Neuer Trend? Wellness für Pferde

Bild von einem Pferd

Wellness für Pferde

Bildquelle: Tierheilpraktikerin Claudia Nehls

Der Trend in der Pferdehaltung geht – ebenso wie im Tourismus – zu den unterschiedlichsten Wellness-Angeboten.
Wellness – der neue Gesundheitsbegriff – was bedeutet er für unsere Pferde?
Wellness steht einerseits für Wohlbefinden, Wohlfühlen, sich „verwöhnen lassen“, Entspannung und Erholung, andererseits für Fitness, Aktivität, Spaß und ein positives Lebensgefühl.
Wellness hat das psychisch-physische Gleichgewicht zum Ziel: Seele und Körper finden Vitalisierung, Regulation, Entspannung und tragen so zu einem ganzheitlichen Gleichgewicht bei.
Nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier sind die Zusammenhänge zwischen Körper und Seele in Bezug auf Gesundheit oder Krankheit hinreichend bekannt. Ein sich rundherum wohlfühlendes und glückliches Pferd wird – bei pferdegerechter Haltung, welche Wohlbefinden beim Pferd grundsätzlich voraussetzt – bei der Ausheilung von Erkrankungen kaum Probleme zeigen, da auch der psychische Aspekt eine wichtige Rolle spielt und zur Gesundung nicht unerheblich beiträgt.
Ansprüche an Wellness bei Pferden sind zwar vom Grundgedanken her dieselben wie bei uns Menschen, doch in der Praxis sehen diese natürlich anders aus.

Fallbeispiele zur Wellness bei Pferden:

Für das Sport- und Turnierpferd nach einer anstrengenden Saison bedeutet Wellness der
24-stündige Weideaufenthalt mit der Herde ohne Leistungsdruck des Menschen. Ansprüche an Wellness heißen hier Entspannung, Erholung, freie Bewegungsmöglichkeiten und ein „normaler“ Pferdealltag: Das Herumtollen mit anderen Pferden, das Leben in der Herde – der Familie der Pferde – und die Möglichkeit zur ständigen freien Bewegung, für die im Alltag wenig Zeit, Platz und Raum ist. Ein wenig komfortabel sollte es schon sein: Weitreichende Weideflächen, die Möglichkeit, sich in einen qualitätsvoll eingestreuten Offenstall zurückzuziehen, zusätzliches Rauhfutterangebot und auch auf die Streicheleinheiten des Menschen muss nicht verzichtet werden. Bei steigenden Außentemperaturen geniest das gestresste Pferd ein Fußbad im kühlen Bach, das vorsichtige Abspritzen der Extremitäten und bei persönlicher Vorliebe weitere Angebote der Hydrotherapie. Auch der ausreichende Schutz vor Ektoparasiten gehört bei Pferden zum unbeschwerten Weideaufenthalt, im weitesten Sinne zur Wellness.
Wohltuende Ergänzungen sind Reiki und Massagen zur Lockerung der Muskulatur.
Abergerundet wird das Angebot durch verschiedene Maßnahmen zur Erhaltung von Kondition und Fitness. Im Fall des Entspannung suchenden Turnierpferdes würden kleine Tricks große Wirkung zeigen, so tragen weite Wege zum Trinkwasser wie auch zum Stall dafür Sorge, dass natürliche Bewegung zwingend erforderlich wird. Ergänzend kann – je nach Einzelfall – auch Bewegungstherapie und Konditionstraining zur Anwendung kommen.

Das Wellnessangebot für Pferde mit Atemwegserkrankungen enthält zusätzlich verschiedene Aromatherapien mit ätherischen Ölen, Inhalationen, lange Spaziergänge im Schritt und frischer Luft sowie spezielle Kräutermischungen zur Verflüssigung von Sekreten und Erleichterung des Abhustens. Das Klima des Erholungsortes für Pferde mit Atemwegserkrankungen sollte möglichst rau mit viel Wind sein. Besonders geeignet sind Bergweiden über 500 m und Küstenregionen.
Hier fühlt sich auch das Pferd mit Sommerekzem wohl!

Wellness Angebote für Pferde mit Hauterkrankungen wie zum Beispiel dem Sommerekzem beinhalten verschiedene lokale Anwendungen der erkrankten Hautbezirke, welche den Juckreiz nehmen und angegriffene Haut pflegen und entspannen.

Wellness für Pferde mit Erkrankungen des Bewegungsapparates sollte individuell nach Erkrankungsbild durchgeführt werden und kann daher nicht allgemein beantwortet werden. Wohlbefinden kann bei Erkrankungen des Bewegungsapparates gefördert werden durch verschiedene lokale Anwendungen. Bei Sehnenschäden haben sich beispielsweise kampfer- und jodhaltige Salben bewährt. Auch Wickel und Auflagen, je nach Indikation kalt oder warm, tragen zum Wohlbefinden bei.

Wellness für Pferde bedeutet: Seele, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen.
Der Aspekt der Ganzheitlichkeit wird gewahrt. Ganzheitlichkeit bedeutet, das Pferd in seiner Gesamtheit zu erfassen. So ist Wellness das Zusammenspiel von pferdegerechter Haltung und Fütterung, verschiedenen lokalen Anwendungen zur Vitalisierung und Entspannung, Fitness, psychischer Aspekte, Abwechslung, pferdegerechtem Umgang, das Erfassen, Umsetzen und Einfühlen in das individuelle Pferd (ein Jungpferd hat andere Ansprüche an Wellness als der Senior) und die Gabe Wohlbefinden, Glücklichsein, Zufriedenheit und ein positives Lebensgefühl - was nicht uns Menschen vorbehalten bleibt - im individuellen und speziellen Pferd zu erzeugen!

Wellness für Pferde kann verschiedene Anwendungen wie Solarium, Aqua-Trainer, Schwimmbad, Sauna, Laufband, Führmaschine, Bewegungstherapie und Hydrotherapie beinhalten.

Naturheilkundliche Therapien ergänzen das Angebot. Denkbar wären Lymphdrainage, Magnetfeld-Therapie, Massagen, Akupressur, APM, Homöopathie, Phytotherapie und Ausleitungsverfahren. Diese Therapien sollten jedoch dem Fachkundigen vorbehalten bleiben, um Positives zu bewirken, nicht Negatives zu verstärken.

Wellness für Pferde

Bildquelle: Tierheilpraktikerin Claudia Nehls

Wellness für Pferde ist grundsätzlich auf das betroffene Pferd abzustimmen und nicht jede Maßnahme kann auf jedes Pferd anwendbar sein. So stellt die Hydrotherapie für das „wasserliebende“ Pferd Wellness pur, für das sich vor Wasser fürchtende Pferd Stress, Panik und Unwohlsein dar.

Unterschiede zum Kur- und Erholungsurlaub für Pferde bestehen insoweit, das bei dieser Form der Fremdunterbringung ausschließlich Wohlbefinden, Ruhe, Erholung und Entspannung geboten wird. Auf Fitness in Form von Bewegungstherapien und Maßnahmen zur Konditionierung sowie Vitalisierung des Körpers wird weitgehend verzichtet. Prioritäten setzen der Wechsel der gewohnten Umgebung und im besten Fall optimale Bedingungen einer pferdegerechten Haltung, die in der gewohnten Umgebung selten geboten werden können.
Gründe, sein Pferd in Kur- und Erholungsurlaub zu geben, gibt es zahlreiche, zum Beispiel:

- Zur Zeit bestehen reiterliche oder im Umgang zu findende Probleme mit dem eigenen Pferd, man hat den Eindruck, man benötige ein wenig Abstand, um die vorhandenen Schwierigkeiten besser bewältigen zu können.
- Der Pferdehalter hat – aus verschiedenen Gründen – den Eindruck, ein Wechsel der Umgebung würde seinem Pferd gut tun.
- Der Pferdehalter fährt in Urlaub und möchte sein Pferd in dieser Zeit bestens versorgt und betreut wissen.
- Krankheits- oder Abwesenheitsgründe des Pferdehalters sind Faktoren für eine vorübergehende Fremdunterbringung des Pferdes.
- Eine anstrengende Turniersaison benötigt das „Auftanken“ neuer Kräfte.
- Das Pferd zeigt nach längerer Krankheits- und Rehabilitationsphase Probleme bei der Genesung.
- Die Ausheilung einer Erkrankung wird durch die am Stall praktizierte Haltung erschwert.

Auch die Rehabilitation von Rekonvaleszenten ist manchmal in der gewohnten Umgebung schwierig zu praktizieren. Manchmal fehlt das erforderliche Maß an Zeit und Aufwand, welches zwingend für die Genesung erforderlich ist, Beruf und Familie fordern ihr Tribut und die Zeit für das Pferd ist begrenzt. Aspekte für eine Fremdunterbringung bei Erkrankung bzw. zur Genesung sind Hilflosigkeit in Bezug auf die vorhandene Erkrankung, Überforderung und Zeitdefizite des Pferdehalters sowie nicht optimale Haltungsbedingungen am Standort des Pferdes. Eine sinnvolle Alternative für Pferd und Pferdehalter ist die Unterbringung in einem Rehabilitationszentrum oder eine stationäre Aufnahme des Pferdes. Es fällt oft schwer, das geliebte Pferd „wegzugeben“; eine Fremdunterbringung unter optimalen Bedingungen bietet jedoch die Chance zur Ausheilung und Gesundung mit fachkundiger Hilfe.
Genesungsfördernde Therapien und bestmögliche Bedingungen sind von unschätzbarem Wert für den Heilungserfolg.

Wellness-Angebote, Kur- und Erholungsurlaub für Pferde, Rehabilitation für Rekonvaleszenten und nicht zuletzt die stationäre Aufnahme erkrankter Pferde stellt nicht nur einen „neuen Trend“ dar, sondern ebnet sinnvolle Wege, eine Chance und einen Neuanfang für Pferd und Pferdehalter!


Textquelle:

Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Tierheilkundezentrum
Am Buchholz 3, 33014 Bad Driburg
Tel.: 05648/963335, Fax: 05648/963334, Handy: 0173/51 57 633
E-Mail: mailto:tierheilpraxis1@t-online.de, Internet: www. tierheilkundezentrum.de
Steuernummer 326/5967/1172
UST-ID-Nr. DE 814483972

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