
Optimaler Hundespaziergang
Bildquelle: MEV
Viele Hunderassen wurden ursprünglich gezüchtet, um spezielle Aufgaben zu erledigen. So hatten sie zum Beispiel als Hüte-, Jagdhund oder als Haus- und Hofwächter ein erfülltes „Arbeitsleben“. Im heutigen Hunde-Alltag stehen diese rassespezifischen Eigenschaften meist nicht mehr im Vordergrund. Die Auswahl einer bestimmten Hunderasse erfolgt heute eher nach Optik als nach Eignung für das jeweilige familiäre Umfeld. Genau hier kann die Ursache liegen, wenn der Hund plötzlich alternative „Beschäftigungsstrategien“ entwickelt, die seinem Menschen nicht gefallen. Unterforderung ist oft die Ursache.
Dabei kann beispielsweise der gemeinsame Spaziergang wunderbar genutzt werden, um den Hund adäquat zu beschäftigen. Ganz nebenbei werden Mensch und Hund zu einem guten Team. Ein solcher Spaziergang lässt genügend Zeit zum „Geschäft erledigen“, aber auch zur Kontaktaufnahme mit Artgenossen. Zudem stehen jeweils kleine Gehorsamsübungen, ein gemeinsames Spiel oder Kopfarbeit auf dem Programm.
In Ruhe Geschäft erledigen und Sozialkontakte
Natürlich müssen Hunde genügend Zeit und Ruhe haben, ihr Geschäft zu erledigen. Der hektisch schnelle Spaziergang als lästige Pflicht sollte der Vergangenheit angehören.
Sozialkontakte bzw. das Zusammentreffen, Beschnüffeln und Herumtoben mit Artgenossen sind ebenso wichtig. Besonders junge Hunde können hierdurch genügend Erfahrungen sammeln, damit beispielsweise das Vorbeigehen an Artgenossen später nicht zum Problem wird. Hier reicht es nicht aus, dass der Hund einmal pro Woche in der Welpenspielstunde mit anderen Welpen spielen kann.
Versteht sich der Hund scheinbar nicht mit Artgenossen, sollte dies nicht als gegeben hingenommen werden. Mit Hilfe eines erfahrenen Trainers oder Hundeverhaltenstherapeuten können Ursachen für dieses Verhalten erkannt und das notwenige Verhaltensrepertoire bei Mensch und Hund eingeübt werden. Nicht selten spielt hier der Mensch am „anderen Ende der Leine“ eine zentrale Rolle. In der täglichen Arbeit erleben Hundetrainer oft, dass Hundebesitzer ihre Hunde hinsichtlich des Verhaltens gegenüber Artgenossen völlig falsch einschätzen.
Gemeinsames Spiel und Kopfarbeit
Gemeinsam spielen bedeutet nicht, den Lieblingsball 50 Mal hintereinander möglichst weit zu werfen, damit der Hund körperlich ausgelastet wird. Besonders bei jungen Hunden besteht hier zudem die Gefahr der zu einseitigen Aus- und Belastung. Beim intensiven Ballspiel werden vor allem die Gelenke durch das abrupte Abbremsen sehr stark beansprucht. Ganz nebenbei schafft man sich dadurch einen „Ball-Junky“.
Vielmehr sollten sich körperliche und geistige Beschäftigungsmöglichkeiten die Waage halten, zum Beispiel durch:
· Suchspiele bzw. Nasenarbeit,
· Apportier-/ Beutespiele,
· Versteck-/ Entdeckungsspiele,
· Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele.
Suchübungen sind immer eine willkommene Abwechslung für den Hund. Das Lieblingsspielzeug oder ein Leckerli kann beim Waldspaziergang wunderbar hinter oder auf einem Baumstamm versteckt werden. Gehen mehrere Personen mit dem Hund Gassi, kann sich auch ein Mensch verstecken, besonders bei Kindern ein beliebtes Spiel. Lässt man den Hund vor dem Suchen ein Kommando wie Sitz oder Platz ausführen, perfektioniert man ganz nebenbei noch den Grundgehorsam. Hat der Hund ein Jagdproblem, ist es sogar wichtig, dass der Hund nicht unkontrolliert hinter der Beute herjagen darf, sondern lernt, erst auf ein entsprechendes Kommando mit der Suche oder dem Apportieren der Beute zu beginnen. Hört der Hund noch nicht ausreichend, so dass er unangeleint suchen kann, ist eine Schleppleine empfehlenswert, da der Hund dann auch über eine größere Distanz zum Suchen losgeschickt werden bzw. keine Eigendynamik entwickeln kann. Besonders bei Hunden, die zu den Jagdgebrauchsrassen gehören, sollte Nasenarbeit gezielt als Ersatzbeschäftigung eingesetzt werden, wenn sie nicht jagdlich geführt werden. Auch das Balancieren oder Drüberhüpfen über Baumstämme macht Spaß und schult ganz nebenbei die Körperbeherrschung. Insbesondere bei unsicheren Hunden spielen Übungen zur Motorik und Körperbeherrschung eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein. „Kreativ werden“, heißt die Devise. Gehen einem die Ideen für Such- und Spielübungen aus, liefern mittlerweile zahlreiche Bücher Nachschub an interessanten Beschäftigungsmöglichkeiten für unterwegs (Literaturliste unter www.hundeausbildung-saar.de).
Unterschiedliche Spazierwege machen den Spaziergang ebenfalls interessant, nicht nur für den Vierbeiner. Nichts ist langweiliger, als mehrmals am Tag die gleiche Strecke zu laufen.
Ein Tipp noch am Rande: Die Wahl des richtigen Motivationsmittels bzw. Spielzeuges ist wichtig für die Qualität der gemeinsamen Aktivität. Spielt ein Hund nicht mit Objekten (Bällen etc.), macht es keinen Sinn, ihn diese suchen zu lassen. Stattdessen motiviert ihn ein verstecktes Leckerli bzw. ein mit Futter gefülltes Bringsel mehr.
Gehorsamsübungen
Gezielte Gehorsamsübungen runden den Spaziergang ab. Gerade das Üben in der belebten Umwelt macht aus dem Hund einen späteren Alltagsprofi, den man überall hin mitnehmen kann. Grundkommandos wie Sitz, Platz, das Zurückkommen oder auch das Verbleiben an der Stelle können nicht unbedingt beim Spaziergang abgerufen werden, wenn sie nur in der Wohnung eingeübt werden. Hunde lernen umgebungsspezifisch. Der Spaziergang ist daher der ideale Zeitpunkt, um in kleinen Übungssequenzen den Gehorsam des Hundes zu festigen.
Der Hund wird bei diesen Übungen gerne mitarbeiten, wenn ein paar Regeln beachtet werden:
· Ziele setzen und schrittweise vorgehen bzw. die Anforderungen erhöhen. Nur das verlangen, was der Hund bereits leisten kann, Überforderung vermeiden!
· Weniger ist mehr! Einzelne Übungen sollten nicht zu oft wiederholt werden, damit sich keine Fehler einschleichen und der Hund nicht die Lust an der Übung verliert.
· Richtig Loben und ein optimales Timing sind entscheidend für den Übungserfolg. Ein paar Sekunden stehen nur zur Verfügung, um den Hund für die vorherige Aktion adäquat zu loben.
Zur Vorsicht sei noch gesagt, dass der Hund auf dem Spaziergang nicht eine Stunde „dauerbeschäftigt“ werden soll. Vielmehr werden immer mal wieder kleine, kurzweilige Übungssequenzen eingeschoben.
Vorteile von erlebnisreichen Spaziergängen
Der Hund lernt in erster Linie, dass es riesigen Spaß macht, mit seinem Menschen unterwegs zu sein und gemeinsam Aufgaben zu bewältigen. Der Hund wird ausgeglichener, da nun für eine hundgerechte Beschäftigung gesorgt wird. Die Beziehung wird intensiviert, was sich mitunter auch dadurch zeigt, dass sich der Hund nicht mehr soweit vom Zweibeiner entfernt. Warum auch, Herrchen und Frauchen bringen ab nun „Action“ ins Hundeleben.
cool-dog – Training für Mensch und Hund
Silke Schneider
Fachfrau für Hundeerziehung und –ausbildung sowie Kynotherapie
Gerhardstraße 49
66126 Saarbrücken-Altenkessel
Info-Tel.: 06898-8520381
www.hundeausbildung-saar.de
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