ist in Zukunft
meist auch der Respekt vor dem
Zaun.
Das bedeutet, dass der Zaun eine
‚psychologische Barriere’ darstellt.
Pferde allerdings, die in Panik
geraten und keine gut sichtbare
Barriere erkennen, rasen
meist blindlings in den Zaun hinein:
Die psychologische Barriere
wird durch Panik und die folgende
Fluchtreaktion ausgeschaltet.
(Das Pferd denkt nicht
mehr, es rennt nur noch.)
Pferdebesitzer berichten darum
auch unterschiedlich über diesen
Seil-Draht-Zaun: Die einen sind
höchst zufrieden, noch nie ist ein
Pferd hineingelaufen, andere wiederum
haben bereits zusätzlich
Breitbänder und Feststangen zur
sichtbaren Barriere angebracht,
weil schon einige Male die Tiere
durch den Zaun gebrochen sind.
Vorteile dieses Elektro-Festzaun-
Systems sind der relativ
günstige Preis und der schnelle
Aufbau. Die Sicherheit ist jedoch
auf alle Fälle in Frage zu
stellen.
Neben der Sicherheit der Tiere
ist beim Aufstellen eines Elektrozaunes
auch auf die Sicherheit
der Menschen zu achten. Die Aufstellung
von Warnschildern
(‚Vorsicht Elektrozaun’) in Abständen
von etwa 100 Metern ist
daher Pflicht. Längs öffentlicher
Wege und Straßen ist das Hinweisschild
auf alle Fälle vorgeschrieben.
Das Elektro-Zaun-Gerät:
Der Markt
hat viele Angebote
Die Sicherheit eines Elektrozaunes
hängt in erster Linie von
der Funktionalität des Elektro-
Zaun-Gerätes ab. Ein Nachteil
von Elektrozäunen ist es, das die
Batterien des Elektro-Zaun-
Gerätes immer wieder überprüft
und aufgeladen werden müssen.
Geräte mit Stromanschluss werden
aber auch angeboten, ebenso
wie Sonnenkollektoren. Die
mit Sonnenenergie betriebenen
Geräte sind allerdings recht teuer,
und Geräte mit Stromanschluss
können nicht immer eingesetzt
werden, weil dieser oft
fehlt.
Großes Angebot an Geräten
So wird doch wieder vielfach auf
die ‚guten alten’ Batteriegeräte
zurückgegriffen. Auch hier gibt
es Unterschiede. Manche Geräte
werden mit 9-Volt-Trockenbatterien
betrieben, andere mit 12-Volt-
Nassbatterien (Autobatterie). Es
gibt auch Geräte, die mit Nassoder
Trockenbatterien betrieben
werden können. Den Überblick
zu behalten, fällt schwer bei der Vielzahl von Angeboten bei den
Weidezaungeräten.
Für welchen Einsatz?
Für die Auswahl des richtigen
Gerätes ist der Einsatzbereich entscheidend:
Wie lang ist der Zaun?
Wie stark ist der Bewuchs? Welche
Tiere werden gehalten? Nach
den in den Prospekten angegebenen
Daten kann man dann das
passende Elektro-Zaun-Gerät
herausfinden. Zu beachten ist
allerdings, dass der Zaunlänge
nach VDE nur eine theoretische
Bedeutung zukommt; Erfahrungen
haben gezeigt, dass man die
Angabe der Zaunlänge fast um
die Hälfte verkürzen sollte.
Joule und Volt:
Zwei Leistungsangaben
reichen
Zur Beurteilung eines Elektro-
Zaun-Gerätes reichen im Normalfall
zwei Leistungsangaben
aus:
Das sind die Impulsenergie oder
Entladeenergie (gemessen in Joule)
und die Zaunspannung (gemessen
in Volt). Die Impulsenergie
ist der maximal mögliche
Energieinhalt eines Impulses, den
ein Gerät an den Zaun abgeben
kann. Je höher die Impulsenergie,
umso stärker ist die Schlagkraft
und umso besser wird der
Bewuchs am Zaun vernichtet.
Geräte mit einer Entladeenergie
von 0,5 Joule sind für kurze
Zäune, wenig oder gar keinen Bewuchs
und leicht zu hütende
Tiere geeignet. Mittlere Geräte
haben 1,0 bis 5,0 Joule Impulsenergie.
Geräte mit mehr als 5,0
Joule wurden für lange Zäune,
starken Bewuchs und schwer zu
hütende Tiere entwickelt.
Bei Geräten dieser Klasse muss
darauf geachtet werden, dass die
Sicherheitsanforderungen von
weniger als 5,0 Joule bei 500
Ohm (Berührung durch Mensch
oder Tier) erfüllt werden.
Leider wird bei einigen Elektro-
Zaun-Geräteanbietern nur die
Lade-, nicht aber die Entladeenergie,
die immer geringer als die
Ladeenergie ist, angegeben.
Bei der in Volt gemessenen Zaunspannung
muss nach VDE eine
Mindestspannung von 2000 Volt
vorhanden sein. Viele Hersteller
empfehlen eine Mindestspannung
von 3000 Volt.
Wichtig ist dabei die Spannung
am Zaun unter Belastung, nicht
die Spannung, die ein Gerät im
Leerlauf ohne Zaun abgibt.
Meist wird auch die Spannung
bei 500 Ohm angegeben.
An Zubehör gibt es für die Elektrozäune
eine ganze Menge. Von
den Isolatoren angefangen, bis
über Zaunschalter, Zaunkontrollgerät
und Blitzschutzset
reicht das Sortiment.
Text/Fotos: Mediendienst Wienkamp |
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