Hundekauf - Der Weg zum eigenen Hund

Sonntags morgens am Tisch. Die Eltern sitzen mit ihren 2 Kindern beim Frühstück, da meldet sich die Tochter: "Ich will einen
Hund
haben!" "Ich auch", meint der Sohn. Die Eltern sind auch nicht abgeneigt und so beschließt man, heute nach einem Hund zu suchen.

Der Anzeigenteil der Zeitung ist eine gute Anlaufstelle und man findet mehrere Möglichkeiten. Schnell werden diese angerufen, aber meist erfährt man, dass man nicht sofort einen Hund mitnehmen kann. Aber am Ende findet man doch einen Anbieter, der meint: "Wir haben immer Welpen verschiedener Rassen, die Sie sofort mitnehmen können."

Natürlich fährt die Familie sofort hin und steht kurze Zeit später vor einem Riesenzwinger, in dem sich 30 - 40 Tiere verschiedener Rassen tummeln. Die Auswahl überlässt man den Kindern, die sich schnell einig werden und sich für einen Terrier entscheiden.

Der Anbieter ist hocherfreut, beglückwünscht zu der Wahl und kassiert das Geld ein. Hocherfreut nimmt die Familie das neue Mitglied mit und alle sind glücklich. - Kurze Zeit später verendet der kleine Welpe!

Anmerkung der Redaktion: Und den Verkäufer kann man meist auch nicht wiederfinden. Von dem hatte man ja nur die Handynummer aufgeschrieben. Traurig für den kleinen Welpen, der dem Hundehändler sowieso egal war und auch die Seelen der Menschen. Aber letztlich haben die Käufer dies mit zu verantworten. Billig und schnell sollten Ihre Wünsche erfüllt sein! Aber ein Leben bekommt man eben nicht immer schnell und billig eigentlich auch nicht!

Solche oder ähnliche Geschichten laufen in Deutschland ständig ab! Aber wie findet man den richtigen Hund? Grundsätzlich ist der Hundekauf keine Sache, die am Sonntagnachmittag geregelt werden kann. Man sollte sich auf jeden Fall sehr viel Zeit lassen und gründlich überlegen, ob und was für einen Hund man haben will.

An aller erster Stelle müssen Sie sich die Frage stellen, ob Sie wirklich Zeit für den Hund haben. Dabei meine ich vorrangig nicht, wie oft am Tag Sie mit ihm raus gehen. Sondern Sie sollten bedenken, dass ein Hund 10 bis 18 Jahre alt werden kann. Sehen Sie sich objektiv Ihre Lebenssituation an. Was ist in 2, 5 oder 8 Jahren? Ändert sich vielleicht Ihre Lebenssituation so grundlegend, dass Sie den Hund abgeben müssen. Wenn Sie dies im Vorfeld wissen, dann kaufen Sie sich keinen Hund.

Die nächste Frage ist dann, wie viel Zeit haben Sie am Tag für den Hund. Da sollten Sie schon 4 Stunden kalkulieren. Wenn Sie mehrere Personen in der Familie sind, klären Sie, wann wer Zeit hat, um sich um den Hund zu kümmern. Nichts ist schlimmer als ein arbeitsloser Hund, der Fehlverhalten entwickelt, weil er nicht ausgelastet wird. Diese Hunde enden schnell im Tierheim oder werden ausgesetzt.

Erst jetzt sollten Sie sich die Frage nach der Rasse stellen. Hier sollten Sie sich sehr genau informieren, welche Hunderasse zu ihnen passt. Suchen Sie ruhig mal Hundeauslaufgebiete auf und sprechen Sie die Hundehalter an, wie deren Hund so drauf ist. Hundeschulen oder Tierpsychologen beraten und unterstützen Sie auch bei der Auswahl der Rasse bzw. des Züchters und des Hundes. Es gibt auch Hunderassebücher, die einen guten Überblick geben und gar nicht so teuer sind.

Wenn Sie nun wissen, welche Rasse es werden soll, sind Sie immer noch nicht aus dem Gröbsten raus! Denn jetzt kommt die Qual der Wahl, wo kaufe ich den Hund?

Im grenznahen Gebiet in den Ländern Ungarn, Tschechien, Polen etc. kann man Hunde für „nen Appel und nen Ei“ auf Wochenmärkten kaufen! Diese Hunde haben u. U. sogar einen „Impfpass“. Aber meist gehen sie schon auf dem Rückweg ein oder kurz danach. Weil meist der Impfpass getürkt ist und der Welpe weder entwurmt noch geimpft ist.

Aus den gleichen Ländern gibt es immer öfter illegale Tiertransporte. Da werden Welpen und Junghunde zu Hauf in Transportern eingesperrt und über die Grenze nach Deutschland geschafft und hier wieder preiswert weiterverkauft. Auch da sollten sie die Finger von lassen. Sie werden nicht glücklich!

Aufgebracht wird natürlich nur ein kleiner Anteil dieser Tiertransporte. Der Großteil erreicht sein Ziel. Oft kommen diese Hunde dann zu Hundehändlern, die sie sehr preiswert einkaufen und mit hoher Gewinnspanne weiterverkaufen. Wenn man diese Händler fragt, wo die Hunde herkommen, bekommt man meist die Antwort, dass die Hunde von einem inländischen Bauern stammen! Leider sei die Hündin gedeckt worden und so der Wurf entstanden. Man würde den Bauern schon seit Jahren kennen, etc blabla!

Auch eine sehr gängige Praxis der Hundehändler ist es, die Welpen bei Privatleuten zu parken. Die nehmen die Anrufe auf eine Zeitungsanzeige entgegen und vereinbaren einen Termin mit dem möglichen Käufer. Wenn diese dann vorbeikommen, werden sehr rührselige Geschichten erzählt. Immer ist versehentlich eine Hündin aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis gedeckt worden und man versuche die Welpen in verantwortungsvolle Hände abzugeben. Die Einnahmen teilen sich dann Hundehändler und sein Spannmann!

Kaufen Sie niemals Welpen bei solchen dubiosen Leuten. Ich kenne viele Menschen, die ein solches Tier gekauft haben und nicht glücklich geworden sind. Auch bemerken viele Käufer, dass etwas nicht stimmt. Aber wenn sie den Welpen im Arm haben und das bekannte Kindchenschema greift, schaltet sich bei diesen Leuten alles aus und sie müssen diesen Welpen kaufen. Später erzählen diese Leute dann, sie hätten den Welpen gerettet und vor Schlimmerem bewahrt, weil sie schon gemerkt hätten, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

Aber mit dem Verkauf des Welpen macht der Hundehändler Gewinn (und der ist nicht gerade klein)! Somit wird der Händler seine Vorgehensweise nicht ändern. Er wird weiterhin billig Hunde aus Welpenfabriken einkaufen, weil die Nachfrage ja da ist. In der Welpenfabrik werden weiterhin die Hündinnen in dunklen, engen Verschlägen gehalten. Bei jeder Läufigkeit gedeckt. Die Welpen werden viel zu früh von der Mutterhündin getrennt (Sie müssen ja noch nach Deutschland transportiert werden und sollen aber noch wie süße kleine Welpen aussehen). Wenn die Hündin nach 4-8 Jahren ihr Soll erfüllt hat, wird sie entsorgt!

Jetzt frage ich mich, wer wurde gerettet? Eigentlich keiner! Erst wenn der Hundehändler seine Welpen nicht verkauft bekommt, macht er keine Einnahmen mehr. Irgendwann lohnt sich sein Geschäft nicht mehr und er kauft in den Welpenfabriken nicht mehr ein. Die Welpenfabriken bekommen ihre Welpen nicht weg, verdienen auch nichts mehr und lassen ihr Geschäft sein.

Der nächste Ort, wo gerne Hunde verkauft werden, ist das Zoofachgeschäft. - Was man kann dort Hunde kaufen? In Deutschland? - Ja. Ganz normal und ganz legal! Bei mir ganz in der Nähe gibt es so ein Fachgeschäft, in dem man King Charles Spaniel kaufen kann. Auch dort finden Sie nur Welpen und keine Elterntiere.

Welpen sind nur süß, wenn sie klein sind und das Kindchenschema passt. Nur dann kann man sie wirklich gut verkaufen, weil sie uns Menschen einfach ansprechen. Also werden sie früh von den Eltern getrennt. Zusätzlich sollte man bedenken, dass die Tiere nach Ladenschluss und am Wochenende wohl im Laden bleiben. Da fragt man sich natürlich, welches Bild vom Menschen sich beim Hund einprägt.

Somit geht man her und versucht, beim Rassezüchter seinen neuen Hund zu kaufen. Eigentlich der richtige Weg! Aber Vorsicht; es gibt solche und solche!

Die Wahl des richtigen Züchters ist auch nicht gerade einfach. Auch hier sollte man genau hinschauen. Wenn man weiß, welche Rasse man haben will, ist der VDH ein guter Anlaufpunkt, um den zugehörigen Rasseclub zu finden. Dieser Club führt ein Verzeichnis anerkannter Züchter. Die Züchter haben meist eine Internetseite und dort holt man sich die ersten Informationen.

Züchter, die nur eine Rasse züchten, sind sehr zu empfehlen. Zwei gleich große Rassen sind auch OK. Aber ab drei Rassen wäre ich vorsichtig. Im Internet fand ich einen Züchter, der züchtete zwei kleine Terrier-Rassen und die entsprechenden Mixe. Die dritte Rasse war dann der Labrador! Da ist klar, wofür diese Rasse ist. Der Labrador ist Modehund und verkauft sich eigentlich immer (groß, tollpatschig = supersüss). D. h. die Daseinsberechtigung des Labbi in dieser Zuchteinrichtung ist Geld einbringen!

Hier muss ich gleich etwas über Modehunde loswerden. Es gibt Rassen, die sind sehr beliebt. Sei es aus den Medien oder von Bekannten oder Freunden! Dort hört man wahre Lobeshymnen auf diese Rassen und die werden dann gekauft ohne Rücksicht auf Verluste. Gerade diese Rassen sind beliebt bei den dubiosen Händlern und Züchtern. Weil sich damit richtig Knete verdienen lässt. Diese Rassen sind: Labrador Retriever, Golden Retriever, Border Collie, Australian Shepherd etc. Passen Sie da besonders gut auf!

Auch werden gerade Hütehundrassen ( Border, Aussie ) an die ungeeignetsten Leute verkauft. Ein krasses Beispiel ist der Border Collie Welpe, der an ein Ehepaar Mitte 70 verkauft wird. Dieser Hund kann von diesen Leuten gar nicht richtig ausgelastet werden und zeigt meist bald Problemverhalten, bis hin zu Agressionen. Also muss es doppelt gut überlegt sein, ob man einen Border Colli, einen Australian Shepherd oder eine andere Hütehundrasse anschafft. Diese sind wirklich alle schön und intelligent, aber brauchen auch wirklich alle einen aktiven Menschen.

Hat man die Vielhundezüchter ausgesondert, kann man die restlichen Züchter anrufen oder per email anfragen, ob Welpen abzugeben sind. Kommt dann eine Antwort, wie etwa: "Kommen Sie einfach vorbei, wir haben immer Welpen da!", wäre ich vorsichtig! Meist sind diese Zuchtanlagen sehr groß und gleichen fast Massenzuchtanlagen. Dort ist meist eine individuelle Betreuung der Welpen nicht gewährleistet.

Im absoluten Idealfall züchtet der Züchter nur eine Rasse. Das ist seine Lieblingsrasse und von der weiß er fast alles. Wenn Sie dort anrufen, kann es sein, dass der Züchter zur Zeit keine Welpen hat! Aber meist führt er eine Warteliste, in die er Sie gerne einträgt. Denn es sollte eigentlich nur gezüchtet werden, wenn der Bedarf da ist. Dann findet auch jeder Welpe einen neuen Besitzer.

Als Nächstes lädt Sie der Züchter zu sich ein, um Sie kennen zulernen und damit sie die Zuchtanlage besichtigen können. Natürlich sollten Sie dort auch die Hunde kennen lernen, allen voran die Mutterhündin. Wenn Sie nun dort sind und herumgeführt werden, kann es sein, dass der Züchter Sie detailliert zu Ihren Lebensgewohnheiten befragt. Das ist dann schon ein sicheres Zeichen, einen guten Züchter gefunden zu haben. Der gute Züchter sorgt sich um seine Hunde. Er will wissen, in welche Hände er Sie abgibt. Es kann auch sein, dass er Sie zu Hause besucht, um sich ein Bild zu machen. Der Züchter trägt die Verantwortung für seine Hunde und er kann Sie als Käufer auch ablehnen, wenn Sie ihm nicht passen. Meist nimmt er auch sein Hunde zurück, wenn es zwischen Ihnen und dem neuen Hund nicht klappt.

Ist der Züchter am Ende mit Ihnen zufrieden, können Sie bei Ihm einen Welpen erwerben. wie schon gesagt, kann es sein, dass er gerade keine hat. Dann müssen Sie bis zum nächsten Wurf warten.

Das ist aber eigentlich gar nicht schlimm. So sind Sie von Anfang an mit im Boot und erleben die gesamte Geschichte von der Begattung über die Geburt bis zu den ersten Gehversuchen Ihres Welpen. Sie werden in den Wochen, bis der Welpe zu Ihnen kommt, immer wieder den Wurf besuchen können.

In den 8 Wochen beim Züchter lernt der Welpe schon eine ganze Menge , so dass die Integration in Ihr Leben einfacher verläuft. Diese höhere Qualität der Tiere schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. So um die 1.000,- Euro müssen Sie schon rechnen.

Aber leider ist nicht alles Gold, was glänzt! Viel zu oft kann auch das Tier vom Züchter krank sein. Gerade wenn es um vererbte Gebrechen im Knochen- und Körperbau geht. Da müssen Sie sich die Ahnentafeln der Elterntiere ansehen, ob im Stammbaum solche Krankheiten schon vorgekommen sind. Wenn nicht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß ein gesundes Tier zu bekommen.

Bevor Sie sich einen Hund aus fragwürdigen Quellen besorgen, sollte Sie einen Blick in die Tierheime in Ihrer Umgebung werfen. Dort kann man vielleicht auch den passenden Hund finden.

Wenn es ein Rassehund sein soll kann man auch mal auf In-Not-Seiten im Internet schauen. Denn zu fast jeder Hunderasse finden Sie eine entsprechende Seite.

Meist werden Hunde Umstände halber abgegeben und nicht wegen Problemverhalten. Dies kann zwar mal der Fall sein. Aber meist bekommt man diese Probleme mit einem fähigen Trainer in den Griff und bleibt mit diesen Kosten meist unter dem Preis eines Welpen beim Züchter.

Nachwort
Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich sehr schlimme Sachen gesehen, die mich emotional sehr aufgewühlt haben. Dies merkt man sicherlich an der Art und Weise, wie ich schreibe. Ich habe auch lange überlegt, ob ich dieses Nachwort schreibe oder nicht. Aber ich denke, dass es doch schon sehr wichtig ist.

Ich finde es widerlich, dass der Hund so dermaßen zur Ware degradiert wird. Schnelles Geld ist es, was zählt. Aber gleichzeitig ist „Geiz geil“! Auf der anderen Seite stehen hohe Anforderungen der Züchter, die große Zeitinvestition und daher der hohe Preis für Welpen.

Eigentlich wollen die meisten Menschen nur den Freund, Gefährten oder Kumpel Hund haben, mit dem sie eine tolle Zeit haben. Deshalb schauen Sie immer zweimal hin, bevor Sie sich für einen Hund entscheiden. Er sollte zu Ihnen und Ihrem Leben passen. Nehmen Sie sich Zeit, um Ihren Hund auszuwählen. Nicht immer ist das erste Angebot das Beste!


Textquelle: Tierverhaltensberatung & Hundeschule Björn Eickhoff Obmettmann 2 40822 Mettmann www.pfotentrainer.de Tel 0163 - 200 84 07 Fax 069 - 13305650273

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Kommentare

Achtung neue Internetadresse

Die Internetadresse der Tierverhaltensberatung Björn Eickhoff hat sich geändert. Ab sofort finden Sie mich unter www.pfotentrainer.com!
Liebe Grüsse
Björn Eickhoff

SUPER

Super geschrieben, ich bin ganz deiner Meinung.

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