Nasenspiele

Nelly wird der Futterbeutel präsentiert

Bildquelle: Björn Eickhoff

Nelly sieht mich an. Jeden Moment will sie losstürzen. Alles an ihr ist angespannt. Ihr ungeduldiger Blick will mir sagen: "Sag es! Ich bin bereit! Nun mach schon!" Fünf Minute vorher habe ich sie an einen Baum angebunden, sie absitzen lassen und bin losgezogen, um ihren Futterbeutel zu verstecken. Der liegt jetzt in einer Bodensenke unter Laub versteckt ca, 100 m entfernt. Die ersten 50 m folgte ich dem Waldweg, bog dann rechts ab, in ein Durcheinander entwurzelter Bäume mit unzähligen Möglichkeiten den Beutel zu verstecken. Nelly wartete erwartungsvoll die ganze Zeit an ihrem Platz. Als ich zurück bin, mache ich sie an der Schleppleine fest (ich benutze eine ca. 8 m lange Pferde-Longe. Das Material ist weicher und schneidet micht so in die Hände, wie normale Nylon-Suchleinen). "Such!" Mit dem Hörzeichen explodiert Nelly förmlich und schiesst den Waldweg entlang. Die 8 m der Leine hat sie in Null komma Nichts abgerollt und so versuche ich am anderen Ende mit ihr Schritt zu halten. An der Stelle, wo ich rechts abgebogen bin (Die Stelle hatte ich mit einer Wäschklammer im Ast eines Baumes markiert), schiesst sie dran vorbei. Sie wird langsamer. Verdammt, die Spur ist weg! Nelly fängt an zu pendeln. Mal links, mal rechts, mal zurück. Die Nase fest auf den Boden gedrückt, schnuppert sie sich ihren Weg. Als das nichts hilft, bleibt sie stehen und hebt sie die Nase in den Wind. 2 - 3 Sekunden wittert sie angestrengt, dann gibt sie wieder Gas, runter vom Weg, rein ins Unterholz. Sie kürzt im spitzen Winkel den Weg zurück ab, findet die Spur wieder, die ich gegangen war und setzt die Suche fort. Als der Futterbeutel nur noch 5 m entfernt ist, wird Nelly langsamer. Sie hat gemerkt, dass ihr Suchobjekt ganz in der Nähe ist. Wieder fängt sie an zu pendeln, überläuft die Senke, kehrt aber sofort zurück und buddelt mit Nase und Vorderpfoten im Laub. Endlich! Da ist er. Sie packt den Futterbeutel und fängt an, ihn heftig totzuschütteln. Gleichzeitig macht sie kleine Sprünge. Es sieht aus würde sie einen Freudentanz vollführen. Mit dem Hörzeichen "Aus" legt sie den Beutel ab, damit ich ihn öffnen und sie fressen lassen kann. Die ganze Suche hat nicht mehr als 1 Minute gedauert. Davon mache ich pro Spaziergang etwa 4 - 5 Durchgänge. Das lastet Nelly mehr aus als 30 Minuten Stöckchen werfen. Auch ist die Qualität der Auslastung bei der Suche wesentlich besser, da Nelly nicht nur ihren Körper sondern auch ihren Kopf gebrauchen muss. Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass 1/8 des Hundegehirns damit beschäftigt ist, Gerüche in die Bestandteile zu zerlegen und das mit einer so rasenden Geschwindigkeit, die wir visuellen Primaten in keinster Weise nachvollziehen können. Gerüche werden in der Nase von der Riechschleimhaut aufgenommen und an das Gehirn weitergeleitet. Die Riechschleimhaut des Hundes ist im Gegensatz zum Menschen sehr gross. Die menschliche Riechschleimhaut ist ca. 2 - 5 cm² gross. Die vom Dackel hat etwa 75 cm², die des Deutschen Schäferhund ca. 150 cm² und die des Bloodhound hat bis zu 250cm². Wenn man die Werte vergleicht, wird klar, dass wir Menschen die Geruchswelt des Hundes in keiner Weise erfassen können. Auch wird dadurch deutlich, warum der Hund bei Nasenspielen mehr beansprucht wird, als bei eher körperlichen Spielen, wie Stöckchen werfen oder Agility. Das wirklich Schöne an der Nasenarbeit ist, dass man diese geistig-körperliche Auslastung mit verhältnismäßig geringem Aufwand erreicht. Man braucht keinen besonderen Hundeplatz mit Trainingsgerät oder besonders hochwertige Hilfsmittel. Für die einfachen Suchspiele reicht ein Leckerchen und eine Leine. Aber bevor wir in den Wald gehen und den Futtersack verstecken, damit unser Hund ihn suchen kann, müssen wir erst einmal ganz einfach anfangen. Wie immer in der Hundeerziehung gehen wir vom Einfachen zum Schweren und von Orten mit wenig bis keiner Ablenkung zu Orten mit viel Ablenkung.

Nelly hat es fast geschafft

Bildquelle: Björn Eickhoff

Stufe 1 Verknüpfung des Hörzeichen "Such" oder ähnliches
Die Stufe 1 beginnt bei Ihnen zuhause. Dies ist ein Ort mit geringster Ablenkung, den Ihr Hund sehr gut kennt. In Ihrem Wohnzimmer sollten Sie sich 4 - 5 Verstecke aussuchen, die nicht wirklich Verstecke sind. Also Verstecke von der Marke Supereinfach, wo Sie sagen würden:"Ist ja gar nicht versteckt!" Aber der Hund soll ja das Hörzeichen "Such" mit der Handlung Suchen verknüpfen und das geht nur mit supereinfachen Verstecken.

Zu Beginn lassen Sie Ihren Hund im Zimmer absitzen oder wenn er zu aufgeregt ist, wird er mit der Leine irgendwo fest gemacht. Dann "verstecken" Sie das Leckerchen und Ihr Hund darf die ganze Zeit zusehen. Wenn Sie fertig sind, gehen Sie zurück zum Hund und geben das Hörzeichen "Such". Meist geht der Hund sehr zielstrebig auf die Futterqquelle zu. Sollte er das nicht tun feuern Sie ihn an und geben ein wenig Hilfestellung bis er sein Leckerchen gefunden hat. Egal wie lange er braucht, werden Sie nicht sauer oder so, das könnte dem Hund die ganze Suche verleiden. Motivieren Sie ihn weiterzumachen. Er soll schliesslich auch Spass daran haben. Und wenn er das Leckerchen findet wird er zusätzlich noch ausgiebig gelobt, egal wie lange er gebraucht hat.

Diesen Übungsaufbau sollten Sie einige Male durchführen. Und über den Tag verteilt immer mal wieder wiederholen. Bis Sie merken, dass Ihr Hund immer zielstrebiger die Verstecke absucht. Dann können Sie dazu übergehen, den Hund ausserhalb des Zimmers warten zu lassen, während Sie die Leckerchen verstecken.

Nach und nach können Sie die Suche auf die ganze Wohnung ausdehnen und Ihren Hund dabei beobachten, wie er sucht. Mit der Zeit werden Sie erkennen, wann der Hund die Spur hat und wann nicht. Das ist draussen im Wald schon von Vorteil, wenn man sieht, ob der Hund was in der Nase hat oder nicht.

Ich wiederhole die Übungen mit Nelly immer mal wieder. Gerade an Regentagen, wenn es wie aus Kübeln schüttet, laste ich sie zwischendurch zuhause mit Suchen aus und kann so die Spaziergänge verkürzen. Auch wenn ich mal wenig Zeit habe, bieten sich die Übungen der Stufe 1 für Zwischendurch an.

Stufe 2: Raus aus dem Haus!
Wenn Sie einen Garten haben, nutzen Sie ihn. Aber auch ohne Garten haben Sie bestimmt eine Stammrunde, die Sie oft mit dem Hund gehen und die er gut kennt. Dort wird es bestimmt auch eine Wiese geben, die Sie nutzen können.

Nehmen Sie sich anfangs ein Rechteck von 2 x 3 m. Auch hier darf der Hund zusehen, wie Sie die Leckerchen verstecken. Nach ein paar Druchgängen können Sie langsam schwieriger werden. Sie bleiben bei der o. g. Fläche und bringen Ihren Hund nach dem Auslegen des Leckerchen ins Fuss, führen ihn ein paar Mal im Kreis und lassen ihn dann suchen.

Meistert Ihr Hund auch das, können Sie die Fläche langsam vergrößern. Wenn Sie wollen, können Sie auch ab jetzt ein Suchobjekt einführen (z. B. Futterbeutel, Spielzeig, etc.), das Ihr Hund in Zukunft suchen darf. Ich persönlich benutze gerne einen Futterbeutel, der einige Vorteile in der Sucharbeit hat:
– da der Futterbeutel aus Stoff ist, nimmt er mit der Zeit einen unverwechselbaren Geruch für den Hund an.
– Der Hund sucht nicht mehr Leckerchen und verschlingt diese direkt und unkontrolliert. Da es leider einge Idioten gibt, die Giftköder gegen Hund auslegen, wird durch den Futterbeutel die Gefahr einer Vergiftung minimiert.
– Der Hund kommt nicht ohne unsere Hilfe an den begehrten Inhalt. Wir werden für den Hund dadurch wichtiger.
– Dummies kann man auch in Äste hängen und dadurch die Suche abwechslungsreicher machen.

Hier draussen können Sie die Suche auch mal auf Video aufzeichnen und später zuhause in Zeitlupe nochmal sehen, um das Anzeigeverhalten Ihres Hundes besser erkennen zu können

Nelly hat es geschafft und den Futterbeutel gefunden

Bildquelle: Björn Eickhoff

Stufe 3 Ab in den Wald und zusammen Spass haben!
Nun geht von der bekannten Umgebung ins Unbekannte. Das heißt, die Ablenkung durch andere Umgebungseinflüsse wird grösser. Die Suche wird schwieriger für Ihren Hund. Aber von Mal zu Mal wird sie abwechslungsreicher, da Sie die vorhandenen Gegebenheiten nutzen können. Da gibt es unzählige Verstecke oder Hindernisse, die überwunden werden müssen, bevor der Hund an das Suchobjekt herankommt.

Auch hier sollten Sie wieder mit kleinen Suchflächen anfangen, um Ihren Hund nicht zu überfordern. Nach und nach sollten Sie dann den Schwierigkeitsgrad der Verstecke erhöhen, bevor Sie die Suchfläche vergössern.

Aber auch jetzt sind Sie schon in der Lage die Suchspiele in Ihre täglichen Spaziergänge zu integrieren. Zu dem Ablauf dabei ist zu sagen, dass man bei der ersten Suche des Tages eher leicht anfangen sollte, damit der Hund warm wird. Auch wir sind meist nicht in der Lage aus dem Stand Höchstleistungen zu vollbringen, also muten Sie das bitte auch nicht Ihrem Hund zu. Danach können die Suchlage schon anspruchsvoller werden. Nur sollten Sie beachten, dass Sie leichte und schwere Übungen abwechseln damit der Hund nicht überlastet wird.

Was Sie den Hund am Ende suchen lassen, bleibt Ihnen überlassen. Ich nutze den Futterbeutel. Bei Ihnen kann der Hund auch die Autoschlüssel oder die Geldbörse suchen. Man kann ihm auch vor der eigentlichen Suche zuerst das Anzeigen des Suchobjektes beibringen, so dass er sich davor ablegt und es nicht in den Fang nimmt.

In meiner Praxis als Tierpsychologe setze ich sehr häufig die Suchspiele als Auslastungsmöglichkeit für die Hunde ein. Die artgerechte Auslastung ist bei mir ein wichtiger Bestandteil des Trainigplans, wenn es um Jagdverhalten, Agressivität oder Hyperaktivität geht. Aber auch bei körperlich eingeschrängten Hunden hat sich die Nasenarbeit bewährt.


Textquelle:

Tierverhaltensberatung & Hundeschule
Björn Eickhoff
Obmettmann 2
40822 Mettmann
www.pfotentrainer.de
Tel 0163 - 200 84 07
Fax 069 - 13305650273

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Achtung neue Internetadresse

Die Internetadresse der Tierverhaltensberatung Björn Eickhoff hat sich geändert. Ab sofort finden Sie mich unter www.pfotentrainer.com!
Liebe Grüsse
Björn Eickhoff

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