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Das Sammeln von ungebrauchten Briefmarken Die Idee von Richard Borek, auch ungebrauchte
Briefmarken zu sammeln,
stellte die philatelistische Welt 1906 auf
den Kopf. Der Briefmarkenhandel, soweit
man überhaupt schon davon sprechen
konnte, beschränkte sich in dieser
Zeit auf den An- und Verkauf von
gebrauchten Briefmarken. Das bedeutete
im Umkehrschluss: Man konnte
immer nur das verkaufen, was vorher
erstanden worden war. Ein kontinuierlicher
Wareneingang und Warenausgang,
also ein regelmäßiges Briefmarkengeschäft,
war nicht gegeben.
Mit dieser Geschäftsausrichtung, das
erkannte der Gründer des gleichnamigen
Briefmarkenhauses Richard Borek
weit vor der Konkurrenz, ging eine unsinnige
Selbstbeschränkung einher.
Erschwerend kam hinzu, dass kein Briefmarkensammler
seine hochwertige Kollektion
einem Händler per Post zuschickte.
Um die Marken zu begutachten,
mussten mitunter lange Reisen auf
eigene Kosten zu den Kunden unternommen
werden. Nur selten fand dabei
eine komplette Sammlung auch den
Weg nach Braunschweig. Damit blieb
der Wareneingang ein Zufallsgeschäft.
Am Anfang stieß das Sammeln ungebrauchter
Briefmarken auf die Bedenken
der eher konservativ ausgerichteten
Philatelisten. Mit umfangreichen
Werbeaktionen konnten von Richard
Borek die bestehenden Vorbehalte der
Kunden aber schnell entkräftet werden.
Wichtigste Argumente waren dabei zu
jener Zeit die sofortige Verfügbarkeit
und Qualität sowie die Chancen auf eine
rasche Wertentwicklung. Aber auch die
komplett erhaltene Schönheit war eine
wichtige Begründung, ungebrauchte
Briefmarken zu sammeln.
Schritt für Schritt erfolgte in dem gerade
gegründeten Briefmarkenhaus die
Kontaktaufnahme zu allen wichtigen
europäischen und außereuropäischen
Postverwaltungen. Schon wenig später
erreichten die ersten postfrischen
Neuausgaben das aufstrebende Unternehmen
in Braunschweig für den Weiterverkauf.
Die eingehenden Briefmarken der verschiedenen
Postverwaltungen mussten
jetzt in ein logisches und sicheres Aufgewahrungssystem
eingeordnet werden.
Auch hier zeigte sich einmal mehr
der Einfallsreichtum von Richard Borek.
Mithilfe kleiner Holzkästen, die wiederum
in sich fächerartig unterteilt
waren, wurde die Ware aus aller Welt
einsortiert. Jeder Behälter stand dabei
für ein Land. Wurden von einer Postverwaltung
viele Marken ausgegeben,
mussten auch entsprechend viele Holzkästen
mit dem Namen des Landes
präpariert werden.
Durch die Borek-Idee, ungebrauchte Briefmarken
zu sammeln, bekamen der Briefmarkenhandel
und die Philatelie in
Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts
wesentliche Impulse. Aus Briefmarkentrödlern
wurden Briefmarkenhändler
mit allen Rechten und Pflichten.
Das Geschäft mit den Briefmarken präsentierte
sich damit auch nach außen hin
seriös und bekam die wichtige Anerkennung
der Kaufmannschaft.
Text: Richard Borek GmbH & Co. KG |
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