Gesunde Fohlenaufzucht

Pferdeherde

Eine Pferdeherde

Bildquelle: Tierheilpraktikerin Claudia Nehls

Die Anlagen für die Gesundheit des Fohlens, seine Vollkommenheit als lebenstüchtiges und lebendiges Geschöpf werden bestimmt durch Auswahl der Zucht. In den Genen der Eltern liegt die Quintessenz aus Millionen von Jahren Selektion auf diese Lebenstüchtigkeit. Unsere Verantwortung dem neuen Leben gegenüber beginnt bereits bei der wohl zu überlegenden Frage, welche Elterntiere wir für die Zucht auswählen. Zwingende Kriterien, um einem Fohlen das Leben zu schenken, an dem wir unser Leben lang Freude haben, sind gleichermaßen physische wie auch psychische Faktoren. Die Elterntiere und ihre Vorfahren sollten optimalerweise eine einwandfreie physische und psychische Gesundheit mitbringen, um dem Neugeborenen beste Voraussetzungen mit auf den Weg geben zu können. So sollte grundsätzlich mit Elterntieren nicht gezüchtet werden, wenn diese oder ihre Vorfahren erblich bedingte oder auch nur in Verdacht stehende zu vererbende Erkrankungen aufweisen.
Haben wir diese erste Hürde einer verantwortungsbewussten Zuchtauswahl genommen, steht der Geburt eines lebenstüchtigen und gesunden Fohlens bei pferdegerechter Haltung und Fütterung der Mutterstute nichts mehr im Wege.
Die beste Prophylaxe späterer Erkrankungen unseres Reitpferdes ist nunmehr eine optimale Haltung und Fütterung unseres Fohlens sowie Beachtung der sozialen Bedürfnisse, ein liebevoller, pferdegerechter Umgang sowie eine Erziehung, die dem jeweiligen Alter des Fohlens angemessen ist.
In einer optimalen Haltung unterscheidet sich unser Fohlen in keiner Weise von erwachsenen Pferden, die Bedürfnisse sind die gleichen.
Ein Fohlen benötigt wie Pferde aller Altersstufen – bis zum Senior – Licht, Luft und Bewegung. So kann eine fohlengerechte Haltung ausschließlich in Offenstallhaltung mit weitläufigen Weideflächen ganzjährig und 24-stündig praktiziert werden. Kompromisse kann es hier nicht geben!
Die Weideflächen sollten extensiv bewirtschaftet werden, was eine künstliche Düngung (Stickstoff u. a.) ausschließt. Durch naturbelassene Weideflächen und eine Düngung mit kompostiertem Mist erreichen wir kargere Weidebedingungen, die der Steppenvergangenheit unserer Pferde entsprechen sowie geringere Protein- und Energiewerte des Grases, welche sich positiv auf die Pferdegesundheit auswirken.
Durch die ständige, langsame und freie Bewegung bei der Futteraufnahme laufen die Stoffwechselvorgänge in den Wachstumsfugen der Fohlen optimal ab. Gewichtszunahme und Skelettwachstum der Fohlen stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, Herz, Lunge und Kreislaufsystem werden sich optimal entwickeln, eine gute Durchblutung sorgt für eine gesunde Entwicklung. Wechselnde Temperatur und Wetterbedingungen härten unser Fohlen ab, stärken die Abwehr und das Immunsystem und lassen unser Fohlen kerngesund aufwachsen.
Zur extensiven Weidebewirtschaftung gehört neben dem Verzicht auf chemische Dünge- und Unkrautbekämpfungsmittel, den Pestiziden, eine großzügige Bemessung der Weideflächen. Der Bedarf an Weide für ein Fohlen sollte mindestens bei 0,5 Hektar liegen, wenn möglich mehr.
Es versteht sich von selbst, dass Weideflächen – erst recht für unbedarfte und unerfahrene Pferdekinder – pferdesicher eingezäunt werden. Zur Auswahl stehen hier Holz, Kunststoff oder Elektrozaun bzw. eine Kombination der verschiedenen Materialien.
Können wir unserem Fohlen diese Bedingungen zur gesunden Aufzucht nicht ermöglichen, so sollten wir entweder auf das Pferdekind verzichten oder im Vorfeld eine geeignete Aufzuchtstelle suchen und finden!
Ein Problem der heutigen Pferdehaltung stellt meines Erachtens dar, dass uns Pferdehaltern ständig suggeriert wird, ein Fohlen hätte während des Wachstums einen enorm hohen Bedarf an Protein und Mineralstoffen/Spurenelementen. Um diesen Bedarf zu decken, sei es erforderlich, spezielle Futtermittel für Fohlen, wie beispielsweise Fohlenstarter sowie synthetische Mineralstoffergänzungsfuttermittel zu füttern.
Meiner Erfahrung nach sind genau diese Empfehlungen die Ursache bzw. Mitursache späterer Erkrankungen unseres ausgewachsenen Pferdes:
Natürlich hat ein Pferdekind im Wachstum höhere Ansprüche an die Futtermittelwahl, wie beispielsweise ein Pony im besten Alter. Jedoch wird selbst dieser höhere Bedarf durch eine verantwortungsvolle und – somit – naturbelassene Fütterung optimal gedeckt, und zwar in der Weise, dass keine Überschüsse an im Übermaß zugeführten Nährstoffen entstehen, welche dann durch den Abbau in den Entgiftungsorganen Leber und Nieren diese stark belasten bzw. überlasten und schwere Schäden anrichten können.
Eine ganzjährige Weidehaltung unseres heranwachsenden Fohlens, die Fütterung naturbelassener Kräutermischungen (bei Fragen hierzu rufen Sie mich bitte an) für einen ausgewogenen Mineralstoff- und Spurenelementhaushalt sowie zur Deckung von Vitaminen, eine Rauhfutterfütterung ad libidum, die Fütterung von Saftfutter sowie während des Winters die wohl dosierte – nicht übermäßige - Fütterung von Walzhafer, einer naturbelassenen Getreidemischung oder eines natürlichen Müslis sind die richtige Ernährung für unser Fohlen. In Verbindung mit Heucobs und/oder eingeweichten Melasseschnitzeln stellen wir eine ausgewogene und optimal zu verstoffwechselnde Ernährung unseres Pferdekindes bis zum Erwachsenwerden sicher.
Zwingend zu beachten auch bei Fohlen sind die Verhältnisse Calzium : Phosphor (ca. 2 : 1) sowie Energie : Protein (ca. 1 : 5). Werden hier annähernd die optimalen oben genannten Verhältnisse beachtet, so treten denkbar weniger schädliche Wirkungen auf, als beispielsweise bei einem Proteinüberangebot und ungünstigem Energie zu Protein Verhältnis.
Leider meinen wir heute ständig, den Pferden allgemein, und erst recht unserem heranwachsenden Pferd zu wenig Nährstoffe bereitzustellen. Hieraus ergibt sich die Problematik, dass viel zu viele Nährstoffe zugeführt werden und statt den gefürchteten Mangelerkrankungen Erkrankungen aus Überschüssen die Regel sind. So öffnen wir durch eine zu hohe Proteinzufuhr unseres Fohlens späteren Erkrankungen, wie dem Sommerekzem, Hufrehe und Störungen der Funktionalität des Bewegungsapparates Tür und Tor. Auch Fehlstellungen werden begünstigt durch ein Zuviel an Nährstoffen, heute seltener durch ein Zuwenig dieser.
Ein weiterer wesentlicher Faktor zur Gesunderhaltung unseres Pferdekindes sind regelmäßige Entwurmungen. Unser Fohlen muss aufgrund des noch nicht voll entwickelten Immunsystems und dem damit einhergehenden stärkeren Wurmbefall sehr viel öfter entwurmt werden wie das erwachsende Pferd. Der Wirkstoff Ivermectin hat sich bei Pferden als gut verträglich und wirksam erwiesen.
Zur Gesundheitsvorsorge gehört weiterhin eine fachgerechte Hufpflege und Hufkorrektur: Fehlstellungen beim heranwachsenden Pferd lassen sich oft noch korrigieren, beim ausgewachsenen Pferd geht dies nicht mehr!
Last but not least: Sozialkontakte im Optimalfall mit mehreren Fohlen sowie erwachsenen Pferden sollten selbstverständlich sein, ebenso wie eine pferdegerechte und altersentsprechende Erziehung und einem liebevollen Umgang. Ein Fohlen benötigt sehr viel Geduld und Zuwendung, um all dies zu lernen, was ein erwachsenes Pferd bereits beherrscht. Ungeduld und Härte gehören deshalb ebenso wenig zur Fohlenerziehung, wie Inkonsequenz und Unbeherrschtheit!
Unser Fohlen muss erst Vertrauen zu seinem Menschen wie überhaupt zu Menschen aufbauen, was vom Menschen Einfühlungsvermögen und Verständnis voraussetzt, statt barscher Worte und Perfektionismus.
Schließlich kommen unsere Kinder auch nicht als Erwachsene zur Welt, oder?
Für weitere Fragen, insbesondere zur Fütterung und einer optimalen Fohlenaufzucht, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung:
Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde, THP C. Nehls, Tel.: 05648/963335,
Fax: 05648/963334, Internet: www.ganzheitliche-tierheilkunde.de,
E-Mail: tierheilpraxis1@t-online.de


Textquelle:

Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Tierheilkundezentrum
Am Buchholz 3, 33014 Bad Driburg
Tel.: 05648/963335, Fax: 05648/963334, Handy: 0173/51 57 633
E-Mail: mailto:tierheilpraxis1@t-online.de, Internet: www. tierheilkundezentrum.de
Steuernummer 326/5967/1172
UST-ID-Nr. DE 814483972

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